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7. Mai 1997:
Ein desorientierter, aber freundlicher Mützenmann erscheint urplötzlich vor B’Elannas und Toms Augen auf dem Korridor der Voyager – und im selben Moment verschwindet Kes. Alle neun Minuten und zwanzig Sekunden tauscht ein weiteres Crewmitglied seinen Platz mit einem der Nyrianer, wie die Fremden heißen. Sind sie wirklich harmlos oder hat Captain Janeway zu Recht ein mieses Gefühl?
In Deutschland: Translokalisation, ausgestrahlt am 25. September 1998.
Jo, so eine Standard-Folge Star Trek halt. Aliens beamen sich quer durch den Sektor, um Schiffe und Kolonien zu übernehmen und die Voyager-Crew darf das Problem schnell lösen, nachdem andere Aliens in Gefangenschaft zu blöd dafür sind. Dafür hat Janeway ihren Eierstöcke-aus-Stahl-Moment und Locarno und Torres dürfen ihre Romanze bei frostigen Temperaturen entfachen. Ein typischer mittlerer Daumen vor dem Staffelfinale.
Vielleicht sind diese „Wilhelm Busch“-Müller (Simons Beschreibung bringt es sowas von auf den Punkt!) einfach die Pakleds des Delta-Quadranten? 😀
Kleine Off-Topic-Frage aus Interesse: Welche Bosse aus Bloodborne hast du gemeint, Simon? Mein Mann und ich können uns nicht an drei Bosse im Wald erinnern 😅
Gemeint sind die Shadows of Yharnam. Die drei Kapuzentypen auf dem Weg nach Byrgenwerth.
Sehe ich komplett wie ihr: Schön blöd, die Episode. 🙂
Alleine schon, dass die bewährte Trek-Höhle mal einen Eimer Alpina abbekommen hat, rechtfertigt das Anschauen.
Hätte hier, wie ihr erwähnt, das Pokern begonnen, indem die Mützenottos irgendwas in Richtung „Voyager sprengen“ androhen; es wäre ein wunderbarer Cliffhanger gewesen, und im zweiten Teil hätte man deren Kultur auch so schön wie den Bauschaum in der Eishöhle ausformen können, indem man mehr vom Schiff gezeigt hätte, aber so bleibt’s eben beim ‚hätte‘.
Das zur Episode, nun noch zu meinen persönlichen Wehwehchen:
Ihr entsinnt euch bestimmt auch noch an die Zeit, als endlich das Internet in die eigenen vier Wände Einzug hielt und man ENDLICH all das recherchieren konnte, was einem bis dahin unüberprüft/unwiderlegt/unwidersprochen in Büchern entgegenbehauptet wurde (ich meine jetzt nur Fakten zu Filmen und Serien, keine Weltverschwurbelungen).
In Ermangelung von Quellen war nämlich das Einzige, das ich jahrelang zu dieser Folge mit mir herumschleppte, die Erwähnung in einem deutschen TV-Guide, dass das Grundprinzip von Harlan Ellisons „The Starlost“ aus den frühen Siebzigern gemopst worden wäre. Und zwar dermaßen dreist, dass er hätte klagen sollen. Und mehr als diese hingeworfene Bemerkung hatte ich nicht.
Damals waren Suchmaschinen noch nicht so stark ausgebaut, und nach viel Hängen und Würgen war irgendwann klar: Starlost hatte nicht, wie ich dachte, auch schon einmal eine Episode gehabt, in der unsere Hauptcharaktere wegtranslokalisiert werden, sondern handelte von einem Archenschiff, das sich dadurch auszeichnete, dass es zahlreiche Biosphären für unterschiedliche Kulturen und Bedürfnisse verbaut hatte. And that’s it.
Dass ich damit jetzt noch mal um die Ecke komme, hat also erstens mit dem Anlass des entsprechenden Dienstagtreks zu tun, zweitens aber auch mit dem Lacher, der mir serviert wurde, als ich gestern beim Hören eures Podcasts dachte, diese historische Suchanfrage von mir
(something something „Voyager Displaced Harlan Ellison“) noch mal durchs moderne Google zu jagen, und das hat ja zum Glück endlich einen KI-Bordcomputer:
„Die Aussage, dass Star Trek: Voyager Harlan Ellison verdrängt hat, bezieht sich in der Regel auf die tumultartigen Produktionshintergründe der Originalserie zur Episode The City on the Edge of Forever, nicht auf die Serie Voyager selbst.“
Dankeschön!
Die Mützen haben mich ja irgendwie an die der Kais von Bajor erinnert, daher nahm ich als erstes an es sind irgendwelche seltsamen Bettel-Mönche, vielleicht Mitglieder einer radikal sanft aggressiven Gruppe des Volkes vom Reisenden oder irgendwelche überdrehten Verwandten vom Fürsorger.
Das einzig Positive an der Folge war Tom hat sich ähnlich wie in Faces um B“Elanna gekümmert.
Ich musste irgendwie an eine wirre Stellaris-Spezies der Marke „ultrapazifistisch aber doch aggressiv“ denken. Pazifistisch und militaristisch ist aber, meines Wissens nach, nicht möglich.
Ich denke, in einem wird man sich wohl allgemein über diese Folge einig sein: Sie ist erstaunlich zweigeteilt.
Den ersten Teil fand ich gut. Unterhaltsam und interessant. Gut, wir haben wieder mal eine von diesen Grundprämissen, und sie ist einigermaßen … nunja, reden wir nicht drüber. Muss man imho auch nicht. Wir wollen ja spannende Situationen, in die unsere Charaktere und unsere Realitätswahrnehmung geworfen werden. Letztlich ist das hier immer noch 90s Star Trek und nicht For All Mankind. Wenn dann gut ist, was man daraus macht.
Und das ist gut. Aus den von euch erwähnten Gründen.
Außerdem persönliche Wertung: Die Folge hat mich (also Heute-Mich) in seinem Plot Twist überrascht. Die Folge wusste und zeigte, dass die so harmlos unbeteiligt anmutenden Invasoren tatsächlich selbige waren, noch lange bevor ich es kapierte. Das ist nach drei Jahrzehnten so Shit gucken nicht so super einfach, nichtmal für moderne Produktionen. Schon deshalb kann ich der Folge keinen Daumen runter geben.
Und anders als ihr empfand ich auch Janeways plötzliches Misstrauen keineswegs out of the blue. Ganz im Gegenteil fand ich diese Szene gesondert stark. Denn was macht sie denn da? Sie nimmt das Wissen, das wir als Zuschauer und das unsere Charaktere haben, und das wir gemeinsam als erst einmal wertfreie Tatsachenbeschreibung, als skurriles Phänomen, als Anlass zum drauf rumdenken empfinden, sie nimmt diesen einen Satz, den wir alle zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Male ausgesprochen/gehört haben, ohne dabei alarmiert zu sein, und sie betont ihn anders:
Unsere Leute werden gegen diese Leute ausgetauscht. -> „Unsere Leute werden gegen diese Leute ausgetauscht!“
Und das ist komplett on brand. Einerseits für sie persönlich. Andererseits für ihre Rolle als Captain.
Mir ging es da übrigens anders als Simon: Ich war an der Stelle immer noch nicht davon überzeugt, dass die harmlosen Mützenmönche hinter all dem stecken und einen sinisteren Plan verfolgen. Ich dachte, gut, das mag möglich sein. Und gut für Janeway und die Crew, das hier mal jemand diese Möglichkeit erkennt und ausspricht und sich einfach professionell verhält. Also nicht eine von diesen Folgen, die davon lebt, dass die Charaktere das offensichtliche ignorieren. Fand ich gut. Nun lass uns gucken, wohin uns das wirklich am Ende führt.
Einschub: gut, dass ich da noch nicht an einen sinistren Plan der Mützenmönche glaubte, lag sicher – im Nachhinein drüber nachgedacht – auch zu großen Teilen darin begründet, weil dieser Plan in jeder denkbaren Möglichkeit als Plotdevice selbst in Universe schon bisschen schwachsinnig wäre. Aber auch das kann ich der Folge an dieser Stelle nicht übel nehmen. Denn das folgende war so rasant und … ja cool geschrieben und gefilmt, beim gucken hatte ich gar keine Muße, um darüber nachzudenken, warum ich gerade so empfinde.
Schöner lowkey gruseliger Mistery Action Plot. Dazu gab es genau die richtige Menge an gutem lakonischen Humor. What’s not to like.
Und ich finde, wir lernen hier vor allem eines: Good ol‘ Fred wäre der viel viel bessere John McClane als Picard.
Und dann beginnt der zweite Teil. Und um ehrlich zu sein, auch der beginnt immer noch stark. Nämlich mit starken World Building. Klar, der sich hier als Wahrheit herausstellende sinistre Plan beginnt doch schon ganz schön an der Immersion zu nagen. Aber diese ganze Habitat-Videogame-Raumstation-Sache, das ist interessant. Sowas sieht man nicht jeden Tag.
Mit dem Auftritt des freundlichen Händler-Nachbarn beginnt das langsam in sich zusammenzufallen. Warum genau ist der überhaupt auf der Suche nach spannenden Lebensmitteln, haben die anderen alle keine Replikatoren in deren Goldenen Käfigen? Gut, vielleicht hat die Voyager-Crew die als einzige, weil sie diesen Luxus als einzige von ihrem bisherigen Lebensumständen gewohnt sind, aber selbst das wäre seltsam (wenn man das tun kann für seine Gefangenen, und man möchte, dass sie sich wohlfühlen und nicht rumnerven, warum dann nicht für alle tun?), und überhaupt hätte man dem seine Motivation nicht ein wenig weniger primitiv anlegen können – und allein, dass man Muße hat (siehe oben), über sowas rumzudenken, zeigt schon was.
Und dann … nunja, dann hört die Folge einfach auf. Wie so ein deutscher Radweg.
Ihr habt dazu in der Sache alles notwendige gesagt, wir müssen das hier nicht wiederholen. Deshalb nur ne Wertung: Die gesamte Auflösung ab diesem Punkt ist weder gut noch schlecht, sie ist eine Frechheit.
Ja sicher war es wahnsinnig schwierig, innerhalb der Produktionsmittel und den In-Universe-Beschränkungen ab diesem Punkt die Geschichte noch sinnvoll weiter zu erzählen. Ihr habt ein paar mögliche Alternativen benannt, sie sind alle besser, als was mir einfallen würden, aber ganz ehrlich, so richtig überzeugt mich keine davon. Die Folge hatte sich an diesem Punkt für eine Einzelfolge drei Folgen vor dem Staffelfinale in eine erzählerische Sackgasse manövriert, das sehe ich und das kann meinetwegen auch mal passieren. Folgen fallen nicht vom Baum. Manchmal muss man wahrscheinlich auch einfach mit dem arbeiten, was man hat.
Aber das ändert ja nichts an der Bewertung. Denn niemand hat die Autoren und Producer dazu gezwungen, an diesem Punkt anzukommen. Und im übrigen bin ich weder das eine noch das andere, sondern bloß Publikum. Und als Publikum darf ich von diesen Leuten erwarten, dass sie die Folge irgendwie halbwegs schlüssig nach hause fahren. Meinetwegen gerushed, meinetwegen bisschen quirky, meinetwegen auch weit weg von perfekt, es ist alles bloß Fernsehen. Aber halt nicht so.
Und das finde ich übrigens doppelt schade, weil wir meines Erachtens an sich noch mehrere Szenen sehen, in denen sich die (Haupt- und Neben-) Darsteller einen Wolf spielen, um ihren Charakteren in der Situation gerecht zu werden. Aber sorry, das geht dann verloren.
Stattdessen stören mich dann Dinge, über die ich sonst wahrscheinlich gütig hinweg gelächelt hätte. Wie diese unfassbar bekloppte Eiswelt. Ihr sagt, kondensierende Atemwölkchen wären hier hilfreich gewesen. Ich sage, in dieser extrem offensichtlichen weiß angemalten Styropor-Welt hätte das nur noch lächerlicher ausgesehen. Mit Verlaub, aber das ist 60s TV in Farbe. Und die Farbe tut ihr nichts gutes.
Ganz ehrlich, das ist alles mit einem Wort: Ärgerlich.
Aber ich kann nicht ignorieren, was ich am Anfang gesagt habe.
Der letzte Eindruck bleibt immer hängen, schon klar. Aber ich hatte ne Menge Spaß mit dieser Folge. Viel zu viel Spaß, um ihr etwas anderes zu geben als …
Einen Daumen hoch. So. Ich hab das gesagt. Und dazu stehe ich.
Es ist ein sehr, sehr wohlwollender Daumen hoch. Und rein rational betrachtet unter dem Strich auch wahrscheinlich kein wirklich verdienter Daumen hoch. Aber es ist mein Daumen hoch.
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ps: Fred und Kathryn stehen selbstredend deshalb schweißperlenfrei in der hochgeheizten Krankenstation, weil „die Star Fleet Uniform in jedem Wetter eine angemessene Bekleidung darstellt“, wie jemand unlängst sinngemäß auf Risa feststellte.
pps: Moment, derjenige war zufällig selber auch Klingone. Wirft die Bombshell, die Frau Torres in dieser Folge so nebenbei dropped, also vielleicht ein völlig neues Licht auf jene Folge? Hm? Hmmmm?
Moin zusammen,
Was für ein selten dämliches Völkchen wir da serviert bekamen. Was auch für eine wirre Geschichte, in sich schon absurd widersprüchlich, und glaubte man wirklich das Publikum kaufte solchen Hokuspokus? Man kapert also fremde Raumfahrzeuge um auf einem eigenen gigantischen Pott aufwändige Habitate (94 und viele weitere?) plus adaptierte Infrastruktur für tausende Bewohner zu schaffen? Wie groß ist die Kiste? Ich hätte es gern mal von außen gesehen. Oder gab es einen Etablierungsschuss den ich abgelenkt übersehen hatte? Wird der Kahn modular erweitert? Ach, hätten doch die Nyrianer mal nach „Atommüll Endlager Deutschland“ gegoogelt oder „Ewigkeitskosten Ruhrgebiet“ eingegeben, vielleicht wäre dann eine realistischere Kosten-Nutzen-Rechnung dabei heraus gekommen.
Die Fröstelnummer weil man 45 Grad C bräuchte kann man nur als biologischen Unsinn abtun, denn als komplexe Lebensform werden deren Proteine wohl kaum anders funktionieren als unsere, zumal, wie wir wissen, alle Bewohner dieser Galaxie miteinander fruchtbare Nachkommen zeugen können *zwinker-zwonker*. Naja, man muss immer wieder sich in Erinnerung rufen: Menno, es sind doch wir alle gemeint! Da waren die Borg mit ihren 39,1 Grad bei tropischen 92% relLF noch glaubwürdiger, und der ganze Wüstenhitzeplot war ohnehin nur eine Rampe dorthin wo alle schon ahnten dass es hin ginge, ins Yeti-Paradies. Wieso fröstelte denn die Expositions-Hexe nebst Knarren-Schergen im Menschen-Habitat nicht? Das muss doch für die viel zu kühl gewesen sein. Und was sich nicht nur Sebastian fragte: wieso haben sie sich von uns nicht unsere „Bundeswehrparkas“ abgeguckt? Seid ihr denn niemals durch die Phase des felltragenden Sammlers und Jägers gegangen? Und was habt ihr eigentlich für einen Heimatplaneten? Hat der auch Klimazonen?
Darf man nicht mal ansatzweise darüber nachdenken, da geht es mir wie Simon: all der Nonsense lässt mich den Süddaumen zücken, jedoch waren eben die netten Charaktermomente durchaus da, und ja, auch ich hatte die Episode komplett aus der Erinnerung getilgt (was ja auch was bedeuten mag) und hielt die Haubenmüller zunächst für unschuldige Opfer einer „Space Anomaly“ oder was auch immer. Dieser trektypische planetare Einheitslook nervt mich immer mehr und ich grüble darüber nach ob das bei New Trek eigentlich auch so fortgesetzt wird…
Da die Habitate durch nyrianische Hausmilester gewartet werden müssen kann da auch schon mal ein Schraubendreher liegen bleiben, oder man überträgt nicht systemrelevante Handwerkstätigkeiten wie Möbelreparatur oder die Brühgruppe am Replikator zu reinigen auf die Bewohner selbst (sollen sich ja nicht langweilen wie wir lernten, har har).
Wir müssen wohl annehmen dass innerhalb der Voyager-Crew aufgrund der vorausgesagten Reisezeit von 70+ Erdenjahren (oder hatten sie schon mal eine Abkürzung gemeistert?) sich neue intime Beziehungen etablieren und somit die Crew durch weitere Off-Screen-Deliveries „aufgefüllt“ wurde. Was wäre denn unter realistischen Bedingungen zu erwarten? Tante Käthe hofft wie alle dass man eine Abkürzung finde wie jene die der Caretaker benutzte, kann das Prinzip Hoffnung aber die einzige Prämisse sein der alle anderen Szenarien untergeordnet bleiben? Ich denke nein, denn es wäre auch unlogisch, untrekkig und starfleetuntypisch und würde allen Besatzungsmitgliedern nicht gerecht. Also müssen die 70+ Jahre als schlechteste Chance einkalkuliert bleiben, was zur Folge hätte, dass ohne Neurekrutierung aus anderen Völkern oder Neuzugänge durch Geburten die Crew der Voyager bei Ankunft am Heimatplaneten komplett verstorben sein würde bis auf ein paar langlebigere Exemplare anderer Spezies. Also müsste es Janeways Schiffsraison sein zu verkünden „Leute, knattert was das Zeug hält. Wir brauchen Nachwuchskadetten.“
Sorry, viel zu viel Geschwätz für so eine mittelprächtige Episode! Wer sich jedoch mal eine halbwegs schlüssige und sehr unterhaltsame Space-Abduction-Story gönnen möchte: das passiert der Crew der „Orville“ in S1 E2. Viel Vergnügen!
Ich fand den Plot echt absurd