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10. November 1997:
Obwohl der Dominion-Krieg weiterhin tobt, ist vieles beim Alten. Terok Nor heißt wieder Deep Space Nine, Kollegas O’Brien und Bashir verbringen jede freie Minute in der Holosuite und Worf kann von nichts anderem als der bevorstehenden Hochzeit faseln. Also bringt ihn Jadzia dazu, endlich Köpfe mit Nägeln zu machen – der Trautermin steht, doch Dax hat die Rechnung ohne den Schwiegertiger gemacht.
In Deutschland: Klingonische Tradition, ausgestrahlt am 20. Juni 1998.
Irgendwie dachte ich das wäre eine Voyager Episode, wo Harry auf einen fremden Planeten entführt wird und zwangsverheiratet werden soll.
Am Ende ist er aber ein bisschen traurig wenn Tuvok ihn rettet.
Dann zerstört Janeway noch die gesamte feindliche Flotte mit dem Spruch „You are cordially invited to kiss my Star Fleet ass“ und Folge ist vorbei.
Moin zusammen! Nachdem Simon von der Patriarchin sprach grüble ich herum ob das ein Widerspruch in sich sei und es statt dessen nicht „Matriarchin“ heißen müssen, es sei denn dass die Patriarchin das Patriarchat befürworte und sich dem Manne unterordne. Wäre es dann aber nicht eher eine Patriarchistin? Ich glaube Verbalpathologe Sebastian könnte da entscheidende Tissue Elements herauspräparieren *g*
Heiter und beschwingt ging es zu, fürwahr und ich möchte es gar nicht alles so streng bewerten. Sicher, dieses piefige Klischee des Hoppenstedtschen Kleingeistes mit der hinter der Tür lauernden Ehefrau im Morgenmantel (mit Lockenwicklern) und Nudelholz, während der alkoholisierte Gatte nach Haus kommt schillert hier erkennbar durch und war sicher schon Ende der 1990er eher als Sinnbild verschlissen und überholt. In Klingonenhausen jedoch, finde ich, kann man Schmerz und Leiden aber durchaus erwähnen auch in Bezug auf Ehe, finde ich, weil es nur essenzielle Bestandteile der Kultur spiegelt.
Jadzias Party gefiel mir hervorragend, die Stimmung gefördert durch echte Live-Musik war spürbar und auch The Day After mit Trümmerwüse, Kater und Schnapsleichen war toll gespielt, Jadzias Kopfschmerz fand ich fühlbar, aber – Synthehol war es dann ja wohl nicht, oder? Im echten Leben hätten Worfs leidende Herren sicher bald gesagt „ich hänge nicht hungernd über Lava“ und wären was essen gegangen, aber hey, diese Freundschaft ist so groß, die überwiegt jede Entbehrung (verkauft man uns). Der Vergleich mit der Einheirat einer Bürgerlichen ins Königshaus ist stimmig, und vielleicht zitierte man hier die Windsorsche Zurechttrimmung der Diana Spencer (bzw. den Versuch desselben wie man vielleicht sagen sollte) welche wenige Wochen zuvor in Paris auf tragiche Weise verstorben war. Sirellas Feindseligkeit Dax gegenüber als „die Bürgerliche“ war natürlich überdreht, aber als Sinnbild konnte ich das kaufen, ebenso die liebevolle Hinwendung Sirellas schließlich als sie „meine Tochter“ willkommen hieß. Ich fand es im Ganzen ziemlich gelungen.
Matriarchin wäre wohl der passendere Begriff, auch wenn das Klingonische Reich an sich wohl eher ein Patriarchat ist. Wobei eine toxische Kultur bei dieser Spezies wohl bei beiden Geschlechtern vorherrscht. Zumindest aus zivilisierter, menschlicher Sicht.
Dass Jedzia eine „Bürgerliche“ war, war aber wohl weniger der Grund der Abneigung. Ich denke, dass Sirella ein Problem mit einer „bürgerlichen“ Klingonin gehabt hätte, die z.B. mit Worf zusammen „ruhmreich“ auf dem Schlachtfeld gestanden hätte. Hier sehe ich bei Sirella einfach eine reine Fremdenfeindlichkeit. Es steht ja zu bezweifeln, dass eine echte Klingonin vor einer Matriarchin dieser Art zurückweichen würde.
Oder es war einfach ein Versprecher. Mich dünkt, dass es nicht mein erster war. 😉 Aber schön, dass er wenigstens zum Nachdenken anregt. Den Vergleich mit der Bürgerlichen, die ins Königshaus einheiratet, finde ich btw ziemlich passend!
Ich hab im Podacst auch schon von Mönchinnen & Nonnerichen erzählt.
Hey Ho .. bei 1.32 ungefähr wird gesat dass das Stunden la v mit jemanden sitzen ein todaicheres Anzeichen dafür ist das sich etwas.anbahnt .. sorry aber das ist Schwachsinn und faktisch falsch .. mag sein das es einige Menschen gibt bei denen das so sein mag .. aber es so darzustellen Ala ob das ein Naturgesetz ist wie 1+1=2 ist oder das sie Erde rund ist , ist faktisch einfach falsch und hat absolut nichts .kt der Realität zu tun
Hey Johnny,
ich bin hier nicht angesprochen (und ich muss auch nicht die Position der Angesprochenen auf ihrem eigenen Webspace verteidigen). Insofern nimm das bitte nur als 1 Meinung eines zufällig Vorbeischlendernden:
Ich glaube, du missverstehst hier die persönliche anekdotische und leicht amüsierte Lebenserfahrung Schrägstrich Beobachtung einer Einzelperson – die unausgesprochen selbstredend nicht immer gilt, aber doch oft genug -, als allumfassende Wahrheit. Denn auch wenn sie als Wahrheit formuliert wurde, bei mir kam sie als eine solche anekdotische Beobachtung an. Und ich vermute sehr stark, damit liege ich nicht allein.
Ich sage das übrigens, weil wir Zuhörer (und ich denke, da spreche ich für uns allle) es mögen, wenn unsere Podcaster den Grad des Realismus dessen, was wir sehen, an ihren eigenen anekdotischen Beobachtungen abgleichen. Und ich möchte nicht, dass das aufhört.
Offenlegung: Ich teile die besagte anekdotische Beobachtung.
Schwierig wird es, wenn eine Person das nur als nettes Beisammensein versteht und die andere als Flirt🙄
Zum einen sitzen da nicht zwei Leute im Schrank, die sich flüchtig kennen, sondern wo völlig klar ist, dass romantisches Interesse zumindest von einer Seite da ist. Zum anderen sagen wir beide deutlich: „Wenn Du mich fragst…“, „Hab ich auch schon erlebt … war Teil von sowas“. Ich weiß echt nicht, wie man klarer machen kann, dass es sich um einen subjektiven (bzw. anekdotischen, wie Sternburg es erklärt hat) Eindruck handelt.
@Kleiner Bruder: Ist das wirklich „schwierig“? Entscheidend ist doch erst, was passiert, wenn klar wird, dass das Interesse nicht gegenseitig ist. Solange ein „Nee, so war das nicht gemeint“ akzeptiert wird, find ich das überhaupt nicht schwierig. That’s life, so funktioniert menschliches Miteinander nun mal: Man sendet Signale, interpretiert Signale, versteht sie manchmal falsch und klärt das hoffentlich dann miteinander. Alles andere infantilisiert Menschen voreilig.
Für mich ehrlich gesagt insgesamt mehr nen Daumen zur Mitte. Aber das ist bei dieser Folge vielleicht gar nicht so wichtig.
Ich hab ein paar Mal gelacht (und ein paar Mal ähm nicht, als ich es sollte). Ich hab am Ende ein Tränchen vergossen. Und DS9 tut das an dieser Stelle überhaupt nichts böses, so what’s not to like.
Aber ich hab irgendwie Sirella völlig anders verstanden als ihr.
Ein Wort vorweg: Diese Re-Orientierung der Frauen in der klingonischen Gesellschaft war selbst damals lange überfällig. Super männliche (im eigentlichen: russisch-sowjetische) Kriegerrasse hin oder her. Wir hatten bereits mehr als einmal gelernt, dass die klingonischen Frauen genauso … ähm …wild und gefährlich und rundherum kriegerisch sind, wie die klingonischen Männer (btw: ebenfalls sowjetisches … ich schweife ab). Wir haben durch B’Elanna sogar gelernt, dass dies selbst für eine Halb-Klingonin gilt. Es war die ganze Zeit eine seltsame Leerstelle der Klingonen-Lore, dass ausgerechnet in dieser Spezies das Patriarchat herrscht. Und zbspw Frauen zum wirkmächtigen Ausüben ihres von einem Ehe-Mann geerbten Besitzes schon komplett aus ihrer Gesellschaft ausbrechen und heimlich einen Ferengi an Bord holen müssen.
War diese Neu-Orientierung aus heutiger – oder sogar aus damaliger Sicht – auch nur halbwegs gelungen? Gemessen an dem selbst damals geltenden Mindestmaßstab an Feminismus, den man eigentlich nicht mal Feminismus nennen sollte, sondern einfach nur einen Mindestmaßstab an Gleichberechtigung aller Menschen? Selbstverständlich nicht.
Aber sie war (Achtung!) folgerichtig. Wie ihr schon selber ausgeführt habt: Eine extrem patriarchalisch auftretende Gesellschaft, in der die Männer nach außen ne große Fresse haben, aber intern in der Familie, da regiert die Mama. Und zwar auf eine Weise, dass das nach außen so männliche Auftreten der Männer verpufft, lächerlich gemacht wird. Das ist einerseits für die späten 90er ein schon einigermaßen progressiver Take auf typische tief patriarchale Gesellschaften, das ist andererseits nahe an unser Lebensrealität, und vor allem ist das vermutlich der einzige Turn, den man den Klingonen an diesem Punkt angedeien kann, ohne einen kompletten Rewrite einzuschieben. Und einen kompletten Rewrite, das konnte DS9 nicht tun. Insofern finde ich das schon irgendwie okay bis gut.
Insofern jetzt aber zu Sirella:
Sie ist intern das eigentliche Haupt des Hauses Martok. In dieser extrem hieriarchischen Struktur ist ihre Aufgabe, darüber zu wachen, dass da niemand aus der Reihe tanzt. Denn die Ehre des Hauses zu mehren oder zumindest nicht zu mindern, das ist die Aufgabe jedes Mitglieds dieser Familie. Und sie muss das sicherstellen. Das ist ihr Job.
Das nimmt ihr auch niemand ab. So sind die – (hüstel) neuen – Geschlechterrollen da halt verteilt. Martok darf sich Kämpfe aussuchen, um einen geilen Heldentod zu sterben. Sirella aber bleibt die Care-Arbeit für die Haus-Ehre.
Die klingonische Gesellschaft hingegen ist extrem Xenophob. Das ist jetzt keine neue Erkenntnis. Das wussten wir vorher. Das macht volle Kanne Sinn in allem, was uns über sie erzählt wurde. Und das wird uns trotzdem in dieser Folge noch ein paar Mal reingerieben. Mag Worf doof finden, ist aber eine Tatsache.
Nehmen wir das bisher gesagte zusammen:
Natürlich ist Sirella maximal angepisst, weil Martok diesen Halb-Menschen namens Worf – der nichtmal einem akzeptierten Haus angehört, irgendeinem Haus – einfach so ohne Rücksprache in ihre Familie aufgenommen hat. Was sollen bitte die Nachbarn denken?
Und dann kommt der auch noch an, und will diese … diese … … … Frau heiraten? Und damit in die Familie bringen?
Was bedeutet das für das Haus? Ich kann sagen, was die Leute tuscheln werden: Im Hause Martok werden wohl bald auch Ferengis oder Wühlmäuse als Stammhalter aufgenommen. So werden sie tuscheln. Es war mal ein großes Haus. Lange wohl nicht mehr. So werden sie reden.
Aber gut, Martok ist ein guter Mann, ich liebe ihn, er wird sich schon was dabei denken. Dann sind wir halt offen gegenüber extrem fremden Spezies als Familienmitglied. Meinetwegen. Auch wenn sich alles in mir dagegen sträubt. Aber ich habe hier immer noch eine Verantwortung. Und die besagt, wer hier einheiratet, der muss wenigstens halbwegs die Rituale und Codices beherrschen. Die offiziellen und die inoffiziellen. Der muss sprechen wie wir, der muss gehen wie wir, der muss sich verhalten wie wir. Dass er nicht aussieht wie wir, das gibt schon genug Stress, den halte ich aus. Aber sobald der aus dem Golf-Club geworfen wird, weil er unbedingt zum Dinner eine Jogginghose tragen wollte, dann fällt das aufs gesamte Haus Martok zurück. Und auf mich. Auf mich fällt das zurück. Das kann ich nicht zulassen.
Und so macht ihr gesamtes (Einschub: hätte man für mich nicht derart billig überzeichnen müssen) Alte-Hexe-Verhalten plötzlich total Sinn.
Sie ist ja nicht kategorisch dagegen. Sie ist dagegen, weil sie nicht daran glaubt, dass das funktioniert. Sie ist dagegen, weil sie annimmt, dass das einen kollosalen Schaden für die Reputation des Hauses Martok bedeutet. Also letztlich bedeutet, dass sie ganz persönlich scheitert in der ihr zugewiesenen Aufgabe. Und das generationenübergreifend. Eine über Äonen weiter gereichte Aufgabe, und bei ihr endet sie. Weil sie nicht rechtzeitig auf die Bremse tritt.
Und das ist das Grandiose an der letzten Szene dieser Folge (tbh diese Folge hat sich das leider nicht verdient, aber das ist ein anderes Thema). Sie als Königin und Bewahrerin der Reinheit und Ehre des großen Hauses Martok sagt zu einer Trill-Frau: „Du bist meine Tochter.“
Denn das bedeutet das halt. Das bedeutet, dass sie dieser Ehe zustimmt. Jadzia ist jetzt ihre Tochter. Sie ist eine der ihren.
Das ist kein rein formaler Akt. Das ist keine reine Zustimmung zu einer Eheschließung irgendwelcher Untergebener. Das bedeutet, dass das große Haus Martok eine extreme Nicht-Klingonin wie Jadzia Dax als vollwertiges Mitglied aufnimmt. Das macht Jadzia rechtlich zur Voll-Klingonin. Und zur potentiellen Erbin eines großen Hauses.
Jadzia Dax ist dadurch nicht mehr Jadzia Dax. Sie ist auch nicht nur Jadzia Dax, Ehefrau des Worf. Sie ist jetzt Jadzia Dax, Tochter des Hauses Martok (oder wie auch immer da die Formulierung ist).
Ab diesen Zeitpunkt passiert alles, was Jadzia tut und sagt, im Namen des Hauses Martok. Abgesegnet von Sirella. Wir wollen uns das nochmal vergegenwärtigen: Ab diesen Zeitpunkt spricht, sagt und handelt Jadzia im Namen des Hauses Martok. Und im Namen von Sirella. Und wir kennen Jadzia.
Man kann sich glaube ich schwer ausmalen, was für eine Schockwelle diese Nachricht in die xenophobe klingonische Gesellschaft sendet. Und nochmal heftiger, was das in den Kreisen bedeutet, in denen Sirella sich bewegt.
Und das ist der Schatten, über den Sirella hier springen musste. Ich finde, da kann man schon auch mal nen bisschen scheiße drauf sein dabei.
Sirella schreibt hier Geschichte.
Und am Ende bleibt der ganze Scheiß an ihr kleben. Und nicht an den Männern. Die gehen mit Jadzia aufs nächste Abenteuer.
Was wäre das für eine Star-Trek-Folge gewesen, hätte man sie unter dieser Maßgabe aus dem Blickwinkel von Sirella erzählt.
„Natürlich ist Sirella maximal angepisst, weil Martok diesen Halb-Menschen namens Worf – der nichtmal einem akzeptierten Haus angehört, irgendeinem Haus – einfach so ohne Rücksprache in ihre Familie aufgenommen hat. Was sollen bitte die Nachbarn denken?“
Noch schlimmer: Worf hat sein Haus aufgrund – lt. Gowron – Verrag verloren und er ist immer noch offiziell ein Feind des Reichs, zumindest des Kanzlers. Was soll da Frau Gowron beim nächsten „Hofball“ denken? Und soll Martok nicht die Ehre der Familie mehren und nicht mit der Aufnahme von Ronin und deren Alienfrauen mindern? Aber gut, bald mehrt Martok die Ehre ja so richtig. Dann wird auch Dona Sirella mehr als zufrieden sein.
Bei der ganzen Geschichte um das Haus Martok stellt sich mir plötzlich die Frage, was ist eigentlich aus Drex, dem Sohn von Martok, geworden? Hat man ihn nach seinem ehrlosen Verhalten in „Weg des Kriegers“ in die Verbannung geschickt? Ist er im Kampf gefallen? War auch er ein Wechselbalg? Ist sein halbstarkes Rumpöbel Grund dafür, dass Sirella jetzt schauen muss, dass die Familien-Ehre wieder angehoben wird?
Mir hat diese Folge recht gut gefallen, auch wenn ich kein Klingonenfreund bin. Dona Sirella hat die Matriarchin des Hauses Martok sehr gut dargestellt, auch wenn manche „Ehewitze“ schon recht nach Nerdtrek Marke 80er/90er klingen. Als Verheirateter musste ich aber lachen, als der Milester sich anfangs nur denkt: „Yeah, vier Nächte Junggesellenabschied. Zum Glück ist die Alte nicht zu Hause.“ Nach dem Mehrteiler vorher ein guter Abschluss der längeren Hochzeitsnebenreihe von Worf und Jadzia zum passenden Zeitpunkt.
Mein Junggesellenabschied fand übrigens im Frankfurter Bahnhofsviertel statt. Und nein, ich wurde vorab latürnich nicht vorgewarnt. Meine Hochzeit, die zufälligerweise kurz vor Corona stattfand, war aber etwas teurer als die von Simon. Alleine das Kleid meiner Frau veranschlagte mehrere tausend Euro, aber sie wollte auch ein solches haben. Unterm Strich waren wir nur rund fünfzig Mann, aber die Hochzeit kostete mit Allem (inkl. Verpflegung, Brauhaussaal, Ringe, Personal und Essen vom Brauhaus) sicher fast einen fünfstelligen Betrag. Aber das wars doch wert. Man heiratet ja – alle Geschiedenen dürfen jetzt mal lachen – nur einmal im Leben. Und gerade türkische Paare können bei einer Feier mit nur fünfzig Mann eh nur laut lachen. Ich hatte auch schon eine russisch-polnische Hochzeit mit sicher so zweihundert Gästen und min. doppelt so viel Litern Wodka.
Ich finde, das ist eine Folge, die nicht gut gealtert ist, das Männlichkeitsritual bei Worf, die Brautprüfung bei Jadzia, das kommt alles nicht mehr so wirklich gut bei mir an.
Ich geh mal von der völlig humorlosen Seite dran:
Den Kram in der Höhle könnte man durchaus als Manosphere-Gehabe bezeichnen, ob ich mir jetzt mit nem Hammer auf den Kiefer haue für die Jawline, oder mich nicht mehr dusche, wegen der Pheromone, die ich aussenden will, da sind wir schon ganz nah dran. Das ist noch mal ne Schippe drauf auf „Junggesellen“-Abschied.
Die Prüfungen, die Jadzia auferlegt werden sind zutiefst patriarcharl, und Sirella ist die Verkörperung von internalisierte Misogynie, die darauf beharrt, dass nur Frauen, die das alles können, was da verlangt wird, in die Familie einheiraten dürfen.
Sirella ist das Abziehbild der bösen Schwiegermutter/Frau, wie wir es über Jahrzehnte in Märchen gelernt haben, und wie es vor allem von Disney dann auch noch bildlich-kindlich-einprägsam umgesetzt wurde, siehe Cinderella, Arielle, Schneewittchen…
Und die zu verheiratenden Frauen müssen gehorchen, sie geraten auf Irrwege, aber am Ende sehen sie ein, was für sie das beste ist, damit sie heiraten „dürfen“.
Dass Sirella am Ende „weich“ ist, da haben die Schreiber in letzter Sekunde vielleicht gemerkt, dass es sonst ein gar zu blödes Ende für Jadzia wird, dass sie sich komplett einer bösen Frau unterworfen hat.
Das Motiv des Pantoffelhelden ist genauso unsäglich, und gleich zweimal in der Folge, einmal offensichtlich mit Martok, aber dass Leeta so begehrlich auf den Hawaiianer schaut, und Rom hilflos nebendran komischen Spruch ablässt, ist auch tatsächlich so überhaupt gar nicht lustig.
Weil es eine DS9 Folge und meine geliebten Charaktere darin mal nicht Scifi-Technokram spielen, „mag“ ich sie trotzdem irgendwie, am meisten mag ich Jadzia ganz unbräutliches Kleid.
Unter feministischer Brille ganz klar Daumen nach unten, unter DS9only-es-sind-die-90er-Brille Daumen quer.
@stef: Ich kann da einiges nachvollziehen, würde aber nicht überall so weit mitgehen. Gerade den „Junggesellenabschied“ würde ich eher als Persiflage auf solche Rituale sehen. Worf nimmt den ganzen Quatsch bierernst, während seine Freunde zunehmend angepisst sind. Sah jetzt nicht nach einer geilen „Männerparty“ aus, was immer das auch sein soll. 😉
Bei Sirella und Jadzia bin ich mehr bei Dir. Allerdings ist Sirella für mich weniger „internalisierte Misogynie“ als eine ziemlich reaktionäre Hüterin von Stand, Familie und klingonischer Tradition. Ihr Problem ist ja auch, dass Jadzia keine Klingonin ist und ihrer Ansicht nach das Haus Martok nicht ernst genug nimmt. Interessanterweise ist Sirella dabei selbst eine Frau mit großer Autorität, vor der selbst Martok kuscht.
Und das ist dann wiederum so ein Geschlechtergag, der für mich wirklich schlecht gealtert ist: der große mächtige Krieger, der zuhause vor seiner Frau Angst hat. Das ist schon sehr 90er-Sitcom.
Ich finde, die Folge ist in ihren Geschlechterbildern stärker gealtert als in ihrer eigentlichen Aussage, die ich so lese: Wie viel von der Kultur und Tradition des Partners muss ich akzeptieren, wenn ich ihn heirate? Und wie viel darf ich verlangen, dass er mich so akzeptiert, wie ich bin? Und Jadzia unterwirft sich am Ende eben ja auch nicht einfach so.
hallo Simon,
natürlich ist das ein Persiflage in der Folge. Aber was gefordert wird ist einszueins aktuell in der Manosphere bei den „Alpha“-Männern en vogue.
Aber das ist internalisierte Misogynie, wie Sirella geschrieben ist, die Erhaltung der patriacharlen Klingonen-Struktur auf dem Rücken von Frauen. Die Autorität ist ihr durch das System gegeben und sie hält damit andere Frauen klein.
Das Pantoffelheld-Trope ist so schlimm, weil es Frauen genau in 2 Kategorien einteilt, die Fügsamen – also das Ideal, und die, die böse sind, so böse, dass sogar ein „armer Mann“ drunter leiden muss.
Ich hatte neulich eine – keine tiefgehende – Diskussion mit einem Bekannten, in dem ich einwarf, wie sehr Frauen in Beziehungen leiden können, es ging dabei ausdrücklich um ein kurz vorher stattgefundenen Femizid. Seine Antwort war, dass sein einer Bekannter immer als erster eine gesellige Runde verlässt, um nach Hause zu seiner Frau zu gehen. Damit implizierte er ohne weiteres Wissen, warum der Mann tatsächlich nach Hause geht, dass dieser „gezwungen“ wird, und er negierte, dass Frauen überproportional gefährdet sind in Beziehungen.
Kultur und Tradition hier auf der Erde sind patriacharl geprägt, in allen Teilen der Welt. Als Frau sage ich inzwischen, nichts davon muss ich akzeptieren. Und dass Jadzia, du schreibst es selbst, „sich unterworfen“ hat, ist ebenfalls schlimm. Ich kann nur hoffen, dass sie sich nicht bei Sirella entschuldigt hat, sondern die Hochzeit nach einem Gespräch zwischen den beiden, zu Jadzias Bedingungen stattfand. Zum Glück haben wir diese Szene tatsächlich nicht in der Folge.
Wie gesagt, dass schreibe ich, wenn ich die Episode völlig humorlos betrachte, als Diskussionsbeitrag.
Beim Pantoffelhelden sind wir uns einig, die Implikation „großer starker Mann, aber zuhause hat der „Drachen“ das Sagen“ find ich heute genauso Aua. Hatte ich auch oben schon geschrieben, dass mir da auch die Haare zu Berge standen und ich glaube, auch in der Folge äußere ich meinen Unmut darüber.
Bei Rest würde ich aber weiterhin widersprechen, auch wenn ich Deine Sichtweise natürlich nachvollziehen kann. Dass diese Härtegehabe bei selbst ernannten Alpha-Männchen populär ist, macht die Verballhornung in der Folge darauf ja nicht problematisch. Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. DS9 zeigt uns Männer, die sich frewillig quälen, hungern und schwitzen, während sie dabei zunehmend die Schnauze voll haben von Worf. Wenn 30 Jahre später irgendwelche Manosphere-Typen sowas ernsthaft für männlich halten, ist weniger die Folge schlecht gealtert als es besagte Bros heutzutage sind mit ihrem verkorksten Geschlechterbild.
Ich verstehe auch Deinen Punkt, dass man Sirella als „internalisierte Mysogynie“ lesen kann und will dir die Sichtweise keinesfalls absprechen. Aber für mich persönlich erklärt das die Figur und ihre Rolle in der Folge nicht. Sie verteidigt ja in erster Linie Stand, Familie, Blutlinie und klingonische Tradition gegen eine Nicht-Klingonin, die sie für unwürdig hält. Das macht sich nicht sympathischer (und die klingonischen Strukturen nicht weniger patriarchal), aber komplexer als eine Frau, die andere Frauen einfach kleinhalten will.
Natürlich muss auch Jadzia überhapt nichts davon akzeptieren. Sie muss Worf ja auch nicht heiraten. Aber wenn zwei Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen freiwillig ihr Leben miteinander verbringen wollen, wäre es vermutlich auch keine Lösung, gar nichts voneinander zu akzeptieren. Dann wäre man nämlich einfach inkompatibel. Dann müsste auch Worf nämlich einen wesentlichen Teil seiner Identität abgeben. Und Jadzia ist nun wirklich kein Charakter, der sich von ihm herumkommandieren lassen würde, was wir in vielen Momenten schon gesehen haben.
Und nur zur Klarstellung: Mein „unterwirft sich“ oben war salopp von mir formuliert und gerade nicht so gemeint, dass Jadzia sich am Ende tatsächlich Sirella oder dem klingonischen Patriarchat unterwirft. Ich hatte ja geschrieben, dass sie das eben nicht einfach tut. Sie geht am Ende sicher einen Kompromiss ein, weil sie Worf heiraten will und weiß, wie wichtig im diese traditionelle Hochzeitsfeier (und es geht ja in erster Linie eben um die Feier) ist. Sie macht das, weil sie ihn liebt und weiß, dass es ihn glücklich macht, aber die Folge erzählt uns nicht, dass sie dafür ihr eigenes Selbst aufgibt oder sich irgendwem unterwirft, sondern dass es ihre eigene Entscheidung ist. Umgekehrt geht Worf schließlich auch Kompromisse ein, weil die Frau, die er heiraten will, nun mal Jadzia Dax ist und nicht der Vorstellung einer traditonellen Klingonenehefrau entspricht. Genau dieses „Aushandeln“ ist für mich der Kern der Erzählung, da ein gemeinsames Zusammenleben für mich nur dann funktionieren kann, wenn man diese Kompromissfähigkeit mitbringt. Die Würze liegt ja nicht nur in den Gemeinsamkeiten, sondern eben auch in den Unterschieden.
Genau das finde ich eigentlich das Spannende an der Folge und ärgere mich etwas, das im Cast nicht genauer auf den Punkt gebracht zu haben: Was davon gehört halt zu dem Menschen, den ich liebe und akzeptieren sollte und wo sage ich: Nee, das geht mir zu weit, das erniedrigt mich, engt mich ein? Dass das alles im 90er-Jahre-Korsett stattfindet und es deswegen an der ein oder andere Stelle gerade aus heutiger Sicht rumpelt, da sind wir uns einig.
Das hast Du schön gesagt, Simon. Aber da klingelt in meinen Ohren leise der Claudia-Kern-„du schreibst das Drehbuch um“-Detektor.
So kann man diese Folge sicher sehen. So sollte man sie auch sehen. Aber ich finde nicht, dass uns diese Folge das zeigt.
Wenn man die Empathie mitbringt, und ausreichend Willen, zwischen den Zeilen zu lesen (und welcher DS9-Fan tut das nicht?), dann zeigt uns dies diese Folge meinetwegen im ungesagten Teil in den Mimiken und Handlungen von Jadzia und Worf. Das findet alles in deren Mindset statt, gehe ich gerne mit.
Ist ehrlich gesagt selbst dann, selbst wenn man das alles im Stillen mitschreibt, mit Verlaub ziemlich unterkomplex und convienent zügig für so ne TV-Folge aufgebaut und gelöst (man könnte ja zwischenzeitlich denken, Dax und Worf kennen sich erst seit heute, oder haben noch nie wirklich miteinander geredet), aber meine Güte, es ist eine TV-Folge. Also geben wir ihr das.
Aber das gilt ausschließlich für Worf und Jadzia untereinander. Für alle anderen Beteiligten, für Sirella, für die klingonische Gesellschaft insgesamt, für die Star-Trek-Bros, und für all deren Beziehungsgeflecht und Meinungen, Haltungen und Forderungen an diese Ehe und an Jadzia in Person gilt das nicht. Wir können uns das denken, wenn wir wollen. Aber es wird uns nicht gezeigt und auch nicht angedeutet.
Hehe, Du hast schon recht damit. Aber der Einwand sei mir noch gestattet: Für mich ist „Drehbuch umschreiben“ nochmal etwas anderes. Wenn ich behaupte, Worf habe sich hinterher entschuldigt und Jadzia einen Blumenstrauß gekauft: Drehbuch umgeschrieben. Wenn ich diese Geschichte vor dem Hintergrund dessen, was wir über Jahre über diese beiden Figuren und ihre ziemlich komplizierte Beziehung gelernt haben, als Aushandlung zweier sehr unterschiedlicher Menschen und Kulturen lese, würde ich sagen: freie Interpretation. Okay, sehr freie. 😉
danke für die schöne Diskussion.
Einen habe ich noch – von der humorlosen Seite:
Du schreibst „Kompromiss eingehen“. Das bedeutet in der Regel, dass jeder ein bisschen nachgibt.
Ich sehe bei Worf keinerlei Kompromiss eingehen. Er verhält sich wie ein kleines Kind, wenn er nicht alles genau so kriegt, wie er will, dann bläst er die Sache halt ab.
Am Ende muss sich Sisko einschalten und Jadzia regelrecht weichklopfen.
Nur damit Worf das kriegt was er will und zwar zu 100 %.
Und wir reden hier davon, dass es darum geht, dass sein bescheuerte Klingonen-Ehre erhalten bleibt.
Ich freu mich schon drauf, wenn demnächst jemand Worf steckt, dass dieser Klingonenquatsch einfach nur Quatsch ist. 😉
Es ist mir eine Freude! Und ich könnte stundenlang weiterdiskutieren. 🙂
Aber vielleicht abschließend von mir dazu: Du hast recht, einen 50/50-Kompromiss zeigt uns die Folge definitiv nicht. Aber auch das Sisko-Weichklopfen sehe ich gar nicht so. Menschen beeinflussen einander doch permanent. Freunde geben Ratschläge, Partner streiten, Sebastian und ich diskutieren, man denkt nochmal nach und ändert manchmal seine Meinung. Eine Entscheidung ist für mich nicht deshalb keine selbstbestimmte Entscheidung mehr, weil vorher jemand mit mir darüber gesprochen hat. Ich glaube, der Kern (hehe @Sternburg) in unserem „Dissens“ liegt einfach darin, dass wir an der Stelle etwas unterschiedlich draufschauen: Du schaust bei Jadzia stärker darauf, dass die Regeln, auf die sie sich einlässt, aus einer patriarchal geprägten klingonischen Tradition stammen. Das ist auch okay so. Ich schaue stärker darauf, dass Jadzia diese Regeln halt kennt, ihnen widerspricht, Grenzen zieht und sich am Ende trotzdem selbst dafür entscheidet, Worf bei etwas entgegenzukommen, das ihm offenbar sehr wichtig ist, weil sie ihn liebt. Und ich denke mir halt auch so: Nicht alles muss ein 50:50-Kompromiss sein. Mal gibt er der eine, dann die andere, und so weiter. 🙂
Und ja, die Gefahr ist da: Wenn solche Strukturen reale Auswirkungen auf Freiheit eines Menschen haben, geh ich voll d’accord. Aber hier reden wir letztlich über eine Hochzeitszeremonie und die Aufnahme in ein klingonisches Haus samt Ehrentitel, der Jadzia vermutlich ziemlich wurscht wäre, wenn er Worf nicht so viel bedeuten würde. Da wiegt für mich ihre eigene Entscheidung schwerer als die Struktur, aus der das Ritual stammt. Für mich macht die problematische Herkunft einer Tradition eine individuelle Entscheidung innerhalb dieser Tradition nicht automatisch problematisch. Und ich möchte Jadzia sozusagen ihre Selbstbestimmung nicht allein deswegen absprecehen. Weil ich ihren Charakter als wesentlich stärker einschätze, dass das wirklich negative Auswirkungen auf ihr Leben. hätte. 🙂
Dass ausgerechnet diese Comedy-Folge uns nun in eine soziologische Grundsatzdiskussion über Struktur und Individuum bringt, hätte ich allerdings auch nicht gedacht. 🙂
Bei der Diskussion um Worf und Jadzia kommt mir noch ein ganz anderer Gedanke: Wieviel davon kommt von Jadzia, die Worf liebt, und wieviel kommt von Dax, der Worf vielleicht nur als Studienobjekt sieht?😳
re 50:50-Kompromiss: Ohne in diesen Dissenz eingreifen zu wollen (weil das stimmt halt einfach), Sisko hat da schon einen validen Punkt imho:
Worf _ist_ in Beziehungsfragen – und in sozialen Beziehungen insgesamt – quasi noch ein Kind. Okay, er ist Vater eines Sohnes, der als alt genug angesehen wird, um in einem brutalen Krieg zu dienen. Aber sind wir mal ehrlich, was hat er denn diesbezüglich wirklich erlebt? Einen Scheiß hat er.
Stattdessen dreht sich seine Lebenrealität seit seiner Kindheit und bis zu diesem Zeitpunkt um Fragen der eigenen Verortung in einer Welt, die ihm keinen sinnvollen Platz zubiligt.
Und sein ganzer orthodoxer Klingonische-Traditionen-Fimmel, der hier ja der Auslöser der ganzen zwischenmenschlichen (hust „Menschen“) Krise zwischen ihm und Jadzia ist, der entstammt ja nicht irgendeiner Laune oder politischen Überzeigung heraus. Der entstammt – wie u.a. 1000 Folgen TaD nicht müßig werden, sorgsam herauszuarbeiten – tiefen Komplexen. Leider wohlbegründeten tiefen Komplexen aus einem immerwährenden, zutreffenden Gefühl der Ablehnung seiner bloßen Existenz in beiden ihm zuzurechnenden Gesellschaften. Daraus begründet sich daneben auch sein gesamtes anderes Auftreten, sein tiefes Misstrauen, seine allgemeine Bärbeißigkeit.
Jadzia Dax hingegen ist das genaue Gegenteil. Sie greift mit großer innerer Gelassenheit nicht nur auf sieben volle Leben an sozialen und Beziehungs-Erfahrungen jeder Art zurück. Ihr letzter Erfahrungsschatz beinhaltet auch noch die Erinnerungen eines der intimsten Kenners der klingonischen Lebensweise seiner Zeit. Eines – so darf man wohl sagen – sehr viel kenntnisreicheren Klingonen-Kenners als es Worf selber ist.
Jadzia weiß Bescheid. Sie durchschaut alles an Worf. Jede Einzelheit, jede Motivlage, jede Emotion. Dieser Mann liegt vor ihr wie ein offenes Buch. Insbesondere auch in jedem Aspekt seiner emotionalen Verletzungen und Komplexe. Alles andere fände ich völlig abwegig.
Und sie verknallt sich trotzdem in Worf. Und das ist auf ne Art auch verständlich: Ganz entgegen seines Auftretens, Worf ist süß. Worf ist ne Liebmaus. Dringt man mal zu ihm durch, dann ist er tief emotional, leidenschaftlich, interessant und gegenüber seinen Lieben extrem loyal und verlässlich. Und außerdem ist er, nunja, „ein schöner Mann“. Was will man mehr?
Aber sind wir ehrlich, das ist eine extrem asynchrone Beziehung. Nicht unähnlich dessen, wenn heute irgendwelche 60jährigen Milliardäre oder Stars sich 20jährige Models ~angeln~. Zwischen Worf und Jadzia besteht ein Machtgefälle. Und es schlägt ganz sicher nicht aus zugunsten des großen, gefährlichen Klingonenkriegers.
Und deshalb ist es sinnvoll, wenn Jadzia als Kompromiss letztlich ihre Interessen, ihre Überzeugungen und ihre Wünsche – für einen Moment, auch das wollen wir nicht vergessen – komplett hinter die ihres Mannes zurückstellt.
Denn allein sie kann das tun. Sie ist in dieser Beziehung im Driver Seat. Worf hat in dieser Phase seines Lebens weder die Einsicht, noch die emotionale Kraft, um aus seinen Komplexen auszubrechen, und die von Sirella verkörperten rituellen Ansprüche des Hauses Martok und der gesamten klingonischen Gesellschaft in den Wind zu schlagen.
Sie ist hier die einzige Person mit Wirkmacht. Sie kann die Entscheidung treffen, das nicht zu tun. Oder die Entscheidung treffen, dies zu tun. Und diese Entscheidung hat sie getroffen. Weil sie Worf liebt. Und ihr das wichtiger ist.
Es wirkt nach außen so, als hätte sie sich willenlos den Wünschen ihres Mannes, ihrer ähm Schwiegermutter und der reaktionären klingonischen Gesellschaft unterworfen. Das ist aber nicht der Fall.
Denn sie allein hat eine Entscheidung getroffen. Aus freien Stücken. Gegenprobe: Sie kann diese Entscheidung für die Zukunft auch jederzeit zurücknehmen. Ohne weiteres. Das hätte auf ihr persönliches Leben objektiv keinerlei merkbare negative Auswirkungen. Sirella, Worf, Martok hingegen, die können das nicht.
btw: Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bedaure ich, dass diese Folge uns davon so wenig gezeigt hat.
Nunja, andererseits war sie über weite Teile auch nicht sonderlich lustig. So gleicht sich das alles aus. Wie angenehm.
Schön gesagt, Sternburg! Damit beschreibst Du genau das, was ich mit der Macht des Individuums innerhalb einer Struktur meinte. Jadzia ist hier eben nicht das machtlose „Opfer“, sondern vieeel reifer als Worf. Wie Du wunderbar auf den Punkt bringst, leistet sie sich den Luxus, an dieser Stelle nachzugeben, gerade weil sie weiß, wer sie ist, was sie will und dass sie jederzeit auch Nein sagen könnte. Dass sie es nicht tut, weil ihr Worf wichtig ist, ist für mich keine „Unterwerfung“, sondern ihre Entscheidung, exakt.
Und mich bewegt das sogar sehr, weil für mich zu einer funktionierenden, liebevollen Beziehung auch gehört, sich manchmal einfach für den anderen zurückzustellen, ohne bei jeder einzelnen Sache gleich einen gleichwertigen Kompromiss oder eine Gegenleistung zu verlangen. Entscheidend ist doch, dass diese Bereitschaft über die Beziehung hinweg auf Gegenseitigkeit beruht und es nicht immer derselbe ist, der zurücksteckt. 🙂 Alles andere wäre Bilanzbuchhaltung und keine Liebe für mich.
Hey Stef,
ohne auf irgendwas aus der folgenden Diskussion einzugehen (weil ich finde, das steht mir nicht zu), und nur for the record:
Wenn man Deinen und meinen Kommentar nebeneinander liest, dann könnte man wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass sie sich widersprechen.
Das finde ich nicht. Ich unterschreibe alles, was Du zu dieser Folge gesagt hast.
Die Sutherland (also das Partyschiff) ist ja auch ironischerweise das Schiff, welches Data in „Kampf um das Klingonische Reich 2“ kommandiert. Später in Picard war dieses Schiff der Nebula-Klasse wohl so eine Legende, dass eine überarbeitete, modernisierte Nebula-Klasse den Namen Sutherland-Klasse bekam, was ab diesem Zeitpunkt der neue Name dieser schiffsklasse war.
hey ihr Beiden
ist euch eigentlich aufgefallen das Martok Ehefrau gar nicht so spontan wegen der Hochzeit von Worf und Jadzia Kommt sondern eigentlich nur wegen Martok und deswegen vielleicht ein wenig verärgert ist das sie Jadzia prüfen soll.
weil Worf und Jadzia beschließen ja spontan von heute auf morgen in diesen Fall innerhalb von 7 Tagen zu heiraten und Martok Ehefrau lässt spontan bestimmt nicht einfach liegen nur um mal eben nach DS9 zu reisen das braucht Vorbereitung.Deswegen glaube ich auch das sie Ursprünglich nur ihren Mann besuchen wollte und das mit den Test von Jadzia ist gar nicht böse gemeint sondern eher so ein Ding ich muss in Crash Kurs die die Klingonen Geschichte der Familie beibringen und weiß natürlich das es voller Wiederspruch steckt und man soll es halt der Ehre wegen so mache wie sie es machen.
ich gehe davon aus das das ganze normalerweise nicht so streng ist sonder eher so larifari ist.
oder ich irre mich und es ist auch Teil der Prüfung wie bei den Männern nur das hier mehr auf Tradition geachtet wird und das man die Rituals und Tradition als Frau des Hauses Martok jederzeit Verteidigen kann.
Ein guter Gedanke, mein guter Schicksalshammer. Wobei ich mich ja noch frage, ob solche Rituale jetzt von jedem Klingonen (m/w/d) verlangt werden oder nur bei hohen Familien? Sprich, ob Klingon-Karl seine Karline, die er nach einer ruhmreichen Schlacht kennengelernt hat, einfach so heiraten darf? Oder geht auch einfach eine Lebens- und Schlachtengemeinschaft ohne Trauschein?
Jetzt würde ich übrigens gerne mehr von anderen Trauzeremonien Marke Romulaner, Cardassianer oder Ferengi sehen.
hey
ich geh davon aus das Otto normal Klingone die ja schon in Adelshäuser verteillt sind wahrscheinlich diesen spass nicht mitmachen müssen sondern nur wenn ein Aussenstender Ist wie Dax oder wenn man in eine Höhre Familie einheirat
weil wie die Frau des Kanzler schon meinte am anfang mit den Kerzen entweder man macht es richtig oder gar nicht
Ich werden meinen Social Media Rant über die deutsche Synchro hier auch nochmal schreiben.
Erst mal vorweg. Die deutsche Synchronisation der Star Trek Serien ist meistens wirklich sehr gut. Ja, es gehen manchmal Feinheiten verloren – aber es ist wirklich gut.
Nicht so gut ist das duzen und siezen gelöst. In StarTrek siezen sich im deutschen alle Charaktere, ausser Familien oder love interests nach der ersten gemeinsamen Nacht (aber sogar da kann man nicht sicher sein > Chakotey/Janeway z.B.).
Bei dieser Folge ist es aber besonders schlimm. Wir reden hier von einer Hochzeit, lauter enge Freunde.
Jadzia siezt ihren Stiefsohn Alexander (der ja auch noch „Trauzeuge“ wird)?
Miles und Julian siezen sich nach all den Stunden in der Holosuite?
Kira und Jadzia, Kira und Odo siezen sich – die sind alle beste Freunde seit 5 Jahren
Benjamin und Jadzia siezen sich privat – die kennen sich mehr oder weniger seit Jahrzehnten.
Quark wird von allen gesiezt? Ich kenne keine Kneipe, in der der Bartender von ALLEN gesiezt wird.
Speziell diese Folge würde ich gerne nochmal neu synchroniseren und die sozialen Bindungen auch durch Du und Sie unterstreichen.
Übrigens am Rande: Ich arbeite in einer Behörde mit, auf dem Papier, sehr festen Hirachien. Selbst bei uns ist das „Du“ ebenenübergreifend auch dienstlich absolut üblich. Zumal in unserer IT Abteilung siezt sich niemand.
Noch eine Frage in die Runde: Ich habe die Idee, einer Blog Kolumne – eine Art „Was wurde eigentlich aus…“ Star Trek Edition
Mir schwebt vor den Charaktere (Mirasta Yale, Jeremy Aster, Captain Okona usw.), die uns immer mal verloren gehen, eine fiktive Zukunft zu schenken. Gibt’s da Interesse?
Erstmal freue ich mich, dass ich heute eine neue charmante Beleidigung gelernt habe: „Na, meine kleine Fettkerze?“
Das Lustigste an der erwähnten demokratischen Phase in der klingonischen Geschichte ist aber doch wohl, dass diese Phase inzwischen als „Dark Age“ bezeichnet wird.
Köstlich!
Ich denke, dass es früher eher Feuerspucker und SCHWERTschlucker gewesen sind, aber jede*r hat da bestimmt andere Erinnerungen.
Vielleicht habe ich es hier schon mal erzählt, aber wir haben im Freundeskreis für ein befreundetes Paar, das auch Star Trek liebt, diese klingonische Hochzeitszeremonie damals auf deren Hochzeitsparty nachgespielt, mit Bat‘leths aus Sperrholz und selbst gebastelten Wimmelquirken, mit denen dann zumindest der Bräutigam etwas verhauen wurde. Legendär.
Und ich liebe diese Folge! Spätestens wenn Nog zu tanzen beginnt, kann ich nicht mehr!
Das Wörtchen Fettkerze muss nun unbedingt Teil meines aktiven Wortschatzes werden! Zur schlechten Kommunikation der Charaktere: Ich denke nicht, dass wir das den Autoren zum Vorwurf machen sollten, denn unsere Vorstellungen sind kulturspezifisch und nicht auf die Klingonen übertragbar.
So, wie uns die Klingonen stets präsentiert wurden, ist es doch nur – folgerichtig – wenn sie sich nicht im Vorfeld erkundigen, ob alle Beteiligten mit ihren Ritualen und Plänen einverstanden sind oder nicht. Die Befindlichkeiten verweichlichter Föderationsbürger spielen doch für einen echten Krieger keine Rolle! Bei Kahless!
Hallo liebe Tadderiche und alle zusammen,
zum Thema Trauzeuge / best man möchte ich gern ergänzen, dass nicht Deutschland der Ausreißer ist, der den Begriff „institutionalisiert“ hat, sondern – Überraschung! – der angelsächsische Sprachraum ist die Ausnahme. In Frankreich heißt der Trauzeuge nämlich „témoin de mariage“, also Zeuge der Heirat. Im Spanischen ist es genauso (testigo de matrimonio)
Der Grund dafür ist, dass die Eheschließung, wie feucht-fröhlich es auch bei Jadzia und Worf hergehen mag, ein zivilrechtlicher Vertrag ist, der vor einem staatlichen Beamten geschlossen und von einem oder mehreren Personen *bezeugt* wird, welche im Bestreitensfall als Beweismittel herhalten können. Daher: Trauzeuge 🙂
Juristisch-trekkige Grüße
von Eurer Svenja
Zu den Gala-Uniformen muss ich kurz anmerken, dass das nicht wirklich die TNG-Version der Galauniform war. Bei der Version die hier auftaucht ist die schwarze Schulterpartie nämlich gesteppt, so wie man es bei der grauen Schulterpartie der neuen Standarduniform sehen kann. Bei TNG und such bei Voyager ist die Schulter glatt. Es handelt sich also um eine Überarbeitung extra für diese Episode. Außerdem gab es einen Goldstreifen am Ärmel. Analog zu den farbigen Ärmelstreifen bei der normalen Uniform. Ein ähnliches Update erhalten später auch die Kadettenuniformen. Während Nog in der letzten Staffel noch in der gleichen Uniform mit glatten Schultern rumrannte wie in Staffel 4 als bei Homefront Sisko noch die TNG-Uniform trug, taucht demnächst eine farblich ähnliche Version aber mit gesteppter Schulter und farbigen Ärmelstreifen auf.