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17. Dezember 1997:
Inmitten des Großen Waldes steht ein prächtiger Baum, wo man alle seine Lieben trifft und so glücklich ist wie in den schönsten Erinnerungen. Das war Neelix‘ tröstliche Erwartung ans talaxianische Jenseits, bis er in einem Protomaterie-Nebel stirbt und nach 18 Stunden von Borg-Nanosonden jäh ins Diesseits zurückgeholt wird, ohne Drüben den Baum gesehen zu haben. Sinnkrise für den Moraloffizier!
In Deutschland: Leben nach dem Tod, ausgestrahlt am 5. Februar 1999.
Guten Morgen, Ihr Lieben!!
Auch wenn ich der einen oder anderen Sekunde, mal etwas knarzt, genieße ich doch jede Minute Eurer Podcasts. Bleibt bitte, wie Ihr seid. Danke.
„Willkommen im ausverkauften Signal-Iduna Park zur letzten Folge von TAD. Und hier sind Eure Gastgeber: Simon Maria Fistrich und Sebastian Heribert Göttling!“ So und nicht anders soll es in einigen Jahren laufen.
Die Folge selbst hat mich ja gepackt, nachdem ich anfangs dachte, dass es eine maue Harald-Folge wird. Dies hat aber vor Allem einen Grund: Ich habe in den letzten Jahren nach Verlust meines Kindes und später meiner guten (herausfordernden wie gut bezahlten) Arbeit meinen Glauben wiedergefunden, nachdem es mich fast selbst zerrissen hat. Dazu gehört auch die Hoffnung, irgendwann auf der anderen Seite geliebte Menschen wiederzutreffen, seien es meine Großeltern, meine bis dahin wohl verstorbenen Eltern und mein Kind. Würde ich wie Neelix vom Tod zurückkommen und da wäre Nichts gewesen, ich könnte wohl auch nur schwer weiterleben. Aber wie der Fred schon sagte: Vielleicht war Neelix noch nicht so weit oder er weiß nur Nichts mehr vom Nachleben. Sein Glaube kann auch zurückkehren und wachsen. Unterm Strich vergessen Wir aber auch oft, dass Neelix sehr viel Schlimmes erlitten hat, angefangen beim Tod geliebter Menschen, Kampf als Soldat, Besetzung der Heimwelt und am Ende auch Verlust seiner geliebten Kes, auch wenn dies friedlich war. Sein Loch nach Innen füllt er halt mit hektischen Tätigkeit nach Außen. Solche Menschen gibt es ja auch im realen Leben.
Apropos: Ich finde es gut, dass man nicht Fred als betroffenen Charakter gezeigt hat. Das hätte wohl schon damals Geschmäckle gehabt. Gerade auch, weil es „DAS“ Nachleben aller Indianer – selbst in Nordamerika – ja eh nicht gibt. Erstaunlich einsichtig von den Machern und das in den 90ern. Außerdem hätte so Fred als geistige Führung für Neelix gefehlt, auch wenn latürnich in der Folge wieder „Hokuspokusamulette“ und Panflöte sein müssen. Aber das gab es ja schon länger nicht mehr.
PS: Das Zerschmelzen von Neelix Schwester sorgte auch gut für einen kleinen Grusel.
Mein Beileid, Maestro84! Ich wünsche dir und deinen Lieben viel Kraft bei eurer Trauerarbeit.
Hallo maestro84,
sehr treffende Analyse. Toll, dass du einen Weg gefunden hast, mit dem Verlust zu leben. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!
Mein Beileid für Deinen Verlust.
Für mich auch eine wunderbar berührende Folge. Viel mehr kann man dazu auch gar nicht sagen.
Außer einer kleinen Anmerkung bezüglich des Umgangs mit Suizidalität:
In wirklich akuten Krisen ist der wichtigste Faktor erstmal Zeit gewinnen. Es ist im ersten Augenblick völlig egal, was der Grund ist, sich nicht umzubringen, da reflektiert man ganz direkt: welche Gründe sprechen für den Tod, welche für das Leben. Und solange Gründe existieren, die für das Leben sprechen, egal welche (die Top Zwei Gründe die mir im Laufe bis jetzt geschildert wurden sind: Familienmitglieder wie Kinder und Haustiere – also auch Familienmitglieder). Was dann die langfristige Motivation ist steht nochmal auf einem völlig anderem Blatt und natürlich ist hier eine intrinsische Motivation irgendwie wünschenswert. Aber das ist dann die Arbeit einer therapeutischen Auseinandersetzung und nicht die konkrete Krisenintervention um einen Suizid (der gerade kurz vor der Durchführung steht) zu verhindern.
Jo, letztens sind es dann die kleinen Dinge. Bei Neelix eben, dass Naomi ihn braucht, um die „Monster“ zu vertreiben. Das war schon realistisch geschrieben. Btw: Ich fand es eh grenzwertig, dass Janeway nach achtzehn (!) Stunden zustimmt, ihn mit Borgzauber zurück zu holen. Ethisch verdammt fragwürdig.
Ja, ethisch fragwürdige Entscheidungen trifft die Gute gerne und ohne Einbezug ihres Führungsstabs. War bei Seven und Tuvix auch nicht anders.
Vielen Dank für Deinen großartigen Kommentar. 🙂
Moin zusammen,
eine grandiose und herzerwärmende Episode welche fudamentale Fragen stellt und die sich an die Basis des menschlichen Seins heran wagt „ist da noch mehr, und wenn nicht, welchen Sinn hat das Leben?“ Dem Atheisten fällt dazu meistens nicht viel ein, der Biologe sagt „nichts, dasselbe wie vor deiner Zeugung und es hat dich auch nicht gestört“. Tritt man ein paar Schritte (oder Lichtjahre) zurück, könnte man diese kosmische Perspektive annehmen: dein Sinn und Zweck ist es das Universum zu erforschen und zu bewundern, denn es hat sich schließlich immense Mühe über 13,8 Milliarden Jahre gegeben um dich zu erschaffen. Dagegen kann man nichts einwenden.
Für unsere irdische Sphäre hat es die großartige Margot Friedländer auf den Punkt gebracht: „seid Menschen!“ Man muss weder Astronom noch Astronaut werden um seinen kosmischen Zweck zu erfüllen, es reicht aus durch ein Teleskop zu gucken oder auf den Websites der NASA und ESA sich die umwerfenden Einblicke des JWST oder Hubble Telescopes anzusehen, vielleicht sogar von Star Trek inspiriert – das Staunen kommt von ganz allein. Am Ende werden wir wieder Eins mit diesem Universum, oder Wald. Eine heraus ragende Episode welche den Landarzt mehr als verdient hat. Bemerkenswert welcher televisionärer Höhenflug eingeleitet wurde durch einen eher schrägen Entwurf! Schon wegen Eurer Lobpreisung der gesehenen Space Couture muss ich es ein weiteres Mal gucken.
Hey ihr Beiden,
das war wieder eine schöne Besprechung. Die Folge gehört auch für mich zu den besseren von Voyager. Ich finde das Thema Nahtoderfahrung schön umgesetzt und Sevens Entscheidung zu helfen kommt von ihr selbst. Außerdem habe ich das Gefühl, dass wir Neelix mal richtig kennen lernen. Wie ihr schon sagtet, der Mann hat viele Aufgaben.
Natürlich bekommt Neelix keine Traumatherapie, Seven bekommt schließlich (leider) auch keine. Der Doctor müsste dazu eigentlich klinische Standardtests und Therapieverfahren gespeichert haben. Die Psychiatrie ist schließlich ein Teilbereich der Medizin.
Soso, wenn ich das nächste mal scharfes Essen mache und mein Besuch anmerkt, es sei ihm zu scharf, dann verweise ich auch darauf, dass seine Geschmacksnerven sich noch entwickeln müssen. 😉
Ein bisschen nervt mich Janeways Bemerkung, man müsse mit Menschen reden um Spaß zu haben. Das kommt doch sehr stark auf den Menschen und das Thema an. Und eine neurodivergente Person wie Seven tut sich damit eienfach schwer. Manchmal macht die Party auch einfach nur wegen der Musik Spaß. 😉
Servus zusammen (im nachhinein wird ein bisschen für zukünftiges Voyager gespoilert, nur als Warnung),
eine super Folge von euch beiden. Mortal Coil zählt auf jeden Fall zu meinen persönlichen Star Trek Lieblingsfolgen, auch weil ich als Jugendliche damit eine neue Betrachtungsweise auf Glauben entdecken konnte. Ein kleine Anmerkung zu dem Gespräch zwischen Seven und Tuvok, wo ihr auch angesprochen habt, dass Seven ja nicht mehr im Kollektiv ist und damit Erinnerungen verloren gehen. Einen Spiegel zu diesem Gespräch wird es in Staffel 7 in „Imperfection“ nochmal geben, aber zwischen Seven und B’Elanna. Da sagt Seven dann genau das und das Thema Leben nach dem Tod wird nochmal aufgegriffen. Ich finde das persönlich einfach super, dass diese Folge dann nochmal nachklingt, in einer Episode, wo es auch um Sterblichkeit geht.
Ansonsten kann ich euch nur in allen Punkten zustimmen. Zu den fehlenden psychologischen Fähigkeiten des Doktors werde ich bei „Retrospect“ in ein paar Wochen noch einiges zu sagen haben (generell freue ich mich sehr auf eure Besprechung, denn für mich persönlich ist das eine der schlimmsten und schlechtesten Star Trek Folgen aufgrund ihrer Aussage). Mit dem Wissen um diese zukünftige Folge kann ich nur sagen, dass es gut ist, dass der Doktor nicht der Bord-Psychologe ist.
Hallo saruis,
da stimme ich zu, „Retrospect“ ist absolut furchtbar und stelltveinen vorläufigen traurigen Höhepunkt in Sevens Objektifizierung/ Sexualisierung und Retraumatisierung (auch in-universe) dar.
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Talaxianer wirklich so anders ticken als Menschen. Denn ich bin schon so einigen Menschen begegnet, die keinen Lebensmut mehr hatten, weil sie sich nicht (mehr) gebraucht fühlten. Das ist also durchaus ein wichtiger Aspekt für viele.
Nichtsdestotrotz sieht man aber an Neelix‘ Mienenspiel, dass dieses Gebrauchtwerden fürs Vertreiben von Naomis Monstern u.ä. allenfalls eine hinreichende Bedingung sein kann, das wird auch für ihn auf Dauer nicht ausreichen. Er muss ja schon sehr hart mit sich ringen, um von seinem Suizid abzulassen. Das kann also lediglich ein Zwischenschritt für ihn sein. Auch für ihn gilt die große V’Ger-Frage: „Ist das alles? Ist da sonst nichts mehr?“
Und, kleiner Spoiler, da wird es für Neelix schon noch mehr geben, für das es sich zu leben lohnt. Auch er wird sein privates Glück finden.
Der Narada-Kelvin-Kirk hat Neelix übrigens locker geschlagen, er wurde erst nach zwei Wochen wiederbelebt.
Ich war beim Rewatch bei der aktuellen Folge auch sehr überrascht, wie gut sie ist. Ich hatte sie von früher immer so als Mittel im Kopf abgespeichert. Glaub auch, dass ich sie damals 99 sogar eh schlecht bis mittel fand. Umso überraschter war ich jetzt, wie gut ich die Folge, auch aus den in der Besprechung genannten Gründen, fand.
Beim deutschen Titel habe ich mich damals schon gefragt, warum hier auf das Star-Trek-typische Fragezeichen verzichtet wurde. Der Kniff hätte den gewünschten Titel ermöglicht, die Aussage in seiner Absolution aber deutlich abgeschwächt.
Was das Fehlen eines Counselor angeht, ist dies echt eine Schwäche von Voyager aber auch DS9, was bei dieser Folge einfach wieder deutlich wird. Bei Voyager hätte man auch echt vielleicht noch gute Storys rausholen können, wenn der Doktor hier z. B. ein entsprechendes Update bekommen hätte. Erklären kann ich mir das nur so, dass Zimmerman das halt für nicht so wichtig befunden hat. Da wir ihn ja auch schon persönlich bei Bermantrek getroffen haben, würde ich sogar die Frage stellen, ob Zimmermann als Counselor noch schlechter wäre als er als Arzt ist.
Selbst Peter David hat das Problem mit dem fehlenden Counselor ja bei seiner Buchreihe New Frontier behoben, indem der Sicherheitschef später auch noch der Counselor in Ausbildung wurde. Was aber hier natürlich mehr für den typischen David Comichumor verwendet wurde als für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Psyche der Besatzung. Von daher hätte man sich hier halt mehr von den Autoren der Serie gewünscht, aber man wollte wohl halt auch die klare Abgrenzung zu TNG.