#480: Revulsion (VOY 4.05)

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1. Oktober 1997:
Die Subroutinen des Doktors sind wie elektrisiert, denn der Notruf eines Holo-Artgenossen ereilt die Voyager. Die Rettungsmission wird für B’Elanna und ihn zum Trip in das Spukschiff eines Putzfimmel-Psychos, der aus seiner Mordlust an allem Körperlichen kaum einen Hehl macht. Indes hat Teenager vom Dienst Harry bei der ersten Teamarbeit mit Seven Schwierigkeiten, Beruf von Romantik zu trennen.

In Deutschland: Der Isomorph, ausgestrahlt am 27. November 1998.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Maestro84

    Nach dem gestrigen Fußballabend fühle ich mich wie der Isomorph und kann meine sabbernden, triefenden und ausfließenden Mitmenschen heute nicht ertragen. Vielleicht bastel ich auch heute Abend an meiner Deathmachine als Vorbereitung fürs Wochenende. Aber egal.

    Die A-Handlung empfand ich als eher lahm. Nett, dass Onkel Doc mal wieder aus seiner Praxis raus darf, aber irgendwie kam der üble Psychopath nicht wirklich so gut rüber. Ich musste allerdings zusammenzucken, als die arme B’elanna fast ihr Herz im Stile Indi 2 verlor. Das sah schmerzhaft aus.

    Bei der B-Handlung dachte ich mir hingegenen: Ach Harald, deine Rolle hätte eigentlich auch nach Staffel 3 enden können. Dieser Charakter wird sich nicht mehr weiterentwickeln, hier gibt er das Pubertier, das nicht in der Lage ist, mit der Kollegin Ms. Latex-Boobs zusammenarbeiten. Kalt duschen oder ein kurzer Abstecher aufs Klosett könnten helfen. Von einem hochstudierten Offiziersanwärter erwarte ich mehr, aber vielleicht soll Harald auch wirklich einfach nur den jungen Trekker darstellen, der vor dem Bildschirm sitzt.

    Mein Daumen geht bei der Folge auf jeden Fall runter. Ich wurde nicht gut unterhalten. Übrigens fand ich es nicht sehr stimmig, dass Paris und Kim dem Großvater seine Arbeitsstätte umprogrammieren. Sind wir denn hier im Kinderprogramm oder was? Voyager ist im Vergleich zu DS9 schon oft Star Trek fürs Mittagsprogramm nach der Schule. Vielleicht fällt auch nur der Vergleich direkt zu DS9 auf.

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  2. Mister Incredible

    Moin zuammen,
    so unterschiedlich kann Wahrnehmung sein: ich wurde exzellent unterhalten – ich habe mich gegruselt und war bestens amüsiert bis zum lauten Lachen. Was will ich mehr? Etwas schade fand ich die Szene der Indizienbeseitigung zu Beginn weil schon offengelegt wurde wer der durchgeknallte Bösewicht ist. Gut, es schafft dann die Spannung des „und wann merken sie es endlich?“. Ja, die aus dem Ruder laufende KI ist kein neuer Plot (HAL) aber immer wieder ein reichlich abzuerntendes Feld. Irgendwie ist es auch wie so vieles bei Star Trek prophetisch – denn inzwischen sorgen sich Menschen durch KI ersetzt zu werden. Wer hätte das Ende der 1990er gedacht? Wir sahen damals den „Millennium-Bug“ dräuen und fürchteten dass unsere Röhrenmonitore sich blau färbten…

    Tuvoks Beförderung: wer kennt es nicht, aus Filmen oder wenn Gelegenheit gehabt im echten Leben dass mal zu verkosten, wenn solche Beförderungen, Abschiede, Hochzeiten – was immer – zu feiern ist in den USA, einer steht auf (und schlimmstenfalls danach noch weitere) und erfreut die Anwesenden mit saftigen Anekdötchen aus dem Leben des / der „Betroffenen“ von albern bis hochpeinlich, und alle im Saal lachen herzlich oder gekünstelt weil aus Höflichkeit. Ich finde dass diese Sequenz sehr die US-Gesellschaft spiegelt.

    Kasperle und das Krokodil… schon der plötzlich zu Boden gefallene Hammer hätte ein Warnsignal sein müssen, spätestens als sich der Psychomorph gezeigt hatte. „Sach ma, Bro, was haste denn vorhin mit dem Hammer vorgehabt als du hinter uns rumgespukt hast, hmmm?“ Die kinderstundenhafte Ahnungslosigkeit ist bei Star Trek leider oft zu Haus, wie auch die ständig unzureichenden Sicherheitsprotokolle, fehlende Security, kein Michael Collins der im „Orbit“ wartet – sie machen das einfach viel zu oft nachdem es schon x mal in die Hose ging. Naja.

    Die über allem schwebende Frage für mich lautet: was will denn der Irre mit seinem Notruf erreichen außer dass er weitere „Organics“ anlockt? Selbst ein so aus dem Ruder gelaufener Spinner wird nicht glauben dass er die Galaxie von allem Organischen befreien könnte. Nun hat er doch selbige schon auf seinem Schiff erledigt, müsste sie aber eigentlich ins Vakuum beamen, weil die Leichen doch in Kürze reichlich einzelliges Leben der unangenehmen Art produzieren dürften. Ich würde sagen, dass aus seiner Sicht „Mission Accomplished“ war und der Notruf komplett überflüssig. Die Fehlfunktionen scheinen nicht seine größte Sorge gewesen zu sein, und die Databasedes Schiffs sollte doch über alle nötigen Informationen und Werkzeuge verfügen um sich damit selbst reparieren zu können. An Zeit mangelte es ja nicht. Also – die Motivation blieb mir nebulös. Wunsch nach Gesellschaft bei gleichzeitiger „Revulsion“, ja, in psychisch Erkrankten kann beides nebeneinander oder in stetem Wechsel vorkommen. Zu Verweisen auf psychische Probleme allgemein finde sich offensichtlich nichts als Hintergrundinformation. Hierzu hätte sich vielleicht etwas angeboten mit einzuflechten.

    Das Ende mit Britzelkabel gab mir „Audrey-II-Vibes“ in der abgeschwächten zweiten Version des Horrorladens. Und Fische = sauber weil im Wasser? Naja, eigentlich schwimmen sie durch ihre eigenen Ausscheidungen und die anderer, wobei diese wohl zumeist Richtung Meeresgrund sinken um dort den Tisch für jene zu decken, die aufgrund der Tiefe weniger Leckerchen vorfinden.

    Die Seven-Kim-Handlung hat mich köstlich amüsiert. So ungelenk wie sich Harry hier verhält kennen wir den Charakter eben, es passt – auch wenn man sich immer wieder fragen muss: kann jemand mit Beziehungserfahrung so dämlich sein? Ja, kann er. Wer weiß welche Oma die Beziehung auf der Erde arrangierte? Mer waaßet nit. „Möchtest du kopulieren? Zieh dich aus, ich tu dir nicht weh.“ Herrlich emotionslos und dennoch kooperativ gespielt, als ob es einen technischen Fehler im Team zu anaylieren galt. Ich habe es gefeiert. Aufgrund seines Unterhaltungswertes Daumen hoch. Ich freue mich auf den 11. Juli – gestern noch 32°C prognostiziert, heute aber 37°C für Nürnberg. Ich las dass Cinecitta die Bude kühlt mittels eigenen Blockheizkraftwerks. Aber bitte nicht heizen 🙂

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    1. sternburg

      Die über allem schwebende Frage für mich lautet: was will denn der Irre mit seinem Notruf erreichen außer dass er weitere „Organics“ anlockt? (…) Die Fehlfunktionen scheinen nicht seine größte Sorge gewesen zu sein, und die Databasedes Schiffs sollte doch über alle nötigen Informationen und Werkzeuge verfügen um sich damit selbst reparieren zu können. An Zeit mangelte es ja nicht. Also – die Motivation blieb mir nebulös

      Das ging mir anders. Er ist zufrieden am schrubben, als er plötzlich die Fehlfunktion erlebt, darüber in Panik gerät, und deshalb den Notruf absetzt. Und er erklärt später auch warum: Er ist nicht dafür programmiert, an seiner eigenen Matrix rumzuschrauben – und anders als der Doktor auch intellektuell nicht in der Lage, sich auch nur vorzustellen, sich über seine Programmierung hinaus zu entwickeln.

      Wenn man darüber nachdenkt, für so einen – mit Verlaub – ziemlich eindimensionalen Bösewicht ein ziemlich sauber (pun intended) durcherklärter: Seine Programmierung sieht als höchstes Gut Abscheu vor Abweichungen und Verunreinigungen vor. Damit er seiner Aufgabe nachkommt, die unangenehmen Aufgaben auf so einen Schiff an Wartung und Reinigung zu übernehmen. Und sonst nichts. Und so wird er dann auch von der Besatzung behandelt. Nichts ahnend so behandelt, weil dafür ist er gedacht.

      Blöderweise beinhaltet seine Programmierung außerdem, dass er empfindungsfähig ist, warum auch immer. Vermutlich wurde der Vertrag über diesen besseren Staubsauger-Robotor von der Werft an den billigsten Anbieter vergeben. Und der hat dann copy and paste eine auf deren Heimatwelt gerade populäre Family Home Companion AI übernommen und für diese Aufgabe modifiziert. Was soll da schon schief gehen? Star Trek Voyager gewissermaßen brandaktuell im Jahr 2026, nunja.

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  3. BjoernHH

    Die Szene in Harrys Quartier mit gedimmtem Licht und eine Aussicht auf Mondscheinspaziergang brachte mir ordentliche Geordie-Vibes.
    Sehr creepy. Ich hatte wieder diese Pulloverszene mit der Gitarrenmusik vor Augen.

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  4. Falk

    Der Bösewicht erinnert stark an Norman Bates. „Sie knabbern wie ein Fisch“ ist ein nahezu wörtliches Zitat aus Psycho — dort sagt Norman zu Marion: „You eat like a bird.“ Gleiche Struktur, gleiche Funktion.
    Gut unterhalten hat mich die Episode trotzdem nicht. Die plumpe Inszenierung und die naiv flache Handlung reißen mich immer wieder aus der Illusion — ein Problem, das ich bei Voyager leider häufig habe.
    Was man ihr aber lassen muss: Die Verbindung zwischen A- und B-Plot ist smarter, als sie auf den ersten Blick wirkt. Beide Handlungsstränge drehen sich um dasselbe Thema — ein artifizielles oder halbartifizielles Wesen, das versucht, sich in eine Gruppe zu integrieren. Und beide stellen dieselbe Doppelfrage: Wie reagiert die Gruppe auf den oder die Außenseiter:in? Und wie reagiert sie selbst auf die Gruppe?

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  5. sternburg

    Der Fliegende Holländer von Star Trek ist selbstredend Q. Noch entscheidender, der Fliegende Holländer von Q ist Picard.

    Mir war nicht bewusst, dass Voyager eine Beförderungsszene zeigt. Wie muss sich Kim fühlen, während er am selben Tisch sitzt. Und gleichzeitig zeigt diese Folge, warum Kims beständiges Übergehen bei Beförderungen vielleicht doch nicht so ein skurriles Plothole ist, wie man immer so denkt.

    Für mich ne klassische Daumen-in-der-Mitte-Folge. Ich fands nicht geil (und die Fallhöhe zum zeitgleichen DS9 ist atemberaubend). Aber ich fands auch nicht ärgerlich und/oder wichtig genug, um es richtig scheiße zu finden. Kann man machen, muss man nicht machen.

    Ich könnte seitenweise aufzählen, was mir alles nicht gefallen hat (das meiste habt ihr bereits erwähnt oder zumindest angerissen). Ich möchte zur Abwechslung mal positiv bleiben. Was mir richtig gut gefallen hat:

    – Durch die Bank gute bis ordentliche schauspielerische Leistungen.

    – Ich finde am Aufbau der Folge richtig, richtig gut, wie viele verschiedene Aufgaben und Themen die Besatzung gleichzeitig hat und mehr oder weniger gleichzeitig im selben Raum verhandelt. Tuvoks Beförderung, B’Elanna und Tom, der Doktor braucht ne Hilfsperson, Fred lässt Kim das Dings renovieren, und Janeway entsendet Neelix auf seine kritische und von ihm gewissenhaft vorbereitete Handelsmission.

    Das gibt so ein richtig geiles Gefühl einer lebenden Szenerie, in der ne Menge los ist. In diesen Schiff leben echte Menschen und sie alle haben Zeug am laufen. Das existiert nicht bloß als Hintergrund für die Handlung(en) dieser Folge. Die Handlungen, die wir sehen, die passieren auch. Der ganze Aufbau dieser Szene ist so _rich_, mein Eindruck war sogar, überall in diesem Raum werden gerade von anderen echten Menschen weitere Themen und Probleme und Aufgaben verhandelt, die wir nur nicht sehen. Das ist ein Eindruck, den ich über gesamt Star Trek und keineswegs nur bei Star Trek so oft vermissse. Und hier wird das endlich mal geliefert. In großer Gelassenheit geliefert.

    Im Grunde sehen wir ja nichtmal ne A- und B-Handlung. Denn die eigentliche A-Handlung, die währenddessen passiert, ist Neelix Handelsmission. Das ist die Handlung, mit der sich der Captain, die Voyager als Schiff und der Großteil der Brückencrew beschäftigt.

    Natürlich ist es großer „das Drehbuch wollte es so“-Schwachsinn, dass man zu dem Notsignal nur unsere beiden Protagonisten und nicht ein kompetentes kleines Team entsendet. Aber dass man sich für diese Nebenaufgabe aufteilt, um sich später wieder zu treffen, und eben nicht das gesamte Schiff und/oder all unsere Helden dahin schickt, das ist gut und lebensnah.

    Etwas schade, dass man das zum Ende der Folge nicht wieder aufgreift. Wie cool wäre es gewesen, dafür ne 15-Sekunden-Szene zum abrunden zu spendieren. Schnitt zur Voyager. Janeway gratuliert Botschafter Neelix zum erfolgreichen Abschluss der extrem wichtigen Handelsmission, Smiles all around, da trudelt das Shuttle ein und der Funkspruch des Doktors: „Hallo, beamen Sie mich und Torres sobald wir in Reichweite sind direkt in die Krankenstation und holen sie das Shuttle manuell rein, Erklärungen später!“ Allen gefriert das Lächeln, jeder bewegt sich professionell auf seine Positionen, Schnitt zurück zum Ende der Folge wie wir sie kennen. Sie hatten Gold in den Händen und haben es weggeworfen. Schade, wie gesagt.

    – Seven als jederzeit souveräne erwachsene Frau, die bereits hier in so einem an sich so unangenehm schwitzigen Plot imho weit über ihre Rolle als Tech Bro Männerfantasie Tech Babe und Sexobjekt hinauswächst. Während sie sich dessen bewusst ist. Das ist innerhalb dieser Vorgaben gar nicht so einfach zu erreichen. Brutal überlegener Sarkasmus und damit das ~frivole~ an Anforderung gerade unterlaufend. Das hat mir gut gefallen. Allein der Tonfall, in dem sie sagt „Ziehen Sie sich aus, ich tue ihnen auch nicht weh“, da verkrampft der Zielgruppe die Masturbationshand um den erregierten Penis. Auch sie ist sicher „fully functional“, aber hier ist sie der Anti-Data. Massiv schade, dass diese tolle Performance leider dadurch unterlaufen wird, dass Jeri Ryan da trotzdem in dieser … Aufmachung herumstöckeln muss. Völlig bekloppte Entscheidung. Meine Güte, zieht ihr praktische Schuhe und eine normale (btw: immer noch körperbetonte) Uniform an, und sie sieht doch trotzdem noch hinreißend aus. Und nichts geht an dieser nunja Handlung verloren. Außer dass Seven etwas mehr Würde gelassen wird.

    – Die Gruselhandlung auf dem Schiff mag zwar letztlich ziemlich vorhersehrbar vor sich hin plätschern, und für die aufgerissenen Themen viel zu wenig Zeit haben. Aber das Set Design ist su … also vielleicht nicht super, aber völlig okay. Für ne Wergwerfhandlung in einer TV-Serie sogar sehr okay. Da hätte man auch nen ganzen mittelguten Kinofilm drin spielen lassen können. So einen von der Sorte: Unser Drehbuchautor hat schon mal einen Stephen-King-Roman gelesen und das in Space. Kann man nicht meckern. Fühlt sich auf jeden Fall größer an, als die dreieinhalb besenkammergroßen Räume, die es am Ende sind. Und das ist ja auch was.

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