#243: Chain of Command, Part II (TNG 6.11)

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21. Dezember 1992:
Fortsetzung von letztem Dienstag. Nach einer gründlich misslungenen Undercover-Mission findet sich Jean im Keller des Gul Madred wieder. Dort soll er Geheimnisse ausplaudern, die er nicht kennt, und Lichter zählen, die es nur teilweise gibt. Diese TNG-Episode entstand in enger Zusammenarbeit mit Amnesty International und rückt das Thema Folter auf ungewohnt eindringliche Weise in den Fokus.

In Deutschland: Geheime Mission auf Celtris Drei, Teil 2, ausgestrahlt am 1. Juni 1994.

Dieser Beitrag hat 36 Kommentare

  1. Veit

    Ich bin gerade noch mitten im anhören von der Folge. Zu Beginn sagt Ihr der Titel „Chain of Command Part II“ ist nicht so glücklich gewählt weil es nichts mit der Folge zu tun hätte. Ich weiß zwar nicht ob die Schöpfer es so beabsichtigt haben aber ich denke man kann „Chain of Command“ auf die beiden Folgen anwenden. Im ersten Teil im militärischen Sinn. Im Zweiten teil kann man es auf das Machtgefüge zwischen Madred und Picard anwenden. Letztendlich will Madred ihn brechen. Er will das Kommando über Picard übernehmen. Er schafft es aber nicht.

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  2. Alexandra

    Ich sage dazu nur eins: DA… SIND… VIER… LICHTER!!
    Es ist überhaupt ein Wunder gewesen, dass Picard so lange die Folter durchgehalten hat. Wo ich die Folge angesehen habe, empfand ich die Verhandlungen zwischen Jellico und den cardassianischen Kommandanten, der Kriegsflotte vor den McAllistor-Nebel, als eine Art Wolfsjagd: Wer ist der Wolf und wer ist die Beute?

    Übrigens noch eine kurze Sache:
    Der Schauspieler David Warner spielte bereits in „Star Trek V: Am Rande des Universums“ als Sir John Talbot den Botschafter der Föderation und in „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ den klingonischen Kanzler Gorkon. (Ich habe mir eure Folge noch nicht angehört, also weiß ich nicht in wie fern, ihr es angeteasert habt.)
    Bei Captain Jellico gibt’s ebenso einen kurzen Fact:
    Der Name von Captain Jellico offenbar eine Anspielung auf Admiral Sir John Jellicoe, Kommandant der britischen Flotte in der Skagerrakschlacht im Ersten Weltkrieg (Wikipedia, Memory Alpha)

    Quelle dazu aus: https://www.startrek-index.de/tv/tng/tng6_10.htm und https://www.startrek-index.de/tv/tng/tng6_11.htm.

    Beide Artikel zu den Episoden wurden von Yann-Patrick Schlame geschrieben, vom Trekcast.

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  3. Michael from Outer Space

    Servus! 😉

    Sir Patrick Stewart kann vom Krieg ein Lied singen (und zwar nicht „Sur le pont d’Avignon“, wie im 2. Teil dieser Folge), denn er war als Kind häuslicher Gewalt ausgesetzt. Sein Vater Alfred George Stewart nahm ab Mai 1940 als Soldat im Britischen Expeditionskorps in Frankreich am Zweiten Weltkrieg teil. Bei der „Operation Dynamo“ wurde er zusammen mit 338.225 anderen britischen und französischen Soldaten aus der nordfranzösischen Stadt Dünkirchen evakuiert. Nebenbei bemerkt war Alfred Stewart in der nordfranzösischen Region „Picardie“ stationiert. Picard vergleicht in der PICARD-Pilotfolge die Evakuierung der Romulaner mit den Ereignissen in Dünkirchen, was nicht von ungefähr kam. Leider wurde nichts draus gemacht, aber das ist ein anderes Thema.

    In diesem Artikel des Guardian
    https://www.theguardian.com/tv-and-radio/2012/aug/29/tv-review-who-do-you-think-you-are

    berichtet die Journalistin Lucy Mangan über eine Episode der BBC-Dokumentarserie „Who Do You Think You Are?“, die von Alfred Stewart handelt. Er wurde durch seine Kriegserlebnisse schwer traumatisiert, was nach seiner Heimkehr zu wiederholten Gewaltausbrüchen gegenüber der eigenen Familie führte. Darum engagiert sich Patrick bis heute mit der „Domestic Violence Charity Refuge“ gegen häusliche Gewalt:
    https://www.refuge.org.uk/our-story/ambassadors/

    Durch einen Krieg können die Menschen, die den Krieg selbst erleben, aber auch ihre Kinder traumatisiert werden, obwohl sie vom Krieg selbst nichts oder wenig mitbekommen. Furchtbar! Über traumatisierende Kriegserlebnisse werden wir uns in anderen Star Trek-Serien auch nochmal unterhalten. In TNG hatte ja „nur“ Miles O’Brien solche Erlebnisse.

    Patrick Stewart sagt über seinen Vater:
    „My father was a very potent individual, a very powerful man, who got what he wanted. It was said that when he strode onto the parade ground, birds stopped singing. It was many, many years before I realised how my father inserted himself into my work. I’ve grown a moustache for Macbeth. My father didn’t have one, but when I looked in the mirror just before I went on stage I saw my father’s face staring straight back at me.“

    (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Patrick_Stewart#Early_life_and_education)

    Ich erwähne das, weil Sir Patrick Stewart mit Jean-Luc Picard einen Charakter spielt, der selbst mehrfach extremer und traumatisierender Gewalt ausgesetzt ist (Entführung und Assimilierung durch die Borg, Gefangennahme und Folter durch die Cardassianer). Was ging in ihm vor, als er solche Szenen spielte? Erinnerte er sich dabei an die Gewalt, die er als Kind durch seinen Vater erlitt? Wo hört das Schauspiel auf und wo fängt die tatsächliche, echte Prägung durch seine eigenen Gewalterfahrungen an? Man könnte auch fragen: Wo hört Picard auf und wo fängt Patrick Stewart an (oder umgekehrt)? Patrick blendet seine Erinnerungen und Erlebnisse nicht aus, sondern arbeitet damit. Bringt er sie mit seinem Schauspiel in Bahnen, die ihm die Verarbeitung erleichtern? Seine Zitate „…when I looked in the mirror just before I went on stage I saw my father’s face staring straight back at me.“ und „…I realised how my father inserted himself into my work.“ deuten meiner Meinung nach darauf hin. Das sind Fragen, die ich mir dabei stelle. Diese Hintergrundgeschichte wirft finde ich ein anderes Licht auf den Charakter Jean-Luc Picard.

    LL&P 🖖 👋
    Michael from Outer Space

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    1. Sebastian

      Michael,

      Mensch, ich hätte schwören können, hierauf schon geantwortet zu haben!

      Also jetzt: Danke für Deinen fantastischen, tief blickenden, ergänzenden Beitrag. Für Beiträge wie diesen wurden Podcast-Blogs erfunden!

      Frohes Fest,
      Sebastian

    2. Michael Kleu

      Sehr, sehr spannend!

      „Durch einen Krieg können die Menschen, die den Krieg selbst erleben, aber auch ihre Kinder traumatisiert werden, obwohl sie vom Krieg selbst nichts oder wenig mitbekommen. Furchtbar!“

      Man liest immer wieder mal von Untersuchungen, die nahe legen, dass auch wir als – in der Regel – dritte Generation noch von diesen Traumata betroffen sind.

      Zum einen, weil wir von Menschen großgezogen wurden, die traumatisiert waren oder selbst von traumatisierten Menschen großgezogen worden sind. Zum anderen steht die Überlegung im Raum, ob Traumata vererbt werden können. Letzteres könnte natürlich Unfug sein, ich finde den Gedanken aber sehr spannend.

  4. Alexander

    Hallo Simon und Sebastian,

    diese Folge hat es wirklich in sich. Bei eurer Besprechung ist mir klar geworden, wie solche Situationen einen Picard doch prägen können. Ich bin schon sehr gespannt, wie ihr mit euren Fachkenntnissen die Cardassianer weiter analysiert.

    Ihr habt recht, dass viele wie Garak oder Enabram Taim nur ihre Macht im Sinn haben. Das Thema Folter ist wirklich gut gewählt und auch immer gegenwärtig bei den Cardassianern. Dieses körperliche und seelische Martyrium ist bei Picard sehr spürbar und der Cardassianer offenbart auch einen Teil seiner Kindheit inklusive seine Tochter.
    Eine krasse Szene. Einfach schrecklich in jeder Beziehung…

    Und dann packt Picard seinen Humanismus aus sehr schön…

    Dankeschön!😉 Gruß Alexander

    1. Michael from Outer Space

      Hallo Alexander!

      Ich denke, Garak tat das, was er von seinem Vater, Mentor und Vorgesetzten Tain jahrzehntelang gelernt hatte: lügen, täuschen, betrügen, morden, vertuschen und immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht sein. Die Doppelfolge „The Die Is Cast“ in der 3. Staffel beleuchtet ihr Verhältnis meiner Meinung nach sehr schön. Schon die Folge „The Wire“ in der 2. Staffel offenbart spannende (aber auch schockierende) Details über die beiden.

      LL&P
      Michael from Outer Space

    2. Don

      Eigentlich erstaunlich, dass Picard kein Zahn gezogen wurde, so wie bei Miles O’Brien.

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  5. Ich kann dem Zweiteiler leider nichts abgewinnen. Ich mochte aber auch diese „militärischen“ Geschichten bei Star Trek nie wirklich. Daher freue ich mich bisher leider auch nur mäßig auf einiges von Deep Space Nine.
    Achso: Dennoch mag ich David Warners Darstellung des Gul Madred.

  6. Nikola

    DeKelly-Award für herausragende Podcastfolge zu einer herausragenden Star Trek-Folge! Ein Metakelly, sozusagen.
    Ich bin froh, dass ihr die TADeriche seid und bleibt und auch bei so schwerer Kost zwischendurch lachen und witzeln könnt. Dann aber wieder so viele Ebenen aufmacht, über die es stundenlang zu diskutieren und sinnieren gäbe …
    Interessant, dass Simon sagt, ihn habe die Folge damals schon beeindruckt und heute noch mehr. Mir ging es ähnlich. Sie hat in meinem jugendlichen Selbst einen tiefen Eindruck hinterlassen, aber jetzt, mit heutigem Wissen und heutigem Blick auf die Welt, verstört sie mich fast noch mehr.
    Wichtig finde ich am Ende, dass Picard nicht sagt „ich war so fertig, ich hätte dem alles erzählt, was er hören wollte“, sondern dass er zugibt, an seiner eigenen Wahrnehmung gezweifelt zu haben. Das ist so viel schlimmer!
    Super Trivia übrigens zu Johnny und Ronny, die Freunde geworden sind. Wer wünscht sich da nicht ein Spin-Off? „Die Abenteuer von Bill und Ed“ … Hach … Ich muss doch mal anfangen, Fan Fiction zu schreiben 😉

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    1. stef baura s

      TaDeriche ist ein tolles Wortspiel. Liebs sehr, wird in den Sprachgebrauch aufgenommen. Darf man als Hörer auch TaDerich sein?

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  7. Michael

    Die Folge ist die schwächere des Zweitteilers. Ich finde die zieht sich etwas dahin. Das Ende ist ja auch nicht logisch, dass Picard sein Schiff zurück kriegt. Erst die Borg in Best of both Worlds und jetzt die Cardasianer. Zwei schwere traumatische Erfahrungen in kürzester Zeit (ca. 2,5 Jahre). Danach gehört jemand nicht auf die Brücke des Flaggschiffs sondern in Kur mit psychologischer Begutachtung zu seiner grundsätzlichen Dienstfähigkeit. Das ist ja auch einer der Gründe warum beim Militär die Führungsoffiziere im Komandostand bleiben und die Manschaftsränge rausgeschickt werden. Das störte mich schon in der ersten Hälfte. Gefährliche Spionagemission, aber wer geht: die Führungskräfte des Flaggschiffs. Da ist ja schon die Prämisse fahrlässig. Das man was zum Thema Folter machen wollte, schön und gut, aber doch nicht mit so, dass man immer denkt, hätte Starfleet den Einsatz nur etwas realistischer geplant, wäre Picard und dem Zuschauer alles erspart geblieben.

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    1. Michael from Outer Space

      Hi Michael!

      Du hast recht, aber dann hätte es keine Folge gegeben! 😅

      LL&P
      Michael from Outer Space

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  8. BjoernHH

    Interessante Zusatzinfos von Michael from outer space zu Stewarts Familie und Vergangenheit, vielen Dank dafür!

    Ich bin seit Jahren Förderer von Amnesty International und freue mich daher zu hören, dass sie bei der Entwicklung der Folge mit ins Boot genommen wurden. Das erklärt auch den angemessenen Umgang mit dem Thema Folter.

    Deshalb fand ich auch Picards Erläuterungen a la „Folter bringt doch eh nix“ an der Stelle in der Folge genau richtig und nicht wie aus einer Broschüre.

    Nachdem man dem Publikum jahrelang einen Jack Bauer in „24“ zugemutet hat, der quasi die Folter als Verhörmethode wieder zurück in „die Mitte der Gesellschaft“ geholt hat, was ein schwerer Schlag für die Arbeit von Amnesty und Co. gewesen sein muss, ist es immer wieder gut, solche Sätze wie die von Picard zu hören.

    Einprägsame Folge!

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    1. Michael

      Wobei Spock in Undiscoverd Country sich jetzt in seiner Art Infos aus Valeris rauszuholen auch nicht sehr von Jack Bauer unterschieden hat. Was die Folter von Picard auch nochmal sinnloser macht: Star Trek ist eine Welt, wo man an jeder Ecke einen Telepathen (Vulkanier, Betazoiden, usw.) findet, der ein Gehirn wie eine Zeitung lesen kann. Bedeutet, wenn ich unbedingt an eine Info will, dann brauche ich keine physische Folter oder Drogen. Dann heuere ich so jemanden für die Befragung an und habe dann was ich wissen will. Vor allem habe ich dann auch die Gegenprobe, was der andere alles nicht weiß. Weil, wenn der Geheimdienst der Förderation auf Zack wäre (ist er ja nicht), dann könnte er jetzt aus den Fragen, die Picard gestellt worden sind herleiten, was die Cardassianer alles nicht gesichert wissen. Der Nachteil an Verhören ist ja, dass der Fragesteller auch immer verrät, was er vermutlich nicht weiß. Und Picard musste Gul Mardred mit diesem Wissen ziehen lassen.

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  9. SEO Sammy

    Die Wahrheitsdroge heißt Sodium Pentothal oder Thiopental siehe bei Wikipedia.
    Die Folge hat definitiv den D Kelly Award verdient.

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  10. Stef Baura S

    hallo Ihr beiden,
    vielen Dank für die tolle Besprechung der Doppelfolge.

    Als das 1994 ausgestrahlt wurde, war ich ja schon Ende 20, trotzdem hätte ich den Warnhinweis davor wohl auch gebraucht. Ich war danach auch regelrecht traumatisiert, und habe sie mir in den rewatches nicht mehr angeschaut, bzw. wenn es im TV mal zufällig lief, einfach nicht richtig hingeschaut.
    Für mich war das wirklich zuviel, dass „mein“ Picard gefoltert wurde. Mit der Grausamkeit selbst wäre ich zurecht gekommen, tatsächlich habe ich eine morbides „Interesse“ an Foltermethoden, wobei dann lesend nicht schauend. Zu sehen, dass es Picard angetan wurde, während gleichzeitig auch noch Jellico die Restcrew auf dem Schiff verschreckte, das konnte ich in meiner „Wohlfühlserie“ nicht ertragen.

    So habe ich nun mit Euch die 2 Folgen nochmal ganz bewusst geschaut, ich empfand, genau wie Ihr, Jellico als gar nicht so „schlimm“, sondern er war eben der Mann, der nun erforderlich war. Dass er schlecht in Kommunikation war, ist sicher auch dem Zeitgeist geschuldet gewesen, in den 90ern wurden Militärs nun mal militärisch dargestellt – we remember Jack Nicholson…

    Hinsichtlich der Aufhängen in die Zwangsposition und die daraus folgende Szene des Nicht-Arme-Heben könnes von Picard, habe ich kurz überlegt, ob das eine Anspielung auf John McCain gewesen sein könnte, der nach seiner erlittenen Folter durch den Vietcong seine Arme nicht mehr heben konnte und man oft eine ähnliche Gestik von ihm sehen konnte. in den 90ern war er schon politisch aktiv.

    Weiterhin wollte ich einen Podcast bzw. einen Film empfehlen, den der NDR dieses Jahr veröffentlicht hat.
    https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast5156.html
    Slahi, 13 kurze Folgen über die Folterung eines in Deutschland lebenden Mauretanier, der 14 Jahre in Guantanmo einsaß.
    Das Team hat Slahi UND auch seine 3 Folterer interviewt. Die Einblicke in diese 4 Personen sind berührend, verstörend, wütend machend, zum Heulen, alles gleichzeitig.
    Eine wirklich unter die Haut gehende Dokumentation.

    Es gibt auch einen Film dazu, ich habe es nicht geschafft, ihn mir anzuschauen, ich hatte Angst davor, die Gesichter zu den Personen zu sehen, hier der Link zur Mediathek:
    https://www.ardmediathek.de/video/dokus-im-ersten/slahi-und-seine-folterer/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzcwZDZiMjAyLWY1NTAtNGYyOS1iNTgzLTI2MDk3MWViZWEzYg/

    Ich freue mich nun mit Euch auf DS9!

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    1. Koboldkater

      Sehr interessante Parallele zu „Eine Frage der Ehre“!! Es hätte was gehabt, wenn Jellico zu Riker gesagt hätte (nachdem Riker ihm mitgeteilt hat, was er von ihm als Captain hält):

      „Commander Riker, wir leben in einem Universum voller Mauern, und diese Mauern müssen von Menschen mit Phasern geschützt werden. Sie genießen den Luxus nicht zu wissen was ich weiß, nämlich dass meine Existenz, auch wenn Sie Ihnen groteskt oder unverständlich vorkommt, leben rettet. Sie wollen das nicht wahr haben, aber tief in ihrem Innern- aber das sagen Sie nicht auf Jazzparties- wollen Sie mich an dieser Mauer, Sie brauchen mich an dieser Mauer. Ich habe weder die Zeit, noch das Bedürfnis, mich vor einem Mann zu rechtfertigen, der unter die Decke jener Freiheit schlüpft, die ich den Bürgern der Föderation täglich gebe…“

      Aber dann wäre Jellico deutlich unsympatischer. 😉

      Danke auch für die Links! Aber das ist ja nochmal was anderes, als eine fiktive Serie…*schluck*

  11. sternburg

    – Eure Frage, wo die Anweisung aufhört und wo der freudvolle Sadismus des Folterknechts anfängt, fand ich interessant. Für mich war bisher nämlich immer klar, dass auf Cardassia diese Vier-Lichter-Nummer einfach im Handbuch der Verhörmethoden steht. Für Fälle, wo der zu Verhörende nach Ausnutzung aller anderen Methoden (Wahrheitsserum) vordergründig glaubhaft versichert, die zu erlangende Information nicht zu besitzen: (Erst) Wer derart gebrochen ist und dann immer noch leugnet, dem kann man das glauben und den Fall zu den Akten legen.

    Ich habe das nie hinterfragt. Ich habe nie auch nur bemerkt, dass ich mir da eine Überzeugung zurecht gelegt habe. Jetzt, wo ich drüber nachdenke, bleibe ich bei meiner Theorie, aber ohne Euch hätte ich mir die Frage nicht gestellt. Der freudvolle Sadismus des Folterknechts spielt daneben natürlich trotzdem eine gleichwertige Rolle, weil ohne eine heftige charakterliche Beschädigung macht man ja so einen Job nicht.

    Auf der anderen Seite ist letzteres uns bei weitem nicht so fremd, wie wir immer tun. Man sollte dazu mal die Ärztin fragen, die der armen Sau, deren Blut an Olaf Scholz Händen klebt, das Brechmittel eingeflößt hat. Und der später vom EGMR letztlich Folter attestiert wurde. Die wird freudvollen Sadismus sicherlich weit von sich weisen – und das wahrscheinlich sogar zu recht? Der Firnis der Zivilisation ist dünn in uns allen.

    – Ich bin etwas verwundert, wie heftig ihr mit der Vorstellung einer cardassianischen Gesellschaft fremdelt, in der persönliche Macht über Andere ein absoluter, höchstrangiger Wert ist. Mit einer klingonischen Gesellschaft, für die dasselbe für deren Ehrbegriff gilt, fremdelt Ihr nach meiner Beobachtung keineswegs derart. Oder lese ich das falsch?

    – Eine tolle Besprechung einer tollen Folge, in der für mich die Hintergundinformationen und die deleted scenes noch mal größeren Wert haben als sonst. Die enge Zusammenarbeit mit Amnesty International macht daraus nochmal etwas viel größeres, besseres, was eine gewinnorientierte TV-Produktion nun wirklich nicht leisten _muss_. Und die deleted scenes (schön erzählt btw) heben diese Folge nochmal auf ein noch höheres Level. Immens schade, dass sie nicht dabei sind.

    Aber auch so ist diese Folge eine ganz besondere. Ja, sie trägt natürlich die ganzen erzählerischen Krücken der ersten Folge dieses Zweiteilers mit sich rum und man darf über die ganzen – mit Verlaub maximal an den Haaren herbeigezogenen – Prämissen der Ausgangshandlung nicht weiter nachdenken, sonst stürzt sie wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Aber wenn man das ausblendet, dann ist diese Folge Star Trek einer der großartigsten und erschütternsten fiktionalen Sendungen, die je im frei empfangbaren Fernsehen liefen. Nicht weniger als ein Meilenstein der TV-Unterhaltung.

    Witzig und ähnlich bezeichnend wie z.B. bei den Simpsons, dass das bei uns einfach so im Nachmittagsfernsehen weggesendet wurde. Ist ja nur SciFi, ist ja nicht ernst zu nehmen.

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    1. stef baura s

      hinsichtlich des Sadismus des Folterers verweise ich gerne nochmal auf den von mir verlinkten Podcast.
      die interviewten 3 Folterer sind 3 unterschiedliche Typen, getrieben von unterschiedlicher Motivation. Einer ist selbst dadurch zerbrochen, einer hat sich auf die Pflichterfüllung berufen, und alles darüber hinaus ausgeblendet, bei dem letzten hat man durchaus das Gefühl, dass er eine gewisse Lust daraus gezogen, als er darüber sprach.

      Ich glaube, der Typ „Pflichterfüllung/Verdrängung“ ist durchaus häufig, kann man sich bei Cardassia und dem repressiven System das dort herrschte gut vorstellen.

      Die Sadisten werden durch solche Systeme aber angezogen, und während die einen da quasi „reinrutschen“, schreien die Sadisten natürlich HIER, ich denke, ein Mengele ist dem Typ „Sadist“ zuzuordnen, während so ein Eichmann als Schreibtischtäter sich auf die Pflicht berufen hat. (ob er verdrängt hat, weiß man nicht.)

      Möchte daher in dem Zusammenhang erinnern, für die, die sich auf die Pflichterfüllung berufen haben, Hannah Arendts Zitat zum Eichmann-Prozess (ich glaub, der jährt sich sogar heute):
      „Niemand hat das Recht zu gehorchen“

      (gilt ausdrücklich nicht für Leerdenker und Konsorten!)

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  12. Ingo

    Zu dieser Folge habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Ich weiß, dass sie sehr gut ist (aufgrund all der Punkte, die ihr genannt habt) und sicher ein Highlight von TNG. Sie löst bei mir aber immer Unbehagen aus, weil ich Folterszenen grundsätzlich überhaupt nicht mag (und ich liebe Horror-Filme und bin auch sonst nen Harten 😉) . Mir ist auch klar, dass die Folge gerade mit dem Erzeugen dieses Unbehagens ihr Ziel bereits erreicht hat… Ändert aber nichts daran, dass ich sie nie zu meinen absoluten Favoriten zählen werde.

    Eine kleine Nebenbemerkung von euch, die nichts mit der Folge zu tun hat, will ich auch noch kurz aufgreifen: Euer Gespräch über Odans/Rikers blaues Wams gehört auch zu meinen liebsten Podcast-Momenten. Ich gehe gelegentlich auf ca. Minute 66 dieser Folge und muss immer noch breit grinsen. Wenn ihr mal ein Best of rausbringt, gehört dieser Moment da rein! 😉

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  13. Sören

    Wie immer eine super Besprechung für einen grandiosen Zweiteiler – für mich ist Jellico der richtige Captain, zur richtigen Zeit. Nicht nur zeigt er der Crew, was Sie an Ihrem Jean haben, er macht uns Zuschauern auch klar, dass es eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen im 24. Jahrhundert zugeht. Seine Kommunikation ist nicht optimal, Riker ist aber eben auch nicht unschuldig an der Situation. Als erster Offizier müsste er zwischen dem Captain und der besser moderieren, reagiert selber aber auch eher beleidigt und verschnupft.
    Ich stimme daher Jellico am Ende komplett zu: Er hat die Enterprise Crew aus der Komfortzone geholt und das Schiff ist besser. Ich finde es auch super, dass wie sehen, wie unterschiedlich die Charaktere auf ihn reagieren. Worf und Data sind pragmatisch und funktionieren auch unter Jellico super. Aufgrund Worfs besonderer Beziehung zu Picard hätte man auch etwas anderes erwarten können, aber das hätte die Handlung überfrachtet. Zu Geordi hat Jellico das engste Verhältnis und ich finde die gemeinsamen Szenen der Beiden machen Jellico sympatischer. Sehr schade, dass man sich später nicht mehr dieses großartigen Charakters bediente. Der wäre noch für den ein oder anderen Gastauftritt gut gewesen. Man stelle sich vor, Jellico wäre Captain der Voyager geworden…

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    1. Koboldkater

      Hallo Sören,

      ich stimme dir zu: Ich glaube auch, dass Jellico die Enterprise besser, zumindest effektiver, hinterlassen hat. Und wie Du finde ich es auch spannend zu beobachten, wie die einzelnen Charaktere auf Jellico reagieren. Erschreckend finde ich nur, wie unprofessionell der ein oder andere ist. Ich hätte auch gerne mehr Jellico gesehen; vielleicht hätte er mit einem großen Knall abtreten können wenn es zum ersten Mal gegen das Dominion geht? 🙂

  14. Mister Incredible

    Moin zusammen,

    Harter Tobak, in der Tat. Aber zum Glück auf der zehnstufigen Horroskala bei Film und TV lange nicht ganz oben. Das Spiel von Stewart mit dem Kippen vom Stuhl mit dem zitternden Bein, das ist schon enorm gut gespielt. Titanen der Filmkunst sind hier am Werke gewesen. Ganz großes Kino.

    Es erinnerte mich an die Verhörmethoden, die wir aus „Das Leben der Anderen“ zum Teil kennen. Das Opfer zu entwürdigen und zu einer Sache herabzuwürdigen, das ist wirklich das Übelste, aber wohl immer noch verbreitet. Die Szene von Rikers Triumph, als er von Jelico wegen des Shuttlemanövers gebeten wurde, hab ich gefeiert. Tolle Folge, super tiefgründige Besprechung.

  15. Randolph Carter

    Eine herausragende Folge und eine tolle Besprechung mit interessanten Beobachtungen.

    Vor Jahren habe ich “Four Lights” von DeCandido gelesen. Die Kurzgeschichte spielt während der siebten DS9-Staffel. Madred gerät in die Gefangenschaft von Picard, d. h. deren Rollen sind getauscht. Für den Fall, dass jemand es lesen möchte, verrate ich lieber nicht mehr.

    Du hast erwähnt, dass Du irgendwann auf ein Buch zu sprechen kommen möchtest, in dem es um die Cardassianer geht, Sebastian. Ich vermute, dass Una McCormack die Autorin ist. Stimmt das? Geht es um “The Never-Ending Sacrifice”? Wenn ja, bin ich auf Deine Meinung gespannt. Ich mochte das Buch und habe bislang gute Erfahrungen mit Una McCormack gemacht, die Geschichte, Psychologie und Soziologie studiert hat und sich daher für die cardassianische Gesellschaft interessiert.

    Aus einem Interview mit Una McCormack habe ich für alle Interessierten ca. fünf Minuten herausgeschnitten. Spoiler-Alarm! Wer DS9 noch nicht geschaut hat, möge bitte davon absehen, es sich anzuhören.
    Hier ist der ca. fünfminütige Ausschnitt aus dem “Literary Treks”-Podcast: https://www.dropbox.com/s/4p76eduzgg9uyus/Una_McCormack_Interview.mp3?dl=0

  16. Whisky_Duke

    Die Folge ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich prinzipiell zwischen Top-Folgen und Lieblingsfolgen unterscheide.

    Qualitativ gehört der Zweiteiler sicherlich in die TNG Top 10, wenn nicht sogar in die Top 5, aber gerade der zweite Teil ist aufgrund der Folterszenen sicherlich keine meiner Lieblingsfolgen. Seit Erstaustrahlung war das jetzt erst das dritte Mal, dass ich mir den Zweiteiler angeschaut habe.
    Lieblingsfolgen sind Folgen, die ich mir immer wieder anschauen kann, da kann auch ruhig mal Quatsch wie eine der Barclay-Folgen dabei sein.

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  17. Elias

    Eine wunderbare Episode und definitiv eine Sternstunde von Star Trek! Und wie sehr freue ich mich jetzt auch auf die Besprechungen von DS9!

    Das Einzige was ich mir in der Episode noch gewünscht hätte, wäre ein bisschen mehr Foreshadowing für DS9 gewesen. Zum Beispiel hätte man aus heutiger Sicht eventuell trotzdem in Teil 1 nach DS9 fliegen und dort auf Quark treffen können. Ich habe es nicht mehr genau im Kopf, wie darüber in der späteren Serie gesprochen wird, aber ich vermute mal, dass auch schon unter dem Kommando der Cardassianer Händler und Reisende anderer Rassen auf die Station gekommen sind, Quark arbeitet da ja schließlich auch und ich glaube nicht, dass Morn erst nach dem Abzug der Cardassianer auf die Station gekommen ist. Natürlich sind die Menschen (ehemalige) Feinde der Cardassianer, aber es gibt ja auch menschliche Händler bzw. Personen, die nichts mit Starfleet zu tun haben, die dort geduldet werden. Arne Darvin ist als Händler getarnt ja auch auf Cardassia unterwegs, wie wir später in „Trials and Tribble-ations“ erfahren. Eventuell wollte man sich den Reveal von DS9 aber ja auch bis zur eigentlichen Serien sparen…
    Am Ende der Episode hätte man aber auch noch erwähnen können, dass die Cardassianer beginnen sich von Bajor zurückzuziehen (Vielleicht hätten sie dies nicht getan, hätte ihre Mission in dieser Episode geklappt?), und damit die Handlung von DS9 einleiten können.

    Worauf ich nun auch sehr gespannt bin, ist die abwechselnde Besprechung der Serien. Sehr cool von euch, dass ihr schon mal eine Liste aller Episoden online gestellt habt. Ich hätte nur noch eine Frage zu eurem Vorgehen bei der Auflistung: Ab dem Zeitpunkt, wo VOY sich zu DS9 gestellt, wurden die Episoden ja zum größten Teil am selben Tag veröffentlicht. Nach welchem Kriterium entscheidet ihr hier welche Episode zuerst kommt? Kommt dann erst die DS9 oder die VOY-Episode?
    Ich habe zum Vergleich mal diese Liste (http://startreklist.blogspot.com/2011/04/list-of-all-star-trek-episodes-sorted_05.html) angeschaut, diese geht auch nach Ausstrahlungsreihenfolge und zum Teil sind die Episoden anders angeordnet als auf eurer Liste. Bei euch kommt manchmal die DS9-Episode zuerst, dann wieder die VOY-Episode. Würde mich einfach interessieren! 🙂

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  18. Roger

    Hallo zusammen

    Mir ist die Folge 1994 gar nicht so stark eingefahren, ich habe mich eher auf die Enterprise-Handlung fokussiert und den Picard-Madred-Szenen zuwenig Gewicht gegeben. Erst viel später habe ich die wahre Bedeutung dieser Geschichte erkannt.

    Für David Warner sicher (endlich) eine würdige Star-Trek-Rolle. Denn die Rolle in Star Trek V war überaus unspektakulär und hinterliess keinerlei Eindruck bei mir; und in Star Trek VI war er zwar sehr gut, aber leider auch schnell tot…

    Viel Erfolg beim DS9-Start! Ich freue mich! 🙂

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  19. Koboldkater

    Vorab: Auch Ihr habt euch diesmal einen DeKelley-Award verdient. Die Besprechung war dieser Doppelfolge durchaus würdig und es hat von vorne bis hinten Spaß gemacht, Euch zu zuhören!

    „Chain of Command“ war schon immer meine absolute Lieblingsfolge und durch euch habe ich sie nochmal mehr genossen. Ich mochte schon immer die Folgen bei Star Trek, die ein wenig „realistischer“ waren, mehr Grautöne boten. Daher habe ich wohl auch meine Probleme mit den ersten beiden Staffeln TNG… Und diese Folge hat so viele grautöne, sie ist so schön unbequem.

    Nun zur Episode an sich:

    Ihr habt schon so viel richtiges gesagt und ich stimmt euch in den meisten Dingen vollständig zu; vor allem hat mir gefallen, dass ihr Jellico nicht in Bausch und Bogen verdammt. Ich bin und bleibe einfach Fan von Jellico; auch wenn ich natürlich auch Picard liebe. Ich kann aber Chefs, die immer alle fragen wie sie sich fühlen und was die Entscheidung gerade mit Ihnen macht, nicht immer Ernst nehmen… auch wenn ihr natürlich recht habt und er vielleicht auch mal deutlicher hätte machen können, dass er die Entscheidungen so trifft, weil er an „das große Ganze“ denken muss und dass es ihm auch nicht leicht fällt, Picard ggf. zu „opfern“. Vor allem weil er wahrscheinlich ahnt, was die Cardassianer gerade mit Picard anstellen… daher finde ich es echt schade, dass so viele gute Jellico-Szenen dem finalen Cut zum Opfer gefallen sind. Sehr gut fand ich übrigens eure Vermutung, dass Jellico seit Jahren Patroulliendienst an der cardassianischen Grenze und ähnliches macht und damit natürlich eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat als die Enterprise-Crew.

    An dieser Stelle hätte ich mir daher auch ein wenig mehr Kritik an Rikers kindischem Verhalten gewünscht, als es darum geht, einen Piloten für die Minen-Mission zu finden. Mal abgesehen davon, dass es angeblich keinen besseren Piloten an Bord der Enterprise gibt (fliegen an der Steuerkonsole der Enterprise sonst nur Fahranfänger?) als unseren Bill, fand ich es unheimlich kleinkariert, dass er Jellico so erniedrigen muss. Hätte er wirklich diese Mission und damit auch den Star-Regisseur Milos Forman (ja, ich fand das witzig…) gefährdet? Ist ihm sein Ego wichtiger als die Kolonisten?
    Für mich ist Jellico derjenige, der sich als der „Größere“ erweist und für die größere Sache sich auf Rikers absolut UNPROFESSIONELLES Niveau begibt und ihn schlussendlich bittet. Diese Szene macht mich immer wieder wütend.

    Völlig zu Recht sodann euer Lob für Gul Madred bzw. David Warner. Wahnsinn dieses Zusammenspiel zwischen Stewart und Warner. Alleine das ist einfach genial. Gul Madred ist für mich der typische kultivierte KZ-Scherge a la Mengele. Das Kammerspiel zwischen dem ausgelieferten Picard und dem Good Cop/Bad Cop in einer Person ist sicherlich eine der besten Inszenierungen, die nicht nur Star Trek, sondern auch das Fernsehen überhaupt zu bieten hat und hatte.

    Was mich aber wie euch störte war der Umstand, dass sich die Macher dann doch nicht getraut haben, Picard vollends gebrochen zu sehen. Der kleine Triumph zwischendurch und als er dann endlich befreit wird hat für mich einen faden Beigeschmack und macht leider die Message ein wenig kaputt a la, „wenn man sich nur fest genug anstrengt, dann kann man da durch und muss sich nicht selbst aufgeben“; ich glaube, das ist kaum möglich. Die Gesprächsszene am Ende mit Troi ist daher enorm wichtig, um den Zuschauern zu zeigen, dass auch Picard am Ende bereit war, sich völlig zu unterwerfen.

    Und hierum ging es meiner Meinung nach Madred nur. Minos Corva war nur anfangs von Interesse. Für Madred war es glaube ich am Ende nur noch ein Spiel, ein geistiges Kräftemessen für sein Ego.

    Hier ist glaube ich auch die größte „Lücke“ dieser Folge. Folter wird aus einer sehr „westlichen“ Sicht gezeigt; die Botschaft richtet sich meiner Meinung nach vor allem an in westlichen Demokratien lebende Zuschauer, in deren Gesellschaften ja unregelmäßig auch immer mal wieder die Diskussion aufflammt, ob nicht in manchen Ausnahmefällen zumindest so ein bisschen Folter „in Ordnung“ sein könnte. Wir denken an den Fall Jakob Metzler, wo dem Täter auch Folter angedroht wurde, wenn er das Versteck des entführten Jungen nicht verrät. Die Folge führt uns deutlich vor Augen, dass es „ein bisschen“ Folter nicht gibt und was es am Ende bedeutet: Die totale Entmenschlichung des Gefolterten.

    Leider ist Folter – und hier ist der westliche Zuschauer zum Glück von seinen Regierungen anderes gewohnt, bei aller Kritik an manchen Methoden sicherlich-immer auch mehr als nur eine Methode, um Informationen zu bekommen. Picards Kritik an der Ungenauigkeit und Fehlerhaftigkeit der erfolterten Informationen geht damit auch leider nur zum Teil ins Ziel, ebenso ist damit die Message der Folge verkürzt.

    Folter – oder auch die Drohnung mit Folter- ist auch immer ein Instrument zur Beherrschung der eigenen Bevölkerung, gerade in faschistoiden Gesellschaften wie der Cardassianischen Union. Ich glaube, die Aussicht selbst – oder Freunde, Familienangehörige- gefoltert zu werden sorgt dafür, dass viele sehr genau abwägen, ob es das „Wert“ ist gegen das Regime vorzugehen. Und wenn Gul Madred dann noch einen führenden Starfleet Captain brechen kann- wie soll dann der Einzelne, der „zivilen Ugehorsam“ zeigt, der Folter widerstehen?

    Ich bin der Überzeugung, dass „begnadete Folterer“ wie Madred auch wissen, dass erfolterte Informationen nur zum Teil brauchbar sind. Aber kommt es darauf an? Es handelt sich bei dieser Folter eben nicht um ein „reguläres“ Verhörinstrument in einem „rechtsstaatlichen“ Sinne zur Gewinnung von Informationen, sondern vielmehr um ein „Bestraftungs- und Beherrschungsinstrument“. Madred ist Ermittler und Richter in einer Person. Und das Urteil steht vorher fest. Er hätte ja Picard nicht einfach gehen lassen, selbst wenn Picard von den Verteidigungsplänen erzählt hätte. Madred hätte immer gewusst, dass die Informationen ggf. gelogen wären. Picard sollte einfach für immer als Gefahr für die Cardassianische Union ausgeschaltet werden und das möglich vollständig; womöglich hätten die Cardassianer den völlig gebrochenen Picard noch für Propagandazwecke missbraucht. Die menschliche Geschichte ist ja voll von diesen Beispielen.

    Für mich läutet dieser -erneut- traumatisierte Picard auch die Wandlung zum härteren Kino-Picard ein. Das Fass, ob eine derart traumatisierte Person noch ein Raumschiff befehligen sollte, mache ich mal nicht auf. Leider wird das Trauma auch nicht mehr wirklich aufgegriffen in der Serie…

    Nun denn: Nochmals Danke für die tolle Besprechung!

    LLAP!

    P.s.: Ihr könntet mal bei Paramount/CBS anfragen, ob ihr eine kleine Provision bekommt; habe mir natürlich nunmehr sofort die BluRay mit den Deleted Scenes bestellt. 🙂 UND DAS NUR WEGEN EURER BESPRECHUNG!!! 😀 (fühlt ihr euch ordentlich angeschrien durch die Großbuchstaben und drei !!! ?)

    1
  20. Don

    Moin! (Oder sollt ich besser „Prost!“ sagen?)

    Der Titel der Doppelfolge bezieht sich vielleicht auch auf Gul Madred, der Picard ziehen lassen muss, nicht weil er selbst es will, sondern weil es ihm befohlen wurde.
    Ansonsten gibt es ja auf der Enterprise noch ein sehr offenes Gespräch zwischen Riker und Jellico, was guten und schlechten Führungsstil angeht. Ich finde also „Chain Of Command“ auch für den zweiten Teil durchaus noch passend.

    Als sog. Wahrheitsseren wurden verschiedene Substanzen gebraucht. Der Klassiker dürfte wohl Thiopental (Pentothal®) sein.
    Allerdings kann keiner dieser Stoffe tatsächlich einen Menschen dazu bringen, ausschließlich die Wahrheit zu sagen, deshalb ist die Bezeichnung eigentlich irreführend.

    Ich halte David Warner auch für einen ganz großartigen Schauspieler. Mit ihm verbinde ich Filme wie „Tron“ oder Fernsehrollen wie der russische Wissenschaftler und „Ultravox“-Fan in „Doctor Who“. Und natürlich seine Star-Trek-Rollen. Und viele andere Rollen mehr!
    Einzig nicht überzeugt hatte er mich lediglich als Reinhard Heydrich in „Holocaust“, da spielte er die Rolle sehr steif, fast unbeweglich. (Ich habe erst später erfahren, dass er da wohl stark allergisch auf die Kostüme der Serie reagierte und man damit schwere Mühe hatte, die Nesselsucht nicht von der Kamera festhalten zu lassen. Also hätte er wohl unter normalen Umständen diese Rolle wohl auch besser ausgefüllt!)

    Mag sein, dass Jellico das nicht nach außen kommuniziert, dass ihm das Schicksal Picards keinesfalls egal ist. Aber müsste das Deanna nicht zumindest bei ihm spüren können?

    Ob Picard wirklich auf seinen Fußspitzen stehen muss, sieht man nicht genau, da er ja mit heruntergelassenen Hosen dasteht. Wenn es aber wirklich so ist, wird er in dieser Haltung ziemlich schnell Atemprobleme und evt. gar einen Kreislaufkollaps bekommen.

    Kommt mir das nur so vor oder hat Jellico immer den Drang, rückwärts in einen Turbolift zu laufen?

    Einer der Gründe, warum man Kirks Crew die Rettung Spocks nicht erlauben wollte, war natürlich auch, dass jener als tot galt.

    Ich glaube auch, der macht da inzwischen sein Madred-Ding!
    So lange es noch um Minos Korva ging, war es eine Folter, um Informationen zu erlangen. Diese Informationen hat Picard gar nicht, damit ist der eigentliche „Is it safe?“-Teil der Folter vorbei.
    Nun, mit den vier Lichtern, geht es nur noch darum, Picard vollständig zu entmenschlichen und seinen Willen zu brechen. Das ist nicht mehr von den Befehlen der cardassianischen Vorgesetzten gedeckt, weil sinnlos. Madred durchbricht hier also die Befehlskette, die „Chain of Command“. Er will sich gegenüber Picard in seiner Machtposition ergehen.

    Die Geschichte mit den vier oder fünf Fingern aus „1984“ habt Ihr ja schon angesprochen. Mich erinnert das Ganze aber auch an eine Szene aus „Hamlet“, in der dieser Polonius seine Macht gleichzeitig dessen Unterwürfigkeit spüren lässt, als er immer wieder ein anderes Tier in einer vorbeiziehenden Wolke sehen will und Polonius bei jeder Volte immer wieder beipflichtet, dass Hamlet völlig recht hat.
    Das gleiche Machtspiel wie bei Madred. (Allerdings ohne Folter natürlich.)

    Was das Auflösen aussichtsloser Situationen angeht, war DS9 aber deutlich märchenhafter als TNG. Ein Kampf altes gegen neues Star Trek kann ich hier nicht erkennen. Es ist eigentlich das gleiche Spannungsfeld wie immer.

    Was ist eigentlich mit dem neuen Sicherheitschef auf der Enterprise passiert? Hat der einfach ohne Prostest seinen Posten dem Worf zurückgegeben?

    Riker schaut sich ein Buch an, in dem ein Mensch einer Riesenkröte einen Stein auf den Kopf haut!?

    Naja, zerstört wurde Madred nun nicht. Er hat aber das Machtspiel gegen Picard verloren, obwohl er kurz vor dem Sieg stand. Das setzt sein Ego wieder zurück zum Sechsjährigen, der mit gebrochenem Arm und ohne Nahrung für die nächste Woche dasteht.
    Picard hat aber auch nicht wirklich gewonnen. Dieses herausgebrüllte „There are four lights!“ ist sein Versuch, der Strohhalm, sich seine genommene Würde zumindest ein Stück weit zurückzuerlangen. Für einen Picard als strahlendem Held reicht das aber sicher nicht! Er sagt ja dann auch später, dass er nicht nur kurz davor war, das mit den fünf Lichtern zu sagen sonder er war schon so weit, diese fünf Lichter auch tatsächlich zu sehen! Und als er dies Deanna erzählt, sieht man Picard an, wie sehr ihn gerade das so fertig macht.

    Das stimmt, es ist ganz anders als in „Family“. Hier bittet Picard Deanna geradezu, ihm in den Bereitschaftsraum zu folgen, damit er ihr davon erzählen kann.
    (btw: Dies ist auch eine ganz große Folge für Marina Sirtis, die hier, allein durch ihr Minenspiel, mal zeigen konnte, was in ihr steckt.)

    Interessant oder, eher gesagt, merkwürdig ist, dass zwar Picards Trauma aus der Locutus-Zeit in späteren Folgen bzw. Filmen immer mal wieder aufgegriffen wird.
    Diese Zeit der Folter wird aber niemals wieder angesprochen werden. Das finde ich sehr schade!

    Fazit:
    Ich bin eigentlich kein großer Fan von Mehrteilern in Star Trek, wenn man mal von „The Best Of Both Worlds“ absieht. Denn die gewonnene Zeit wird von den Machern i.d.R. nicht zu mehr Inhalt, sondern zu längerem Ausbreiten des eigentlichen Themas genutzt. Dadurch wirken sie oft langatmig und überladen.*
    Deshalb bin ich fast immer, wenn SebasTitan und Simon sagen, diese oder jene Folge wäre ihrer Meinung nach besser ein Zweiteiler geworden, nicht der gleichen Ansicht.
    Hier aber ist das alles anders.
    Diese Doppelfolge ist eindrücklich, sehr bedrückend und von Anfang bis Ende auch spannend! Beide Daumen hoch und beim Landarzt gehe ich sofort und gerne mit!

    Hat sich der Christian diesmal gar nicht zu der Folge geäußert? 🙁
    _________________________
    * Der merkwürdigste Zweiteiler dürfte wohl „Birthright“ sein, weil das überhaupt gar kein Zweiteiler ist! Keine Ahnung, warum man der Meinung war, dies so zu inszenieren.

  21. Kleiner Bruder

    Hallo zusammen!

    Hier war wieder zu beobachten, was schon vor einiger Zeit jemand gesagt hatte: aus „Star Trek“ ist „Star Settlement“ geworden. Statt Neues zu entdecken geht es mehr und mehr darum, das Erreichte zu bewahren. Deep Space Nine mit einer Raumstation als Schauplatz ist da nur folgerichtig.

    Ich bin ziemlich sicher, diese Folge damals nicht gesehen zu haben und, ehrlich gesagt, ich werde es wohl auch nicht tun. Auch wenn sie ein wichtiges Thema anspricht, nur, darüber habe ich schon ein wenig gelesen. Die Realität hat meiner Meinung nach genug Horror. Trotzdem natürlich Daumen rauf, allein dafür, das Thema anzusprechen.

    Auch hierzu wurde jetzt schon fast alles gesagt. Mir fiel noch ein, dass Folter sehr unterschiedlich begründet werden kann. Sie kann zum Beispiel als Teil der Strafe zur Abschreckung eingesetzt werden, wie oft im Mittelalter. Bei überführten Straftätern wird sie vielleicht eingesetzt, um weitere Hinweise auf Opfer oder Mittäter zu bekommen. Der Fall Jakob von Metzler wurde ja schon genannt, auch Spocks Angriff auf Valeris würde ich dazu zählen. Hier würde es für die meisten wohl schwieriger werden, zu entscheiden.
    Auch im Krieg hofft man natürlich, von Gefangenen wertvolle Informationen zu bekommen, wie im vorliegenden Beispiel.
    In totalitären Staaten (wie Cardassia es ist) wird Folter auch als Mittel genutzt, die Opposition einzuschüchtern.
    Der dümmste Grund ist natürlich, Verdächtige damit zu einem Geständnis bewegen zu wollen. So wurde zum Beispiel einmal berichtet, dass Gefangene der Amerikaner gesprächsbereit waren, als sie gut behandelt wurden, aber nach Beginn der Folter nichts mehr aus ihnen herauszukriegen war.

    Hofft Gul (Ghoul?) Madred wirklich, von Picard geheime Informationen zu bekommen? Ihm sollte doch klar sein, daß man einen Geheimnisträger nicht auf eine solche Mission schickt. Starfleet ist zwar oft ziemlich schlampig, aber das wäre dann doch zuviel der Dummheit. Eher glaube ich, dass wir es hier mit einem echten Psychopathen zu tun haben. Und als solcher kann er seinem Opfer auch alles erzählen, was er seinen Kumpels beim Feierabendbier nie sagen würde. Sein Gegenüber ist für ihn kein fühlendes Wesen und sowieso praktisch tot.

    Selbst nach den Maßstäben irgendeiner Konvention hätte Picard keine Chance auf eine faire Verhandlung. „Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit“, heißt es. Und es wäre für die Cardassianer ein leichtes, Beweise für ein Kriegsverbrechen zu konstruieren.

    Zu „Kirks Zeiten“ hätte es bestimmt eine Rettungsmission gegeben, wie in „Das unentdeckte Land“. Es wäre halt nur total unrealistisch gewesen.
    Aber wollen wir Realismus, wenn wir Star Trek einschalten?

  22. Odo sein Eimer

    Lieber Sebastian, lieber Simon,

    ich habe es geschafft und habe euch eingeholt! Im Sommer hab ich angefangen „Trek am Dienstag“ zu hören, nachdem im „Grauen Rat“ die eine oder andere Empfehlung gefallen war. TOS und TNG habe ich bis hier hin durchgezogen (die täglichen Bahnfahrten waren dann auch weniger langweilig) und ich freue mich jetzt auf die wöchentliche Dosis eurer Besprechungen von DS9, TNG und was dann noch so kommt. Insbesondere freue ich mich in den nächsten Monaten auf die ersten beiden DS9-Staffeln, die ich eigentlich für die spannendsten und abwechslungsreichsten halte – ähnlich wie die ersten beiden von TNG, die ja viele auch nicht wirklich mögen, aber ich schon.

    Ich hätte noch einen Verbesserungsvorschlag für euch, den ich in der Umfrage vergessen habe: Ergänzt doch bitte die Podcast-Dateien um Kapitelmarken. Wenige würden mir schon genügen: „Begrüßung“, „Produktionsnotizen“, „Folgenbesprechung“ und „Bewertung“. Vielleicht noch um „Smalltalk“ oder dergleichen ergänzt, wenn dieser mal bedeutend länger ausfällt. Manchmal hat man vielleicht keine Lust auf das Drumherum und es interessiert nur die Besprechung oder man will nochmal die Produktionsnotizen von Folge XY nachhören. Bei den Filmen (so viele kommen ja nicht mehr) lohnt sich das bestimmt auch.

    Würde mich freuen, wenn ihr darüber mal einen Gedanken verlieren könntet.

    4
  23. Michael from Outer Space

    Hi! 😉

    An alle, denen mein Kommentar über Patrick Stewart und seine Familie gefallen hat:
    1. Gern geschehen!
    2. Vielen Dank für das positive Feedback! Mit so viel guter Resonanz hatte ich nicht gerechnet.

    LL&P
    Michael from Outer Space

    2
  24. Roat

    Die lustige Science-Fiction-Serie mit dem Glatzkopf und dem komischen Roboter, die in jedes gute Regal gehört!
    Einfach Köstlich

  25. Michael Kleu

    Ich glaube, ich habe das Wesentliche schon beim ersten Teil gesagt. Sehr starke Doppelfolge, die ich mir aber jetzt nicht einfach so aus Unterhaltungsgründen erneut ansehen würde.

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