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Trek am Dienstag beginnt die Feierlichkeiten zum 60. Star-Trek-Jubiläum mit der Besprechung des Dokumentarfilms Beam Me Up, Sulu. Oberflächlich geht es darum, wie Trek-Fan Stan Woo Mitte der 1980er den Fanfilm Yorktown: A Time to Heal drehte. Wie er dafür keinen Geringeren als George „Sulu“ Takei anheuerte, nur damit die 8-Millimeter-Filmrollen über Jahrzehnte als verschollen galten. Doch die herzerwärmende Geschichte erzählt so viel mehr: Wofür steht Star Trek – wie lebt und zeigt es Repräsentation und Inklusion – es geht um die Asian-American Experience – und um die Seele des Fandoms.
„Hey, wir wissen, dass wir als privilegierte alte weisse cishet-Männer nicht in der Position sind, um eine Viertelstunde über Diversität in Star Trek zu ranten, aber…“
Korrektur: „ranten“ durch „rumschlaumeiern“ ersetzen, passt besser.
Wie könnten wir einen Film wie Beam Me Up, Sulu besprechen und dann einen riesigen Bogen um eine seiner Kernaussagen machen?
Schreibe gern zu konkreten Aussagen unsererseits Deine Sichtweisen hier ins Blog. Dafür ist es da.
Ok, ich denke, ich kann meinen Ärger inzwischen konkretisierter ausdrücken: Mir geht es um die Stelle bis zu Minute 47 (weiter konnte ich mir das nicht anhören), als ihr darüber diskutiert, dass zuviel Diversität in einer Serie ja gar nicht so gut wäre, weil das den Normativen auf den Magen schlagen könnte und es besser ist, das lieber so’n bisschen im Hintergrund zu halten, zwar nicht so weit reduziert wie die Telefonistin links hinten im Bild, aber schon in kleinen Dosen.
Ich bin einfach damit fertig, mir anzuhören, dass ich mich doch bitte klein machen soll, um von der Normativgesellschaft akzeptiert zu werden. (Da hab ich in meiner Parteiarbeit genug.)
Ich muss bei sowas immer an die Mattachine Society denken, eine frühe Gay-Rights-Gruppe, die bei ihren Protesten ihre Mitglieder anwies, sich normativ zu kleiden, um zu zeigen, dass man doch völlig „normal“ (halte von dem Begriff nichts) sei und dass man doch besser von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert wird.
Rund um die Welt feiert man keinen Mattachine-Society-Day, man feiert den Christopher-Street-Day, als wir laut und kämpferisch statt klein und duckmäuserisch waren.
Und das meine ich mit Schlaumeierei, wenn Cishets der Meinung sind, mir erzählen zu wollen, wie ich um meine Rechte zu kämpfen habe. Ich bettele nicht mehr, ich fordere was mir zusteht!
Ist wie mit den Vögeln, die zwar für ein Streikrecht im Öffentlichen Nahverkehr sind, aber es soll doch gefälligst niemanden stören. Ja wenn es niemanden stört, bringt es nichts.
Danke Dir fürs Klarstellen.
Es geht mir nicht um Reduktion oder Kleinmachen. Diversität gehört Front&Center. Es geht einzig und allein um die Frage: Wie kommt man dahin? Wie bekommt man diejenigen, die umgestimmt werden müssen, dazu, dass sie nicht den Fernseher abschalten? Es gibt Fernsehmacharten, da schalte auch ich unabhängig vom Inhalt ab bzw. gar nicht erst ein.
Nur wenn erreicht ist, dass die Leute hinzukommen und dranbleiben, finde ich, ist es zielführend für eine Umstimmung. Ich kenne das Patentrezept nicht. Ich weiß nur: Wenn es gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben soll, bedeutet diese Lösung Kompromisse für alle Beteiligten. Das gilt, so meine Überzeugung, für alle Themen, die politisch verhandelt werden.
Ebenso eine Berechtigung haben selbstverständlich Formate, die den Spirit der eigenen Bubble hundertprozentig zelebrieren. Das muss es geben, darin fühlt man sich wohl. Nur darf man nicht erwarten, dass irgendwer von außerhalb der Bubble zuschaltet.
Ich denke eiskalt pragmatisch. Du bist kämpferisch unterwegs. Beide Haltungen sind für mich wertvolle Stimmen in dieser Debatte.
In meinem Podcatcher ist ein halbes Dutzend Formate, die kämpferischer unterwegs sind als ich. Ich schätze diese Podcasts und die Menschen, die sie machen, sehr, reibe meinen Pragmatismus daran und fühle mich jedes Mal bereichert. In einigen Punkten fühle ich mich sogar durch schleichende Prozesse verändert, auch das nehme ich als Bereicherung wahr.
Darauf müsste ich verzichten, wenn ich nur das konsumieren würde, das mir nach dem Mund redet.
In diesem Sinne würde es mich freuen, wenn Du die Folge weiterhören magst.
(Re: Streikrecht im Öffentlichen Nahverkehr – Es stört die falschen. Es stört den Teil der Bevölkerung, der einerseits darauf angewiesen ist, der aber andererseits gar nicht die Entscheidungsgewalt hat. Es muss Friedrich Merz MASSIV stören. Oder wenigstens den Steuerfachanwalt mit siebenstelligem Jahresgehalt und Chauffeur. Die juckt das aber gar nicht, die lächeln nur müde. Sinnvoll wäre es nach meinem Dafürhalten, den Bonzen straffrei auf die Motorhaube kacken zu dürfen. Da bin *ich* kämpferischer.)
Auch von mir Danke für die Offenheit.
Als Ergänzung aus meiner Perspektive: Wir haben nicht gesagt, dass sich trans Menschen, queere Menschen oder andere marginalisierte Gruppen kleiner machen sollen, damit es der „Mehrheitsgesellschaft“ besser schmeckt.
Was ich z.B. kritisiere, ist etwas anderes: Star Trek im Allgemeinen und Academy im Besonderen hat diese manchmal sehr bequeme Wohlfühlformel: „Wir sind tolerant und divers, also ist die Welt schon ein Stückchen besser“. Da werde ich skeptisch, wenn das im Vordergrund steht und nicht natürlich mitläuft.
Der Mattachine-Vergleich ist gut, und ich verstehe, warum Du ihn bringst. Politischer Kampf muss stören dürfen, da bin ich bei Dir. Trotzdem unterscheide ich zwischen politischem Kampf und der Frage, wie ein Franchise wie Star Trek erzählt, wen es erreicht und ob es sich manchmal nicht deswegen größer macht, als es tatsächlich ist.
Ich nehme den Ärger ernst und habe mit Gegenwind gerechnet. Ich weise aber gleichzeitig zurück, dass wir betroffene Leute kleinhalten wollen oder zur Duckmäuserei auffordern. Das ist nicht gemeint gewesen und das ist auch nicht, wofür wir stehen, was man hoffentlich weiß, wenn man uns länger zuhört.
Ein Satz noch nebenbei: Mit reflexartigen Definitionen wie „cishet“ wäre ich vorsichtig. Ich kann mich nicht erinnern, meine Vorlieben oder meine Orientierung jemals offengelegt zu haben oder sie offenlegen zu wollen.
LG
Simon
Ok, bei den letzten beiden Posts ist kein Antworten-Knopf mehr, also neuer Kommentar:
Ok, mit dem Cishet, das stimmt.
Ja, es kam bei mir als ein Entweder-oder rüber statt einem Beides. Da hatte auch so ein bisschen die Diskussion bei den Kommentaren (von anderen als euch) vor einer Weile zu Starfleet Academy mit reingespielt, wo mit einer ähnlichen Argumentation Starfleet Academy als pauschal schlecht bezeichnet wurde und auch ein „das wollen die doch selbst nicht“-Strohmann kam. Ich hingegen bin froh, dass es so eine „Wohlfühl-Serie“ ist. In den meisten Serien wird Diversität nicht einfach gezeigt sondern eben als Struggle porträtiert. Ich habe Struggle zuhause. Ich hab irgendwann aufgehört Filme über trans-Personen zu gucken weil so viele davon für mich in die Kategorie „Misery Porn“ fallen und ich will das nicht immer wieder und wieder sehen.
Das Argument mit dem Wohlfühl-Safe-Space verstehe ich sehr gut, und das kam in unserer Diskussion tatsächlich zu kurz. Im Grunde blasen wir da auch ins gleiche Horn: Ich finde tatsächlich progressiv, wenn besagte Gruppen einfach dazugehören und wie selbstverständlich akzeptiert werden, ohne dass das im überhaupt großartig im Vordergrund stehen muss (natürlich ohne es zu komplett zu ignorieren).
Ich verstehe deine Perspektive aus einer Sicht des täglichen Struggles heraus aber nun sehr viel besser, und danke für die guten Gedanken.
Ehrlicherweise ist da meine „Wahrheitsfindung“ auch nicht abgeschlossen und evolviert ständig…
Star Trek und Diversität – mein Hot Take dazu.
Ich bin fest davon überzeugt, dass mindestens 40 bis 50 Prozent der Star-Trek-Zuschauer eher konservativ sind. Für diese Leute steht beim Schauen aber oft gar nicht das Thema Diversität im Mittelpunkt. Sie wollen einfach ein gutes Weltraumabenteuer sehen, starke Charaktere, spannende Geschichten und eine faszinierende Zukunftsvision.
Und genau diese Zuschauer werden meiner Meinung nach innerhalb der Community oft komplett unterschätzt. Das sind meistens nicht die lautesten Stimmen. Das sind eher die stillen Fans: Menschen, die keine Conventions besuchen, keine langen Blogeinträge schreiben und nicht ständig online diskutieren. Sie schauen Star Trek einfach seit Jahren gerne still und ohne großes Aufsehen.
Gerade auf TikTok sehe ich das häufig. Dort begegnen mir viele Star-Trek-Fans aus den USA, die politisch eher konservativ oder teilweise Trump-Anhänger sind. Das zeigt für mich: Star Trek war nie nur ein Franchise für eine einzige politische oder gesellschaftliche Richtung.
Und genau deshalb finde ich, dass „Heritage Trek“ die konservativen Zuschauer deutlich besser mitgenommen hat als „New Trek“. Nicht, weil früher keine Diversität vorhanden gewesen wäre ganz im Gegenteil. Star Trek war schon immer progressiv. Aber früher wurde vieles organischer, normaler und schleichender eingebunden. Es fühlte sich mehr wie ein natürlicher Teil der Welt an und weniger wie eine Botschaft, die ständig im Vordergrund stehen muss.
„New Trek“ schafft das aus meiner Sicht deutlich schlechter. Viele konservative Zuschauer fühlen sich davon nicht mehr abgeholt. Das merkt man meiner Meinung nach auch an den Diskussionen auf Facebook, TikTok oder in Kommentarspalten. Und ja auch daran, dass manche Serien relativ schnell wieder verschwinden oder starke Spaltung innerhalb der Fangemeinde auslösen.
Mir ist klar, dass ich mich mit dieser Meinung nicht besonders beliebt mache. Aber genau dafür sind Diskussionen doch da.