Trek Nights #5: Markus und die Utopie

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Guten Abend, liebe Freundinnen und Freunde der späten Unterhaltung. Kippt euch einen Kanar ein, denn wir halten euch heute wieder anderthalb Stunden länger wach als nötig. Dazu begrüßen wir endlich einen unserer liebsten Podcaster-Kollegen: Markus vom E&U-Gespräch schaltet sich ins Late-Night-Studio! Mit ihm sprechen wir nicht nur über seine ganz persönliche Trek-Historie, sondern auch über Träume, Bilder, Hoffnung und Bedenken von und vor der Zukunft.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Michael from Outer Space

    Hallo Markus, Hallo Simon, Hallo Sebastian!

    Eure Diskussion hat mir wieder mal (für Markus war es natürlich das 1. Mal) gefallen! „Trek Nights“ ist meiner Meinung nach ein sehr schönes Spin-Off zu TAD und fügt sich gut in den wöchentlichen Episoden-Rhythmus ein.

    Bei DISCO bin ich glaube ich raus. Ich habe mir nur die 1. Staffel im NETFLIX-Gratismonat angeschaut und war vom Finale schwer enttäuscht. Die 2. Staffel kenne ich nur aus Podcasts. Mein Interesse an der Serie ist insgesamt an einem Tiefpunkt angekommen. Bei PICARD ist es ähnlich. Zurzeit hoffe ich auf eine Veröffentlichung von LOWER DECKS in Deutschland, weil sie in diversen Podcasts recht positiv bewertet wurde. STRANGE NEW WORLDS wird im Idealfall eine aktualisierte, moderne, zeitgemäße Version von TOS mit neuen Schauspielern, guter CGI und spannenden Geschichten. Beim BSG-Reboot hat das gut funktioniert, wieso nicht auch bei TOS? Ach ja, ich stelle schon wieder Ansprüche… 😉

    Mit der Utopie ist das so eine Sache. Was als Utopie oder Dystopie empfunden wird, ist meiner Meinung nach sehr individuell. Was ich für erstrebenswert halte, können andere Menschen ganz anders bewerten. Meine persönliche Utopie gilt mit Sicherheit nicht für den Rest der Menschheit. Wenn ich bedenke, dass Streaming-Serien möglichst viele Zuschauer ansprechen sollen, ist „unsere“ Utopie vielleicht gar nicht mal das Gelbe vom Ei. Spannender finde ich die Frage, warum sich Menschen überhaupt nach einer Utopie sehnen und solche Ideen entwickeln. Mir ist der Utopie-Gedanke bei STAR TREK nicht so wichtig wie andere Aspekte.

    Diese Utopie wird ja immer wieder betont und behauptet, aber die praktische Umsetzung davon kriegen wir nie zu sehen. Wie geht die Föderation im 24. Jahrhundert beispielsweise mit Straftätern um? In „Dagger of the Mind“ sagte Kirk, die modernen Strafanstalten (des 23. Jahrhunderts) wären „Erholungsheime“. Picard sprach in „Justice“ davon, dass die Föderation kriminelle Tendenzen frühzeitig erkennen könnte. Was das bedeutet, erfahren wir aber nicht. Tom Paris saß in einer Strafkolonie ein, weil er sich dem Maquis angeschlossen hatte. Wieso hat man seine Neigung zum Maquis nicht vorher erkannt? Wie wurden Chakotay und seine Ex-Maquis nach der Rückkehr der Voyager behandelt? Hat man sie für ihre Verbrechen vor Gericht gestellt und eingesperrt oder begnadigt, weil sie sieben Jahre lang Neelix‘ Leola-Wurzeln essen mussten und ihre Strafe damit verbüßt haben? Wie funktioniert das Wirtschaftssystem der Föderation, wenn es dort kein Geld gibt? Auf Deep Space Nine wird sehr wohl eine Währung benutzt, nämlich Latinum. Ist das eine Ausnahme, weil die Station nicht im Föderationsraum liegt? Wie treibt die Föderation mit anderen Völkern Handel? Diese und andere Fragen bleiben unbeantwortet, weil ihre Klärung langwierige (und wahrscheinlich auch langweilige) Antworten nötig machen würde, die höchstens für eine kleine Minderheit der Zuschauer interessant wären. Dasselbe sehen wir auch beim politischen System der Föderation, das nur hier nur da mal angerissen wird. Mit langen Diskussionen über Politik und Wirtschaft im 24. Jahrhundert lockt man eben niemanden hinter dem Ofen vor, außerdem hätte es nichts mit den „Strange New Worlds“ zu tun, die die Fans sehen möchten.

    Ich denke, dass STAR TREK bei solchen Themen an seine Grenzen stößt. Als Ideen, über die man sich Gedanken machen kann, funktionieren sie, aber eine Ausformulierung ist schwierig. Dazu ist das ganze Universum eben zu inkonsistent und widersprüchlich.

    LL&P
    Michael from Outer Space

  2. Bridge 66

    Hallo, Trek (K)nights,

    „Jedem sein Huhn im Topf“ ist ein Versprechen, das verschiedenen Fürsten in der Geschichte zugeschrieben wird, z. B. Heinrich IV von Frankreich oder Friedrich dem Großen von Preußen. Aber was ist mit denen, die kein Huhn mögen? Ja, für jeden sieht das Paradies anders aus.

    Ich stimme dir zu, Michael, die Klärung der Fragen, wie die Utopie von Star Trek funktionieren soll, wäre nicht nur langwierig und vielleicht sogar langweilig, aber ich fürchte, sie würde einer genaueren Prüfung kaum standhalten. Wenn es Lösungen gäbe, die funktionieren würden, dann würde unsere Welt schon heute ganz anders aussehen.

    LL&P
    Bridge

    1. Michael from Outer Space

      Hallo Bridge!

      Deswegen sind Utopien immer wage – bei einer genauen Ausformulierung würden sie in sich zusammenfallen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Dystopien derzeit so beliebt sind: Menschen akzeptieren oft negative Nachrichten/Szenarien eher als positive. Eine Dystopie erscheint Vielen darum glaubwürdiger als eine Utopie. Dazu kommen Entwicklungen in der realen Welt, die sich immer weiter den dystopischen Geschichten angleichen (Bsp.: Globale Erwärmung mit ihren Folgen und Überwachung der Bürger durch Gesichtserkennung, Bewegungsprofile, Vorratsdatenspeicherung etc.).

      LL&P
      Michael from Outer Space

  3. Kleiner Bruder

    „Faszinierend“, euer Podcast heute.
    Was macht Star Trek so faszinierend? Ihr hattet das Design genannt und die utopische Zukunftsvision. Ich würde noch ergänzen: der Humor, die abwechslungsreichen Geschichten und die Teamarbeit. Gerade letzteres hebt ST für mich aus anderen Serien heraus. Es ist nicht der Held plus Sidekick, nicht Held gegen Schurke, Superheld gegen Superschurke und nochmal von vorne. Später in den TOS- Filmen hatte es etwas geradezu familiäres.
    Ich bin ja mit TOS quasi aufgewachsen. Deswegen bin ich auf die Macher von STD ein wenig böse, dass sie in diese Zeit zurückgegangen sind, nur um alles kaputt zu hauen. Das war nicht nur „ätsch bätsch“, das war „leck mich“.
    Dabei war TOS überhaupt nicht konfliktfrei. Die Streitereien zwischen Spock und McCoy hatten schon etwas rassistisches: „Vulkanier haben die bessere Logik“ – „aber Menschen haben Gefühle“. Und die Kämpfe von Kirk gegen die Bürokraten sind doch legendär.
    Brauchen wir aggressive Gefühle? Wenn wir „Kirk : 2 = ?“ glauben wollen, ja. Aber müssen wir gleich von Aggressivität reden? Es gibt auch die These, das wir ohne das Schlechte das Gute nicht zu schätzen wüssten. Das bezweifle ich. Ich muss mir nicht mit dem Hammer auf den Daumen hauen um zu wissen, das ein heiler Daumen besser ist.
    Zur Zeit leben wir ja eher in einer Dystopie. Selbst wenn es uns persönlich gut geht, so sehen wir doch all die Ungerechtigkeit in der Welt und auch unser gutes Leben kann jeden Moment vorbei sein. Und die Aussicht, mit achtzig im Pflegeheim dahinzuvegetieren ist auch nicht so angenehm. Das erklärt vielleicht die anhaltende Faszination von Utopien, auch wenn sie immer unwahrscheinlicher werden. Früher haben oft Philosophen utopische Welten entworfen, die doch eher „Diktaturen der Vernunft“ sein sollten. In diesen sollte zum Beispiel alles nach Bedarf zugeteilt werden. Geblieben sind die Diktaturen und die Desillusionierung.
    Die Welt erscheint heute mehr denn je als ein Koloss auf tönernen Füssen – übrigens ein Bild aus der Bibel, im Buch Daniel, Kapitel 2 (falls jemand nachlesen will, wie diese Geschichte weitergeht).
    Können Menschen überhaupt eine Utopie schaffen ? Solange so viele aus ihrem kurzen Leben so viel wie möglich für sich herausholen wollen, sicher nicht. Aber, und das ist vielleicht tröstlich, sie ist nicht undenkbar.

  4. Kleiner Bruder

    P.S. Bei DS9 ist das Thema wohl eher: wie gut hält unsere (utopische) Gesellschaft der Konfrontation mit anderen, aggressiven Gesellschaften stand?

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