#429: Remember (VOY 3.06)

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9. Oktober 1996:
Schon zum zweiten Mal verschläft B’Elanna ihren Schichtbeginn, weil sie des Nachts intensiv-erotische Träume – ja, eher Erinnerungen – in ihren Bann ziehen. Ob der Grund dafür die Delegation telepathischer Enaraner an Bord ist? Eine Star-Trek-Story darüber, wie die Wiederholung finsterer Geschichtskapitel nur verhindert werden kann, wenn man gegen das Vergessen und Vertuschen kämpft.

In Deutschland: Das Erinnern, ausgestrahlt am 5. Juni 1998.

Dieser Beitrag hat 32 Kommentare

  1. KhlavKhalash

    Den entsetzlischen Helmut als recurring character finde ich auch ganz vortrefflich, zumal ihr den beide ziemlich gut trefft, was ja in Vollendung nicht soo vielen gelingt. Ich liege auf jeden Fall jedes Mal am Boden, wenn die Falltür aufgeht und die Frikadellen schon fertig sind 😉

  2. 8472Simon

    Als B’Lana im Traum von dem einen Rückständigen umgerannt wird verletzt sie sich an der Wange. Mirel hat genau an der Stelle eine Narbe. Aus diesem Grund wusste Torres dass Corinna Mirel ist

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    1. Sebastian (TaD)

      Ach kumma. Bis gerade eben wusste ich nicht, dass Granny Mirel eine Narbe hat, hab ich noch nie gesehen. Daran kannste mal sehen, wie groß normalerweise das Leuchtschild ist, das Star Trek an Den Entscheidenden Hinweis™ pappt. Das spricht für mich nochmals für die erstaunliche Subtilität dieser Episode; es muss entdeckt werden. Das finde ich toll.

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  3. Mister Incredible

    Moin zusammen,

    Zunächst fand ich Simons Begriffsschöpfung „Kopfkissengeflüster“ sehr charmant. Onkel Fred zum Wecken morgens an meinem Bett wäre ein Schock. Dann fand ich es erstaunlich wie schnell dieser Podcast beim Hören vergangen ist (was ich beinahe bedaure weil ich Euch gern höre), was damit zusammenhängen mag, dass Ihr für mein Gefühl beinahe beschwingt durch die Episode geglitten seid, nicht bezogen auf das zweifellos ernste Thema, sondern eher getragen durch Begeisterung für die Leistung der Beteiligten. Es war eine Erleichterung beinahe greifbar, dass Voyager doch (noch) beglücken kann. Wie man liest war Roxanne Dawson „thrilled“ aufgrund des Scripts, was sich in ihrem Spiel zweifellos niederschlug.

    Die Leistung von Dawson wie erwähnt wie auch der anderen Beteiligten fällt ins Auge, Janeway war souverän und glaubhaft, auch Subtilität, Vielschichtigkeit und Abwesenheit eines ausgemachten Antagonisten in der Gegenwartserzählung haben bei mir gepunktet. Gut, dass man die Bedeutsamkeit der zwei Zeitlinien nicht durch eine banale B(C)-Handlung verwässerte.

    Als klar wurde dass die Reise in Richtung Drittes Reich gehen sollte, ging mir die Zuspitzung in den Traumsequenzen fast zu langsam. Es mag sein, dass ich bereits eine vieljährige Guido-Knopp-Schädigung erlitten hatte. So war mein Gefühl eher wie ein leicht genervtes „Ja-haaa, ich weiß was ihr sagen wollt“. Aus heutiger Sicht, gerade in Zusammenhang mit einer erschreckenden Radikalisierung Jugendlicher, müsste man wohl zu Protokoll geben, dass wir nicht verstanden haben, dass Aufklärung über Deutschlands dunkelstes Kapitel nicht nachlassen darf um Jüngere zuverlässig immun machen zu können gegen Nazitum, Trumpismus und andere Übel die ernste Bedrohungen für unsere freiheitliche Demokratie darstellen.

    Sebastians Schulerinnerungen fand ich im positiven Sinne überraschend. Meine Schulzeit fand statt zwischen 1967 und 1981 in Bremen, und ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in verschiedenen Schuljahren altersgerecht eine angemessene Aufarbeitung betrieben hätten; das geschah bei mir durch eher eigenen Antrieb nach der Schulzeit.

    Da Star Trek ein US-Produkt ist stellt sich die Frage wie weit das amerikanische Publikum mit der perfiden Gesellschaftsverrohung und den Propagandamethoden der Nazis vertraut war. Mit dem Wissen von 2025 muss man wohl konstatieren, dass die Warnungen in den Folgejahren wohl deutlicher hätten sein sollen. Das verbreitete Unverständnis in den USA um ein Parteiverbot in Deutschland ist sicher ein Indikator dafür dass man unterschiedlich gewichtete Freiheitsbegriffe lebt auf beiden Seiten des Atlantiks. „Hallo, wir durften doch nach 1945 bei euch abgucken!“

    Es interessierte mich zu wissen wie viele Produktionen bei Star Trek sich mit dem Thema beschäftigen, bei Memory Alpha gelang mir keine sinnvolle Suche. Alle KI listen natürlich „Patters of Force“ auf, was ich eher an die letzte Stelle setzen würde, ChatGPT findet „Remember“ nicht, aber Grok. Bezüglich der Rezeption beim TV-Publikum habe ich auch nichts Erhellendes entdecken können.

    Da das Thema „Faschismus, Ausgrenzung, Marginalisierung, Völkermord“ leider zeitlos ist und alle betrifft, damals wie heute, und die teure Botschaft so überzeugend dargeboten wurde ist der Landarzt nur gerechtfertigt und muss dieses Mal sogar salzig-karamellisiert daher kommen.

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    1. Simon (TaD)

      Finde ich sehr spannend, was Du über Deine Schulzeit schreibst. Ja, das war bei uns echt – dankenswerterweise – ein ganz großes Kernthema, aber ja, eben etwas später, von 1985 bis 1998. Ich schimpfe manchmal über die Schulzeit und die ein oder andere Lehrkraft zu meiner Zeit, aber den Umgang mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte fand ich wirklich vorbildlich und prägend.

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      1. Sebastian (TaD)

        Jo, der breitenwirksamste Wendepunkt in der Aufarbeitungskultur war Januar 1979, als der US-Mehrteiler Holocaust in Deutschland ausgestrahlt wurde.
        Auf einmal wurde diskutiert, Zuschauerinnen und Zuschauer riefen ganz aufgeregt bei der ARD an, an die Sendetermine schlossen sich live gesendete Diskussionsrunden bis spät in den Abend an.
        Da gehen wir bestimmt irgendwann mal in der Rückspultaste richtig rein – bis dahin kannst Du aber die hervorragende Doku Wie Holocaust ins Fernsehen kam für umsonst bei der BPB anschauen.

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        1. Mister Incredible

          Diese Doku habe ich, glaube ich, schon gesehen, und 1979 haben wir alle wie gebannt vor dem Fernseher geklebt als „Holocaust“ gesendet wurde, ich kann mich gut erinnern. Da war ich schon in der 11. Klasse und ich denke, dass die Lehrpläne einfach noch nicht so weit waren, denn diese wurden zu großen Teilen von denen gemacht die alle miterlebt hatten und vielleicht auch kein allzu großes Interesse hatten – aus verschiedenen Gründen – an Aufarbeitung. Vermutlich war 1979 tatsächlich erst der Beginn einer ernsten Aufarbeitung. Angesichts dessen was an unglaublichen Details heute noch zum Vorschein kommt und aus den bereits erwähnten Gründen einer essenziellen Erinnerungskultur kann es niemals einen „Schlussstrich“ geben. Wir wissen aus welcher Richtung die Forderungen danach kommen. Danke auch für den Filmtipp „Shoa“. Versand innerhalb Deutschlands übrigens kostenfrei.

        2. sternburg

          1-Personen-Statistik: Ich hab beim gucken dieser Folge – eingedenk dessen, dass es sich um eine US-Serie handelt – neben den offensichtlichen Holocaust-Andeutungen mindestens gleichwertig an den Genozid an den indigenen Einwohnern Nordamerikas gedacht.

          Die Rückständigen und Unsauberen und die Moderne Ablehnenden. Die Störenfriede, mit denen man nicht in Koexistenz den gemeinsamen zivilisierten Raum teilen kann. Weil sie ihn in der schönen Form, wie wir ihn hier so wunderbar hinbauen, ablehnen, und stattdessen einfach so wie bisher weiter leben wollen (pfui). Aber zum Glück sind die ja einsichtig und freuen sich darüber, auf unsere Kosten (sieh, wie großherzig wir sind) von unseren schönen modernen Städten in entfernte Reservate irgendwo anderswohin verbracht zu werden, wo sie ihrem seltsamen Lebensentwurf in freier Natur ganz in Ruhe und ohne Störungen frönen können. Also in der Summe sind sie einsichtig und freuen sich darüber. Ich kann dir hier die Unterschriften zeigen. Ein paar ganz seltsame Exemplare von denen sehen das anders, aber irgendjemand schießt ja immer quer, deren Problem. Jedenfalls aus den Augen aus dem Sinn, alles gut gelaufen. Für die Rückständigen jetzt im Ergebnis nicht so super, aber sie wollten das ja so. Selber schuld, Rückständige halt.

          Also die Parallelen liegen schon sehr auf der Hand.

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          1. Don

            Erinnert auch an die Aborigines, mit denen in Australien auch nicht gerade zimperlich umgegangen wurde.

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      2. Mister Incredible

        Lieber Simon, vermutlich hattet Ihr das Glück den Scheitelpunkt einer pädagogischen Parabel zu erwischen in den 1990ern. Wenn ich mit höchstem Vergnügen von Euren rückspuligen Schulzeiten höre, denke ich, dass Ihr an diesem Ort und genau zu dieser Zeit einfach gerade richtig wart! (Nur noch von Keikos DS9-Klasse zu toppen *g*)

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  4. Maestro84

    Am Anfang der Folge dachte ich, wie Sebastian, dass dies so eine Art TNG-Staffel 2-Belgierfolge wäre, aber ab Minute 10 legt diese gut zu. Ich hatte jetzt nicht den Bezug aufs Dritte Reich genommen, sondern einfach irgendeine Art von Gesellschaft gesehen, die zwanghaft Fortschritt und den Weg zu den Sternen propagiert und Gruppen, die diese Lebensart nicht teilen, recht schnell aus dem Weg schafft – da hätte Jemand manchen meiner Stellaris-Partien aus der heutigen Zeit vorgegriffen. Vielleicht hab ich den Bezug aber auch nicht gesehen, da ich eh zu einer anscheinend Minderheit gehöre, deren Lebensweg nicht über Gymnasium und Studium, sondern über Mittlere Reife und Ausbildung ging. Das Thema Drittes Reich kam in den 90ern da zwar auch vor, aber, soweit ich mich korrekt erinnere, nicht so intensiv und lange – klar, da „fehlten“ ja auch drei Jahre Oberstufe. Wobei ich es interessant finde, dass ein Ami bei dem Thema hier zuerst an den Holocaust denkt und nicht an die eigene Geschichte. So viel zu Verdrängung Teile der eigenen Geschichte….

    Aber so oder so, die Folge hat den Guido Knopp der Woche schon verdient. Das Thema wurde natürlich in 45 Minuten arg schnell behandelt, aber so war es in den 90ern halt und ich mochte auch das offene Ende, da ich solche eh lieber mag als klare Ergebnisse.

    PS: Den Film Shoa sollte man heute eher kostenlos zeigen, gerade auf Parteitagen mancher linker und rechter Parteien und in vielen Stadtvierteln von Großstädten, wie wir in den letzten zwei Jahren sehen können.

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  5. Bridge66

    Hallo, Jungs,

    Danke, dass ihr den Landarzt doch noch gezückt habt. Ich finde, er ist ganz und gar nicht banal oder marginalisiert das Thema, ganz im Gegenteil. Man sollte Preise nicht vergeben „nur“ weil ein Werk das Thema Holocaust behandelt, sondern vor allem, wenn es so gut umgesetzt ist wie hier, wie ihr auch selbst so treffend bemerkt habt.

    Ein Aspekt, der gerade heute mit fortschreitender Zeit so aktuell ist, ist die Tatsache, dass die Zeitzeugen in nächster Zeit aussterben werden. Selbst heute sind ja nur noch solche am Leben, die das Grauen als kleine Kinder miterlebt haben. Umso wichtiger ist es, die Erinnerungen zu konservieren und für alle zugänglich zu machen.

    Ja, die Fernsehserie war wohl eine Art Startschuss, was die Aufarbeitung des Dritten Reiches betrifft. Ich hatte sie damals nicht gesehen und mir war nicht klar, dass sie schon 1979 kam. Bei uns in der Schule ging es eigentlich erst richtig mit dem 50. Jahrestag der „Machtergreifung“ (oder Machterschleichung, wie es manche nennen) 1983 los. Da wurde alles stehen und liegen gelassen und in Geschichte, Deutsch und Politik das Thema in den Mittelpunkt gestellt. In der Aula hatten wir eine Ausstellung zu den „Kindern vom Bullenhuser Damm“, die mich sehr erschüttert hat, und später waren wir auf Klassenreise in Celle und haben die Gedenkstätte Bergen-Belsen besucht, woran ich mich jedoch seltsamerweise kaum erinnere.

    Heute wird in den Schulen viel getan, um die Erinnerungen lebendig zu erhalten, umso mehr erschreckt es mich jedes Mal, wenn ich höre, dass große Teile der Jugendlichen noch nie etwas vom Holocaust gehört haben und mit dem Dritten Reich nichts anfangen können.

    🖖 Eure Bridge

  6. René

    Hallo zusammen,

    ich fühlte mich bei dieser Folge sehr stark an „The Inner Light“ erinnert:

    Die alte Dame ist das Archiv, dass unbedingt seine Geschichte loswerden muss.
    B´Elanna Torres trägt jetzt immer den Lebensabschnitt einer anderen Person mit sich rum. Deren Erlebnisse und Gefühle. Vielleicht auch Schuld.
    Leider wird daraus nichts mehr gemacht, ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Beim Jean erfolgte die Referenzierung zumindest noch das eine oder andere Mal, wenn die Flöte ins Bild kam.

    Gruß
    René

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  7. Michael from Outer Space

    Ihr habt recht, Roxann Dawson ist ein schauspielerisches Naturtalent! B’Elana ist, was den Hauptcast angeht, meine Favoritin, u. a. wegen „Remember“. Ich finde es toll, dass gerade *sie* Joras Erinnerungen erhält. Zwar behaupte ich nicht, dass es mit einem anderen Charakter nicht auch funktioniert hätte, aber die Chefingenieurin B’Elanna bringt für mich einen besonderen Vibe in die Story.

    Wobei ich mir die Frage stelle:
    Wieso hat Jora nicht eine telepathisch veranlagte Person, sprich Kes oder Tuvok, ausgewählt? Wären die Chancen, dass die Erinnerungen erhalten bleiben, dann nicht sogar höher gewesen?

    Die anfängliche Ähnlichkeit zu „Violations“ fiel mir nicht negativ auf. Ich habe sie unter „Recycelte Plot-Elemente“ abgespeichert. Der spätere Twist versöhnt mich mit der Wiederverwendung alter Ideen.

    Nach „Jetrel“ in Staffel 1 ist „Remember“ die zweite VOY-Folge, die ein Thema aus dem Zweiten Weltkrieg, hier speziell aus dem Nationalsozialismus, aufgreift. Für mich funktioniert diese Story ein Stück besser als „Duet“, weil eine unserer Hauptfiguren den Genozid in der Episode sozusagen „live“ miterlebt und ihr Freund Dathan eines von wahrscheinlich Millionen Opfern ist. Auch die Wirkung der Propaganda auf Korenna/B’Elanna wird glaubwürdig dargestellt. Die Verdrängung des Massenmordes durch die Gesellschaft setzt der Geschichte gewissermaßen die Krone auf und spannt den Bogen in unsere Gegenwart.

    Bei der Vergabe des DeKelley Awards OF EXELLENCE gehe ich zu 100% mit.

    Weil ihr „Schindlers Liste“ erwähnt:
    Ich bin erst neulich auf Jennifer Teege gestoßen. Frau Teege ist eine deutsche Schriftstellerin und Werbetexterin. Sie wurde 1970 geboren und erfuhr erst im Alter von 38 Jahren, dass der KZ-Kommandant Amon Göth ihr Großvater war. Göth taucht im Film in einer der wie ich finde grausamsten Szenen auf (wer den Film kennt, wird sich erinnern). Hier ist ein Interview mit ihr aus dem letzten Jahr:
    https://www.ardmediathek.de/video/swr1-leute/jennifer-teege-oder-schriftstellerin-oder-mein-grossvater-haette-mich-erschossen/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIwNjU5MDE

    Ich habe es mir angesehen und bin tief beeindruckt von Frau Teeges Offenheit und Selbstbewusstsein. Ich habe mir vorgenommen, ihr Buch „Mein Großvater hätte mich erschossen“ zu lesen.

  8. Michael

    Remember ist als Folge exzellent und hat den Landarzt verdient. Als einzelne Episode von Voyager ist sie der erste echte Lichtblick in der bisher sich dahinschleppenden dritten Staffel.

    Die folgenden Zeilen werden mich unter Umständen wie einen Troll klingen lassen, der immer das eine Haar in der Suppe sucht. Was die Folge eben auch macht, ist für Janeway und die Crew eine moralische Fallhöhe aufzubauen, die spätestens mit Scorpion wieder eingerissen wird. Oder anders und provokant niedergeschrieben:

    So richtig Voyager mit einem nationalsozialistisch durchzogenen Sachverhalt umgeht und den Schrecken darstellt, der das Schlimmste in Individuen in einer gesteuerten, emotionalisierten Bewegung hervorbringt – so eklatant versagt Voyager beim Thema Totalitarismus am Ende der Staffel, der durch die Borg als Sujet in die Serie eingebracht wird.

    Natürlich begegen die Borg keinen Genozid im Sinne einer physischen Vernichtung von Individuen, sie löschen nur irreversibel ganze Spezies aus; Kultur, Sprache und soziale Strukturen gehen verloren und werden in das Kollektiv inkorporiert. Dies geschied unter Zwang, Lebensweisen werden komplett vernichtet. Ihr Handeln ist dabei durch reine Effizienz und dem Streben nach Perfektion abgeleitet, nicht durch z.B. rassistische Motive.

    Nach den Schreiben des letzten Absatzes stellt sich mir die Frage, ob die Unterschiede zwischen Genozid und Borg-Assimilation (außer dass Ersteres bittere Realität in der Geschichte der Menschheit war/ist/sein wird(?) und Letzteres eine fiktive Spezies einer Unterhaltungserie auszeichnet) nicht eher marginaler Natur sind. Am Ende blickt man ins Nichts.

    Ausschließen kann ich als Star-Trek-Fan nicht, dass Voyager durch Handlungen während der Allianz mit Borg im Endergebnis der Assimilation weiterer Spezies Vorschub geleistet hat.

    Das wird meiner Erinnerung nach nicht ausreichend in der Serie verhandelt. Arturis aus „In Hope And Fear“ eskaliert die Auswirkungen der Förderations-Borg-Allianz auf die Spitze, am Ende der Episode hat er dann halt Pech und Voyager nimmt den „easy way out“ und breitet den Mantel des Schweigens darüber. Weiter geht es mit der nächsten Folge, hier gibt es nichts zu sehen, schalten Sie auch nächste Woche ein.

    Polemisch formuliert: Wenn schon die Voyager am Ende den Enarans nicht direkt am Zeug flicken konnte, dann holen es die Borg halt vermutlich früher oder später nach. Ob das B’Elanna und Katey besser schlafen lässt, bleibt offen.

    1. RafiB

      Ein wichtiger Hinweis! Ja, die Borg sind eindeutig genozidal, sie löschen Spezies aus, und das wird auch mehrmals offen so gesagt. (Übrigens, per Definition der UNO ist es auch ein Genozid, wenn niemand getötet wird, sondern „nur“ die Kultur einer Ethnie ausgelöscht wird, also gibt es gar keinen Zweifel, dass die Borg ununterbrochen Genozide begehen.)

      Und weil ich vermutlich auch unbedingt trollen will: Ich sag nur „Unforgettable“ (4×22), in der Chakotay (und, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, die ganze Crew) einem totalitären Regime aktiv bei der Verfolgung von Dissidenten hilft – im vollen Bewusstsein der Umstände. Aber weil’s auch Küsse gibt, interessiert sich niemand dafür, dass hier

    2. Maestro84

      Die Frage ist, ob die Borg am Ende sich frei für diese Lebensart entscheiden oder sogar die Königin nur einer Programmierung folgt, die irgendwelche Nasen irgendwann mal erstellt haben. Eine Maschine folgt ja von sich keiner Agenda.

  9. Wolfgang

    Für mich ist „Remember“ die eine gute (Einzel-)Folge der dritten Staffel Voyager. Die dritte Staffel ist für mich die schlechteste Staffel der Serie und hat mit dieser Folge aber etwas besonderes gemacht, was ihr auch schön herausgearbeitet habt.

    Bei mir war es in den späten 90ern und frühen 2000ern in der Schule ähnlich, wie Sebastian es beschrieben hat: Man hat in fast allen Fächern in der Schule das Thema Nationalsozialismus behandelt, so dass mein jüngeres Ich durchaus mal mit den Augen gerollt hat und so habe ich der Folge als Teenager wohl auch wenig Bedeutung beigemessen. Das hat sich dann aber beim Rewatch während des Studiums geändert! Ich habe mittlerweile Geschichte studiert und so hat mich die Erzählung wirklich tief berührt. Ich mag es, wenn Star Trek die großen ethischen Fragen angeht, deshalb gefällt mir die Dr. Mengele-Folge (Nothing Human) von Voyager in der Staffel 5 auch sehr, wenngleich ich mir fast sicher bin, dass ihr der keinen Landarzt verleihen werdet… Aber hier bin ich sehr froh, dass ihr ihn gezückt habt! Macht doch mal bitte das nächste Mal einen Screenshot, wenn ihr euch so anseht und fragend den DeKelly vergeben wollt.

    Der Bezug zur NS-Zeit drängt sich schon sehr auf, aber es ist, wie Sebastian sagte auch sinnbildlich für die anderen Genozide der Erdgeschichte, denn der Nationalsozialismus hat nicht überdauert und so wurde eben, anders als bei den Enaranern, eine Erinnerungskultur etabliert. Aber in vielen anderen Ländern ist es ja so wie hier gesehen, dass es eben als unangenehm unter den Teppich gekehrt wird. Ich sehe die Folge eher so: Bei den Nazis ist es passiert und wir wissen sehr viel darüber, aber die anderen sind, wie die Enaraner, davon gekommen und haben es nicht aufgearbeitet.

  10. Autzeit

    Moin ihr Lieben,
    Habe eben euren Podcast gehört und war verwundert, dass ihr den Sprung zu Mirel nicht gesehen habt (euch entgeht sonst echt gar nichts) – oder ich hab es mir eingebildet, aber für mich war es völlig folgerichtig. B‘Elanna wird an der Wange verletzt – dreht man die Jahre weiter, landet man bei der Narbe, die Mirel an der gleichen Stelle hat. Zugegeben, die Wunde sah jetzt eher wie ein Cut aus und mir hat sich nicht ganz erschlossen, warum die so massiv vernarbt, aber das ist sicher unerheblich. So habe ich mir das zumindest erschlossen. Die Narbe ist mir allerdings erst in der letzten Einstellung aufgefallen, als Mirel schon am Boden lag. Allerdings frage ich mich nun gerade, ob ich mir die Narbe eingebildet habe und es einfach nur Gekrisel auf meinem TV war… wobei ich mir recht sicher bin. Hab die Folge vor drei Wochen gesehen, müsste also noch mal nachschauen.

  11. stef baura s

    hallo Ihr beiden,

    dass war eine tolle Besprechung einer tollen Folge.

    Ja, ich dachte auch erst an die TNG Folge und war wirklich überrascht, als eine völlig andere Wendung nahm.

    Für mich ist es auch ganz klar eine Analogie zu den NS-Verbrechen.

    Viel spannender ist jedoch mal wieder die Aktualität einer Startrek-Folge, wir erinnern uns sicher noch alle an „they are eating cats and dogs“, und jetzt werden Leute reihenweise willkürlich an öffentlichen Orten inhaftiert und verschwinden entweder ganz oder landen in grauenhaften Lagern.

    Zur aktuellen Situation in USA gibt es wohl für jeden einzelne Aktion der der Administation eine passende Startrek-Folge. Ich bin mal gespannt, wie lange Paramount überhaupt noch an der Serie festhält, sie sind ohnehin schon umgefallen, damit ist weiteren devoten Handlungen Tür und Tor geöffnet.

    Es ist zum Weinen.

    Freue mich, dass es jetzt wieder einen längeren DS9 Block gibt.

    juhuuuu…

    Eure Stef

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    1. Maestro84

      Ich denke aktuell bei den USA eher an Babylon 5. Die Entwicklung der Erde dort ähnelt sich erschreckend der einer USA heute. Brr.

      PS: DS9-Block HOORAY!

  12. sternburg

    Zu eurer Mutmaßung, die ersten Minuten könnten Leute zum abschalten bewegt haben können, kann ich einen Datenpunkt andienen: Ich habe diese Folge um ein Haar an diesem Punkt ausgeschaltet. Wütend und genervt ausgeschaltet. Was für mein begleitetes TaD-Rewatch ein Novum gewesen wäre. Und ich bin an der Stelle ernsthaft nur noch als Hausaufgabe zum späteren Podcast hören dran geblieben.

    Ich hab diese Folge zum ersten Mal im Leben gesehen und wusste vorher _nichts_ darüber. Warum ich sie vorher nie gesehen hatte, weiß ich heute nicht mehr – kann mir das aber nach dem vermuteten ersten ein, zwei Sätzen einer Kurzzusammenfassung im Serien-Archiv schon denken. Da hatte ich damals schon keinen Bock drauf.

    Ich hab im ersten Teil dieser Folge wirklich gelitten. Oh Gott, da kommt schon wieder so ein telepathisch begabtes, super nettes ~reisendes Volk~ an Bord, und die gut aussehende junge Frau im Cast darf ungefragt höhöhö heimlich schlüpfrige Fickificki-Action im Traum erleben. Mit einem Mann, der früher auch mal jung war. Und natürlich findet sie selber das voll geil. Aber es gibt ein Problem. Und dieses Problem ist nicht etwa mangelnder Consent, sondern weil das für ihre Gesundheit gefährlich ist und weil da am Ende (uiuiui, schnell den Jumpscare mit den Brandwunden auspacken) etwas sinisteres und gar nicht lieb gemeintes lauert. Dieses so freundlich daherkommende reisende Volk mit den bunten Tüchern und der liebreizenden Musik – ja, wer mag das wohl sein -, einer von denen verführt hinter unserem Rücken unsere Frauen und das ist voll schlecht für diese Frauen aber zum Glück sind wir ja da und erkennen irgendwann gegen Ende der Folge noch rechtzeitig die Gefahr, die wir da in unsere Mitte gelassen haben.

    Ich war wirklich angeekelt.

    Keine Frage eine Sichtweise aus dem Jahr 2025 und ich bin auch keine 18 mehr. Null Ahnung, wie ich das damals gesehen hätte. Ganz sicher hätte ich das nicht so formuliert, das steht fest. Aber ich glaube schon, dass ich zumindest ähnlich gefühlt hätte.

    Und ich finde das auch gegenüber Voyager nicht unfair. 2025 ist nicht 1998, aber 1998 ist auch nicht 1988. Und man muss gegenüber Voyager nicht dasselbe Wohlwollen an den Tag legen, das man vielleicht gegenüber TNG noch aufgebracht hat. Insbesondere, wenn man völlig berechtigt davon genervt ist, dieselbe Scheiße schon wieder und wieder aufgetischt zu bekommen.

    Nunja, ich bin dann ja doch drangeblieben.

    Und zunächst hatte mich die Folge langsam damit wieder eingefangen, wie erwachsen alle mit der Situation umgehen. Wie alle offen sämtliche Möglichkeiten und Gefahren ansprechen und behandeln. Und eben nicht Haupt-Plotdevice ist, dass die überwältigte Frau ihr erotisches Erlebnis im Geheimen verarbeitet bzw (allgemeiner gesprochen) dass die sinistere Alien-Attacke mal wieder hauptsächlich deswegen funktioniert, weil darüber zu wenig kommuniziert wird.

    Und dann bog die Folge nochmal völlig anders ab. Dazu habt ihr alles zu Sagende gesagt.

    Sehr berechtigter Landarzt. Aber wenn es mir so ging, dann kann es auch anderen Leuten so gegangen sein – und dann werden wegen des ersten Teils der Folge Teile des Publikums die eigentliche Folge verpasst haben. Das ist tragisch und selbst verursacht und – mit Verlaub – Ergebnis dummer Entscheidungen, denn das hätte man auch alles anders einleiten können. Und das darf man auch so ansprechen, finde ich.

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    ps: Ein Detail zu eurer berechtigten Begeisterung über das offene Ende und die Holocaust-Aufarbeitungs-Allegorie.

    In meiner Wahrnehmung war gerade in den späten 90ern bereits stark das Problem der langsam aussterbenden Zeitzeugen ein Thema. Ein Problem, was diese Gesellschaft mittels ihrer Technik der übertragenen Erinnerung überwindet. Ohne dabei auf so Krücken wie Zeitzeugen-Interviews auf Film o.ä. zurückgreifen zu müssen. Es braucht nur eine mutige Überträgerin wie Jora, um mehr oder weniger auf ewig eine authentische Zeitzeugen-Erinnerung präsent und abrufbar zu haben. Das macht das uns bekannte strukturelle Auslöschen der Vergangenheit – was wir ja am Ende in der Folge auch dediziert gezeigt – bekommen, unendlich schwerer.

    Und ich bin mir sicher, das ist auch etwas, was die Folge uns sagen wollte. Wie wichtig das für uns im Umkehrschluss ist. Zeitzeugen, Zeitzeugen, Zeitzeugen. Späte 90er.

    Zurück zum Delta-Quadranten: Wir wissen jetzt nur von einer Person, nämlich Jessen, die ihre – völlig verständliche – Abscheu überwindet und sich dieser Erinnerung öffnet. Und nur von einer Erinnerung, nämlich Joras. Aber was einmal passiert, das passiert auch nochmal. Es ist völlig abwegig, davon auszugehen, dass dasselbe nicht mehrfach passiert ist. Und so wie uns das gezeigt wurde, kann sich jede einzelne übertragene Erinnerung exponentiell verbreiten. Wenn sich Jessen auf die Suche macht, dann wird sie andere Erinnerungsträger finden. Und tut sie das nicht, dann tun die das ohne sie. Die Vergangenheit und Gegenwart dieser totalitären Gesellschaft mag furchtbar sein. Aber für ihre Zukunft würde ich gar nicht so sehr schwarz sehen. Möglicherweise weniger als für unsere.

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  13. Grand Nagus O'Brien

    Um mal eine Lanze für das typische Planetendorfdesign zu brechen, ich fand die hinterhofmäßige Gestaltung mit den hohen Wänden an allen Ecken ganz passend als Metapher für die repressive, beklemmende Gesellschaft, in der die Charaktere leben – im Besonderen die Regressives, die in der Kulisse teilweise wirken wie Mäuse, die durch ein Labyrinth gescheucht werden. Nur für die „Oberschicht“ scheint etwas mehr Platz da zu sein, aber selbst die hängen sich noch Tücher vor die Augen (um das nicht Ausgesprochene nicht sehen zu müssen?).

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  14. Diedd0r

    Wann besprecht ihr ST8 First Contact?

  15. BjoernHH

    Wieder eine Folge, an die ich mich nicht erinnern konnte. Und dann so eine gute!

    Nur Korennas Skandieren direkt nach der Hinrichtung („Yes! Yes!“), das ging mir zu schnell. Da ist gerade ihr Lover hingerichtet worden!
    Aber Roxanne Dawson spielt das wirklich vielschichtig!

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  16. JoeM from the border

    Wieder eine tolle Besprechung , über einen Teil mit einem ernsten Thema. Und leider auch ein Thema, das wieder aktueller denn je ist.
    Allerdings habe ich bei dem Teil interessanterweise nicht primär an die deutsche Vergangenheit gedacht. Bei mir waren die Maßnahmen gegen First Nations in den Vereinigten Staaten oder Kanada meine ersten Gedanken. Vielleicht auch, da ich vor kurzem einen Bericht über die verschwundenen Kinder der First Nations in Canada gelesen habe. Dort wurde auch das Thema Verschleierung und Verdrängung immer wieder genannt.
    Dadurch habe ich während der Besprechung die Reaktion von Brennen Braga anders interpretiert: Durch die Veröffentlichung von Schindlers Liste denkt jeder zuerst an die Nazizeit. Und vielleicht war genau das, was er nicht wollte. Vor allem für die US-Amerikaner und Kanadier ist die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte anscheinend unangenehm. Mit dem Finger auf andere (zum Beispiel die Deutschen) zu zeigen ist einfacher. Wäre der Teil also vor Schindlers Liste gezeigt worden, hätten vielleicht mehr Zuschauer zuerst an die Landeseigene Geschichte gedacht.
    Aber die wahren Gründe der Aussage kann wohl nur er genau ausführen.

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  17. Goedeke

    Also das Thema Genozid ist sicherlich Kern der Episode aber eben auch Erinnerungskultur und wie mit solch einem Verbrechen umgegangen wird.

    Und da sind die Anleihen tatsächlich nicht nur in Deutschland zu suchen. Aber wir sind auch nicht so toll wie wir uns oft gerne sehen. Es gibt auch Teile unserer Kolonialgeschichte die wir da kaum beachten. Es gibt auch die ersten ca. 25 Jahre nach dem Krieg wo wir eher auf Verdrängung und Vergessen aus waren.

    Aber ja der Finger liegt auch in Wunden rund um die Welt. Sei es der Genozid an den Armeniern, den Uhreinwohnern in Kolonialregionen rund um die Welt. Kulturelle Genoide, Vertreibungen usw..

    Bis hin in die Gegenwart wo es ja auch nicht ohne Grund Diskussionen gibt ob bestimmte Sittuationen und Konflikte derzeit als Genozide oder versuchte Genozide zu bewerten sind.

    Nicht wirklich ein Beispiel für Genozide und Vergangenheitsbewältigung aber für das mein Vorfahre war doch kein schlechter Mensch Phänomen ist wie schwer es in den USA ist die CFA als das zu benennen was sie waren (Sklavenhalter, die für das Recht andere Menschen ausbeuten zu dürfen kämpften) und entsprechend Monumente und Symbohle zumindest als offizielle Statements von staatlicher Seite nicht länger zuzulassen.

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  18. Lt. Cmdr. Shelby

    Das war für mich bis jetzt wirklich die mit Abstand beste VOY-Episode. Eine Serie, die mich auch im Rewatch viel zu oft langweilt, da sie ihre Prämisse (und damit ihr Publikum) einfach zu selten ernstnimmt und dann leider oft die nächste recycelte TNG-Story auftischt. ”Remember” täuscht das Recyceln ja auch wirklich an, aber biegt dann dermaßen furios ein auf einen ungewohnt mutigen Weg. Mit einer menschlich universellen Handlung, die für mich gar nicht einseitig als ”Shoah”-Anspielung rüberkam (ganz im Gegensatz übrigens zu der schrecklich platten wie verharmlosenden ”Patterns of Force” von TOS). Leider gehören ja Ausgrenzungen bis hin zum Genozid bisher offenbar zum Menschsein dazu und die Episode zeigt uns, parabelhaft verdichtet mit wenigen Figuren, wie die soziale Gruppendynamik hinter diesem schrecklichen Phänomen funktioniert. Korenna befindet sich im liebevollen Würgegriff ihres dominanten Vaters und ist viel zu stark eingebunden in das faschistische System, als dass sie sich ihren eigenen Gefühlen und Instinkten zu folgen erlauben könnte. Das zeigt die wahrlich famose Roxann Dawson besonders schön in der Szene am Ende, als sie der verzweifelten Frau mit leerem Blick beschwichtigende Propagandaworte entgegenbringt und dabei vor allem ihre eigenen Zweifel niederringt. Rein zufällig hatte ich vergangene Woche in meinem TOS-Rewatch mit TaD-Begleitung ”Let That Be Your Last Battlefield“ gesehen, wo es ja auch um Hass, Faschismus, Abgrenzung und letztlich Auslöschung allen Lebens geht, wenn auch wesentlich plakativer. Und dann fand in denselben Tagen auch noch die Trauerfeier für Margot Friedländer in der Berliner Philharmonie Statt: Ihr letzter öffentlicher Aufritt im März und ihr kraftvoll geflüstertertes Mantra ”Seid Menschen!” sind mir durch Mark und Bein gegangen – ähnlich wie das Ende von ”Remember”. Mehr brauche ich über die Qualität dieser TV-Episode glaube ich nicht zu sagen.

    Vielen Dank für den wie immer fantastisch guten Podcast!

    Euer Falco

  19. Michael

    Gut möglich, dass ich mit mit STRG-F zu schnell durch die bisherigen Beiträge durchgewühlt habe, aber neben den absolut berechtigten Punkten Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht und Kolonialismus, fehlen mir zentrale Dinge, die man gut und gerne als Kehren vor der eigenen europäischen Tür bezeichnen kann aus meiner Sicht.

    In meiner Lebenszeit, also ab 1978, hat Europa wenig gelernt.

    – Pol Pot ließ zwischen 1975 – 1979 durch die Roten Khmer 25 – 30% der Bevölkerung Kambodschas auf den Killing Fields und in den Arbeitslagern umbringen, insbesonders die Intelligenzija wollte er als Steinzeit-Maoist ausschalten. Das scheint eindringlich der Film „The Killing Fields“ aus dem Jahr 1984 zu bebildern.

    – der Punkt „Völkermord an den Armeniern“ war Thema in den Betrittsverhandlungen mit der Türkei, die im Jahr 1987 aufgenommen wurden. Wie allzu oft, lavierte die EG, später EU, um das Thema herum. So war es wiederum an einzelnen Staaten, den Völkermord an den Armeniern so zu benennen, in Deutschland war es ab 2016 dann auch soweit.

    – Was auf dem Amselfeld 1989 durch den serbischen serbischen Präsidenten Slobodan Milošević in Gang gesetzt wurde inmitten eine kriselnden Jugoslawiens, führte zu diversen Regionalkriegen und Ereignissen, die als Genozid bezeichnet werden müssen. Zwei Bilder haben sich mir eingebrannt: Bilder aus dem Lager Trnopolje (https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_Trnopolje) und das Scheitern der niederländischen Blauhelmmission in Srebrenica.

    – Ruanda.

    Zusammenfassend:
    – die von mir genannten Ereignisse sind Schlaglichter und keine vollständige Liste. Zeitlich liegen sie nach der Definition des Begriffs Genozid von Raphael Lemkin bzw. sind im Falle „Völkermord an den Armeniern“ Auslöser für die Prägung des Begriffs.

    – Genozide wurden von linken wie rechten extremistischen Bewegungen durchgeführt. Hinzukommen noch religiöse Auslöser

    – wer einen einflussreichen Verbündeten bei den UN hat, muss eine wirkliche Verurteilung auf der Weltbühne nicht fürchten (China hat sehr die Hand über Kambodscha gehalten)

    – Wirtschaftliche Interessen spielen bei der Lageeinschätzung eine Rolle (der Bundesrepublik waren gute Kontakte zu China wichtiger als das Leiden der kambodschanischen Zivilbevölkerung, Frankreichs Rolle gegenüber Serbien zu Konfliktbeginn Anfang der Neunziger)

    – Findet ein Genozid in einem „unwichtigen“ Land wie Ruanda statt, reagiert die Welt eben halt nicht.

    Ich hatte das Bedürfnis, das noch zu schreiben.

  20. gerd völlmar

    Hallo. Ich konnte die Folge leider erst heute hören. So viele Kommentare. Wow. Und eigentlich gut das eine serienfolge solche Diskussionen anregt, aber wie ihr schon sagtet: es ist fast schon eine Dokumentation. Auch wenn ich die Schauspielerische Leistung sehr gut fand war die Folge doch eher zäh. Es fehlte für meinen Geschmack etwas Spannung und nicht zuletzt auch weil die Folge doch sehr an die tng Folge errinerte. Was ich sehr erfreulich fand war das man schnell eine Verbindung zwischen den latenten telepathen und den Träumen hergestellt hat. Meines Erachtens eine echte Sternstunde. Es gibt sehr viele Folgen bei denen die Crew sowas von auf dem Schlauch steht (das gilt für alle Star Trek Serien) das ich manchmal in den tv schrei. Hat mich echt gefreut. Auch das sie nicht abwigelte sondern dann auch dran blieb um dahinter zu kommen was los war und nicht erst reagiert wenn Torres halb tot im Bett liegt oder so. Mein Fazit: eine etwas langwierige aber sehr zum nachdenken anregende Folge.

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