Trek am Freitag #63: Beam Me Up, Sulu

Episode herunterladen (MP3, 76 MB)

Trek am Dienstag beginnt die Feierlichkeiten zum 60. Star-Trek-Jubiläum mit der Besprechung des Dokumentarfilms Beam Me Up, Sulu. Oberflächlich geht es darum, wie Trek-Fan Stan Woo Mitte der 1980er den Fanfilm Yorktown: A Time to Heal drehte. Wie er dafür keinen Geringeren als George „Sulu“ Takei anheuerte, nur damit die 8-Millimeter-Filmrollen über Jahrzehnte als verschollen galten. Doch die herzerwärmende Geschichte erzählt so viel mehr: Wofür steht Star Trek – wie lebt und zeigt es Repräsentation und Inklusion – es geht um die Asian-American Experience – und um die Seele des Fandoms.

Dieser Beitrag hat 19 Kommentare

  1. Emma

    „Hey, wir wissen, dass wir als privilegierte alte weisse cishet-Männer nicht in der Position sind, um eine Viertelstunde über Diversität in Star Trek zu ranten, aber…“

    1
    1. Emma

      Korrektur: „ranten“ durch „rumschlaumeiern“ ersetzen, passt besser.

      1. Sebastian (TaD)

        Wie könnten wir einen Film wie Beam Me Up, Sulu besprechen und dann einen riesigen Bogen um eine seiner Kernaussagen machen?
        Schreibe gern zu konkreten Aussagen unsererseits Deine Sichtweisen hier ins Blog. Dafür ist es da.

        7
        1. Emma

          Ok, ich denke, ich kann meinen Ärger inzwischen konkretisierter ausdrücken: Mir geht es um die Stelle bis zu Minute 47 (weiter konnte ich mir das nicht anhören), als ihr darüber diskutiert, dass zuviel Diversität in einer Serie ja gar nicht so gut wäre, weil das den Normativen auf den Magen schlagen könnte und es besser ist, das lieber so’n bisschen im Hintergrund zu halten, zwar nicht so weit reduziert wie die Telefonistin links hinten im Bild, aber schon in kleinen Dosen.
          Ich bin einfach damit fertig, mir anzuhören, dass ich mich doch bitte klein machen soll, um von der Normativgesellschaft akzeptiert zu werden. (Da hab ich in meiner Parteiarbeit genug.)

          Ich muss bei sowas immer an die Mattachine Society denken, eine frühe Gay-Rights-Gruppe, die bei ihren Protesten ihre Mitglieder anwies, sich normativ zu kleiden, um zu zeigen, dass man doch völlig „normal“ (halte von dem Begriff nichts) sei und dass man doch besser von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert wird.
          Rund um die Welt feiert man keinen Mattachine-Society-Day, man feiert den Christopher-Street-Day, als wir laut und kämpferisch statt klein und duckmäuserisch waren.

          Und das meine ich mit Schlaumeierei, wenn Cishets der Meinung sind, mir erzählen zu wollen, wie ich um meine Rechte zu kämpfen habe. Ich bettele nicht mehr, ich fordere was mir zusteht!
          Ist wie mit den Vögeln, die zwar für ein Streikrecht im Öffentlichen Nahverkehr sind, aber es soll doch gefälligst niemanden stören. Ja wenn es niemanden stört, bringt es nichts.

          3
          1. Sebastian (TaD)

            Danke Dir fürs Klarstellen.

            Es geht mir nicht um Reduktion oder Kleinmachen. Diversität gehört Front&Center. Es geht einzig und allein um die Frage: Wie kommt man dahin? Wie bekommt man diejenigen, die umgestimmt werden müssen, dazu, dass sie nicht den Fernseher abschalten? Es gibt Fernsehmacharten, da schalte auch ich unabhängig vom Inhalt ab bzw. gar nicht erst ein.

            Nur wenn erreicht ist, dass die Leute hinzukommen und dranbleiben, finde ich, ist es zielführend für eine Umstimmung. Ich kenne das Patentrezept nicht. Ich weiß nur: Wenn es gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben soll, bedeutet diese Lösung Kompromisse für alle Beteiligten. Das gilt, so meine Überzeugung, für alle Themen, die politisch verhandelt werden.

            Ebenso eine Berechtigung haben selbstverständlich Formate, die den Spirit der eigenen Bubble hundertprozentig zelebrieren. Das muss es geben, darin fühlt man sich wohl. Nur darf man nicht erwarten, dass irgendwer von außerhalb der Bubble zuschaltet.

            Ich denke eiskalt pragmatisch. Du bist kämpferisch unterwegs. Beide Haltungen sind für mich wertvolle Stimmen in dieser Debatte.

            In meinem Podcatcher ist ein halbes Dutzend Formate, die kämpferischer unterwegs sind als ich. Ich schätze diese Podcasts und die Menschen, die sie machen, sehr, reibe meinen Pragmatismus daran und fühle mich jedes Mal bereichert. In einigen Punkten fühle ich mich sogar durch schleichende Prozesse verändert, auch das nehme ich als Bereicherung wahr.
            Darauf müsste ich verzichten, wenn ich nur das konsumieren würde, das mir nach dem Mund redet.
            In diesem Sinne würde es mich freuen, wenn Du die Folge weiterhören magst.

            (Re: Streikrecht im Öffentlichen Nahverkehr – Es stört die falschen. Es stört den Teil der Bevölkerung, der einerseits darauf angewiesen ist, der aber andererseits gar nicht die Entscheidungsgewalt hat. Es muss Friedrich Merz MASSIV stören. Oder wenigstens den Steuerfachanwalt mit siebenstelligem Jahresgehalt und Chauffeur. Die juckt das aber gar nicht, die lächeln nur müde. Sinnvoll wäre es nach meinem Dafürhalten, den Bonzen straffrei auf die Motorhaube kacken zu dürfen. Da bin *ich* kämpferischer.)

            6
          2. Simon (TaD)

            Auch von mir Danke für die Offenheit.

            Als Ergänzung aus meiner Perspektive: Wir haben nicht gesagt, dass sich trans Menschen, queere Menschen oder andere marginalisierte Gruppen kleiner machen sollen, damit es der „Mehrheitsgesellschaft“ besser schmeckt.

            Was ich z.B. kritisiere, ist etwas anderes: Star Trek im Allgemeinen und Academy im Besonderen hat diese manchmal sehr bequeme Wohlfühlformel: „Wir sind tolerant und divers, also ist die Welt schon ein Stückchen besser“. Da werde ich skeptisch, wenn das im Vordergrund steht und nicht natürlich mitläuft.

            Der Mattachine-Vergleich ist gut, und ich verstehe, warum Du ihn bringst. Politischer Kampf muss stören dürfen, da bin ich bei Dir. Trotzdem unterscheide ich zwischen politischem Kampf und der Frage, wie ein Franchise wie Star Trek erzählt, wen es erreicht und ob es sich manchmal nicht deswegen größer macht, als es tatsächlich ist.

            Ich nehme den Ärger ernst und habe mit Gegenwind gerechnet. Ich weise aber gleichzeitig zurück, dass wir betroffene Leute kleinhalten wollen oder zur Duckmäuserei auffordern. Das ist nicht gemeint gewesen und das ist auch nicht, wofür wir stehen, was man hoffentlich weiß, wenn man uns länger zuhört.

            Ein Satz noch nebenbei: Mit reflexartigen Definitionen wie „cishet“ wäre ich vorsichtig. Ich kann mich nicht erinnern, meine Vorlieben oder meine Orientierung jemals offengelegt zu haben oder sie offenlegen zu wollen.

            LG
            Simon

            10
  2. Emma

    Ok, bei den letzten beiden Posts ist kein Antworten-Knopf mehr, also neuer Kommentar:
    Ok, mit dem Cishet, das stimmt.

    Ja, es kam bei mir als ein Entweder-oder rüber statt einem Beides. Da hatte auch so ein bisschen die Diskussion bei den Kommentaren (von anderen als euch) vor einer Weile zu Starfleet Academy mit reingespielt, wo mit einer ähnlichen Argumentation Starfleet Academy als pauschal schlecht bezeichnet wurde und auch ein „das wollen die doch selbst nicht“-Strohmann kam. Ich hingegen bin froh, dass es so eine „Wohlfühl-Serie“ ist. In den meisten Serien wird Diversität nicht einfach gezeigt sondern eben als Struggle porträtiert. Ich habe Struggle zuhause. Ich hab irgendwann aufgehört Filme über trans-Personen zu gucken weil so viele davon für mich in die Kategorie „Misery Porn“ fallen und ich will das nicht immer wieder und wieder sehen.

    3
    1. Simon (TaD)

      Das Argument mit dem Wohlfühl-Safe-Space verstehe ich sehr gut, und das kam in unserer Diskussion tatsächlich zu kurz. Im Grunde blasen wir da auch ins gleiche Horn: Ich finde tatsächlich progressiv, wenn besagte Gruppen einfach dazugehören und wie selbstverständlich akzeptiert werden, ohne dass das im überhaupt großartig im Vordergrund stehen muss (natürlich ohne es zu komplett zu ignorieren).

      Ich verstehe deine Perspektive aus einer Sicht des täglichen Struggles heraus aber nun sehr viel besser, und danke für die guten Gedanken.

      Ehrlicherweise ist da meine „Wahrheitsfindung“ auch nicht abgeschlossen und evolviert ständig…

      4
  3. Micha_sechzig

    Star Trek und Diversität – mein Hot Take dazu.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass mindestens 40 bis 50 Prozent der Star-Trek-Zuschauer eher konservativ sind. Für diese Leute steht beim Schauen aber oft gar nicht das Thema Diversität im Mittelpunkt. Sie wollen einfach ein gutes Weltraumabenteuer sehen, starke Charaktere, spannende Geschichten und eine faszinierende Zukunftsvision.

    Und genau diese Zuschauer werden meiner Meinung nach innerhalb der Community oft komplett unterschätzt. Das sind meistens nicht die lautesten Stimmen. Das sind eher die stillen Fans: Menschen, die keine Conventions besuchen, keine langen Blogeinträge schreiben und nicht ständig online diskutieren. Sie schauen Star Trek einfach seit Jahren gerne still und ohne großes Aufsehen.

    Gerade auf TikTok sehe ich das häufig. Dort begegnen mir viele Star-Trek-Fans aus den USA, die politisch eher konservativ oder teilweise Trump-Anhänger sind. Das zeigt für mich: Star Trek war nie nur ein Franchise für eine einzige politische oder gesellschaftliche Richtung.

    Und genau deshalb finde ich, dass „Heritage Trek“ die konservativen Zuschauer deutlich besser mitgenommen hat als „New Trek“. Nicht, weil früher keine Diversität vorhanden gewesen wäre ganz im Gegenteil. Star Trek war schon immer progressiv. Aber früher wurde vieles organischer, normaler und schleichender eingebunden. Es fühlte sich mehr wie ein natürlicher Teil der Welt an und weniger wie eine Botschaft, die ständig im Vordergrund stehen muss.

    „New Trek“ schafft das aus meiner Sicht deutlich schlechter. Viele konservative Zuschauer fühlen sich davon nicht mehr abgeholt. Das merkt man meiner Meinung nach auch an den Diskussionen auf Facebook, TikTok oder in Kommentarspalten. Und ja auch daran, dass manche Serien relativ schnell wieder verschwinden oder starke Spaltung innerhalb der Fangemeinde auslösen.

    Mir ist klar, dass ich mich mit dieser Meinung nicht besonders beliebt mache. Aber genau dafür sind Diskussionen doch da.

    10
    1. sternburg

      Hey Micha,

      „Mir ist klar, dass ich mich mit dieser Meinung nicht besonders beliebt mache. Aber genau dafür sind Diskussionen doch da.“

      Falls mir die persönliche Anmerkung erlaubt sei: Ich hab nicht ganz verstanden, wie ich diesen letzten Absatz zu denen dadrüber in Einklang zu bringen vermag.

      Weil Du transportierst da doch gar keine starke Meinung. Du stellst eine objektive Beobachtung in dem Raum. Und eine Ansicht darüber, wie sich das wohl auf einen Teil (den „konservativen“ Teil) des Publikums verhalten mag. Ich lese da nirgendwo eine Wertung oder Parteinahme von dir.

      Lese ich das aber zusammen, dann kommt _bei mir_ rüber, Du identifizierst Dich mit diesem Teil des Publikums und möchtest eigentlich Deine Sichtweise äußern. Was ich selbstredend voll okay fände (und btw: selbst wenn nicht – was ich okay finde, ist egal; ich bin hier nur zu gast). Ich sag das deswegen, weil wenn ich das so lese, dann können das auch andere so lesen, und Du möchtest das vielleicht klarstellen. Also das eine oder das andere. Oder keins von beidem. Deine Sache.

      Dies gesagt zu habend:

      > Auch heutige US-„Konservative“ und Trumpisten sind Fans von klassischem Star Trek, wo sie progressives Fernsehen erlebt haben.

      Also ganz ehrlich: ich weiß nicht, ob das wirklich ein Pro-Argument für die Wirkmacht von diesem progressivem Fernsehen ist.

      Ich weiß aber auch nicht, ob das ein Argument dagegen wäre. Sind wir mal ehrlich: Unsere Medienwelt ist voll von Medienprodukten, die von den seltsamsten Leuten auf die seltsamste Art falsch verstanden werden. Oft auf einem erstaunlich engmaschigen Spektrum zwischen Ironie, Halb-Ironie und ich baue meine komplette Identität um mein Privatverständnis dieses einen Medienprodukts.

      Ich erinnere mich z.B. in Sachen Star Wars noch an das Internetphänomen vor … fünfzehn (?) Jahren „Das Imperium hat nix wronges gemaked“. Ich gebe zu, da habe ich noch gelacht. Die meisten Vertreter dessen auch. Aber halt nicht alle.

      Wenn junge Männer heute Matrix oder American Psycho als ihre Lieblingsfilme angeben, dann ist das objektiv eine extreme red flag. Viele Waffennarren, Law-and-oder-Fetischisten und/oder „KI“-Gläubige lieben Robocop. Es gibt literarisch Faschisten – und nicht wenige -, die finden Starship Troopers richtig geil. Und so weiter und so fort. All diese Leute möchte man schütteln und fragen: Hast Du diesen Film überhaupt gesehen?

      Die Antwort wäre immer: Ja. Das haben sie.

      Und heute veröffentlich die US-Regierung unironisch Memes im Internet, in denen ihre Schergen als Star Wars Stormtroopers dargestellt werden. Keine Ironie. Null gedankliche Layer. Alles nur noch „Trigger“.

      Ich glaube deshalb nicht so recht daran, aus der Rezeption eines Teils, selbst des Großteils des Publikums eine Wertung über die Aussage und Wirkmacht eines Medienprodukts abzuleiten.

      1. Micha_sechzig

        Hallo sternburg,

        vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.

        Noch mal zur Klarstellung: Mit dem Satz, dass ich mich mit dieser Meinung nicht besonders beliebt mache, meinte ich eher, dass viele Star-Trek-Fans vermutlich davon ausgehen, dass der Großteil des Publikums sehr progressiv ist und stark auf Diversität achtet. Meine persönliche Einschätzung ist aber, dass die Realität deutlich gemischter aussieht.

        Ich glaube, dass mindestens die Hälfte der Star-Trek-Fans, vielleicht sogar mehr, eher konservativ eingestellt ist und Star Trek vor allem deshalb schaut, weil sie einfach gute Weltraumabenteuer, interessante Figuren und spannende Geschichten sehen möchten. Nicht unbedingt wegen einer gesellschaftlichen Botschaft.

        Und ich bin mir ziemlich sicher, dass allein diese Aussage manche schon stört oder zumindest unbequem finden. Darauf war das eher bezogen, nicht auf irgendeine politische Kampfansage meinerseits.

        Das hat auch nichts damit zu tun, dass ich mich komplett mit diesem Teil identifiziere. Ich habe sowohl Old Trek als auch New Trek gesehen, sehe mich persönlich wahrscheinlich irgendwo eher in der Mitte mit teilweise konservativeren Ansichten, bin aber grundsätzlich sehr offen für unterschiedliche Perspektiven.

        Zur Wahrheit gehört für mich aber eben auch, dass selbst Trump-Fans Star Trek schauen. Und das ist für mich erstmal keine Wertung, sondern einfach eine Beobachtung der Realität. Mehr wollte ich damit eigentlich gar nicht aussagen.

        Mir ging es eher um einen Realitätscheck: Wie sieht das Publikum tatsächlich aus, auch außerhalb der laut sichtbaren Online-Bubble.

        3
        1. sternburg

          Ah, verstehe. Dann … ähm … danke, dass Du mir die Gelegenheit zu dieser wahnsinnig schlau klingenden Replik gabst, sag ich mal. 🙂

          Ich sehe aber ganz ehrlich das kontroverse an Deiner Beobachtung nicht.

          Ich meine, ich nehme mal kurz alle meine – vorhandenen – Meinungen zu dem Thema beiseite, und versuche, die allerunkontroverseste Feststellung zu dem Thema zu droppen, die man sich denken kann. Die eine, von niemandem angreifbare Wortmeldung. Sie lautet:

          Eine große Mehrheit der heutigen Star-Trek-Fans in Deutschland, den USA und ähnlichen Ländern ist männlich und war irgendwann in den 80ern und 90ern zwischen 8 und 17 Jahre alt.

          Du kannst es drehn und wenden wie du willst, der Arsch bleibt immer hinten. So ist es halt.

          Jetzt vergessen wir mal kurz Star Trek und nehmen uns nur diese Alterskohorte. Wer alles kennt aus dieser Menschengruppe in seinem persönlichen Realitätsausschnitt, in seinem Freundeskreis, in seiner Familie, im Beruf, in der Kneipe, in den Medien, in der Politik etc pp, wer kennt Leute, die sich damals eher als progressiv und weltoffen verstanden haben, die das auf Nachfrage vielleicht sogar heute noch tun, die tatsächlich aber … Okay, hier kommt jetzt eigene Meinung ins Spiel.

          Aber wie viel Meinung ist dafür ernsthaft vonnöten?

          Wäre diese Meinung nicht eher nahe einer objektiven Feststellung, einer Wahrheit mithin?

          Und wenn man das so feststellt, warum sollte das unter Star-Trek-Fans anders sein?

          1. Micha_sechzig

            Für dich persönlich mag das vielleicht nicht besonders kontrovers wirken. Ich würde von mir selbst aber schon behaupten, dass ich ein ziemlich gutes Gespür für die Community habe. Und deshalb bin ich mir relativ sicher, dass sich einige durch diese Theorie beziehungsweise diese Aussage durchaus getriggert fühlen oder ihr stark widersprechen würden.

            Viele sehen Star Trek eben sehr stark als überwiegend progressive Community und möchten darin wahrscheinlich auch ein gewisses gesellschaftliches Selbstbild wiederfinden. Deshalb glaube ich schon, dass manche auf die Aussage, dass es auch einen großen konservativen Teil der Zuschauerschaft gibt, eher emotional oder sogar beleidigt reagieren könnten – auch wenn das natürlich überhaupt nicht meine Absicht ist.

            Mir ging es dabei wirklich nur um die Beobachtung, wie breit und unterschiedlich das tatsächliche Publikum vermutlich ist.

            5
    2. Mister Incredible

      Das mit den konservativen Star-Trek-Zuschauern in dieser Größenordnung würde ich so nicht unterschreiben. Untersuchungen zeigen andere Tendenzen. Der durch rechtspopulitische und rechtsextreme Bewegungen geschürte homophobe Hass gegen alles und jeden bezüglich LGBTQI+ ist inzwischen so weit verfestigt, dass man nach meiner Meinung kaum einen dieser Hater mehr auf den Boden der Vernunft und Toleranz zurück holen kann, da sie sich in ihrer Asocial-Media-Hassblase ausschließlich gegenseitig bestärken und am liebsten jede Regenbogenflagge herunterreißen würden. Ethnische oder sexuelle Minderheiten wie selbstverständlich und ohne fokussierte Spotlights in Filmproduktionen einzubetten wie jeden anderen Charakter sollte hingegen selbstverständlich sein. Das was Starfleet Academy versuchte hat mich sehr genervt, denn bei jeder Szene des röckchentragenden Klingonen hatte ich das Bedürfnis mir die Bettdecke über den Kopf zu ziehen – too much! Ich kenne viele Personen die man LGBTQI+ zuordnen kann, aber von denen habe ich bisher noch keinen im Rock gesehen. Wenn es jemand möchte soll er gern dürfen können – es fühlte sich bei SFA jedoch für mich an wie Zaunpfahl-Moralisieren. Drängt in einem Unterhaltungsfilmwerk diese Absicht nach vorn, stört sie mich extrem. Ich wollte Unterhaltung, keinen Lehrfilm in politischer Bildung gucken. Unangenehm.

      1
  4. sternburg

    Ich: Hey, ein TaF über einen skurrilen historischen Fanfilm mit interessanten Begleitumständen. Endlich mal was nettes, wohfühliges zwischen all dem Doom.

    Auch ich: Oh. Oh!

    ———————————————————————————————————

    Sich gesehen, abgeholt, umarmt und mitgenommen fühlend durch die Darstellung von Menschen in Star Trek, die sich über das Schreiben einer Star-Trek-Episode Gedanken machen. Durch _Repräsentanz_ also. Und angesichts dieses kleinen Beispiels mal ein klitzekleines Stückchen in die Richtung zu fühlen versuchen, wie es sich wohl für andere Menschen so anfühlen muss, wenn ihresgleichen in ihrer Popkultur repräsentiert werden. Holy Shit. Hits home.

    Alter, hab ich mich ertappt gefühlt.

    Privilegienbesoffen sind ja immer die anderen. Auf diesen Gedanken wäre ich in hundert Jahren nicht gekommen. Dabei ist er so naheliegend.

    Privilegienbesoffenheit-Inception: Das war die eine Stelle in diesem Gespräch, bei der ich was gefühlt habe. Und das verrät in sich auch wieder ne Menge.

    Ich muss hier kurz von mir reden. Und ich kann das nicht tun, ohne dabei einigermaßen ähm seltsam zu klingen. Seht mir bitte beides nach. Jedenfalls: Ich verstehe mich seit frühester Jugend als ausgesprochen weltoffen und tolerant. Wie man sich daran aufhängen kann, welche Hautfarbe jemand hat oder auf wen er steht, das hab ich schon als Kind nicht verstanden. Und nach meiner Jugend, also in den letzten gut zwei Jahrzehnten, hab ich mich viel damit beschäftigt, was das eigentlich bedeutet. Hauptsächlich aufgedrängt, hauptsächlich vom Internet. Und das in großen Teilen auf eigentlich eher toxischen Web-Angeboten. Ich hab auf Twitter (nicht: „X“) gelernt, wie wichtig es ist, als Nicht-Betroffener einfach auch mal die Fresse zu halten und die Betroffenen reden zu lassen. Ich hab auf Reddit gelernt, was in meiner Lebenrealität als cishet Vollzeit-Alman und Akademikersohn tatsächlich alles so nicht stattfindet. Und das sage ich als Neuköllner, der hier und da auch mal mit anderen Menschen spricht. Ich bin all dem sehr dankbar. Und ich muss zugeben, ich bilde mir was drauf ein. Ich bin ganz sicher kein besserer Mensch. Ich weiß auch nicht viel, in erster Näherung nix. Aber ich weiß immerhin sehr viel mehr als viele andere meinesgleichen. Und ich bemühe mich immerhin um Empathie und so. Hier und da. Da ist ja jetzt nicht nichts, oder? Oder?

    In dieser Geisteshaltung habe ich diese Folge gehört. Ich habe innerlich hier genickt. Und dort genickt. Bei diesem hatte ich einen weiterführenden Gedanken, bei jenem war ich nicht völlig einverstanden. Ich höre zu. Ich bin meinungsstark. Ich bin klug, so klug. Aber immer aufgeschlossen, so wahnsinnig aufgeschlossen. Und dann kam diese eine Stelle, die oben erwähnte. Und die haute mich aus der Kurve. Warum? Weil sie mich betraf.

    Ich war plötzlich Betroffener. Auf die wahrscheinlich allerdümmstmögliche Weise in der Geschichte unserer Spezies.

    Wie kann man sich denn von so einem – mit Verlaub und allem Respekt – dermaßen oberbilligen Spargedanken dermaßen anfassen lassen? IN DIESEM KONTEXT? Aber here we are.

    Ich kann daraus nur eine Schlussfolgerung ziehen: Wissen ist wichtig. Wissen ist extrem wichtig. Aber Wissen bedeutet im Zweifel einen Scheiß gegenüber Betroffenheit.

    ————————————————————————————–

    Ich habt sehr viel gesagt. Zu vielen wichtigen Dingen. Dem allermeisten Gesagten stimme ich zu. Bei einigen kleineren Sachen habe ich eine leicht abweichende Meinung. Unter dem Strich fände ich es aber extrem wenig zielführend, wenn ausgerechnet ich dazu groß meinen Senf beisteuere. Deshalb bitte nur volle Kanne 1 Sache herausgriffen, on topic Star Trek und rein als Detail-Anmerkung zur Aussagenlogik:

    Selbst wenn man der These zustimmt, es wäre sinnvoller, weil wirkmächtiger, eine hehre Botschaft wie Diversivität durch subtile Normalisierung in einem Mainstream-Medienprodukt, welches alle Menschen aller politischen Grundüberzeugung mit Freude wegkonsumieren können, in dieselben Menschen hineinsickern zu lassen. Statt das on the nose so durchsichtig reinzureichen, dass die Überzeugten applaudieren und die Anderen entsetzt wegschalten. Und ich wäre sehr geneigt, dem zuzustimmen.

    Selbst wenn man dem zustimmt, dann wäre damit nicht gesagt, dass die Alternative nicht auch eine Wirkmacht besitzt. Dass sie nicht auch Leute berührt. Dass sie nicht auch Menschen extrem wichtig sein kann. Dass sie nicht auch gutes bewirkt.

    Dies festzustellen, bedeutet wiederum nicht, dass die Alternative das auch tut.

    Vermutlich ist es also für die Wirkmacht von etwas wichtiger, wie gut man das ausführt. Und weniger wichtig, welchen Ansatzpunkt man wählt.

    btw: Ein aktuelles Mainstream-Medienprodukt, welches das aus meiner Sicht herausragend macht, ist The Pitt. Aber könnte sich Star Trek daran ein Beispiel nehmen? Bisschen vielleicht schon, strukturell aber wohl kaum.

    2
    1. sternburg

      ps: Ich hab das geschrieben, bevor ich die anderen Kommentare gelesen habe (interessiert niemanden, aber mir ist das wichtig).

    2. Raphael

      hey, vielleicht liegt es daran, dass ich noch nicht allzulange wach bin ind meine fähigkeit sinnerfassend zu lesen entsprechend beschränkt ist, aber auf welche stelle beziehst du dich, wieso warst du plötzlich betroffener und inwiefern hast du dich ertappt gefühlt?

  5. Mister Incredible

    Moin zusammen,
    beim genannten überraschend hohen (vermuteten) Anteil Konservativer im Star-Trek-Publikum bin ich zusammen gezuckt. Es scheint hierzu einiges an Analysen zu geben, denn das Netzhirn äußert sich ziemlich eindeutig:

    „Ja, es gibt Untersuchungen und zahlreiche medienwissenschaftliche Analysen, die darauf hindeuten, dass das typische Star Trek-Publikum und die Inhalte der Serie primär progressiven, liberalen und humanistischen Werten zuneigen.“ (Das würde ich nicht „konservativ“ nennen)

    George Takei mit japanischen Familienwurzeln in den 1960er Jahren in einer Fernsehrolle die dazu noch bekannte und abgenutzte Klischees komplett ausklammert, das kann man nur als bahnbrechend bezeichnen. Sehr roddenberryhaft, finde ich.

    Die US-Serie „Bonanza“ hatte ihren Ranch-Koch Hop Sing, lief immerhin bis 1973 und hier machte man sich nicht die Mühe die Figur mehrdimensional anzulegen. Das hätte man zumindest anfangen können, nachdem StarTrek debütierte. Wenn man gewollt hätte.

    Wenn „Beam me up, Sulu“ wieder verfügbar ist wäre es toll wenn Ihr mal ein Glöckchen läuten könntet!

    1. cyan

      Star Trek an sich ist eher assoziiert mit „primär progressiven, liberalen und humanistischen Werten“. Da liegt die Halluzination der passenden Zuschauerschaft sehr nahe (tatsächlich aber auch beim Menschen, wie ja auch Micha_sechzig vermutet). Will sagen: Ohne konkrete Analyse-Quellen ist das eher nicht aussagekräftig.

      Davon ab glaube ich Micha_sechzig spielt eher auf die Kombination der Quote an. Man könnte durchaus die Frage stellen, ob Star Trek ohne eher konservative Sympathisanten so erfolgreich gewesen wäre.

      Übrigens: Star Trek und Konservative scheint durchaus ein Phänomen zu sein. Steven Shives hat sich auch diese Frage gestellt: What Do Conservatives Actually Like About Star Trek?

      Spannend bis gruselig ist wohl auch der Gedanke an die Zukunft von Star Trek – unter einer eher rechten Studioführung.

      1

Schreibe einen Kommentar

Dein erster Kommentar bei uns? Lies dir vorher bitte unsere TaD-Netiquette durch.