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28. April 1997:
Die 117. Folge Deep Space Nine ist gleichzeitig die erste von Star Trek: Klingon. Dax und Worf heuern an auf der IKS Rotarran, einem Bird-of-Prey mit dem miesesten Betriebsklima seit Kahless‘ Wiederkunft. Die Crew kann gar nicht so viel (nicht vorhandenen) Blutwein saufen, wie sie ranzige Bok-Rattenleber spucken will, und der von den Jem’Hadar traumatisierte General Martok verschlimmbessert die Situation.
In Deutschland: Martoks Ehre, ausgestrahlt am 18. März 1998.
Buna ziua!
Die Inszenierung des Zweikampfs zwischen Martok und Whorf am Ende legt Wert darauf, einen Moment einzubauen, in dem sich die beiden etwas länger in die drei Augen schauen, bevor sich Whorf „opfert“.
Ich glaube, das soll die Parallele sein zu der Situation im Dominion Prison Camp, die Whorf dem Sisko am Anfang beschrieben hat.
Und das würde erstens erklären, dass Martok in dem Moment versteht, was Whorf vorhat, noch wichtiger aber: Das war auch ein Moment des tova‘dok. Whorf hat in diesem Moment dem Martok sein Kriegerherz gegeben.
Die Wandlung Martoks beruht dann also eigentlich weniger auf seinem Sieg über Whorf, sondern auf diesem gemeinsamen Moment.
Liebe Grüße
Elmar
Jo, so eine Klingonenfolge halt. „Blut & Ehre“-Gedöns, wie man es kennt und ein Worf, der klingonischer ist wie alle anderen Klingonen. Ich hatte mit der Folge zwar durchaus meinen Spaß, aber irgendwie bietet diese Spezies nichts Neues mehr. Auch deshalb sind die Cardassianer viel interessanter, weil diese facettenreicher gezeigt werden als die Klingonen, die mir immer daherkommen wie olle Russenrocker 1995. Aber ganz weglassen konnte man Geschichten bei denen wohl auch nicht in den 90ern und bei Voyager fehlen solche Geschichten ja fast immer.
Mein Daumen liegt bei der Folge eher in der Mitte, auch wenn dieser Richtung 10 Uhr zuckt.
Ihr habt noch keine Währung der Klingonen gesehen? Was hat dann Quark bei Grilka gemacht?
Schon bisschen schade und auch unpraktisch, dass man sich bei den Klingonen nicht mit einer klaren posttraumatischen Belastungsstörung krank schreiben und in Ruhe austherapieren lassen kann. Was dieses Kriegervolk da an Personal-Ressourcen und Talenten verschwendet. Auf der anderen Seite können sie – anders als eine gewisse andere humanoide Spezies – bereits von einem einzigen Sieg im Kampf auf Leben und Tod von dieser Bürde entlastet und vollständig geheilt werden. Wohl dem, der vermutlich auch den Hormonhaushalt redundant vorhanden hat, der kann sich so eine brutale und die Spannung hochhaltende Arbeitskultur erlauben. Andere humanoide Gesellschaften ohne diese Vorzüge hingegen, die würden zum Glück nie auf die Idee kommen, solch törichte Vorgehensweisen aus falsch verstandenem Stolz und Ignoranz, geprägt von toxischer Männlichkeit, einreißen zu lassen. Jedenfalls keine von Rationalität geleiteten.
Viellen Dank, lieber Sebastian, für Dein Plaudern aus dem Nähkästchen. Das hat mich aus Gründen tief berührt.
Die Klingonen sind eben in Sachen Ehre gut an z.B. Samurai angelehnt, bei denen die Ehre auch über Alles ging – zumindest war so die Verklärung, als Japan abgeschottet und nach innen friedlich war. Innerlich wie äußerlich verletzte hingegen in den Kampf werfen passt ja hervorragend zum russischen Vorbild der Spezies, wie wir dieser Jahre wieder sehen können. Wobei die Klingonen auch körperlich mehr aushalten als z.B. ein Romulaner, was diese Zähigkeit aus biologischen Gründen bevorzugt.
Ich muss aber auch einwenden, dass die Klingonen nur semi-patriacharlisch sind. Sogar Frauen können gleichberechtigt mitkämpfen und „in Ehre“ sterben und in Ausnahmefällen sogar ganze Häuser führen.
Jau, deshalb wäre das ja auch bei anderen, wenig von rationalen Gesichtspunkten geleiteten, Spezies von toxischer Männlichkeit geprägt. Den Klingonen würde ich das didiziert nicht vorwerfen.
Die klingonische Währung ist der Darsek.
Kommt in etlichen Folgen vor.
Akzeptiert Quark die auch?
Moin.
Witzig, dass Ihr sagt, dass das klingonische PADD wie eine Wii U aussieht. In einer Folge Lower Decks (Staffel 4 oder 5) spielt ein Klingone auf einem PADD ein simples Videospiel. 😀
Für mich Daumen runter ( also die TV Folge natürlich nicht der Cast 🙂 )
Kann mit Klingonen Folgen nix anfangen und was neues kam da seit 20 Jahren nicht Töten ist Ehre ja ja… Kämpfen und sterben und noch besser Morden ist so Klasse.
Frag mich immer wie konnten die Schiffe bauen oder wer wird Arzt den nur wer mordet ist toll… Fand ich schon bei TNG langweilig und abtsoßend
Diese Frage kommt im Fandom immer wieder auf – wir setzen unsere westlich intellektuellen Ideale mit rationalem Denken gleich. Wer kein Pazifist ist, kann unmöglich technischen Fortschritt entwickeln. Die Klingonen bauen ihre Kultur auf der Kriegerehre auf, einschließlich der Idealisierung des Todes. Deshalb können sie keine Raumschiffe bauen, ja eigentlich überhaupt nicht überleben.
Die Klingonen sind seit TNG sehr eindeutig an die Samurai und die Wikinger angelehnt. Beide Kulturen zeichneten sich durch die Bedeutung der Ehre, durch die positive Bewertung von Kampf die Idealisierung des Todes aus.
Beide haben nicht nur über Jahrhunderte überlebt, sondern waren durchaus politisch erfolgreich und technisch ihren Zeitgenossen zumindest ebenbürtig. Wikinger haben Amerika nicht auf mitteleurpäischen Flußkähnen erreicht. Natürlich gab es auch in einer von Kriegern geprägten Kultur Bauern, Heiler, Forscher und Handwerker. Skandinavier gingen in ihrer Jugend auf Wikingfahrt, im reiferen Alter bestellten sie ihre Felder. Samurai waren auch für die Verwaltung zuständig und mußten daher in ganz verschiedenen Bereichen Expertenwissen erwerben. Sie gingen nach der Meiji-Reformation ganz natürlich vom Kriegeradel zur intellektuellen Elite über.
Von den technischen Entwicklungsschüben, die moderne Kriege ausgelöst haben (Düsenflugzeuge, Raketen, Computer, Radar, Funk), gar nicht zu reden.
Macht das Kriege, oder allgemein Kampf oder Tod, in irgendeiner Weise „besser“? Sicher nicht.
Aber um ein Werturteil geht es hier auch nicht.
Ob man die Samurai und Wikinger vergangener Jahrhunderte oder die Klingonen in einer Fernsehserie nun langweilig und abstoßend findet oder spannend und (in Ermangelung eines besseren Wortes) „lehrreich“, ist jedem selbst überlassen.
Aber die Vorstellung, Kampf und Ehre würden auf irgendeine Weise den Bau von Raumschiffen verhindern, ist nicht zu begründen
Und deshalb (ich glaub, das hab ich schon mal gesagt) glaube ich das auch nicht.
Ich weiß, wir sehen das nicht. Aber für mich ist Kanon, dass die Klingonen neben den uns bekannten Leuten auch noch jede Menge (m/w) Wissenschaftler und Künstler haben (und Landwirte und Händler und Ingenieure und und und). Die meinetwegen innerhalb derselben Kultur und mit denselben Grundüberzeugungen ihren ehrenvollen Kampf einer leckenden Heliumpumpe im Labor oder der existentiellen Düsterniss im denkenden Hirn widmen oder so.
Deshalb ist für mich auch ne Art Schlüsselszene dieser Folge, wenn Dax dem Milster die banale Erkenntnis von den Klingonen als einer ausdifferenzierten Spezies voller unterschiedlichster Charaktere vorbetet. In meinem Kopf ergänzt sie da noch:
„Wenn Du, lieber Miles O’Brien, denkst, alle Klingonen seien blutrünstige Monsterkrieger, dann liegt das daran, dass es diese Klingonen sind, die einem Miles O’Brien im Kampf gegenüber treten – oder die sich auf einer Front-Raumstation am anderen Ende des Föderationsgebiets aufhalten. Oder auch in der großen Halle auf Kronos rumhängen.
Warst Du mal in der technischen Hochschule von Ch’lan? Oder auf dem Gagh-Nachtmarkt von Bth’lr? Kennst Du die Gangmer-Sohn-des-Lorgh-Bildhauerschule von Qu’Osrw? Oder hast Du mal eine Schreibstube in einer der Schweigeklöster im Hr’chwhd-Gebirge besucht? Nichts davon? Komisch, wa?“
Das reimst Du Dir aber alles nur zusammen 🙂 davon sehen wir nie was.
Ins Stovokor (sowas wie deren Himmel) oder wie das heißt kommen auch nur Mörder, das wird oft erwähnt. Also die ganzen Klingonen die nicht morden usw. denen ist schon klar ich hab Pech weil ich Einzelhandels Klingone Äh Kaufmann bin
Absolut fantastische Folge meiner Meinung nach, und ein sehr interessanter Einblick in die Feinheiten klingonischer Kultur. Selbst auf einem Kriegsschiff voller Krieger hat man abergläubische Grübler, gehässige Pessimisten, ehrliche Ingenieurinnen und traumatisierte Kapitäne.
Mein kleiner Gedanke zu kleinen Kleinigkeiten: Das cardassianische Nackenknochen-Ding – uns präsentiert als „oh Gene, wie barbarisch – ist aus klingonischer Perspektive etwas sehr Freundliches. Die Cardassianer waren ehrenvolle, respektable Gegner, also respektiert er sie, und hängt sich ihre Nackenknochen (ihr herausragendes Merkmal*, dass sie von den anderen Völkern der Alpha- und Beta-Quadranten unterscheidet) um den Hals. Seht her, diese Cardassianer waren tapfere Krieger, und so sind sie auch gestorben. Aus klingonischer Sicht eben eine Ehre.
(*außer dem Löffel, natürlich, aber der ist vermutlich schwerer rauszukratzen)
Das mit den fehlenden Essensreplikatoren auf Klingonenschiffen ist eigentlich ganz fix erklärt: Nicht erst seit Voyager wissen wir, dass Replikatoren ganz schön energiehungrig sind. Die für Essen zu verwenden, das kann man sich nur auf Luxuscruisern wie der Enterprise oder anderen Starfleet-Schiffen gönnen. Auf einem Klingonenschiff, das bis auf das letzte Watt auf Gefecht optimiert ist, da ist für sowas kein Platz.
Dazu kam mir gerade noch ein Gedanke: Die Klingonen sind ja auch Fans von Lebendfutter, lebende Tiere können Replikatoren nicht herstellen, also baut man sie auch gar nicht ein. (Dass man sich nicht auf den Nicht-Idealfall einstellt, tja, das ist auch beim Menschen nicht unüblich.) Macht das Gammelfleisch auch gleich doppelt eklig: Totes Essen ist schon schlimm, aber dann auch noch lange tot!
Ein Replikator müsste, da er Materie aus Energie produziert, so ähnlich funktionieren wie ein Transporter, und die erschaffen ja auch „Lebendiges“.
Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Klingonen etwas „richtig“ Lebendiges essen wollen und nichts künstlich Lebendiges. Blöd gesagt: Ich kenne Menschen, die schmecken bei z.B. Gehacktes nicht den Unterschied zwischen pflanzlich und tierisch und lehnen erstes aber grundsätzlich ab. Wobei zumindest für den Notfall ein Replikator an Bord schon sinnvoll wäre. Besser als die ganze Crew an Skorbut zu verlieren. Oder eben Fässer mit Sa’krt mitnehmen.
Moin zusammen,
Man muss sich, glaube ich, immer wieder vor Augen führen, dass die in Star Trek gezeigten Spezies eher als Abziehbilder gewisser kulturellen Eigenarten zu verstehen sind. Unemotionale Denker / Geldgierige Schlitzohren / Hinterhätige Taktierer / Machtgierige Faschisten / Gewalttätige Raufbolde / Esoterische Schöngeiste… etc.
Taucht man zu tief ein und nimmt diese charakteristischen Eigenschaften als zu wörtlich, gerät man zwangsläufig zu der bekannten Frage: wie soll denn so eine Kultur bloß jemals aus dem Jäger- und Sammler-Status herauskommen? Man übertrage das hier Gesehene mal auf unseren Arbeitsalltag:
„Herr Müller, bitte stellen Sie die Verkaufszahlen für Februar zusammen.“ – „Wird gemacht, Boss, aber darf ich vorher noch den Schmidt aus der Lohnbuchhaltung verprügeln? Der ist mir hoffnungslos unterlegen und es wäre ein leichter Sieg.“ – „Geht klar, Müller, aber nicht mehr als drei aus dieser Abteilung, sonst kommt das Gehalt wieder zu spät.“
@ Benedikt: wir mögen aufgrund fehlenden Geschichtswissens Wikinger vielleicht als klischeehaft betrachten, jedoch denke ich, dass Klingonen in ihrer Darstellung weitaus stereotypiger gezeichnet sind. Das was wir von ihnen sehen halte ich wirklich für einen Hemmschuh was die Entwicklung einer technischen Zivilisation betrifft, denn wer wegen jedes quer sitzendes Furzes gleich den Nachbarn weg meuchelt der entleibt statistisch gesehen auch schon mal den klingonischen Zefram, ach – was sag ich – ich muss früher ansetzen: den Erfinder des Feuermachens…
Im Gegensatz zu rocktragenden vögelbeobachtenden Klingonen des 3. Jahrtausends (wie komme ich nur gerade darauf?) waren diese traditionsreichen Wüteriche fast Balsam für meine Seele. Martok ist schon ein cooler Haudegen und toll gespielt, wenn ich ich auch das gezeigte Dienst-Schnaps-Spannungsfeld ein wenig schablonenhaft fand. Vielleicht kann man es Richtung klingonische Work-Life-Balance interpretieren. Die Charakterzeichnung wurde ausgiebig betrieben, jedoch ging es dann am Ende mit der eigentlichen Mission ruckizucki zu Ende. 45 Minuten sind manchmal kürzer als man denkt. Kurzweiliges Vergnügen, wie auch Eure Besprechung!
Der Auftritt der beiden Klingonen im Quark‘s ist ungeschickt inszeniert, finde ich.
Man sieht die beiden, die Halskette ist jetzt nicht so sehr auffällig, und danach spricht Odo über die Halskette, die erstmal auch nicht wieder eingeblendet wird.
Ich musste erstmal zurückspulen und mir die anschauen.
Ansonsten musste ich immer nur denken, dass ich ganz froh über unser Büroarbeitsklima bin. Wenn man mich andauernd vom Drehstuhl schmeißen würde, nur weil ich auf einem falschen Platz sitze…
Mir hat die Episode richtig gut gefallen, ich bin aber auch bekennender Klingonen-und Martokfan.
Zum Thema Stereotype in Kulturen: Ja, erstmal sind diese sehr klischeehaft dargestellt. Natürlich ist nicht jeder Klingone ein Krieger. Wir haben auch schon Ärzte, Anwälte und singende Gastwirte (!) gesehen. Und genau das ist das Tolle an DS9. Man schafft es -insbesondere bei Klingonen und Ferengi- die Kulturen komplexer werden zu lassen. In dieser Folge hören wir, dass einige Klingonen Feiglinge sind und wir sehen, dass sie auch psychische Probleme haben können. Deswegen ist die Folge schon super. Cool ist hier Worf, der sich abstechen lässt, um Martok zu helfen. Noch cooler ist aber Dax, die noch mehr klingonsiches Fingerspitzengefühl auf dem Schiff beweist als Worf. Sowohl in der Art sich in die Crew zu integrieren als auch beim Erkennen der Probleme auf dem Schiff.
Eine Sache, die ich interessant finde: Wie oft endet so ein klingonsicher Kampf auf Leben und Tod eigentlich mit dem Tod? Mir fällt spontan nur einer am Ende von DS9 sein…
Und ihr habt im Podcast eine Sache angesprochen, die mir seit Jahrzehnten Star Trek gucken durch den Kopf geht: Ihr habt darüber diskutiert, ob ein klingonsiches Jahr eventuell länger sein könnte. Ganz wichtiger Punkt! Die ganze Zeit wird in allen Star Trek Serien von Jahren gesprochen, als wäre die Dauer universell.
Achso, das Spiel habe ich damals gespielt. War schnell durch, ja. Aber das war genau der Perspektivwechsel, den ihr angesprochen habt. Mal das Schiff einer anderen Spezies in den Mittelpunkt rücken und so die Klischeehaftigkeit der Kulturen zu überwinden.
Ich wundere mich ja, dass sich niemand daran stört, dass Starflleet freigestellt werden oder Urlaub bekommen, um auf Seite der Klingonen gegen die Jem Hadar zu kämpfen. Weder hat Sisko Bedenken, die Förderation damit in einen Krieg zwischen dem Klingonischen Reich und dem Dominion zu verwickeln, noch wird diese Aktion durch das Dominion als Kriegerische Maßnahme seitens Starfleet bewertet. Wie Russland wohl reagieren würde, wenn Bundeswehrsoldaten Urlaub nehmen oder freigestellt würden und in der Zeit für die Ukrainische Armee kämpfen?