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9. April 1997:
Kes‘ Tod ist nur der Anfang. Danach erwartet sie ihr neuntes (und letztes) Wiegenfest, die Geburt ihres Enkelsohns Andrew – übrigens ein Meister darin, seiner Großmutter Geschenke zu basteln, ihre eigene Niederkunft mitten im Year of Hell, ihre und Neelix‘ Ankunft auf der Voyager in Caretaker, Kindheit, Geburt – und am Ende die Empfängnis. Wie bloß kann Kes wieder den Vorwärtsgang einlegen?
In Deutschland: Temporale Sprünge, ausgestrahlt am 4. September 1998.
Moin zusammen,
es ist schon 11:30 Uhr durch am Veilchendienstag und noch hat niemand was dazu geschrieben. Entweder liegt die werte Hörerschaft noch im postkamellischen Koma, föhnt den klammen Nubbel trocken damit er gut oxidieren möge in der Nacht oder möchte sich nicht aus der Deckung trauen ob einer Sicht auf die Episode die vielleicht von der Euren abweicht? Wie auch Simon hatte ich null Erinnerund an diese Folge obwohl ich sie sicher gesehen haben muss, denn mein erstes Mal Voyager war 2020, als wir alle „viel Zeit“ hatten.
Stichwort „Zeit“: wenn es Zeitschleifen gibt, Zeitsprünge, Charaktere plötzlich uralt (Gummimaskenalarm) oder blutjung (anderer Darsteller) sind bin ich fast immer raus. Bei „The Inner Light“ ging ich gern mit, weil die Kontinuität dem realen oder nachvollziehbaren Zeitablauf entsprach, aber hier – leider nicht. IMDB 7,6 von 10, ST-Index volle 6 Punkte… ich würde da so gern Zugang finden, wenn so viele jubeln, aber bisher finde ich den Anschluss nicht. Für das wiederholte Anschauen fehlt mir heute echt der Antrieb.
Ich finde dass der damals durch lineares TV vorgegebene Zeitrahmen von 45 Minuten zu knapp ist um so viel hinein zu pressen. Was da alles passiert. Ich vermisste die ruhigen und reflektierten Atempausen, der Tagesausklang „vor Kamins Haus“, so geht es in hohem Tempo Schlag auf Schlag und temporale Sprünge in denen unsere Helden älter oder jünger waren, und verwirrt fragten „wo bin ich, wann bin ich?“ hatten wir schon so oft. Ach, vielleicht habe ich, was Filmkunst betrifft, diese langweilige biedere Pantoffeligkeit, die ab einer gewissen Anbstraktionsebene einfach nicht mehr mitgehen kann oder will, so dass mir Unterhaltensein in Anstrengung überginge. Call me simple-minded von mir aus *schäm*.
Das gute Spiel der Frau Lien kam an bei mir wie auch die Freude darüber dass sie hier die Hauptdarstellerin war, was – um ihr Ende wissend – sehr schmerzte. Viele von Euch angesprochene Details habe ich (natürlich) nicht wahr genommen. Die Zellteilungsnummer fand auch ich bemerkenswert, und diese Bilder empfand ich fast als Rücksprung oder Bindeglied in das Hier und Heute (der 1990er), mit einer vielleicht unbeabsichtigten Aussage wie „Wir beamen und warpen, aber das Konzept des Lebens und der Reproduktion bleibt auch in der Zukunft dasselbe.“
Die explodierenden Konsolen waren wie immer höchst ärgerlich. Rein physikalisch muss man fragen: wie kann ein elektrischer Impuls eine Druckwelle erzeugen dass dort Tätige meterweit zurück geschleudert werden? Welche Gase expandieren dort? Und ist es so dass Baby-Kes erst später die Elfenohren wuchsen – da man wohl an dem Kleinkind keine Plastikohren antackern wollte? Wenn Ocampa so kurzlebig sind, müsste deren Schwangerschaft in 4 Wochen durch sein, oder? Ja, ich stürze mich auf Formalien weil mir zum Sub- oder Supertext der Zugang fehlt, daher bin ich gespannt was die anderen schreiben.
Zu Zeitreisefolgen habe ich auch ein schwieriges Verhältnis.
Es gibt eigentlich nur fünf erträgliche (ich muß hoffentlich nicht jedesmal dazusagen, daß ich hier meine Meinung wiedergebe – es ist nun mal die einzige die ich habe):
– The City on the Edge of Forever
– Yesteryear
– Past Tense I und II
– Little Green Men
Und in allen fünfen knarzt die Zeitreise selbst in allen Fugen, die Episoden glänzen auf ganz anderen Gebieten.
Ich erinnere mich, wie ich mit 16 Zurück in die Zukunft im Kino gesehen habe und so richtig enttäuscht war. Klar, der Kulturschock des Jungen, der aus den 80ern in die 50er versetzt wurde, war toll umgesetzt, aber das ganze Konzept mit den verschwindenden Fotos war mir völlig widersinnig. Ich hatte kurz zuvor das geniale Dr. Futurity von Philip K. Dick gelesen damit meine Anspruchshaltung verdorben, und seither bin ich in dieser Hinsicht etwas überkritisch.
Mal abgesehen von der unleugbaren Tatsache, daß Zeitreisen einfach eine allzu oft gebrauchte billige Zuflucht sind, wenn den Autoren nichts originelles einfällt und das Budget einen Dreh auf dem Paramount Backlot gut vertragen kann.
Hey ihr Zwei
Sind Meta-Kommentare zum Hörverhalten erwünscht?
Ahoi, ich weiß gar nicht so genau, was Du damit meinst, aber hier gibt’s Infos, was wir uns in Sachen Kommentar wünschen und was nicht. 🙂
https://trekamdienstag.de/netiquette/
Nach der Liste scheint es okey zu sein😅
Ich merke bei mir wie mich TaD immer mehr verliert. Grund seit nicht ihr sondern das mich die Voyager Crew nicht emotional abholt.
Was mir helfen würde dabei zu sein wäre wenn das Voyager Cast kürzer wäre oder wenn ich mit Kapitelmarken direkt zu den Hintergründen der Folge springen kann. Denn dort catcht ihr mich immer wieder und die Motivation auch weiterhin finanziell zu supporten wird wieder aktiviert. Da denke ich dann oft: „wow was für ein Produkt“.
Aber 2h durchzuhören für die 20min welche echt nice sind ist mir zuviel commitment und ich merke dann wie ich den Podcast immer häufiger gleich wegdrücke oder halt in meinem catcher gammeln lasse bis wieder DS9 kommt und dann wegdrücke. Den bei DS9 mag ich Story und die Background Story von euch. Und da löst dann immer den Moment aus: „Finanzieller Support aufrecht erhalten“
Das einfach als eine Stimme einer Hörerin für eure internen Podcast Entwicklungsprozesse☺️
Ohne Erwartung das ihr was ändert. Und wichtig ich rede von Emotion nicht von bewussten Entscheidungen. Aber glaube gerade bei eurem Produkt sind es diese welche die Bindung an euch auslösen. Das um Worf zu zitieren „Geeeil“ 😉
Danke Dir erstmal für den Kommentar und die offenen Worte. Was die Kapitelmarken angeht: Die besagten Hintergründe sind nicht selten auch Teil der Besprechung der Handlung und nicht alle „en block“, deswegen wäre das mit den Kapitelmarken nicht wirklich sinnvoll.
Was die Länge angeht: TaD lebt stark vom gemeinsamen Durchgehen der Folge, inklusive der Abschweifungen, die sich unterwegs ergeben, völlig unabhängig von der Serie, die gerade ansteht. Wenn wir viel heraussieben können oder die Folge uns inspiriert, dann wird’s länger, wenn nicht, dann kürzer. Das kommt so, wie es kommt und wird weder künstlich in die Länge gezogen noch verknappt. Aus unserer Sicht funktioniert eine TaD-Folge nur in ihrer Gesamtheit und nicht in Blöcken, weil wir das so stark einfach nicht trennen in unserer Besprechung.
Am Ende kann ich dazu nur sagen: Hör gern das, was dich abholt, und lass liegen, was es nicht tut. Wenn Du denkst, dass das ausreicht, um unsere Arbeit zu unterstützen, dann freuen wir uns sehr darüber. Wenn Du mit Voyager partout nichts anfangen kannst, dann ist das halt so. DS9 ist ja genauso präsent bei uns wie die anderen Serien in Vergangenheit und Zukunft. Wenn es Dir nicht ausreicht, dann ist das auch okay. Ist ja alles freiwillig hier.
LG
Simon
Merci Simon 🙂
Ja ich habe mir auch gedacht, dass es genau diesen Konflikt gibt zur Art wie ihr produziert und wie ich Voyager eher dieses „Geeil-Gefühl“ auch bekäme.
Aber ich finde es wichtig, solche subjektiven Empfindungen dennoch an Podcaster*innen usw. rückzumelden, weil eine Beurteilung ob es relevant ist oder nicht ja nur bei euch liegen kann.
Jetzt aber auf alle Fälle freue ich mich auf morgen und gucke welche Folge es mir dann in den Podcatcher spült.
Euch alles Gute 🙂
So verschieden kann man es empfinden. Für mich war das die beste Voyager-Folge bisher.
Kes als Hauptperson und dazu noch Zeitreise/Parallelwelten, richtig was für den Kopf und schöne Charakterszenen, alles dabei.
Witzigerweise habe ich letzte Woche mal wieder einen der wenigen Filme gesehen, in denen Jennifer Lien mitspielt: American History X. Also auch noch mit dem Sisko!
ich liebe diese Episode einfach
Spock sagt zwar in The Conscience of the King „My father’s race was spared the dubious benefits of alcohol“, aber wir sehen ihn in anderen Folgen auch saurischen Brandy und irdische Spirituosen drinken, ebenso wie immer wieder auch andere Vulkanier in anderen Serien. Ähnliches gilt für den Fleischkonsum.
Natürlich kann man sich wunderbare Erklärungen ausdenken, aber ich denke, die vulkanische Alkoholabstinez ist einfach einer der vielen Fakten, in denen die Franchise einfach inkonsistent ist. Ob die Föderationsbürger in Credits bezahlen oder das Konzept des Geldes ganz vergessen haben, hängt vom Drehbuch der Woche ab – was mich auch überhaupt nicht stört, es ist eine fiktive Welt und hat deshalb einfach Freiheiten, die die Realität nicht haben kann.
Ach je – „drinken“ – verwandle ich mich gerade in einen Angelsachsen?
Nun ja, scheint irgendwie im Zehnfingergedächtnis verdrahtet zu sein, im Internet bin ich mainly auf Englisch unterwegs…
Die Korrekturfunktion scheint ja schnell wieder in der Versenkung verschwunden zu sein, oder funktioniert sie nur bei mir nicht?
Korrektur – hier funktioniert sie jetzt 😀
hallo Ihr beiden,
eine schöne Besprechung, vielen Dank.
Ich liebe Zeitreise-Folgen, und diese hier ist eine echte Perle, ich war sehr überrascht, als ich sie mir am Sonntag angeschaut habe und sogar ein bisschen traurig, dass ich sie offensichtlich vergessen habe.
Eure Stef
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man nicht alles auf Teufel komm raus erklären sollte und somit dem Zuschauer jegliche Chance nimmt, über das Gesehene sich einen eigenen Reim zu machen.
Ich finde z.B., dass die Erklärung mit den Midichlorianern der „Macht“ in Star Wars sehr viel an Mystizität geraubt hat.
So ging es mir auch, als ich von der Erklärung für das Aussehen der Klingonen in Enterprise gehört habe.
Da sehe ich aber doch einen gewaltigen Unterschied.
NB! Das heißt natürlich nicht, daß ich Dir den „Klingon Augment Virus“ Storyarc näher bringen möchte. Wo man mitgehen kann und was „zu viel“ der Erklärung ist, ist vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber inhaltlich gibt es doch gravierende Unterschiede.
Die Macht in Star Wars ist ein Mysterium innerhalb des fiktiven Universums, in dem die Franchise spielt, und bewußt als solches eingeführt. Die Macht ist – auch mit den Midichlorianern – eindeutig übernatürlich. Sie verleiht die Gabe der Telekinese, der Gedankenübertragung, der Präkognition. Sie ist die Lebenskraft an sich, die alles Leben in der Galaxis miteinander verbindet – dies wird ausdrücklich im ersten Film so erklärt, und diese Erklärung wird nie revidiert, auch wenn es plötzlich Zellparasiten sind, die die Macht vermitteln. Die Macht ist Magie in einem futuristischen Setting.
Und ja, diese Macht ist ein Grund, warum Puristen gern Star Wars als „low“ Science Fiction und Star Trek als „high“ Science Fiction beschreiben.
Aber Science Fiction dieser Epoche liebte es, übernatürliche Elemente einzubauen. Was Perry Rhodan sein Mutantenkorps, ist Star Trek die Gedankenverschmelzung und der ESP-Faktor.
An 2001 fesselt eigentlich hauptsächlich die Auseinandersetzung von Mensch und KI, aber die Handlung wird um mysitsche Monolithen herumgewoben, die unseren Helden zum Sternenkind apotheieren. Das war offenbar so ein 60er Jahre-Ding.
In Star Wars war dies eigentlich schon ein nostalgischer Rückgriff – wahrscheinlich ein sehr bewußter.
Diese Mystik, und die dadurch vermittelte Stimmung, wurde durch die nachträgliche Einführung der Mididchlorianer dann – auch in meinen Augen – empfindlich gestört.
Die Metamorphose der Klingonischen Stirnpartie hingegen war zunächst und vor allem eine realweltliche Produtionsentscheidung, die keine wirkliche Entsprechung innerhalb des Serienuniversums hatte. Zunächst sollte sie „in-universe“ gar nicht stattgefunden haben – Roddenberry behauptete ja beharrlich, daß die Klingonen „immer schon so aussehen sollten“ und die Maske in TAD nur den finanziellen und technischen Beschränkungen der Zeit geschuldet war, während er sich in Wirklichkeit heftig gegen die Änderung gewehrt hat, die von den Kinoproduzenten eingeführt wurde, um die Aliens leinwandwirksamer zu machen (ich gebe hier meinen Wissensstand wieder – keine Gewähr!). Trotzdem haben die Fans sich schon damals über diesen Kontinuitätsbruch mokiert (und deshalb ist er auch kein Argument dafür, die Gorillamumien in DIS einfach wegzulächeln – ja, das Makeup hat sich auch schon früher verändert, aber das war eben auch schon früher problematisch). Diese Diskussion hat Star Trek zwanzig Jahre mitgeschleppt – da es sowieso nicht zu ändern war, die neuen Masken unzweifelhaft gut aussahen und man sich nicht dauerhaft ärgern möchte, wurde aus dem Streitpunkt im Fandom bald ein running gag. Und diesen hat die Folge Trials and Tribulations dann selbstironisch und mit einer langen tongue in cheek, wie der Engländer, Simon und gern auch ich sagen, aufgegriffen und ziemlich genial verarbeitet. Was den Fantheorien dann wieder mächtig Auftrieb gab.
Und schließlich hat ENT das Rätsel aufgegriffen und tatsächlich die bestmögliche Lösung angeboten und dazu in einen dramatioch durchaus wirksamen Storyarc verpackt. Ich habe die Fantheorien gelesen. Sie waren originell, aber keine war so schlüssig und hat so gut funktioniert wie die offizielle Lösung.
Also:
Star Wars hat ein nicht vorhandenes Problem „gelöst“ und dabei ein für die Franchise wichtiges Mysterium wenn nicht zerstört, doch zumindest empfindlich gestört.
Star Trek hat eine Inkonsistenz, die von „außen“ ohne interne Logik oder narrative Zwänge in die fiktive Welt geraten war, durch Erklärung aufgelöst, und diese Welt dadurch stimmiger und auch komplexer gemacht, auch wenn es dadurch ein Mysterium weniger gab.
Ich hatte 1998 eine Mathelehrerin, die bei ihren Erklärungen im Unterricht beispielsweise sagte:
„Nach Adam Riese und Eva Zwerg erhalten wir für diese lineare Funktion die Nullstelle x = 1/8.“
Darum schlug ich damals im Lexikon nach, wer dieser „Adam Riese“ war und wusste somit Ende der 90iger über den Bamberger Mathepauker aus dem 15./16. Jahrhundert Bescheid.
Bei jeder Verwendung des englischen Wortes „before“ in diesem Podcast musste ich an den 10. Kinofilm denken.
Die Folge selbst hat mir schon bei der Erstsichtung sehr gut gefallen, und zwar aus den von Simon & Sebastian erwähnten Gründen. Umso mehr schmerzt es, dass Kes in den drei Staffeln so stiefmütterlich behandelt wurde.