#201: Half a Life (TNG 4.22)

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6. Mai 1991:
Hätte man Simon oder Sebastian letzte Woche gefragt, in welcher Trek-Serie zum ersten Mal Gaststars eine komplette Folge tragen, hätten sie DS9 genannt. Und auf die Frage nach der tragischsten Trek-Liebesgeschichte wäre The City on the Edge of Forever gefallen. Doch da haben sie die Rechnung ohne Lwaxana und Timicin gemacht.

In Deutschland: Die Auflösung, ausgestrahlt am 18. März 1994.

Dieser Beitrag hat 20 Kommentare

  1. Michael from Outer Space

    Hallo!

    Lieber Sebastian, ich habe zwei Anmerkungen:
    1) Deine Sorgen gegenüber „Lower Decks“ muss ich leider bestätigen. Die Serie durchbricht mit großer Wonne die vierte Wand und macht Witze, die darauf basieren, dass sie sich ihres „Seriendaseins“ voll bewusst ist.
    2) Das Zitat, welches du meinst, heißt nicht „des Pudels Kern“, sondern „des Tribbles Kern“.

    „Half a Life“ ist glaube ich die erste Folge, in der Lwaxana nicht nur ein übertriebener, nerviger Comedy-Charakter ist, sondern eine ernste Rolle spielen darf. Das wird später nocht öfter der Fall sein, dabei denke ich v.a. an „Dark Page / Ort der Finsternis“. Majel Barretts Verkörperung ist großartig! Man braucht viel schauspielerisches Können, um eine Figur einerseits witzig, andererseits aber auch ernst darzustellen. David Ogden Stiers steht ihr in Nichts nach. Ich kenne ihn aus „North and South“, „Dead Zone“ und „Stargate: Atlantis“, da war er auch jedes Mal toll. Eure positive Bewertung hatte ich schon vor dem Anhören des Podcasts erwartet und stimme euch zu.

    Ähnlich wie „Tin Man“ ist das eine Charakterepisode mit einem SciFi-Aspekt, der nicht Überhand nimmt und in das von Simon und Sebastian ungeliebte, überflüssige Technobabble abdriftet. Über die Photonentorpedos, die in einen Stern eindringen und dort detonieren, war ich aber etwas verwundert. Am Ende der 6. Staffel erwartet uns die Episode „Suspicions“, in der ein Ferengi-Wissenschaftler einen sogenannten „Metaphasenschild“ entwickelt hat. Das Besondere an diesem Schild ist, dass ein Raumschiff damit der Temperatur, dem Druck und der Strahlung einer Corona standhalten kann. Wieso ist das in der 6. Staffel so super und neu, wenn die Sternenflotte schon in der 4. Staffel solche Schutzschilde hat? Oder ist es hier doch etwas anderes und es wird bloß nicht genau erklärt?

    LL&P
    Michael from Outer Space

  2. BjoernHH

    „Des Pudels Kern“ ist aber doch eher das ursprüngliche Zitat, nämlich aus „Faust“.

    Und in dieser Folge waren sie halt nicht so nah an der Sonne dran wie in der sechsten Staffel… 🙂

    Was für eine tolle Folge! Ich bin jetzt 47, und bei diesem Rewatch hat die Folge schon eine ganz andere Wirkung als damals in den 90ern.

    Ich finde es auch schön, dass hier nicht einfach eine seltsame Gesellschaftsidee als unsinnig dargestellt wird und die ach so entwickelten Menschen viel weiter sind, sondern dass man dies durchaus als Kritik verstehen kann, wie wir derzeit (und auch noch im 24. Jahrhundert?) mit unseren Senioren umgehen.

    Obwohl ich sagen muss, dass die Impfreihenfolge jetzt ja mal schön zeigt, dass es hier und jetzt keine gesellschaftliche Unwichtigkeit gibt und auch ein 100jähriges Leben noch schützenswert ist. Zumindest in diesem Fall.

    Ganz toll war die Szene, in der Lwxana und Timicin diskutieren, und ein tolles Argument das nächste jagt. Was für eine Freude! Mehr Dialog, weniger Action! So mag ich das.

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    1. Michael from Outer Space

      Hi BjoernHH!

      Mir ist schon klar, dass es das ursprüngliche Zitat ist. Es sollte ein Scherz sein.

  3. BjoernHH

    Ah! Hab heute ne lange Leitung, sorry.

  4. Nagus Zek

    Hattet Ihr bei Euren Filmtipps Logans Run erwähnt? Der Streifen hat mich als Kind nachhaltig beeindruckt, als er im TV zu sehen war. Er ist nicht ganz so gut gealtert, aber wir haben hier ein ganz ähnliches Szenario, wie in Half a live!

    1. Simon

      Großartiger Film, auch heute noch.

  5. Bridge 66

    Hallo Jungs,

    Ich habe die Sendung erst gut halb durchgehört, aber als ihr Georg Schramm erwähnt habt, da musste ich unbedingt mal auf youtube gucken, ob es da nicht irgendwas in der Richtung zu finden gibt. Und siehe da: nach wenigen Minuten bin ich schon fündig geworden – guckst du hier:

    https://youtu.be/23nDH-1IVYg

    Eure Bridge

    1. Kleiner Bruder

      Gerade eben gehört. Klingt ja erst mal gut, was er vorrechnet. Er hat nur was „vergessen“: den grossen und wichtigen Wirtschaftszweig der Medizin und Pflege. Keine alten Rentner= keine Altenheime, Hospize, Pflegekräfte. Keine Zuschauer für ZDF und ARD. Tausende, hunderttausende neue Arbeitslose! Aber, und da trifft seine Satire doppelt, das ist wohl typisch für Wissenschaftler, die Geisteswissenschaften für einen Beruf halten und reine Theoretiker bleiben.

    2. Simon

      Hi Bridge,

      genau das meinte ich. Sehr böse und sehr lustig.

      1
  6. Horst

    Hallo Sebastian,
    ich hatte auf Twitter im Zusammenhang mit dieser Episode das Thema Euthanasie ins Spiel gebracht. Mir gefällt die Episode auch, aber ich denke, dass man sich trotzdem bewusst machen sollte was hier thematisiert wird. Zudem finde ich schon, dass man (Picard) hier auch mal sagen könnte, dass das einfach falsch ist. Bspw. haben wir für uns entschieden, dass Genitalbeschneidungen von Frauen nicht erlaubt sind. Allerdings sind die von Jungen explizit erlaubt, wobei es sich natürlich um ein meiner Meinung nach viel zu großes Zugeständnis in Richtung der Religionsfreiheit handelt. Natürlich sind diese Beschneidungen in Deutschland verboten und wir können dadurch nicht die Gegebenheiten in den Ursprungsländern beeinflussen, aber wir würden uns doch vor Ort nicht daneben stellen und sagen, dass das dort eben so ist und man die machen lassen sollte.

    Euthanasie hat in Deutschland, aber eben nicht ur in Deutschland eine sehr unrühmliche Geschichte.

    Mir kam der Punkt etwas zu kurz, dass man hier unter dem Deckmantel des „Verständnisses“ zu viel aufgibt.
    Mir hätte allerdings ein Happy End auch nicht gefallen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass eine Gesellschaft, welche alte Menschen nicht mehr haben möchte, auch an anderen Stellen eher mal den Stecker zieht oder Tode etwas eher herbeiführt.

    1. Sebastian

      Hallo Horst,

      danke, dass Du das von Twitter ins Blog getragen hast & was für ein Fass!

      Ich finde, Euthanasie, also Sterbehilfe auf Wunsch der oder des Sterbenden bei großer Qual, ist absolut diskussionswürdig. Worauf Du bezüglich des dritten Reichs anspielst, ist Massenmord, der von der damaligen Propagandamaschine lediglich Euthanasie genannt wurde. Das Wort an dieser Stelle war jedoch ein Euphemismus widerlichsten Ranges.

      Allerdings glaube ich auch nicht, dass es in dieser Episode um Sterbehilfe geht. Da fallen mir andere, spätere Folgen ein, die sich viel konkreter damit auseinandersetzen. Hier ist es eher eine Mischung aus rituellem Selbstmord und dem vor langer Zeit in Japan durchgeführten Ubasute, wo tatsächlich alte Menschen auf einen Berg gebracht wurden, um dort zu verhungern. (Warum habe ich das eigentlich nicht in der Sendung erwähnt, ebenso wie den fantastischen Filmklassiker „Die Ballade von Narayama“, der sich genau hierum dreht? Die besten Einfälle kommen immer erst hinterher.)

      Eine barbarische Tradition? Nach heutiger, menschlicher Sicht auf jeden Fall. Ich würde sofort jede Petition in der Fußgängerzone unterschreiben.

      Hätte Picard das Geschehene verhindert, hätte er damit wohl ein für unsere Kulturkreise „gutes“ und „gerechtes“ Ende geschaffen.

      Er hätte damit aber auch zwei alternative Behauptungen in den Raum gestellt. Nummer 1: Begriffe wie „gut“ und „gerecht“ sind universell, da gibt es keinen Diskussionsspielraum. (Das sehe ich anders, und das sieht Star Trek anders.) Nummer 2: Die Föderation ist auf einem Hochplateau der ethisch-moralischen Entwicklung angekommen – und weil es besser nicht mehr geht, darf sie über andere urteilen. (Das sehe ich auch *völlig* anders, aber da mag mir Section 31 widersprechen.)

      Auch ich, Sebastian, mag mich nicht dazu hinreißen lassen, über Richtig und Falsch in dieser Episode zu urteilen. Dazu fehlt mir eine Professur in irgendwas – und selbst dann wäre meine ehrliche Antwort wahrscheinlich: „Ich weiß es nicht.“

      Jede absolute Aussage seitens Picard hätte für mich den Charakter irreparabel beschädigt. Das wäre ein erster Schritt gewesen in Richtung Galaktischer Kaiser Picard. Eine Rolle, in der er sich zum Glück nicht sieht.

      Schöne Restwoche Dir,
      Sebastian

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      1. Ronnsen RD

        Eine Anmerkung zum Verhalten von Picard:
        Die Folge ist auch wieder ein schönes Beispiel für den mehr oder weniger „versteckten“ Paradigmenwechsel von TOS zu TNG in Punkto „Oberste Direktive“.

        Der gute Kirk hätte den Hinterwäldlern auf dem Planeten eine flammende Rede gehalten, dabei ein oder zwei Computer kaputt gequatscht und am Ende den großen gesellschaftliche Umbruch bewirkt, nur um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden mit den Worten: „Ihr kriegt das schon hin!“. (Übrigens: bei „Lower Decks“ geht es auch stellenweise um die kritische Sicht auf genau dieses Verhalten.)

        Dass es in TNG anders läuft, liegt weniger an der Figur Picard, sondern eher daran, dass
        1. zur Zeit von TNG der US-Patriotismus „Die USA ist das beste Land, wo gibt und wir müssen unsere Werte hinaus in die Welt tragen tun!“ schon lange nicht mehr unkritisch gesehen wurde, wie noch zu TOS Zeiten.
        2. die Macher sich hier endlich wirklich Gedanken darüber gemacht haben und die „Prime Directive“ als Basis für die Handlung von Episoden fungiert und nicht nur als Plot-Scharnier wie bei TOS.

  7. Roger

    Eine sehr schöne Folge, die ich damals gar nicht so sehr wahrgenommen habe. Ja, sie wirkt definitiv anders auf den Betrachter, wenn man ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat.

    Alt sein ist nicht gleich alt sein. Aktiv und gesund 90 Jahre alt werden – sehr gerne. Hochgradig dement mit 75 im Pflegeheim vor sich hin vegetieren – lieber nicht. Und ich habe zwei meiner Grosseltern leider so erleben müssen. Auch das ging mir durch den Kopf während der Folge: Mit der „Auflösung“ wäre ihnen dies erspart geblieben. Womit ich jetzt nicht sage, dass ich die dargestellte Tradition in ihrer Konsequenz gutheisse. Und 60 ist echt früh… wenn man die Folge heute drehen würde, wäre es wohl 70 gewesen.

    Ein Fragezeichen ist für mich Lwxanas Bemerkung zu Picard: „Es ist Ihre (Jean Lucs) oberste Direktive, nicht meine.“ Mrs. Troi gehört ja als Vertreterin von Betazed auch zur Föderation. Mehr noch, sie ist eine hochrangige Föderationsdiplomatin, welche auch an Konferenzen etc. teilnimmt. Gilt die Direktive nur für die Sternenflotte? Nach meiner Auffassung ist es eine Föderationsdirektive und somit auch Lwxanas Verpflichtung. Oder hat sie das einfach in ihren Emotionen so gesagt?

    Danke wie immer für die Besprechung.

    Ich wünsche eine gute Woche & bis bald

    Lg Roger

  8. Kleiner Bruder

    Hallo zusammen!
    Das war ja echt harte Kost am Ende. Keine Ahnung, ob ich die Folge damals gesehen habe. Das wissenschaftliche Projekt mit der Sonne bietet ja nur den Rahmen und würde für sich allein nicht funktionieren. Als ob man ein heruntergebranntes Kaminfeuer neu entfachen könnte, indem man ein paar Streichhölzer hineinwirft. Wenn man wenigstens ein paar Asteroiden aus solarer Materie gefunden hätte…
    Aber dafür fehlte wohl die Zeit.

    Und damit ist ja schon ein Problem der dortigen Kultur aufgezeigt, dass man auf die Erfahrung der Älteren verzichtet. Hierzulande wird ja immer mehr über selbstbestimmtes Sterben diskutiert, und mancher mag durchaus das Gefühl haben, anderen nur noch zur Last zu fallen. Die Gefahr dabei ist aber, dass, wie hier, aus dem Recht eine Pflicht gemacht wird. Und da sind wir schon haarscharf an der Grenze zum Mord („um Geld zu sparen“?!)
    Vor langer Zeit hiess es mal, dass irgendein Indianerstamm seine Alten als „Ältestenrat“ in einer Hütte unterbringen würde, wo sie dann mit reichlich Bier versorgt würden. Also auch quasi „sediert“. Klingt aber schon freundlicher.
    Das Ende ist natürlich konsequent, trotzdem frage ich mich, ob es nicht genügt hätte, das Timicin ins Exil geht. Für seine Familie war er ja so gut wie tot. Oder man hätte behauptet, er wäre bei einem Unfall gestorben. Trotzdem wäre sein Leben danach natürlich nicht so einfach gewesen.
    An „Logans Run“ hatte ich auch denken müssen. „Erneuert euch“.

    Für eine Folge, bei der die Gaststars wichtiger sind als die Stammcrew fällt mir noch TOS „Ein Planet, genannt Erde“/“Assignment Earth“ ein. Das war damals natürlich, weil man gehofft hatte, eine neue Serie starten zu können.

    Einen Award hätte ich hier jetzt nicht gegeben. Wie gesagt konsequent, aber irgendwie unbefriedigend.

  9. Don

    Moin!

    Ich freue mich auch wie ein veganes Schnitzel, Euch beiden heute wieder zuhören zu dürfen! 🙂

    btw:
    https://twitter.com/Iearnhistory/status/1363819010572181505

    Ich gehöre ja zu der Fraktion, die natürlich nicht „Berliner“, sondern „Pfannkuchen“ sagt, aber Donuts sind das trotzdem keine.
    Und Pfannkuchen gibt es entweder nur mit Pflaumenmus- (erkennbar an der Puderzuckerschicht oben) oder mit Marmeladen-Füllung (erkennbar an der Glasur), allenfalls noch mit Senf zur Faschingszeit. Und anners kommt da nix nich rin!

    Life is a halfpipe.

    Lustig finde ich, was das Chakoteya-Transcript an dieser Stelle schreibt:
    Charles Emerson Winchester III beams in, having escaped from the 4077 MASH

    Oh ja, David Ogden Stiers ist einfach großartig.
    Sein Winchester war soviel besser als Major Burns. Burns war einfach nur ein Arschloch, Winchester aber war ein Arschloch mit Tiefgang, mit Facetten! Und dazu noch dieses ständige elitäre Gehabe.
    Und wie Simon erwähnt, ein weiterer Schauspieler von ganz vielen, die vorher auch in „Fackeln im Sturm“ mitgespielt haben.
    Ich kenne ihn noch aus den „Perry Mason“-Spielfilmen, dort hatte er in den ersten Jahren den Staatsanwalt, also quasi den Ersatz von Hamilton Burger gespielt.
    Und von Perry Mason ist es für mich gedanklich nur ein kleiner Schritt zu „Matlock“. Dort trat er in einer, wie ich finde, bemerkenswerten Episode auf. Er spielte nämlich einen blinden(!) Mörder, der sein Opfer in einem ausgeklügelten Plan auf der Treppe erschießt. Und das Ganze wurde, sehr untypisch für „Matlock“, in einer eher columbohaften Weise inszeniert, wir wussten also von Anfang an, wer der Mörder war.
    Nebenbei: „Matlock“ ist überhaupt eine tolle Serie, ich verstehe ganz und gar nicht, warum die „Simpsons“ uns einreden wollen, die sei nur was für Rentner.

    David Ogden Stiers‘ Augen haben, wie ich finde, auch einen hohen Wiedererkennungswert.

    Kurioserweise reicht Picard sonst nie jemandem zur Begrüßung die Hand!

    Aber auf diese Auflösung müssen wir noch ein bisschen warten.
    => Schönes Wortspiel, Sebastian. 🙂

    Da hat er nicht aufgepasst in der Schule.
    => Jein. Ursprünglich sagte man eine Weile wirklich „Grad Kelvin“ (°K).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kelvin#Bis_2018:_Separate_Temperaturskala
    Völlig falsch ist es also nicht. Man könnte allenfalls Geordi als einen Traditionalisten bezeichnen.

    Hatte der Ready Room eigentlich schon immer so eine Fliesenleiste an der oberen Wand?

    Ich gebe aber zu, ich mag durchaus solch ein, wie Ihr es nennt, Plot-Twist-Gewichse, über das man dann stunden-/tage-/wochenlang theoretisieren könnte.

    Solche Ablagewannen auf dem Schreibtisch sind wichtig v.a. für Chefs, die immer sagen: „Schreiben Sie’s auf, ich beschäftige mich später damit!“

    „Der Hund hat meine Steuererklärung getrunken.“

    Es gab ja in den 90ern ein „Unwort des Jahres“ (zurecht, wie ich finde), als ein Ärztekammerpräsident vom „sozialverträglichen Frühableben“ sprach. Genau dies wird da auf Kaelon II praktiziert.
    Allerdings beschäftigt die Problematik an sich natürlich auch eine alternde Gesellschaft wie die unsrige.
    Als Bismarck die Rentenverischerung einführte, war das Eintrittsalter 70 Jahre. Und das in einer Zeit, in der die durchschnittliche Lebenserwartung 40 Jahre war. War also mit anderen Worten eher eine Alibiaktion.
    Dann, bei Adenauer, wurde die umlageorientierte Rentenversicherung eingeführt mit der irrigen Begründung: „Kinder kriegen die Leute immer.“
    Nun, im 21. Jhd. stößt auch diese Regelung an ihre Grenzen und es müssen wohl oder übel andere Ideen gefunden werden, wie man der älteren Generation ein würdevolles Leben ermöglicht, ohne die jüngere Generation über Gebühr zu belasten. Schwierig, sehr schwierig!

    Nach den Paxans ist das in dieser Staffel bereits die zweite Spezies, die Data als isolationistisch und xenophob charakterisiert.

    Es ist natürlich auch Lwaxanas Hauptdirektive; Betazed gehört schließlich zur Föderation.

    Im Transporterraum, das ist eine der intensivsten Szenen überhaupt zwischen Deanna und Lwaxana. Man hat ja manchmal das Gefühl, die beiden haben sich einander nichts zu sagen (außer sich gegenseitig Vorwüfe an den Kopf zu knallen). Hier sieht man endlich mal, wie sie einfach nur Mutter und Tochter sind!
    Und das Gespräch der beiden ist einfach nur sehr schön.
    Es wird auch zum ersten Mal noch ein zweiter Aspekt dieser „Auflösung“ angesprochen: Warum denn nun gerade 60? Ist das nicht viel zu früh?

    Interessanterweise haben im Streitgespräch sowohl Lwaxana als auch Timicin gute Argumente für ihre jeweilige Sichtweise.

    Dass man die Gaststars die Folge hat tragen lassen und der Main Cast mehr oder weniger Statisten waren, hatten wir auch schon in „Too Short A Season“. 😛

    Vielleicht hat Simon „aus wissenschaftlichen Gründen“ geschrieben, weil er festhalten wollte, dass sich Timicin v.a. wegen der Möglichkeit, die Lösung für das fehlgeschlagene Experiment gefunden zu haben, der Auflösung widersetzt?

    An der Ops-Station sehen wir Tracee Lee Cocco sitzen, ich glaube, die war vorher noch nie an dieser Position.

    Ich habe Timicins „Whatever you have to say to me, can be said in front of her.“ eher so verstanden, dass er Sorge hat, seine Tochter könnte ihn umstimmen und er braucht deswegen dringend die moralische Unterstützung von Lwaxana.

    Mr. Homn sitzt dann während Lwaxanas Abwesenheit in ihrem Quartier und leert erstmal ne Flasche Chartreuse.

    Fazit?
    In fast allen Lwaxana-Folgen geht es ums Heiraten und/oder um die Liebe. Hier diesmal auch – und doch ist die Folge so anders als die vorherigen.
    Es hat Lwaxana gutgetan, dass sie hier ihr Image der Ulknudel mal ablegen und ihrer Persönlichkeit (deutlich!) mehr Tiefe verleihen konnte. (Diese Chance wird sie dann nochmal in einer Folge der 7. Staffel erhalten, in der es genauso wie hier auch wieder um Liebe, Tod und Trauer gehen wird.)
    David Ogden Stiers spielt den bedächtigen, zurückhaltenden, aber im Inneren doch sehr emotionalen Timicin großartig und sehr überzeugend. Auch er ist ein großes Plus dieser Folge.
    Dazu werden noch Fragen aufgeworfen, die auch unsere Gesellschaft umtreiben.
    Ergo: Daumen rauf!
    (Vor Eurer Podcast-Folge hätte ich gedacht, der D.-Kelley wäre dann aber doch zuviel, aber nein, Ihr habt mich überzeugt, Ihr habt völlig recht, der Award ist mehr als berechtigt.)

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  10. Myriam

    Eine traurig – schöne, gut gespielte Folge, die ich in meinem jetzigen Alter noch viel besser verstehen als damals.
    Und wie immer eine super Besprechung von euch!

    Ach – von Lower Decks habe ich mal die erste Folge gesehen (ging gratis) und rasch festgestellt, dass mit das zu schrill und quietschig ist und so gar nicht mein Humor. Dafür bin ich nicht bereit, einen zweiten Streaming-Anbieter nebst Netflix zu bezahlen. Auf dem ich übrigens zurzeit, nachdem ich ENT durchgeguckt habe, erstmals alle DS9-Folgen durchgucke.

    1. Simon

      DS9 zum ersten Mal sehen – ich beneide Dich, Myriam!

  11. Joe

    Hallo Sebastian und auch hallo Simon (auch wenn sich dies an Sebastian und alle richtet, die Lower Decks vielleicht zu früh abstrafen).

    Meine Einstellung zu Lower Decks war genau wie Deine. Ich hatte einen Trailer und ein paar Szenen gesehen und mir war die Serie zu hektisch und zu klamaukig und ich war wenig begeistert. Als Parodie hätte ich es wohl lustig gefunden, aber als kanonische Serie…nein. Und sagen wir es mal wies ist: ich wollte sie nicht mögen. Aber ich hatte mich durch Discovery gequält, also hatte ich mir gedacht, daß ich mir trotz allem die 10 Folgen a 25 Minuten antun werde.

    Kurzer Sprung in die Zukunft nach dem Schauen der 10. Folge: Ich hatte unglaublich viel Spaß und das nicht nur auf den Humor bezogen. Doch dazu später.

    Sprung zurück zur ersten Folge:
    Genau wie erwartet war die Serie extrem hektisch und klamaukig und das gefiel mir nicht. Grad Szenen, die durch ihre Hektik komisch wirken sollten kamen bei mir nicht an. Allerdings war da auch ein ganz kleiner Funke des Wohlwollens. Warum? Nun, viele kleine Faktoren. Look and Feel war Star Trek. 1 Jahr nach Nemesis angesiedelt haben wir den schönen LCARS Look und auch der Rest des Schiffes erinnert an die TNG/DS9/Voyager Zeit.Die neuen Uniformen erinnern auch stark an den TNG Look. Und bei genauer Betrachtung gefallen die mir sogar besser, denn sie vermischen Stilelemente von TNG mit denen von Star Trek 2-6 (diese „nautischen Klappen“ auf der Brust). Im Vorspann sieht man D’Deridex Klasse Schiffe, die für mich zu den beeindruckensten Star Trek Schiffen gehören und die Musik und Schrift erinnern auch eher an die TNG Zeit. Ein bißchen Zeitreise in bessere Star Trek Zeiten.
    Spätestens ab der vierten Folge, in der der 1. Offizier ein bißchen mehr Tiefe bekommt und nicht mehr nur der eitle Schleimer und Paragraphenreiter ist (in die Rolle er aber in großartiger und tatsächlich lustiger Weise am Ende der Folge zurückspringt) muß ich mir eingestehen, daß ich Spaß mit der Serie habe.
    Und während ich mich so durch die Staffel schaue kristallisiert sich der für mich wichtigste Punkt heraus: die Serie ist von Leuten gemacht, die Star Trek kennen und lieben. Das zeigt sich nicht nur aber grade auch dadurch, daß viele Elemente von früheren Serien erwähnt oder gezeigt werden. Einfach Mal Beispiele, die ich toll fand:
    in einem Sprung in die Zukunft sieht man eine Statue von Boimler mit einem Adler auf dem Arm. Das Ganze wird nicht erklärt, es wird nur gesagt: „Hier sieht man Boimler mit einem der großen Vögel der Galaxis“. Ja, hier wird irgendwie die vierte Wand durchbrochen, aber auf eine tolle Art und Weise
    in einer Szene unterhält sich die Crew über Schurken und Boimler hält Roga Danar für den besten Schurken, weil er Picard so schön an der Nase herumgeführt hat…es finden also auch unbekanntere Nebencharaktere Erwähnung
    ein Mitglied der sonst vergessenen Spezies von Arax (dem Ersatz von Chekov in TAS) taucht auf
    in einer Szene sieht man ein PAD mit einer Szene aus der Zeit von Kirk und Spock….dafür wird einfach ein Bild aus TAS verwendet. Ja, auch irgendwie ein Bruch der vierten Wand, aber wieder auf geniale Weise
    die Pakled kommen zurück

    Und so geht es weiter. Bei Rückblicken tragen die Starfleet Leute wieder die First Contact Uniformen, die auch die -Spoiler- Crew der Titan noch trägt, vermutlich um Riker und Troi besser wiedererkennen zu können. Aber auch früher hat es bei Starfleet immer gedauert, bis sich überall die neueren Uniformen etabliert hatten. Irgendwie ergibt sich ein sehr rundes Bild. Ich möchte nicht auf Discoverys Fehlern und lazy writing herumreiten (letzteres stört mich einfach extrem und ich will nicht rumranten). Aber Discovery startet mit einem kleinen Fehler: obwohl die Serie vor TOS spielt hat die ganze Föderation schon das typische Starfleet Logo (bei TOS ist das nur das Zeichen der Enterprise und wird erst später zum Symbol der ganzen Flotte; bei Enterprise hat man darauf noch geachtet, bei Discovery nicht oder es war ihnen egal). Ein Fehler, mit dem ich problemlos leben kann, aber ich glaube solche Schnitzer würden Lower Decks nicht passieren.

    Und ich mag die Crew. Alle, die Ensigns wie die Brückencrew. Selbst die etwas nervige, auf 11 gedrehte Mariner. Und die Hektik und die Klamaukigkeit? Entweder gewöhnt man sich dran oder es wird etwas besser. Am Ende hatte ich wirklich viel Spaß mit der Serie gehabt und hoffe auf weitere Folgen.

    Lower Decks ist zum Teil schon etwas abgedreht, aber nie so, daß ich vor dem Fernseher saß und mich geärgert habe. Wenn ich dagegen in Discovery Staffel 3 Szenen wie die mit dem Turbolift sehe, der nur für den optischen Effekt durch einen quasi borgschiffgroßen leeren Raum im Innern der Discovery fliegt, dann hat mich das geärgert.
    Aber ganz wichtig zum Ende: Geschmäcker sind verschieden. Ich freue mich über jeden, der Freude an Star Trek hat, egal ob mit Discovery, Lower Decks oder nur den alten Sachen.

    Ich kann 100% verstehen, wenn jemand Lower Decks nicht mag, aus welchen Gründen auch immer ! Alerdings glaube ich, daß die Serie es wert ist, ihr zumindest mal eine Chance zu geben.

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    1. Sebastian

      Hallo Joe,

      ja, na klar ist die Serie auch für mich wohl wert, mal reinzuschauen.

      Vielleicht sollte ich ergänzen, dass ich zuhause Stapel an Büchern, Filmen und Serien habe, die wöchentlich mehr werden und die ich wie eine Bugwelle vor mir her schiebe. So schön „Lower Decks“ sein mag, auf die Sachen in diesem Stapel hab ich richtig fett Bock und sie haben absoluten Vorrang.

      Deshalb: Realistisch betrachtet werde ich erst in die ungefähre Nähe von „Lower Decks“ vorstoßen, wenn ich bereits einige Jahre in Pod-Rente bin. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass über „Lower Decks“ und all die anderen neuen Serien Gras gewachsen ist und ich mich gezielt auf die stürzen kann, die sich in der langfristig-reflektierten Nachbetrachtung als veritable Klassiker herausgestellt haben.

      Also bitte gönnt mir die freie Gestaltung meiner Freizeit abseits vom Podcast und seid mir nicht böse, wenn bezüglich „Lower Decks“ von mir nichts im Internet zu hören sein wird.

      Hab ne Schöne Restwoche,
      Sebastian

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