Gene Roddenberry III: Visionär & Heiliger

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Happy Birthday, Gene! Heute wäre der Erfinder von Star Trek 100 Jahre alt geworden, also stoßen wir kräftig auf ihn an. Im Finale unserer Roddenberry-Trilogie ergründen wir anhand von Zitaten, welche visionäre Strahlkraft von ihm ausging – und fragen uns, was all das für die heutige Welt bedeutet. Als Visionär wird man schnell zur Galionsfigur und dann ist es nicht mehr weit bis zum Propheten einer Ideologie. Wo ist Gene da zu verorten? Als Bonus schauen wir eine eher unheilige Roddenberry-Produktion: Den okkulten Pilotfilm Spectre von 1977.

Die restlichen Teile unserer Trilogie…
Gene Roddenberry I: Flieger & Rebell
Gene Roddenberry II: Guru & Schwerenöter

Dieser Beitrag hat 23 Kommentare

  1. Emma

    Stammen Roddenberrys Zitate (die mit der teuren Botschaft) aus der gleichen Quelle? Das wäre dann eine lohnenswerte Anschaffung…

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  2. Torq

    Hallo Jungs!

    Ich laufe nicht ganz rund mit Eurer Zweiteilung zwischen „progressiv“ und „konservativ“. Aber im Ergebnis geht es nicht darum.

    Ich möchte Euch für diesen Dreiteiler danken. Für all die Arbeit, die Ihr in die Recherche gesteckt habt. Das war außerordentlich.

    Ich bin heute morgen quasi hysterisch aufgewacht und konnte sagen: Welt, fass mir an den Arsch. Ich fahre zur Arbeit und höre Teil Drei zu einer unerhörten Person.

    Ich teile vielfach nicht Eure Meinung, – aber Eure Meinung höre ich mir trotzdem immer gerne an.

    Ich möchte mich besonders bei diesem kulturellen Dreiteiler dafür bedanken, dass Ihr eine Lanze für die Wissenschaft gebrochen habt. Das war an einem Donnerstag-Morgen Balsam auf der Seele.

    Genauso wie Sebastian hoffe ich, dass wir noch die Mars-Landung (in Dortmund) miterleben werden.

    Danke.

    Und:

    Für Vieles. Das erzähle ich dann aber im kleinen Kreis – sofern Ihr mich nicht als „Konservativen“ vorher umhaut🙃.

    Haut rein Jungs!

    Zehn unten!

    – Euer Torq

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  3. Meikel Börnhäm

    Schönes Finale zu einer interessanten Reihe! Danke für den etwas anderen Blick auf Roddenberrys Vita und all die Recherchearbeit, die hier reingeflossen ist – und für all die unangenehmen Bücher und Filme, die Ihr deswegen gucken und lesen musstet 😉

    Heute Mittag kam die Nachricht rum, dass Roddenberrys Leben verfilmt werden soll -> https://www.spiegel.de/kultur/kino/star-trek-schoepfer-gene-roddenberry-bekommt-ein-biopic-a-86faf6df-90ec-4caf-b4e1-87804024c175
    Wer sollte Eurer Meinung nach in dem Film die Hauptrollen und Regie übernehmen?

    1. Sören

      Viel spannender als die Schauspieler finde ich, wer schreibt das Drehbuch und wie legt man so einen Film an. Wie wir ja schon gehört haben, ist das Leben ja voll mit „Highlights“, so dass man sicherlich keine Kompletterzählung macht (120 min wären anhand der vielen Ereignisse zu kurz), sondern man pickt sich was raus.
      Ich finde ja den BioPic zu Steve Jobs von 2015 gut gelungen: Der Film zeigt Ereignisse hinter den Bühnen bei drei großen Produktpräsentationen: die des Macintosh 1984, die von NeXT 1988 und die des iMac 1998. Dabei stehen nicht die vorgestellten Produkte im Vordergrund, sondern es wird vielmehr ein Querschnitt durch das Leben des Steve Jobs mit all seinen inneren und äußeren Konflikten geboten.
      In so einer Art fände ich auch einen Roddenberry Film spannend. Wobei ich nicht glaube, dass man Aaron Sorkin gewinnen könnte das Drehbuch zu schreiben 😉

  4. Mister Incredible

    Moin zusammen,

    „Unglaublich, nun also doch!“ dachte ich beim Emtdecken des Spiegel-Artikels. Biographien sind sicher tendenziell schwierig, schätze ich, wenn ein Name keinen globalen Klang besitzt. Was bei Gandhi gelang, der Queen oder Alfred Hitchcock, kann das mit Roddenberry auch klappen? Kennen alle, die gern Star Trek oder „Raumschiff Enterprise“ guckten, diesen Namen? Ich bin mir nicht sicher.

    Zweiter Gedanke: „ach, Cruise, Pitt, Hanks, eine von Hollywoods Universalwaffen wird es machen.“ Aber eventuell zu teuer, oder? Als Majel Barrett kann doch nur Meryl Streep in Frage kommen. Wer Foster-Jenkins oder Julia Child kann, die kann auch Lwaxana! Aber mit einem Darsteller ist es ja nicht getan. Will man ein ganzes Leben verfilmen, braucht es drei oder vier, oder man muss mit Alterungsschminken was reißen, auch wenn das heute weit weniger plastikhaft aussieht als in den 1980ern. Und bei Roddenberry muss es wohl, wenn man die Kindheit ausblendet, vom 20. bis zum 70. Lebensjahr gehen.

    Einen Filmtitel zu finden, der Hardcore-Fans anspricht, weil er was in ihnen zum Klingen bringt, und die man an Kinokassen (als BluRay-Käufer) brauchen wird, aber auch das weniger euphorische Normalpublikum erreicht, ist schwierig. Und dann ist es ja immer die Frage: kann man deutschem Publikum den englischen Titel zumuten oder nicht? Im Original wäre eingängig: „These are the Voyages“, denn eine Reise war Roddenberrys Leben wohl sicher. Oder wie wäre „Engage!“ Oder „Half Impulse!“ Was verbindet aber deutsches Publikum spontan mit Star Trek außer „beam me up!“, was ja auch eher mehr Legende als echtes Zitat ist.

    Ohne die deutliche Erkennbarkeit der USS Enterprise als „Quasi-Hauptdarstellerin“ wird es außerhalb der USA schwierig, denke ich. Ich rechne auf Deutsch eher mit einer Platitüde z.B. „Raumschiff Enterprise – wie alles begann“.

    Star Trek Fans möchten natürlich nicht nur mit Einzelheiten und Schlüpfrigem aus Roddenberrys Leben gefüttert werden, sondern auch an „Dreharbeiten“ Teil nehmen, wollen die Macher der Ersten Stunde bei der Arbeit sehen, Zimmerman oder Jefferies, Sets müssen nachgebaut oder per CGI generiert werden, aber bitte detailversessen, denn echte Fans verzeihen keine Fehler. Drehbuch und Regie, das sollten schon echte Star Trek Kenner machen.

    Roddenberrys bewegte Fliegerkarriere, die Absturzsaga über Syrien, das bietet natürlich Stoff für echte Action. Hollywood kann ja Explosionen super… Drama, Intrige, Sex und Konflikt stecken später sowieso drin. Es bleibt spannend, ob das Projekt so durchgezogen wird und am Ende auch gelingt. An der Figur Maizlish werden sie nicht vorbeikommen. Wer mag geeignet sein, diesen Unsympathen zu spielen?

    Die Nachzeichnung des Lebens unseres „Great Bird of the Galaxy“ in Eurem Podcast hat mir übrigens vorzüglich gemundet. Oder „geohrt“. Den dritten Teil hab ich mir für dieses Wochenende noch aufgespart. Wie bei der leckersten Praline in der Schachtel.

  5. appiller

    Ha ha, – Spectre, trägt deutlich Roddenberry ‚ s Stempel!
    Sogar ein Gorn kommt am Schluß vor. 😀

  6. Christian

    Hab gestern in den USA angerufen und darauf bestanden, eine Biografie von Roddenberry zu erstellen.
    Viel Spaß!

  7. Ingo

    Mir ist gerade mal wieder bewusst geworden, wie sehr meine Sicht auf die (ferne) Zukunft von Star Trek beeinflusst ist. Wenn sich das Thema „ferne Zukunft“ oder die Menschheit „nach uns“ in irgendwelchen Gesprächen ergibt, heißt es sehr oft: „Dann gibt es längst keine Menschen mehr, da haben wir uns selbst zerstört.“. Ich zucke dann innerlich zusammen, weil ich immer noch den Grundimpuls in mir habe: In 200 Jahren spätestens ist alles tutti. Wenn ich danach rational über den Zustand der heutigen Welt nachdenke, kann ich mir aber kaum vorstellen, dass Roddenberrys Vision irgendwie wahr werden könnte. Der Mensch (ich nehme mich da nicht aus) ist einfach nicht so gestrickt, dass er seine eigenen Bedürfnisse für ein großes Ganzes zurückstellen kann. Das sehen wir beim Klimawandel, bei Corona, bei der Verteilung der weltweiten Ressourcen und bei vielen anderen Themen. Was soll einen so großen Einfluss auf die Menschheit haben, dass sie sich grundlegend ändern könnte? In Star Trek ist es der Dritte Weltkrieg (und der später folgende erste Kontakt), der für eine Zäsur sorgt. Aber führt eine solche globale Katastrophe wirklich zu etwas Gutem oder wäre sie nicht eher das Ende der Zivilisation? Wäre übrigens mal eine spannende Film- oder Serienidee: Die Jahre direkt nach First Contact, die ersten zarten Entwicklungen Richtung Star Trek Gesellschaft. Die ersten Warpflüge in die stellare Nachbarschaft bei gleichzeitigem Ringen um eine bessere Zukunft gegen all die Kräfte, die die schöne neue Welt nicht wollen. „Enterprise“ bietet mir zu wenig davon.

    Ich bin auch immer davon ausgegangen, dass wir früher oder später mal zu den Sternen fliegen, allerdings deutlich später als in Star Trek. Wenn man sich allerdings die wahnsinnigen Distanzen bewusst macht, muss man sich fragen, ob das jemals passieren wird. In der ARTE-Doku „Leben im All“ wurde deutlich gemacht, dass interstellare Reisen bereits heute möglich wären, die Technologien sind in der Theorie bereits vorhanden. Der Aufwand für nur eine unbemannte Reise zum Stern nebenan wäre bereits so enorm, dass es ein Projekt epischen Ausmaßes für die ganze Menschheit wäre. Kann die Menschheit als Ganzes handeln, vielleicht nur zum Nutzen künftiger Generationen? Siehe oben… ich fürchte nicht. Obwohl ich das so gern glauben würde. Roddenberrys Vision „Star Trek“ ist ein schöner, tröstlicher Gedanke, auch eine Inspiration. Aber wohl leider nicht realistisch.

    1. Mister Incredible

      Hallo,

      Die Skepsis ist gerechtfertigt, denke ich. Im Gegensatz zu uns vergänglichen Wesen haben das Universum, die Materie, die gravitativen Einflüsse etc. Millionen und Milliarden Jahre Zeit sich zu entwickeln. Winzige vergängliche Kohlenstoffeinheiten auf einem habitablen Planeten sind Gefangene auf selbigem, wie alle anderen lebenden Organismen auf allen anderen habitablen Planeten und der einzige Hoffnungsschimmer eines Austauschs besteht lediglich auf dem Wege der Radiowellen. Und selbst hier kann die Grenze der Lichtgeschwindigkeit unsere Lebensspanne arg strapazieren oder überfordern. Ist es nicht eine geradezu dystopische Vorstellung, auf einem riesigen Generationenraumschiff geboren zu werden mit der Gewissheit, auch dort sterben zu müssen (und womöglich soilent-green-mäßig in Nahrung verwandelt zu werden), ohne jemals einen echten Wald, eine Küste, ein Gebirge betreten oder richtigen Regen, Schnee, Wind gespürt zu haben? Ist das lebenswert? Vermisst man da was, wenn man es nichts anders kennt als draußen nur lebensfeindliche Schwärze?

      In letzter Zeit ist viel von kognitiver Dissonanz die Rede. Dem Handeln, welches dem Wissen zuwider läuft. Der Raucher weiß, dass das Rauchen ihn tötet, raucht aber weiter. Wir alle wissen, was zu tun wäre, um die Klima- und Ökologiekatastrophe abzuwenden, fahren aber weiter SUV, fliegen, konsumierem Klamotten und Elektronik, führen Krieg, plastifizieren den Planeten, rotten Arten aus, überfischen Meere, fördern Öl, Kohle, Gas.

      Diese kognitive Dissonanz, gepaart mit der unbegreiflichen zeitlichen Ferne, die in der Konsequenz unseres heutigen Handelns liegt, werden nach meiner pessimistischen Überzeugung dazu führen, dass wir den auf uns zu rasenden „Ecologic Bottleneck“ nicht durchschlüpfen werden. Die Selbstauslöschung einer hochtechnisierten Zivilisation eben durch ihr planetar invasives Handeln, weit vor dem Erreichen interstellarer Möglichkeiten, wird von vielen Astronomen als Grund dafür betrachtet, warum „sie“ nicht hier sind und First Contact nicht Statt findet. So wie die Erfindung von Göttern durch eine Spezies, die Bewusstsein erlangte, ist vielleicht auch deren Selbstauslöschung durch mangelnde Einsicht zwangsläufig und schicksalhaft. Wir meinen, vernünftig und logisch zu handeln, müssen aber einsehen, dass wir emotional gesteuert und sogar so unvernünftig handeln, dass es existenzgefährdend ist. Wenn wir dieses so akzeptieren wollen, dann aber bitte in aller Konsequenz und ohne utopische Träumereien vom Umzug zu Exoplaneten, welche ebenfalls mehr auf Hoffnung denn auf Fakten fußen.

      Harald Lesch gibt auf „Terra X Lesch“ Antworten zu interstellaren Reisen, auch der HR Podcast „Weltraum-Wagner“ in der Folge „Wie reisen wir zu den anderen Sternen?“, in welcher sich Comoderator Oliver Günther zu der fatalistischen Aussage „gar nicht“ hinreißen lässt…

  8. Kleiner Bruder

    Es gibt da ein Zitat, das Einstein zugeschrieben wird: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg geführt werden wird, aber im vierten wird man mit Stöcken und Steinen kämpfen.“

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  9. Kleiner Bruder

    Und noch ein Zitat: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ (zugeschrieben u.A. Helmut Schmidt).
    Gibt es eine gesellschaftliche „Evolution“? Nun, es hat gewisse gesellschaftliche Entwicklungen gegeben, aber auch nicht überall. Wir hier in Deutschland z.B. haben mehr Freiheiten als früher, was man sagen und zeigen darf. Dafür kann und darf sich aber auch jeder Verrückte und jeder Betrüger öffentlich äußern. In anderen Ländern müssen die Menschen aufpassen, was sie sagen, um nicht ins Straflager zu kommen.
    Auch technisch: In einigen Ländern kann man beheizte Klodeckel kaufen, anderswo gibt es nicht einmal fließend Wasser.
    Statt „Visionär“ könnte man mindestens genauso gut „Träumer“ sagen. Was angesichts der Realität natürlich völlig verständlich ist.
    Ob die Menschheit sich jemals zusammenreißen wird? Kürzlich sagte eine Bekannte einen wahren Satz: „Um die Probleme der Welt zu lösen müssten alle an einem Strang ziehen, und danach sieht es nicht aus“. Aber selbst wenn die Regierungen der Welt plötzlich sagen würden: „Wir haben uns geeinigt, ab morgen ist Weltfrieden – und die Meere machen wir auch sauber“, ich würde es nicht glauben.
    Und „Heiliger“? Den „Guru“ hattet ihr ja schon… Die „Kirche des heiligen Roddenberry“ ist heute ja schon in fast so viele Sekten aufgespalten wie andere Religionen. Und, ja, ich glaube auch, dass sich die „Botschaft“ der neueren Serien und Filme von jener der „alten“ Serien unterscheidet. Eine interessante Parallele, wie ich finde. Denn genauso wie es nicht möglich wäre, die TOS- Serie zu rekonstruieren, wenn man nur STD oder PIC kennt, so kann man z.B. das Urchristentum nicht erkennen, wenn man sich nur die heutigen Kirchen anschaut.
    Ein Biopic kann ich mir auch kaum vorstellen, da hat Mister Incredible schon einiges gesagt. Das, was sein Leben für die meisten Menschen interessant macht, ist ja „nur“ Star Trek, danach war es eher ein ständiges auf und ab. Wenn es realisiert wird, dann wohl eher als Fernsehfilm.

  10. Michael from Outer Space

    Hallo Simon, Hallo Sebastian!

    Vielen herzlichen Dank für dieses dreiteilige Special zum Großen Vogel der Galaxis und für eure klare Aussage zum Thema „Wissenschaft ist keine Meinung“! 👍👍👍😘 Ihr seid die besten! 😉

    LL&P
    Michael from Outer Space

  11. Don

    Eine Verständnisfrage hätte ich da (wahrscheinlich hab ich nur nicht richtig zugehört):
    Was genau machte jetzt dieses „Spectre“ so ungewöhnlich für Roddenberrys Œuvre, zum Solitär?

    Und btw:
    War nicht auch „The Lieutenant“ eine erfolgreiche Serie? Dann war Gene doch gar nicht so ein One-Hit-Wonder.

    1. Mister Incredible

      Moin zusammen,

      Es war eine wunderbare Reise durch das Leben des Gene Roddenberry, auch wenn dieses natürlich nur angerissen werden konnte und auf dem basieren kann, was an Quellen verfügbar ist. Was für ein bewegtes Leben! Die 70 Jahre hat er wahrlich ausgekostet! Danke für diese aufschlussreiche Miniserie!

      Das mit den vielfältigen beruflichen Inspirationen durch Star Trek schoss mir auch sofort durch den Kopf. Die Nasa hat ja schon zur Inbetriebnahme ihrer Space Shuttles Star Trek intensiv involviert durch die Taufe der „Enterprise“ bei Anwesenheit der TOS Crew. Später arbeitete Nichelle Nichols bei der Nasa Personalauswahl und rekrutierte die erste Astronautin. What an impact!

      In Bezug auf einen fast kindlichen Zukunftsoptimismus bin ich auch eher skeptisch. Die erwähnte Weiterentwicklung unserer Gesellschaft fand nicht in allen Teilen der Welt statt. Wir können uns keinen CSD in Moskau oder Uganda vorstellen aus bekannten Gründen. Schauen wir uns an, was in Polen und Ungarn Statt findet, dann wird uns bewusst, dass wir „im Westen“ in einer ziemlich glücklichen Ausnahmelage sind, Diversität leben und ausleben zu können. Und das auch nicht unbegrenzt, denn vor nicht allzu langer Zeit starb jemand in Dresden, weil jemandem dessen Diversität nicht gefiel.

      Zu fremden Sternen und Exoplaneten reisen… man kann angesichts der unvorstellbaren Entfernungen und schier aberwitzigen technischen Herausforderungen nur sehr pessimistisch sein, wenn wir realistisch bleiben wollen. Wir dürfen nicht vergessen, warum es den Warp Drive gibt: damit eine Serie nicht nur aus jahrzehntelangen Reisen durchs Nichts besteht, sondern dass Action und Begegnung abgehen, was nur gelingt, wenn man mit Trick 17 die Reisezeiten verkürzt, und dann wird eben mal mit 950facher Lichtgeschwindigkeit geflogen, wohl wissend, dass dieses niemals realisierbar sein wird. Subspace Communication, Beamen, allein dramaturgische und Budgetgründe liegen hier zugrunde. Ich sehe da auch eine Gefahr, wenn Science Fiction irgendwann zu realitätsnah erscheint. Zur Zeit mag es auch an einer um sich greifenden „Verblödung“ liegen, oder nennen wir es Bildungsmangel oder auch Aberglaube bis hin zu Verschwörungsspinnerei, dass viele Zeitgenossen jenseits aller wissenschaftlicher Erkenntnisse Filmphantasien für real umsetzbar halten. In Jugendforen wird immer wieder erkennbar, dass Vampire, Werwölfe, Zombies, aber auch Weltraumschlachten wie in Star Wars für möglich gehalten werden. Wahrscheinlich auch mit knallenden Explosionen im Vakuum…

      Trekkies wissen natürlich, dass sich die Philosophien Roddenberrys auf uns Menschen auf dieser Erde beziehen und dass die gezeigten Weltraumabenteuer parabelhaft für irdische Konflikte stehen. Alle sollten sich dafür hüten anzunehmen, dass man sich nicht um den Erhalt einer gesunden lebenden Erde kümmern müsse, weil wir ja im Handumdrehen flott auf einen neuen Exoplaneten umziehen könnten, wenn wir die Originalheimat versaut haben.

      Hier sehe ich noch reichlich zu beackerndes Spielfeld für neue Science Fiction, uns wieder auf den Boden der Realität und des machbaren zurückzuholen. „Interstellar“ hat es probiert, aber die Vision war mich nicht konkret genug, was es bedeuten könnte, wenn wir Planeten Terra versauen und Lebensgrundlagen zerstören. Wenn wir inzwischen mediale Inhalte benötigen um Zukunftsperspektiven zu sehen, dann bitte sehr: liebe Autoren, spitzt die Bleistifte (oder lasst Keyboards glühen) und skizziert, wie es aussehen könnte, wenn wir es vermasseln und, lieber noch, was wir tun und was wir lassen müssen, um gerade noch mal die Kurve zu kriegen.

  12. Torq

    Hallo!

    Ich möchte gerne noch einen Nachtrag schreiben, und zwar zu einer Sache, die mir als Star-Trek-Hardcore-Fan besonders wichtig ist:

    Star Trek ist Sinnbild von Vernunft und Wissenschaftlichkeit.

    Wissenschaft beansprucht aber per se keinen Geltungsanspruch in der Sache, sondern setzt dem Dogma ein empirisches, nachprüfbares, reproduzierbares Ergebnis entgegen. Wissenschaft ist eine Methode der Untersuchung, unabhängig vom Ergebnis.

    Während man über Meinungen streiten kann, so gilt das nicht für Tatsachen. Während Konsens ein erstrebenswertes Ziel ist, so gilt das nicht für Fakten. Zwischen der sogenannten Flat-Earth-Theorie und dem derzeitigen Stand der Wissenschaft, nach der die Erde in erster Annäherung rund ist, kann es beispielsweise keinen Kompromiss geben. Was sollte das auch sein? Eine krumme Scheibe? Dafür haben wir keine belastbaren Hinweise.

    Die Wissenschaft braucht in der Zeit der „alternativen Fakten“ mehr Freunde. Daher war es herausragend, dass Ihr noch einmal den Finger in diese Wunde gelegt habt.

    Haut rein!

    Zehn Unten!

    – Euer Torq

    1. Don

      Die Erde ist natürlich eine Scheibe am Rande des Innenweltkosmos‘!
      #mussmanwissen

  13. Christian aus der Pfalz

    Für mich ist dieser Podcast keine Selbstverständlichkeit!

    Das Ferienprogramm war einfach mega und dafür möchte ich mich bei euch ganz herzlich bedanken!

    Es ist immer wieder ein Genuss so viele Hintergrundinfos über meine Lieblingsserie zu hören!

    Vielen Dank ihr Lieben!

  14. Michael Kleu

    Super viele spannende Aspekte, die womöglich dazu führen könnten, dass ich mir diesen Teil ein zweites Mal anhören werde, weil ich oft noch über Sachen nachdachte, während Ihr schon beim nächsten Punkt gewesen seid, wodurch ich bestimmt ein paar Kleinigkeiten verpasst habe.

    Ich hatte manchmal den Eindruck, dass Roddenberry von einem relativ linearen Verlauf der Geschichte von der Steinzeit bis zum Weltraumzeitalter ausgeht. Tatsächlich kommen ja auch immer wieder dunkle Jahrhunderte und ganze Zivilisationen verschwinden von der Bildfläche. Zwangsläufig wird dieses Schicksal irgendwann auch „uns“ erwischen, sei es nun in 10, 100 oder 1.000 Jahren. Ich hoffe trotzdem, dass Roddenberry auf lange Sicht betrachtet Recht behält.

    Irgendwie ist das Leben auf der Erde ja einem großen Risiko ausgesetzt, weil alles vernichtet ist, wenn die Erde einmal durch einen Asteroideneinschlag oder so zerstört werden sollte. Insofern ist es für die Natur im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig, von diesem Planeten runterzukommen und sich weniger abhängig zu machen. Ich könnte mir vorstellen, dass das der Grund ist, weshalb es auf der Erde verhältnismäßig intelligente Verwandte der Affen gibt. Irgendwer muss das Leben ja zu den anderen Planeten schaffen und dadurch absichern.

    Aus den Gründen, die Ihr zum Thema Streaming-Anbieter und so gesagt habt, unterstütze ich seit wenigen Jahren verschiedene Independent-Filmemacher*innen. Die Ergebnisse sind nicht immer überzeugend, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Crowdfunding ist eine coole Möglichkeit Ideen umzusetzen, für die man ansonsten nie das Geld zusammenbekommen würde. Vielleicht kann man das als eine Demokratisierung der Kunst bezeichnen, weil nicht mehr nur Studios und kleine Kreise über die Realisierung von Projekten entscheiden. Wobei: Kunst ist keine Demokratie! 😉

    Das mit den Leuchtürmen fand ich spannend. Und da habt Ihr Recht. Viele Filme guckt man, um sie gleich darauf wieder zu vergessen. Besonders die zahllosen Marvel-Filme finde ich irgendwie beliebig. Von den richtig großen Filmen der letzten Jahrzehnte fallen mir an Leuchttürmen spontan nur Herr der Ringe und Avatar ein. (Natürlich gibt es immer wieder auch ein paar kleinere Perlen.)

    Es ist immer wieder sehr spannend, wenn Ihr so allgemein ein wenig zur Entwicklung der Film- und Fernsehlandschaft oder zu kulturellen Phänomenen etc. sagt. Da höre ich immer wieder gerne zu.

    Ich freue mich wahnsinnig auf DS9. Ich werde mit TNG gerade ein wenig zum Kahn (I grow fatigued!) und freue mich, auf etwas mehr Abwechslung innerhalb des Erzähluniversums!

  15. Monika

    Ich bin sehr spät zur Party – aber ich höre vieles erst „nach“ mangels Zeit. Für mich, die sehr von Carl Sagan, seinem „Cosmos“ und dem „Pale Blue Dot“ geprägt ist, finden sich viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Herren – kein Wunder, daß Gene Roddenberry damals den Star Trek-Fans einen Brief geschrieben hat, sie sollten in die u.a. von Sagan neu gegründete Planetary Society eintreten. Deswegen hier ein kleiner Film, der sowohl Roddenberry als auch Sagan gefallen hätte – unterlegt mit Sagans eigenen Worten:
    https://youtu.be/YH3c1QZzRK4
    Danke für die umfangreiche Auseinandersetzung mit dem „Phänomen“ Roddenberry. 🙂

  16. Mike

    Ein kleiner Nachtrag zu Roddenberrys Vater. Gene wurde in Texas geboren. Zu jener Zeit waren die Demokraten in den Südstaaten die wichtigere Partei und im Bürgerkrieg unterstütztensie die Sklaverei. Dies könnte ein Hinweis sein, warum Roddenberry Senior die Republikaner und Farbige hasste. Die Demokraten wurden erst deutlich später zu einer liberalen Partei.

  17. Kai W

    Hallo,
    „Spectre“ habe ich jetzt gesehen, aber ich kann damit nichts anfangen, und ich hätte es mir nicht weiter angesehen. Ich frage mich: Was macht ein Gorn in dem Film?

    Mich hat Star Trek beeinflusst in Sachen Grenzen. In Star Trek fliegt man durch die Milchstraße und manchmal darüber hinaus und hier auf der Erde wollen selbst angebliche Star Trek Fans wie Markus Söder, dass alle möglichst in ihrer Parzelle namens Staat bleiben. Das passt für mich nicht zusammen.

    Wenn es zur Mehrheit der Wissenschaft abweichende Theorien oder Erkenntnisse gibt sollten die Entscheidungsträger sich nicht deshalb davon abhalten lassen, etwas gegen realen Probleme zu tun, z.B. Klimawandel oder Covid 19.
    Allerdings darf man sich auch neuen Erkenntnissen nicht verschließen.
    Das geozentrische Weltbild wurde vom heliozentrischen abgelöst,
    Alfred Wegener wurde erst für seine Kontinentaldrifttheorie verlacht und der erste gefundene Neandertaler wurde von den sogenannten Experten erstmal für krank oder behindert gehalten, aber nicht für einen
    Menschen einer anderen Art.

    Was das Fernsehen und andere Medien angeht, bin ich inzwischen pessimistisch und schließe mich Neil Postman an, der schon 1988 postulierte, dass wir uns zu Tode amüsieren. Heute hat jede Person die Chance den ganzen Tag in ihrer Blase zu verharren, ohne mit anderen Erkenntnissen konfrontiert zu werden.

    Zitate die Ihr zu Gene und Religion bringt, erinnern mich an Elemente aus den Serien z.B. V’ger, der Reisende oder die Große Verbindung. Sie sind aber auch widersprüchlich. Viele stellen sich ihre eigene Religion aus Versatzstücken verschiedener Philosophien und Religionen zusammen, so scheinbar auch er.

    Insgesamt würde ich Gene Roddenberry als kreativen und das Leben überdurchschnittlich reflektierenden Mann „mit einer Botschaft“ bezeichnen.

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