#50: Patterns of Force (TOS 2.21)

tad050 Episode herunterladen (MP3, 49 MB)

16. Februar 1968:
Die 50. Ausgabe Trek am Dienstag wird mit der „verbotenen“ Episode gefeiert. Nachdem Simon und Sebastian geklärt haben, wann verfassungsfeindliche Symbole gezeigt werden dürfen, reden sie über eine Geschichte, in der sich Leichtfüßigkeit und Schläge in die Magengrube seltsam abwechseln.

In Deutschland: Schablonen der Gewalt, Videopremiere am 18. März 1996, ausgestrahlt im Pay-TV am 25. Juli 1999, im Free-TV am 4. November 2011.

Dieser Beitrag hat 22 Kommentare

  1. Merikus

    Hallo ihr zwei, wieder einmal Vielen Dank für die neue Folge. Jeden Dienstag auf dem Weg zur Arbeit freue ich mich riesig euren Podcast zu hören. Zur Folge, ihr hättet noch etwas mehr auf die Synchron Geschichte eingehen können. Sie wurde ja damals für die Videoveröffentlichung synchronisiert und diesmal wurde sich an das Orginal gehalten und keine Quatsch-Syncro benutzt. Es konnten auch fast alle Syncronsprecher von damals engagiert werden, die aber deutlich älter klingen. Lange Zeit hielt sich auch das Gerücht, dass ZDF hätte sie doch synconisiert und umgechnitten und wollte sie damals unter dem Titel „Kirks Traum“ senden. Das wäre dann so eine Nummer wie bei „Amok Time“ geworden. http://old.synchronkartei.de/classic%20guide/Sat1-Folgen/Schablonen%20der%20Gewalt.htm und http://www.dippold.org/startrek/serien/tos/2_21.PHP
    Da wir inzwischen bei Folge 50 eures Podcast angekommen sind eine Frage bezüglich „The Cage“ wollt ihr den auch noch besprechen? Als Kompletisten solltet ihr dies zumindestens überlegen. Auch wenn ihr natürlich mit dem Zweiteiler “ The Menagerie Part 1&2″ einen großen Teil schon besprochen habt. Würde mich trotzdem freuen.

    1. Sebastian

      Hallo Merikus,

      die Synchronfassung, muss ich gestehen, habe ich noch nie gesehen oder gehört, weil ich die Folge im Jahre 1999 schon vor längerer Zeit gesehen hatte. Faszinierend finde ich die Idee einer Traum-Inszenierung à la „Amok Time“. Es wäre nicht toll gewesen, aber sicher interessant.

      Aufgrund Deiner Frage hab ich mir nochmal unsere Menagerie-Folgen angehört. Eigentlich wüsste ich nicht, was wir noch weiter zu „The Cage“ sagen könnten. Aber wie findest Du die Idee, demnächst zum Anfang der zweiten TNG-Staffel eine Sonderfolge zu machen, in der wir über das Fernsehspecial „The Star Trek Saga: From One Generation to the Next“ sprechen? Denn genau dort wurde „The Cage“ am 4. Oktober 1988 zum ersten Mal ausgestrahlt – und dann könnten wir auch ein paar Worte dazu verlieren.

      Bis nächsten Dienstag,
      Sebastian

  2. Volker

    Hallo ihr beiden,
    ich finde mal sollte keine Angst oder Skrupel vor dieser Folge haben. Der Autor wird schon eine Intention gehabt haben. Das Nazi Deutschland auch von Star Trek verwurstelt wurde, mag niemanden Überraschen. Auch in den 60er Jahren werden die sich um Einschaltquoten bemüht haben.
    Die Aussage von diesem „Führer“ ? war: „Hat am Anfang funktioniert“. trifft ja auch auf unsere eigene Geschichte zu. Was daraus wurde, ist natürlich der blanke Horror. In Real und in Sience Fiction.
    Ich möchte aber noch sagen, dass wir keine Skrupel haben sollten uns diese Folge heute anzusehen. Wir haben aus unserer Geschichte gelernt, nicht nur weil unsere Geschichtsbücher Made in USA waren, sondern weil wir Deutschen ein neugieriges Volk sind und auch unsere eigene Geschichte kritisch hinterfragt haben. Ich denke, dass ist eine Eigenschaft die wir den Amerikanern, auch noch heute, voraus heben.
    Dabei möchte ich zu bedenken geben, dass der größte Genozid der Menschheitsgeschichte an den Native stattgefunden hat, in den ehemaligen Territorien der heutigen USA und das es bis Heute nicht aufgearbeitet wurde. Im Gegenteil ist der Rassismus dort auch heute noch Salonfähig.
    Zwar befasst sich TOS auch in einer Folge mit „Indianern“, aber auch dort wird deren reiches, kulturelles Erbe, mit erfundenen, teilweise lächerlichen Ritualen eher mit Füßen getreten.
    Diese Informationen habe ich, da ich persönlich mit Menschen der Apache und Lakota Nationen befreundet bin.
    Zum Schluss möchte ich noch Sagen, dass Euer Podcast echt Klasse ist, auch wenn wir bei einigen Folgen nicht einer Meinung sind. 🙂 Der Wolf im Schafspelz zum Beispiel ist eine richtig schöne Detektiv Geschichte und es macht mir sehr viel Spaß die Tonspur beim Einschlafen als Hörspiel zu Hören.
    In diesem Sinne, macht weiter so,
    Viele Grüße,
    Volker

    1. Brigitte Heyer

      Hallo, Volker,

      Teilweise gebe ich dir Recht, wir sollten keine Scheu haben, uns mit solchen Werken zu befassen, sie zu diskutieren und zu hinterfragen.

      Aber haben wir wirklich aus unserer Geschichte gelernt? Einige sicherlich, aber die sind oft schon von vornherein an solchen Themen interessiert. Aber wie kommt es dann zu solchen Dingen wie der NSU-Mordserie, die so lange unerkannt blieb? Oder Protesten gegen Ausländer und Asylbewerber? Wie können so viele Menschen ihre Stimmen der Afd geben? Wie Kanzler Gorkon so schön sagte: „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns“.

      LL&P
      Bridge

      2
      1. Michael Kleu

        Das wollte ich auch gerade schreiben. „Wir“ sollten uns da nicht zu viel auf die Schultern klopfen. Es gibt noch sehr viel zu tun. Z.B. tun wir uns immer noch mit dem Völkermord an den Herero und Nama sehr schwer. Es ist sicher richtig, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern die eigene Geschichte relativ (!) gut aufgearbeitet hat. Aber man steht immer gut da, wenn man sich mit Negativbeispielen vergleicht. Insofern finde ich es zwar schön, dass wir hier in den Kommentaren alle einer Meinung sind. Insgesamt gibt es aber noch viel zu tun.

    2. Sebastian

      Hallo Volker,

      da hast Du völlig recht. Andere Völkermorde geraten leider allzu schnell in Vergessenheit, weil die schiere Industrialisierung und Systematisierung des Pogroms am jüdischen Volk vieles andere (gefühlt?) in den Schatten stellt.
      Ich habe oft das Gefühl, wenn die Menschheit sich überhaupt bessert, dann geschieht das nicht in einer stetigen Aufwärtskurve, sondern in einer Sinuskurve, die um eine nur leicht nach oben geneigte Gerade schwingt. Aktuell, ohne jetzt zu einem großen politischen Diskurs ausholen zu wollen, verorte ich uns wieder in einer Abwärtsbewegung.
      Was amerikanische Ureinwohner angeht, hat TNG viele Jahre später mit „Journey’s End“ ein wenig Wiedergutmachung versucht. Picards Sprachlosigkeit in dieser Situation beeindruckt mich jedesmal, wenn ich die Episode schaue.

      Bis nächsten Dienstag,
      Sebastian

  3. „Muss man wissen“ 🙂 -> starkes Zitat fast ganz am Anfang! Ich war einer der Glücklichen, der ein Exemplar von den Autoren signiert bekam. Gutes VerSTörungsbuch, nicht nur über Flugscheiben (ic hab’s nie geschafft es zu Ende zu lesen). Aber das führt am Thema vorbei, weil Medizin ist ja Mathe und Bio ist Physik, wobei Magie = Physik durch Wollen ist! Muss man (alles) wissen!

  4. Brigitte Heyer

    Hallo, Jungs,

    Ich habe mich immer gewundert, warum Episoden aus „harmlosen“ Vorabend-Action- und Abenteuerserien mit Bezug auf die Nazis im deutschen Fernsehen nicht gezeigt wurden. Waren die deutschen Programmchefs einfach zu feige dafűr? Offensichtlich ja, nach dem, was ihr hier an Hintergründen geschildert habt. Danke fűr diesen informativen Podcast.

    Die Nazis wurden ja schon frűh von Film und Fersehen auf die Schippe genommen. „To be or not to be“ habe ich auch gesehen, nicht nur die Lubitsch-Fassung, sondern auch das Remake von Mel Brooks. Selbst diese űberdrehte Version ist besser als die Star Trek Folge. Wahrscheinlich wussten die Produzenten nichts davon, aber 1967 hat ein Geschichtslehrer in den USA ein Experiment durchgeführt, das als „Die Welle“ in die Geschichte eingegangen ist und auch als Roman und als Film grosse Furore gemacht hat. Angesichts dessen, was da passiert ist, klingt die Erklärung von Meredyth Lucas einfach nur lächerlich.

    „Hogan’s Heroes“ lief nicht nur zur selben Zeit erfolgreich im US-Fernsehen, es wurde auch in denselben Studios, nämlich bei Desilu, produziert.

    Am bekanntesten ist natürlich der unerreichte „Große Diktator“ von Charlie Chaplin, der schon 1940 entstand. Später soll Chaplin gesagt haben: „Hätte ich von den Schrecken gewusst, ich hätte Der große Diktator nie zustande bringen können.“

    Űber den Grund, weshalb John Gill mit seinem Experiment gescheitert ist, sagt Kirk :“Er hat die falschen Schlüsse gezogen.“ Die Nazis waren schon irgendwie effizient, aber das beruhte auf Furcht, Hass, militärischem Drill (Stichwort HJ) und der allgegenwärtigen Propaganda.

    Den „Schlussgag“ habt ihr anscheinend nicht ganz verstanden (oder ich habe euch nicht verstanden, dann entschuldigt bitte). Kirk droht nicht mit einem Bűrgerkrieg, er meint nur: „We’ver just been through one civil war, let’s not start another“.

    Natürlich gibt es auch von mir fűr diese Folge nur ein 👎. Für euren Podcast dagegen ein 👍

    LL&P
    Eure Bridge

    1
    1. Sebastian

      Hey Bridge,

      erwischt! Ja, den Schlussgag fand ich tatsächlich etwas zu seltsam und hab ihn deswegen nicht richtig kapiert.

      Deinen Hinweis auf „Die Welle“ finde ich sehr gut und treffend. Schade, dass wir daran nicht gedacht haben – schließlich haben wir das in der Schule intensiv durchgenommen. Genau so wie Ben Ross das Experiment durchführt, hätte es ein Historiker vom (unterstellten) Format eines John Gill tun müssen.

      Bis nächsten Dienstag,
      Sebastian

      1
    2. Kleiner Bruder

      Hallo Bridge! Vergiss nicht die britische Klamauk Serie „Allo Allo“ aus den achtziger/neunziger Jahren, die im besetzten Frankreich spielt.

      1. Bridge 66

        Danke für den Tipp. Ich habe zwar schon davon in britischen Zeitschriften gelesen, aber noch nichts davon gesehen.

        Bridge

  5. bjoernhh

    Ich habe diese Folge zum ersten Mal vor über 20 Jahren auf einer Star Trek Convention in Hamburg gesehen, bei der sie im Original im Videoprogramm in einem Nebensaal lief. (Auf der Convention habe ich übrigens auch Bridge getroffen! :-))
    Die legendäre verbotene Folge, endlich zu sehen. Danach dachte ich: Naja, war ja gar nicht so schlimm. Much ado about nothing.

    Heute kann ich mich meiner Meinung von damals nicht mehr anschließen. Ich habe die Folge seitdem nicht mehr gesehen, erst jetzt am Wochenende wieder, und je mehr ich danach darüber nachdachte, desto mehr habe ich mich geärgert.

    Vielleicht war ich damals nur so entspannt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der rechte Hass sein hässliches Haupt wieder so öffentlich erheben würde, wie es leider heutzutage geschieht, selbst im Bundestag.
    Jetzt schaue ich diese Folge und finde manche Dialogsätze unfassbar.

    Kirk „should make a very convincing Nazi“. Lustig.
    Gerade Leonard Nimoy wird ein Satz wie der über das aufregende „gambling“ in den Mund gelegt. Derselbe Nimoy, der jahrelang deutsche Conventions nicht besucht hat, da er Deutschland den Nationalsozialismus nicht verzeihen konnte.

    Und dann die Sache mit der „guten Seite“ der Nazizeit, der „Effizienz“. Wie naiv konnten die US-Autoren denn bitte sein? Wo gab es denn Effizienz? Produktivität durch Zwangsarbeit? Schnelle Mobilmachung, weil das ganze Volk im Totalen Krieg mithalf? Das alles mag ein paar Jahre „gutgehen“, dann ist dieses System dem Untergang geweiht.

    Ich weiß, ich renne bei Euch allen hier offene Türen ein, aber manchmal muss man sich aufregen. Fetter Daumen nach unten.

    Verboten war die Folge ja auch nur in Deutschland. Für das amerikanische Publikum war das alles scheinbar ganz normal. Hmm.

    1
  6. mateschrank

    Eine schöne Folge von euch zu einer nicht so tollen Folge der Originalserie.

    Den Umstand, dass es da in der nordamerikanischen Historiographie eine Strömung gab, welche den NS-Staat als „effizient“ ansah, wusste ich nicht. Ich kann mich spontan nur an einen Vortrag um Deutschen Panzermuseum erinnern, bei dem erzählt wurde, wie ineffektiv der Panzerbau im Dritten Reich war. Generell finde ich die Diskussion, ob es effektiv war oder nicht aber sehr eigenartig.

    Als Historiker muss ich aber auch noch eine Kritik äußern: Der „Wirtschaftsaufschwung“ der jungen BRD hatte zwar beachtliche Wachstumsraten, aber er geschah nicht von alleine. Im Rahmen des ERP („Marshall-Plan“) gelangten Kredite in die BRD, wurde die Wirtschaft mit anderen westeuropäischen Staaten koordiniert (OEEC) und die von den US-Amerikanern organisierte Einführung von Breitbandwalzwerken sorgte für eine westdeutsche Adaption des fordistischen Systems. Das war kein reiner BRD-Verdienst, sondern eingebettet in einen viel größeren Rahmen.

    1
    1. Michael Kleu

      Richtig. Koreakrieg und Korea-Boom könnte man in diesem Zusammenhang noch erwähnen.

  7. Kleiner Bruder

    Hallo zusammen!
    Ihr fragtet nach einer abweichenden Meinung? Okay, also ich bin zumindest ein wenig hin und her gerissen.
    Natürlich ist die Folge nicht gut. Es ist nun mal amerikanisches Unterhaltungsfernsehen der 60er Jahre, das auch nicht zu teuer werden durfte. Da wird locker schwarz weisses Archivmaterial mit Farbaufnahmen gemischt, auf einer Art öffentlichem Bildschirm, vor dem aber niemand steht. Dabei wird uns eine reale V2 als interplanetare Rakete verkauft. Da darf dann auch der arme Soldat nicht mal „Jawoll“ sagen sondern darf nur stumm nicken, sonst hätte der Statist ja eine Sprechrolle und müsste mehr Gage bekommen. Da denkt man sich keine kulturellen Eigenheiten dieses Planeten aus, sondern nimmt einfach Kostüme und Requisiten aus dem Fundus. Wieviel besser war da doch Chaplins Grosser Diktator, in dem das Staatssymbol ein doppeltes Kreuz war, was im Englischen, soweit ich weiss, „betrügen“ meint. Da wird mit der Energie einer Glühbirne ein Laser gespeist, der ein Türschloss aufsprengt. Da ist die Deko nicht durchdacht, wenn in dem kleinen Aufnahmeraum, in dem Gill sitzt, die Kamera nicht vor ihm steht, wie es der Bildwinkel nahelegt, sondern irgendwo in der Ecke hängt. Und die Auflösung muss natürlich auch hoppla hopp gehen, weil die Sendezeit rum ist. Da fallen irgendwelche unpassenden Witzchen für mich gar nicht mehr ins Gewicht.
    Und doch…. Für mich hat die Folge was. Das Thema ist ja leider immer noch aktuell, nicht nur damals, als die Folge gedreht wurde. Wie viele Leute, glaubt ihr, würden bei einer Umfrage sagen: „Es war ja nicht alles schlecht unter H., wenn nur….. dies und jenes anders gewesen wäre“? Und Neonazis gibt es wohl überall auf der Welt, auch in Ländern, deren Bevölkerung in H’s Logik als „Unwert“ gegolten hätte.
    Einiges, was an der Folge unklar ist, kann ich mir schon noch erklären. Gill hatte wohl tatsächlich keine physische „Macht“, als er auf den Planeten kam, fühlte sich aber wohl intellektuell überlegen. Vielleicht hat er ein paar theoretische Überlegungen angestellt, sie in leichtsinniger Weise mit einem Einheimischen – Melakon? – geteilt, und so fing alles an. Klar, gegen einen gemeinsamen Feind rückt man eher zusammen, da muss man nicht mal an Gewalt denken. Da macht vielleicht sogar die Einführung eines nicht- einheimischen Symbols Sinn, weil sich darauf alle ohne Vorbehalt einigen konnten.
    Im Grunde ist mir diese Behandlung des Themas lieber, als die reinen Nazi-Klamauk-Auftritte, wie sie in den verschiedensten Filmen und Serien vorkommen. Auch wenn hier Ernst und Komik nicht ausgewogen sind. Geht das überhaupt?
    Übrigens, dass die Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg die Demokratie bekommen haben ist einmal nicht ihr Verdienst, noch lässt es sich so einfach auf andere Welten übertragen. Deutschland war total zerstört und besetzt, völlig von der Gnade der Sieger abhängig. Aber statt Reparationsforderungen wie nach dem Ersten Weltkrieg, oder der Umsetzung des Morgenthau-Plans, Deutschland zu einem reinen Agrarstaat zu machen, gab es Hilfe zum Wiederaufbau. Und ganz nebenbei noch Nachhilfe in Demokratie (wie gut oder wie schlecht die funktioniert, gehört nicht hierher). Wie gesagt, als Vorbild für andere Welten nur sehr bedingt tauglich.
    Also, mein Fazit lautet eher: nicht schlecht, aber mich stört die billige Machart. Daumen zur Seite, mit leichter Tendenz nach oben.

  8. Michael Kleu

    Ihr habt das schwierige Thema dieser Episode sehr schön gemeistert. Klasse!

    1
  9. Torq

    Hallo!

    Ich muß meinem Vorredner entschieden widersprechen. Die Folge hat weder ein schwieriges Thema, noch sind unsere beiden Lieblingskommentatoren damit gut klargekommen. Im Gegenteil, ich empfand das sehr verkrampft und habe Euch fast nicht wiedererkannt.

    Das Thema der Folge ist nicht schwierig. Es ist ganz einfach: die Gesellschaft ist anfällig für vermeintlich leichte Lösungen, die mit Hass erkauft werden.

    Daher muß jeder einzelne solchen Bestrebungen kompromißlos entgegentreten. Es gibt keinen Raum für Verhandlungen.

    Wenn man diesen Pfosten eingeschlagen hat, ist es unnötig, bei jedem Detail herauszuarbeiten, wie sehr man sich persönlich von einer Ideologie, ihren Insignien und Begriffen abgrenzt.

    Dieses Bemühen – so sehr ich es auch nachempfinden kann – hat aus meiner Sicht dazu geführt, dass Ihr die Folge nur oberflächlich besprochen habt.

    So wurde beispielsweise die Frage aufgeworfen, warum sich der Herr Historiker ausgerechnet das sogenannte Dritte Reich als gesellschaftliches Leitbild herausgesucht hat. Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand: anhand welcher Gesellschaft will man den in den 60er-Jahren verdeutlichen, dass vermeintlich leichte Lösungen und Hass ins Verderben führen, wenn nicht an der nationalsozialistischen Diktatur?

    Es ist auch völlig belanglos, ob das Dritte Reich eine effiziente Gesellschaft war. Denn auch ein effizienter Unrechtsstaat ist ein Unrechtsstaat und daher kategorisch zu bekämpfen.

    Sebastian und Simon, fragt Euch ehrlich, ob die Folge Euch auch solche Bauchschmerzen bereitet hätte, wenn Stalin samt NKWD auf dem Planeten geherrscht hätte? Wohl kaum. Das zeigt deutlich, dass die Wahl des Diktatur richtig war.

    Haut rein!

    Zehn unten!

    – Euer Torq

    1. Michael Kleu

      „Sebastian und Simon, fragt Euch ehrlich, ob die Folge Euch auch solche Bauchschmerzen bereitet hätte, wenn Stalin samt NKWD auf dem Planeten geherrscht hätte? Wohl kaum. Das zeigt deutlich, dass die Wahl des Diktatur richtig war.“ Dann hätte ein russischer Podcast diese Bauchschmerzen gehabt. Es ist doch völlig klar, dass diese Folge primär für Deutsche problematisch ist. Wenn die Star Trek-Macher mit dieser Folge explizit den Deutschen etwas sagen wollten, wäre die Wahl der Diktatur sicherlich richtig. Wenn ich aber mal davon ausgehe, dass die Serie primär für ein US-amerikanisches Publikum produziert wurde, verstehe ich Deinen Punkt nicht.

  10. Torq

    P.s. Einen Punkt habe ich vergessen. Das persönliche Bemühen um Abgrenzung führte sogar dazu, dass Simon sagte, „selbst Anarchie sei besser.“

    Das sehe ich anders. Anarchie und Drittes Reich zeichnen sich beide dadurch aus, dass nicht das Recht herrscht, sondern der Stärkere. Ich will in keiner der beiden Gesellschaftsformen leben. Es gibt in diesem Zusammenhang kein „Besser“, nur falsch.

  11. Torq

    Moin Männer,

    ich komme nicht darum herum, GENAU jetzt (Schreibbeginn 01.13Uhr, 28/06/2020) noch einmal diese Folge zu kommentieren. Um das Ganze in den richtigen Sinnzusammenhang zu stellen, muss ich jedoch etwas weiter ausholen.

    Bekannter Maßen bin ich ein großer Fan Eures Podcasts. Ich schätze an Euch verschiedene Eigenschaften im Besonderen. Ich bewundere Simons lässige Art und seine Wortgewandheit. Ich liebe Sebastians Bodenständigkeit, seinen trockenen Humor und seine Einsicht in kulturelle Zusammenhänge, die mir bisher verschlossen blieben. Selbstredend halte ich Euch für kluge Menschen, die die Aufforderung zu diskutieren, nicht als Feigenblatt vorschützen, sondern das auch Ernst meinen. Widerspruch haltet Ihr fraglos aus.

    Dem entsprechend habt Ihr in meinen bisherigen vier Kommentaren viel Lob, aber auch einiges an Lack bekommen.

    Ohne das jetzt weiter im Detail ausbreiten zu wollen, grundsätzlich sind wir wohl auf einer Ebene. Es scheint mir jedoch so zu sein, dass Ihr der sogenannten Political Corectness einen anderen Platz einräumt als ich. In der Sache scheinen wir praktisch immer einer Meinung, lediglich in der Frage, wie der entsprechende Punkt adäquat rübergebracht wird, mögen die Blickwinkel auseinandergehen. Wie dem auch sei.

    Ich habe Euch heute vorgeworfen, dass Ihr die Folge ob Eures von mir empfundenen Strebens nach Abgrenzung zum Dritten Reich oberflächlich betrachtet habt. Diese Kritik ziehe ich zurück.

    Da ich von der Folge völlig irritiert war und sie aus meiner Sicht gar nicht zu Eurer sonstigen Base-Line in Einklang bringen konnte, habe ich sie erneut gehört. Und empfinde es als Ehrensache, meinen ersten Eindruck zu korrigieren.

    Die inhaltliche Kritik und die von mir aufgeworfene Betrachtungsweise halte ich aber aufrecht. Es gibt keine Abstufungen von Begriffen bzw. Konzepten wie „menschenverachtend“ oder „Unrecht“. Anarchie ist nicht „besser“ als Nationalsozialismus. Beides ist der Tod im Apfelbaum.

    Derartige Diskursansätze werden typischer Weise von Feinden der Demokratie vorgebracht, die nach Rechtfertigung für ihre eigene Agenda suchen. So sind Vergleiche zwischen dem NS-Staat und der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik Legion; je nach politischer Stoßrichtung soll das eine dafür herhalten, aufzuzeigen, dass der andere Entwurf einer Diktatur „gar nicht so schlimm“ war, da die Gegenseite „das“ auch gemacht hat oder „noch viel schrecklicher“ gewütet hat.

    Das Böse ist nicht auf einer nach oben offenen Richterskala zu messen. Der Maßstab ist vielmehr begrenzt. Ab einem gewissen Punkt ist Böse nicht mehr ein Kontinuum, sondern ein absolutes Werturteil.

    Versteht mich nicht falsch, derartige Sicht- oder Denkweisen werfe ich Euch gar nicht vor. Ihr seid vielmehr offensichtlich Streiter für die gute(TM) Gesellschaft. Anderfalls wäre Euch Star Trek auch zu wider.

    Mein eigentlicher Punkt ist – jetzt komme ich endlich dazu -, dass Ihr mit Eurem Podcast Menschen bewegt. Zum Beispiel mich. Ich bin vor 40 Minuten aus dem Bett aufgestanden; auf die Frage meiner Frau, wo ich denn hin will, habe ich herumgedruckst und letztendlich offenbart, dass ich noch einmal „etwas bei Trek am Dienstag posten muss“. Meine Frau hat mich gefragt, ob mir der Helm brennt… Egal, ich habe mir einen Gin Tonic angerührt und sitze jetzt hier.

    Was Ihr macht hat Sinn. Auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit Euch bin. Aber das erwartet ja auch keiner.

    Haut rein!

    Zehn Unten!

    – Euer Torq

    1
  12. Helmut

    Was rät ein amerikanischer Produzent seinem Drehbuchschreiber, wenn diesem nichts einfällt? „Schreib einfach was mit Nazis, das verkauft sich immer.“ Mehr kann ich in dieser Folge nicht entdecken. Dass mal in Deutschland so ein Hype um die Folge – oder besser über ihre Nichtausstrahlung – entsteht, haben die Herren sicher nicht gedacht.
    Der Hype war mir auch völlig entgangen, da ich damals weder die deutsche Videoausgabe gekauft habe noch die SAT1-Ausstrahlung verfolgt hatte. Nachdem ich die komplette Serie auf englischen VHS gekauft hatte war mir gar nicht klar, daß da auf Deutsch eine Folge ausgelassen wurde. Jedenfalls bis ich die entsprechende deutsche Kassette in irgendeinem Kaufhaus gesehen habe, zu einem völligen Mondpreis.
    Überhaupt war ja die deutsche VHS-Ausgabe eine gewaltige Abzockmaschinerie, denn als Komplettist hätte man alles doppelt bzw. dreifach kaufen müssen. Es gab die „normale“ Ausgabe mit je 2 Folgen und die „Spezialausgabe“ mit Sync- und Originalton hintereinander auf einer 180min Cassette. Letztere kostete 60 DM, teilweise auch noch mehr. Da waren ja die 49 DM für den UK-Import fast geschenkt. Und wer Trek im Original gehört hat verzichtet sowieso auf die ZDF-Comedy.
    Zur Folge selbst kann man eigentlich nur sagen, daß es schade ist, daß dafür die Jubiläumsfolge im Podcast verschwendet wurde. Da geht der Daumen sowas von runter, daß man glaubt die dritte Staffel hätte schon begonnen. Es ist eben wirklich nur „irgendwas mit Nazis“. Weder lustig, noch kritisch, oder in irgendeiner Form passend. Die schon erwähnte „Welle“ wäre eine weitaus passendere Form der Aufarbeitung gewesen, wenn nicht eine absolut erschreckende wahre Begebenheit dahinter stecken würde.
    Wie wäre es für absolut miserable Folgen mit einem „Fred Freiberger Award“? Das wäre ein Aspirant.

Schreibe einen Kommentar