#456: Doctor Bashir, I Presume (DS9 5.16)

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24. Februar 1997:
Im Alpha-Quadranten hat niemand einen blassen Schimmer, dass ein EMH umgänglicher wird, wenn man es nur lange genug im Delta-Quadranten laufen lässt. Also besucht Dr. Lewis Zimmerman die Station, um Julian als langfristiges Medizinhologramm unsterblich zu machen – wobei gar Ungeheuerliches zutage kommt. Währenddessen hat Rom gegenüber Leeta einen Knoten in der Zunge.

In Deutschland: Dr. Bashirs Geheimnis, ausgestrahlt am 12. März 1998.

Dieser Beitrag hat 27 Kommentare

  1. Mister Incredible

    Moin, zusammen!

    Starfleet Academy, ich auch, ich auch! Gestern hat Stephen Colbert (Late Show / CBS) verkündet dass er eine Sprechrolle in der Serie übernommen hat. Habe nicht ganz verstanden wen oder was er spricht, vermute so eine Art Majelsche Computer Voice. Ich frohlocke,
    dass Star Trek hier den deutlichen Stinkefinger an Gul Orange ausstreckt.
    https://youtu.be/Nh4NxQv0O4s?si=gcns5VTKWQjaL7ZP

    Volle Zustimmung: doofe Episoden (oder ST5…) sind besprechungstechnisch extrem hörenswert. Hörlights sozusagen. „Meine Schuhe sind kaputt“, wunderbar, ich erkenne mich wieder. Seit Jahren bestelle ich immer dieselben Dienstschlappen und auch Outdoorgurken, kaufe auch immer dieselbe Sorte Levis, bei denen ich weiß: passt. So spart man sich endlose Anprobeaktionen in engen und überheizten Kabinen , bei Schuhen nicht minder nervig. Mode-Ikone? War und werde ich nie. „Dran machen“ und weiter hören…

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  2. Maestro84

    Mir hat diese Folge eher mäßig gefallen, was vor Allem an der eher halbherzigen Behandlung des Themas „Augmentationen“ liegt. Dieses Thema hat eine Schwere, die ich hier nicht richtig gut behandelt sehe. Wie es besser geht, hat die Folge „Ad Astra per Aspera“ aus Strange New World* gezeigt, die sich aber rein aufs Thema konzentriert und nicht noch eine B-Handlung beinhaltet, bei der ein schmieriger Onkel eklig schmierige Onkeldinge mit jungen Frauen macht. Mir ist auch das Ende zu einfach, wenn da der Admiral der Woche quasi einen Deal machen kann, bei dem ein Offizier folgenlos im Dienst und dessen Vater, ein Zivilist (!), mal zwei Jahre in den hoeneßschen Vollzug geht. Ich sehe auch nicht, was diese Folge dem Charakter vom Julius Gutes hinzufügt? Es ist ja nicht so, als würde er in zukünftigen Folgen großartig unglaubliche Taten vollbringen.

    Apropos: Die B-Handlung schreit so sehr „Ich bin aus den 90ern!“, dass es weh tut. Bei allem Respekt für „Comedy“: Leeta ist eine erwachsene Frau, die Rom schon länger kennt und daher weiß, dass er gehemmt ist. Eine moderne Frau in einer modernen Serie hätte das Ruder in die Hand genommen und nicht darüber nachgedacht, mit dem schmierigen Onkel woanders hinzugehen. Dies zeigt Uns auch Leeta in keinem guten Licht, wenn sie so naiv daherkommt.

    Alles in Allem geht mein Daumen wieder in die Mitte. Die Folge lässt mich unzufrieden zurück.

    *@Sebastian: Schau endlich diese sehr gute Star Trek-Serie im Geiste der alten Serien.

    PS: Für einen verbesserten Menschen wirft der gute Julius mit einem dreifachen Bullseye aber einen ganz schön schlechten Wurf. Ein Profi hätte einen dreifachen 20iger geworfen (150 vs. 180 Punkte).

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  3. Dominik

    Das schiffe was man sieht das wie die Voyager ausieht. ist ein Yeager-type Class ein mischung aus Voyager und ein Maquis-Raider. Was eigentlich von der größes stimmen kann. Warum er nicht sie lebst nimmt wird in Voyager Folge Rettungsanker erklärt als noch ein bissen hin

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  4. Alexander

    Hallo Simon und Sebastian,

    Diese Folge ist wirklich interessant. Ich stimme den anderen Kommentartoren zu ob es überhaupt notwendig gewesen wäre, den Charakter Dr. Bashir in seiner Vorgeschichte als genetisch aufgewertet zu outen? Aber ich finde es wirklich ein spannendes und schönes Thema wie die Familie Bashir damit umgeht. Das Thema genetische Verbesserung ist im heutigen Kontext als Designer Babys ja bekannt. Die Gen Schere CRISPR/Cas ermöglicht gezielte Änderungen im Erbgut und kann Gene bearbeiten oder deaktivieren. Es ist wie eine Art Dejavu, dass diese Folge aus den 90er Jahren darauf anspielt. Die Mutter von Julian Bashir finde ich hier sehr nachvollziehbar. Ob sie während der Schwangerschaft sich eventuell hätte Vorwürfe machen sollen ob bei ihrem Sohn alles vernünftig abgelaufen ist? Das sagte sie ja. Ihr versteht?
    Und natürlich geht es auch um die Erwartungshaltung der Eltern. Julian Bashir meinte ja zu seinem Vater und seiner Mutter, dass sie es nicht hätten ertragen können ihnen als Versager zu sehen wenn er weiter so
    lernbeeinträchtig ist.
    Und ihr habt wirklich recht, dass niemand so etwas nachvollziehen kann der nicht selber ein Kind mit einem Handicap hat. Das Problem mit der Gen Optimierung ist mit Sicherheit ein gesellschaftliches. Ab welchem IQ gilt jemand als normal und ab welchen nicht.
    Die Gesellschaft gibt diese Skala und diese Werte vor. Leider hat die Geschichte gezeigt wie gefährlich es sein kann wenn Menschen in vermeintlichen Kategorien oder Schubladen gesteckt werden.
    Darüber sollte jeder mal nachdenken. Im dritten Reich waren unter anderem die Ärzte die Wächter am Erbstrohm.
    Ich will nicht weiter ausführen wie schlimm das für die Betroffenen gewesen sein muss. Aber vorallem für die Eltern! Und deren Angehörigen.
    Das hat aufjedenfall auch eine geschichtliche Dimension!
    Ein riesen Fass! Ich möchte dabei auch den Film Gattaca erwähnen der sehr schön das Thema Gen Optimierung zeigt.
    In diesem Film wird eine Gesellschaft gezeigt wo alles gescannt., alles tagtäglich überprüft wird.
    Jede Hautschuppe von einem Mitarbeiter wird in einem Gerät gescannt. Ist er genetisch Richtig. Oder nicht? Die nicht genetisch Designten gelten in der Überprüfung als Invalide.
    Und dürfen nicht in besseren Jobs arbeiten. Natürlich gezeugte Menschen werden als „Gottes Kinder“ bezeichnet. Wirklich schmeichelhaft:; 😄
    Das zum Schluss in der Folge Sisko und der Admiral dem Bashir das Angebot machen weiter im Dienst zu bleiben und der Vater eine Strafe absitzt finde ich soweit in Ordnung. Auch für Julian der als Erwachsener diese Entscheidung von Sisko und dem Admiral akzeptiert.
    Die B-Handlung finde ich ganz rührend. Daumen hoch!
    Gruß Alexander

    1. Maestro84

      Ich frage mich ja vor Allem, wie man außerhalb der Sternenflotte herausbekommen will, welche Menschen genetisch optimiert sind? Und warum sollten gerade Spezies wie die Romulaner diese Technik nicht anwenden? Bei z.B. den Klingonen gibt es ja durchaus mehrere Gründe gegen den Einsatz der Technik, wie wir noch erfahren werden.

      „Darüber sollte jeder mal nachdenken. Im dritten Reich waren unter anderem die Ärzte die Wächter am Erbstrohm.“

      Wenn diese „nur“ Wächter gewesen werden. Ärzte haben aktiv an der Ermordung von Menschen teilgenommen, deren Leben als „unwert“ galt.

  5. Altariel

    Tolle Episode, und super Besprechung! 🙂 Eine Frage, die ich mir stelle: Wenn Bashir dieses Geheimnis hütet, warum stimmt er dann zu, Vorlage für das neue EMH zu werden? Gab es da keine gescheiten Infos vorher, was das alles beinhaltet? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er einfach verdrängt hat, dass er genetische verändert wurde, denn es beeinflusst sein Leben ja tagtäglich, wie man am Beispiel Darts sieht.

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    1. BjoernHH

      Ich hatte es so verstanden, dass die „Untersuchungen“ für das neue EMH die genetische Veränderung gar nicht ans Licht gebracht hätten.
      Das Ganze kam nur raus, weil die Eltern mit dem falschen Bashir sprachen und die Geheimnisse ausplauderten.

      Vor den Untersuchungen musste Bashir also keine Angst haben.

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  6. Mister Incredible

    Moin zusammen,
    Es war wieder einmal eine sehr erfrischende Besprechung und die Freshness der Episode im Spiel der Charaktere kann ich nur unterstreichen. Leben, Treiben, Atmosphäre, Arbeit auf der Station wirken lebendig und authentisch. Toll dass alle Haupthelden charakterlich und auch lustig die Handlung organisch voran bringen dürfen, wenn auch in winzigen Szenen. Die Regie hat mir gut gefallen, oft ein schöner Bildaufbau! Wie immer darf man bei der erdachten SciFi-Welt nicht zu genau hinblicken, damit man die offensichtlichen Dysfunktionalitäten dieser fiktionalen Zukunftsgesellschaft wegblinzeln kann. Ein toller Twist die Eltern einer der Hauptcharaktere unerwartet auftauchen zu lassen, weil es ein irres Potenzial eröffnet um der bekannten Figur mehr Facetten hinzuzufügen. Könnte man schon als Dramaklassik bezeichnen. Rat mal wer zum Essen kommt…Ich musste an „The Orville“ denken wo Robert Picado als Vater einer Hauptdarstellerin eine Gastrolle einnimmt. Schön zu sehen und sich an eigene familäre Auseinandersetzungen zu erinnern wenn jahrzehntealte Konflikte erneut aufbrechen sobald ein Zündfunke verhindert dass sich ein heimeliges Papa-Mama-Kind-Idyll der klinisch reinen Wiedersehensfreude einstellt wie im Fruchtzwerge-Werbeclip der 1990er.

    Dem Lob für die Darstellung der Leeta schließe ich mich an. „Suddenly Seymour is standing beside me“, nur stellt sich Rom noch um Größenordnungen blöder an als der Blumenverkäufer. Die Naivität der Schönen finde ich jedoch auch für die späten 1990er hart an der Grenze. Schmerzlich empfand auch ich die Expositionsbombe von Bashirs Eltern gegenüber dem Sohn-Clon… meine Güte: man platzt doch nicht rein am Arbeitsplatz und plappert los ohne zu fragen „können wir mal in Dein Büro gehen?“ Da hätte immer noch der Milester hinter einer Konsole mit Herrn Zimmerman schrauben und mithören können. Das war ärgerlich. Solche knirschenden Schnellplots kriegt man wenn zu viele Stories in 45 min passen sollen. Auch die Lösung mit „wir drücken ein Auge zu wenn Daddy für zwei Jahre zu Frau Maxwell in den Luxusknast zieht“ ächzt für mich unter dem Druck ein Happy Ending finden zu müssen. Ob das moderne Serien ohne ein enges Minutenkorsett besser hin bekommen hätten? Die angesprochene Gerichtsverhandlung um Frau Chin-Riley bei SNW fand ich da in positiver Weise konstrastierend, weil ich da mehr von der Magnitude des Augment-Themas spürte. However (wie Tuvok sagen würde), fühlte ich mich gut unterhalten.

    1. Tobi

      Ich bin bei der Augment Problematik schon eher auf der Seite der Sternenflotte. Für mich ist das Problem weniger, dass Bashir irgendwann zum Khan wird, sondern eher, dass die Gesellschaft insgesamt nicht mehr funktioniert. Wenn mein Kind das einzige nicht-Augmentierte in seiner Klasse ist, habe ich Druck, das auch zu ändern, damit seine Träume von der Academy oder wer weiss was wahr werden können. Der Druck wird dann dazu führen, dass die Gesellschaft immer höher gezüchtet wird, Schwächen immer weniger toleriert werden und es durchaus auch noch mal Khan-mäßig knallen könnte.

      Daher fand ich den Deal am Ende auch problematisch: 2 Jahre im ziemlich entspannten Knastresort in Neuseeland im Austausch für drastisch verbesserte Chancen für mein Kind? Gerne! Die einzig wirksame Abschreckung ist, dafür zu sorgen, dass sich der Augmentierungskram nicht lohnt. Auch wenn Julian selber nichts dafür kann.

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      1. TaiFei

        „Wenn mein Kind das einzige nicht-Augmentierte in seiner Klasse ist, habe ich Druck, das auch zu ändern,….“
        Der Druck wäre aber nur in einer Konkurrenz-Gesellschaft vorhanden. Nun wird uns die Gesellschaft in Star Trek aber eigentlich als das Gegenteil „verkauft“. Diesen Widerspruch (und viele andere auch) hat Star Trek recht häufig und kann ihn nicht lösen.

        1. Tobi

          Absolut. Gerade diese Folge stellt die Föderation als ziemliche Leistungsgesellschaft dar mit großem Anpassungsdruck. War aber früher oft auch nicht anders – muss immer daran denken, wie Wesley und dieses Atemmundharmonika-Alien damals bei der Aufnahmeprüfung in Konkurrenz standen.

          So ganz hat das mit dieser Utopie nie funktioniert. Dass Vatter Sisko aus Leidenschaft ein Restaurant betreibt, kann ich verstehen. Aber wer macht da die Teller sauber? Wie wird da der Zugang geregelt, damit da nicht immer die gleichen Leute dreimal am Tag Jambalaia essen? Wie kriege ich ein Weingut, wenn ich auch mal Château Picard machen will?

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          1. Kleiner Bruder

            Mein Eindruck ist hier, dass man nichts leisten muss, wenn man nicht will. Man hat ja schon sein Auskommen. Wem langweilig ist, oder wer etwas schaffen will, der muss sich eben was suchen. Aber wer etwas erleben will, fremde Welten erforschen, und dafür zur Sternenflotte geht, der soll sich bitte auch anstrengen, damit das gut funktioniert.
            Und wer spült die Teller? Spülmaschine.

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  7. Erich Honecker

    Da man Die Trek-Serien der „Berman“-Äre auf Netflix nicht mehr streamen kann, hab ich heute zum ersten Mal seit JAHREN wieder eine DVD abgespielt. Ich muss schon sagen. Der qualitative Unterschied zur DVD ist enorm. Man erreicht zwar kein TNG-Niveau, aber die Scheiben werden auf meinen Blu Ray – Player ordentlich hoch skaliert und sehen recht ansprechend an. Viel besser als die Netflix-Grütze.

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    1. Maestro84

      Sogar mit Knack bei der Folge, in der die Jem’Hadar mit unserer Crew zusammenarbeiten.

  8. Jochen

    Moin zusammen.
    Wie Dominik schon schrieb, handelt es sich bei den Schiffen, die man immer bei DS9 rufliegen sieht, um Yeager Klasse Schiffe. Leider ein (meine Ansicht nach) sehr verunglücktes Experiment aus der Frankenstein oder auch Kitbashing Flotte, als hätten die Voyager und die Val Jean einen schlimmen Unfall gehabt. Im Prinzip wurde das Oberteil der Voyager auf den Maquis Raider geschraubt und dann die Waffen des Raiders gegen Warpgondeln ersetzt. Richtig gelungen finde ich von den ganzen Kitbashing Schiffen aber eh nur die Centaur Klasse. Sehr schade, weil grade Starfleet einige wirklich toll designte Raumschiffe hat.

    Was ich noch sehr lustig fand, was Ihr gar nicht erwähnt habt: Das „Geräusch“, das sich als Rom herausstellt, ist nicht einfach Rom, der einfach nur ein Geräusch macht, sondern dass er das „ee“ aus „Leeta“ einfach unglaublich in die Länge zieht und dann am Ende ein ganz abruptes, kurzes „Warte“ anhängt. Ich muß bei der Szene jedes Mal wieder lachen. 😀

    Übrigens glaube ich nicht, dass Zimmerman Leeta nur eingeladen hat, um sie zu einem Date einzuladen. Klar, er hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und fand das super, aber da er ja ein sehr ausführliches Profil von Bashir anfertigen möchte, war es ihm sicher mehr als Recht, mit einer Exfreundin des Doktors sprechen zu können.

    Ich mag die Folge sehr. Vor allem die Interviewszene, wenn der Schnitt immer am Ende einer Frage an Person A passiert und die Antwort von Person B gezeigt wird. Toll gemacht.

  9. Thomas L.

    Hallo.

    Ich finde es erstaunlich, dass in der Föderation die Therapie, die Dr. Bashir als Kind erhalten hat, verboten ist. Ja, ich meine Therapie. So, wie sein Entwicklungsstand mit 6 Jahren geschildert wird , ist das nicht mehr im Bereich der normalen Variabilität. Das grenzt mindestens an eine geistige Behinderung oder ist als solche zu werten. Damit kann man es als Erkankung definieren. Warum sollte man eine vorhandene Therapie dafür nicht nutzen? Das ist kein genetic enginiering. Hier liegt offenbar eine angeborene Ekrankung vor, deren Ursache man im 24. Jahrhundert noch nicht gefunden hat. So ist es, trotz allen Fortschritts, auch heute bei vielen Störungsbildern / Syndromen.

    Nichtsdestotrotz kennen wir heute Erkrankungen, die aufgrund eines genetischen Defektes (ja wir sprechen von Defekten) bzw. einer Mutation zu einer erheblichen Entwicklungsbeeinträchtigung führen oder sogar zu einer kindlichen Demenz. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dass eine Gentherapie dafür schlecht wäre, denn sie korrigiert den zugrunde liegenden Defekt bzw. behebt die Ursache, ist also eine heilende, keine symptomatische Therapie. Ein Beispiel – wenn auch nicht das Gehirn betreffend – ist die Gentherapie für die spinale Muskelatrophie (SMA). Nach der Erkrankung wird im Neugeborehenscreening in Deutschland deswegen sogar gesucht (mittels Gentest). In Zukunft werden höchstwahrscheinlich immer mehr Erkrankungen, die so geheilt werden können, im Screening dazu kommen. So ein bisschen erinnert das dann schon an Gattaca, aber wäre das schlecht?

    Nun, um auf Dr. Bashir zurück zu kommen, wird ja beschrieben, was mit / in seinem Gehrin passiert. Die Therapie führt offenbar dazu, dass Neuronen sich schneller oder überhaupt erst verknüpfen können, was vorher bei ihm offenbar nicht möglich war. Er hatte also eindeutig einen erheblichen Nachteil, ein als krank definierbares Gehirn. Dies ist nun behoben und vielleicht etwas über das Ziel hinaus geschossen. Vielleicht kann man die Therapie noch nicht so genau „feintunen“, vermutlich auch weil die Forschung daran unsinniger Weise verboten ist (was mich an Dr. Hamparian aus Lost to Eternity erinnert).

    Allerdings wird für mich auch nicht klar, dass Dr. Bashirs intellekt so massiv über dem aller anderen liegt. Und was ist mit all den Menschen, die ohne einen Eingriff einen sehr überdurchschnittlich hohen IQ hatten oder haben (oder der ihnen zugeschrieben wird), wie etwa Einstein, Kasparov oder Terence Tao? Sollte man die einsperren oder nach Ceti Alpha se .. oh, ich meine natürlich fünf, verbannen? Da würde ja auch keine*r auf die Idee kommen. Ich finde, die Frage ist: Warum macht es einen Unterschied, ob man durch Zufall so „gesegnet“ ist oder ob man nachhilft?

    Was ich aber bezogen auf die Folge sagen will: Das ganze Argument, das es verwerflich sei, einen Menschen künstlich intelligenter zumachen, fällt in sich zusammen, wenn man Bashir als ein so offensichtlich entwicklungsgestörtes bzw. geistig behindertes Kind darstellt. Interessanter (und moralisch auch fragwürdiger) wäre es gewesen, wenn er durchschnittlich oder etwas unterdurchschnittlich begabt gewesen wäre (also nicht krank), aber die Eltern mit einem „normalen“ Kind nicht zufrieden gewesen wären.

    Die Frage ist letzlich immer bis zu welchem Punkt und mit welchen Mitteln das noch ok ist oder als ok angesehen wird. Für mich hier in diesem Fall klar in Ordnung. Das kurz von Simon aufgeworfene Argument, dass das Kind dasmals gar nicht entscheiden konnte bzw. niemand das Kind gefragt hat, zählt hier m. E. nicht richtig, weil er – so wie seine kognitive Entwicklung geschildert wird – vermutlich nie hätte selber eintscheiden können, auch nicht wenn man gewartet hätte bis er älter geworden ist. (Aber vermutlich hätte sich dann auch ein etwaiges Zeitfenster für die Behandlung geschlossen).

    Soweit meine Gedanken zur Folge.

    Grüße aus Halle (Saale)

    Thomas

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  10. stef baura s

    Hallo Ihr beiden,
    was für eine spannende Besprechung, danke.

    Ich finde die Folge furchtbar, aus folgenden Gründen:

    – dass Leeta erwartet, dass Rom sie fragen muss, ist derart ärgerlich, das war auch aus der Sicht der 90er schon nicht ok.
    – dass Leeta derart offensiv von Dr. Zimmermann angegraben wird, und sie das absolut normal findet, dass er mal eben so über ihr Leben entscheiden möchte, wenn man sich gerade mal 5 Minuten kennt, gruselig.
    – die Figur des Vater Bashir, natürlich toll gespielt, aber was für ein schrecklicher Typ.

    Im Gegensatz zu Euch sehe ich in der Entscheidung zur genetischen Veränderung von Julian keine Liebe der Eltern, sondern den egozentrischen Wunsch des Vaters – ausschließlich des Vaters! – mit seinem Sohn angeben zu können. Das ist kein Liebe.

    Wieso glauben wir eigentlich, dass Julian tatsächlich so weit zurückgeblieben war, wie der Vater es beschreibt. Erst heißt es, er sei langsam – das sind viele kleine Kinder in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien -, dann heißt es er konnte Kuh von Hund (oder so) nicht unterscheiden. Ja, was nun?

    Wie gesagt, für mich ist das keine Liebe und Fürsorge.

    Mein Hobby sind Pferde, hier habe ich auch Kontakt zum Reitsport. Die Anzahl von Pferdebesitzern, die ihr Turnierpferd nur genau so lange lieb haben, und alles, wirklich alles für sie tun, wie das Tier ihnen (persönlich definierten) Erfolg bringt, ist riesig. Tut es das nicht, ist das Pferd schuld, und die Liste an tierquälerischen Verhalten demselben Tier gegenüber, dass sie ja ach-so-lieb haben, ist unendlich lange. Selbstreflektion null.
    Und in diese Kategorie Mensch schätze ich Julians Vater ein, der hat seinen Sohn dann lieb, wenn er mit ihm glänzen kann.

    Dass er am Schluss sich zu einer Gefängnisstrafe bereit erklärt, halte ich daher für gar nicht glaubwürdig, solche Leute sind in der Regel nicht zur Einsicht fähig.

    Ob Julian nun aufgewertet ist oder nicht, ist mir egal, aber ich hasse wirklich die ganze Story, die da drum aufgebaut wurde.

    Habe die Folge nur wegen der Hausaufgaben nochmal angeschaut.

    Eure Stef

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  11. Murmeli

    Merci für deinen Kommentar. Dann muss ich das selbe nicht noch schreiben.

    Habe mehrere Jahre mit Kinder gearbeitet welche grobe Behinderungen aufgrund von Gen-Defekte hatten und das ist echt nicht schön.

    Das ganze gerede von „Lieb dein Kind genauso wie es ist“ war für mich immer eher eine Form von Selbstbetrug, weil es nicht wirklich möglichkeiten gibt was zu ändern Wenn dein Kind Atemprobleme hat, keinen geraden Satz herausbekommt, dann ist für mich diese Liebe das ich die Theraphien ausschöpfe welche ethisch angemessen sind und nicht pauschal ablehne. Den ganzen Eugenik Mist der NS Zeit (und bis in die 1970er hinein, das ging noch lange weiter) ist nicht das gleiche wie einen therapeutischer Eingriff welcher die Lebensqualität einer Person massiv verbessert. Ich hoffe das wir als Gesellschaft da Differenziert raufschauen können und die ganzen Techbros uns da nicht wieder was kapput machen nur weil sie mit ihren Allmachtsfanatsien den Diskur dazu vergiften.

    Kahn wohl auch eher das Ergbenis von Techbros als von verantwortungsvollen Ärzt*innen 😉

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  12. Dennis

    In Bezug auf die Hinweise zu Dr Bashir’s Geheimnis in den zurück liegenden Staffeln kann man natürlich viel hinein interpretieren, aber davon war sicherlich nichts für diese Enthüllung vorgeplant

    Was mich allerdings doch überzeugt hat war seine Reaktion auf die Frage nach seiner Familie in Homefront.
    Das war eindeutig so gespielt, das man merken sollte, dass da in der Familie ‚was‘ ist.
    Ich bin mir ziemlich sicher dass das damals bewusst eingebaut wurde, um sich eine Hintertür für eine Bashir Family Story zu schaffen.
    Vielleicht gab es schon eine konkrete Idee, welche dann fallen gelassen wurde?
    jedenfalls können wir es uns heute schön retconnen

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  13. Corinna

    Vielen Dank für die mal wieder sehr unterhaltsame Besprechung! Ich mag die Folge auch wirklich sehr gerne, habe aber das überschnelle Ende als wirklich großen Kritikpunkt. Wie kann es sein, dass ein Admiral die Entscheidung, dass Bashir in Starfleet bleiben darf, quasi noch vor der Frühstückspause ganz allein treffen darf? Immerhin hat sich Julian ja die ganzen Jahre erheblich verstellen müssen und da müsste man doch zumindest mal nachforschen, ob es vielleicht mal eine Situation gab, in der er Patienten schneller oder besser hätte helfen können, wenn er sich nicht absichtlich dumm gestellt hätte. Nicht falsch verstehen, ich traue das Julian absolut nicht zu und das ist bestimmt nicht passiert, aber aus Sicht von Starfleet wäre es schon grob fahrlässig, das nicht noch mal ausführlich zu prüfen. Deswegen finde ich die Idee mit der Bewährungszeit gar nicht schlecht. Man hätte sagen können, OK du darfst jetzt erstmal in Starfleet bleiben, aber wir müssen da bis zu einer endgültigen Entscheidung noch mal genauer hinschauen. Und das hätte ja auch über ein paar Folgen laufen können, bis man es dann irgendwann auflöst. Irgendwann wäre sicher Zeit für so eine kurze Szene gewesen.

  14. Martin

    Ein Landarzt aus dem Bilderbuch, ganz starke Folge und Besprechung. Ich freue mich schon auf euer Feedback zu Starfleet Academy. Ich habe die ersten drei Minuten geschaut und danach ausgeschaltet und bin ehrlich gesagt schockiert, dass Paramount so was ausstrahlt. Um Spoiler und mögliches Abdriften in politische Themen zu vermeiden belasse ich es dabei.

    1. Maestro84

      Ich habe die Serie noch nicht gesehen, da ich aktuell Apple abonniert habe – For All Mankind ist auch in Staffel 3 noch sehr gut -, aber ich bin gespannt auf SA. Da ich bereits DIS kenne und hier und da damit gehadert habe, erwarte ich jetzt auch nicht so viel. Einzig die politischen Debatten empfinde ich als zwiespältig, denn in der Rückschau haben Wir natürlich vergessen, wie politisch auch u.a. die Besetzung bei DS9 und Voyager betrachtet wurde. Nur waren die Meisten von Uns damals noch jung und daher betrachteten Wir damals neue Sachen noch als neu und nicht als belehrend oder nervig.

  15. Sven "Wortwandler"

    Da habt ihr eine interessante Diskussion angestoßen: Ist der Vater von Bashir im Leben gescheitert? Es stellt sich mir die Frage, ob man einer Umgebung, die befreit ist von Ressourcenproblemen tatsächlich scheitern kann. Moralisch/ethisches Scheitern ist natürlich möglich, aber auch in Bezug auf den Job? Ist der Vorwurf von Bashir „Du warst nur Dritter Stuart“ wirklich angebracht? Man kann vermutlich einen Job mehr oder weniger gut machen, aber wäre das ein persönliches Scheitern, wie wir es heute kennen? Ist nicht vielleicht gerade das Fehlen von knappen Ressourcen ein Grund, Jobs anzunehmen, auf die man einfach Lust hat. Beispielhaft ist doch eure eigene Berufswahl, bzw. das Zögern, bis ihr in die Selbständigkeit gewechselt habt. Eine schöne Diskussion in kleiner Runde bei einem Gläschen Vino.

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    1. Maestro84

      Ist nicht auch vielleicht das Lebensmodell von Bashir sr. sogar mit eines der erstrebenswertesten in der Föderation? Klar, manche finden ihre Berufung in einem Beruf, z.B. bei der Sternenflotte, aber in der Föderation kann man sich ja auch endlich mal ausprobieren und in seinem Leben, welches länger dauert als eins heute, immer wieder Neues erleben. Mir kam das „Scheitern“ auch eher us-amerikanisch anno 1997 rüber. Ich würde meinen heutigen Bullenscheißjob, der morgens um sechs Uhr beginnt, in einem System wie in der Föderation sicher nicht machen – den gäbe es da ja eh nicht mehr.

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    2. Sebastian (TaD)

      Womöglich ist Richard Bashir im ökonomischen Sinne nicht gescheitert. Er tut, was er liebt, auch wenn es alle paar Monate was anderes ist, und kann so allem Anschein nach über die Runden kommen. (Vielleicht verdient auch Amsha die eigentlichen Brötchen. Oder sie haben reich geerbt.)

      Das Problem sehe ich darin, dass Richard jede einzelne seiner Karrierestationen im Gespräch andauernd viel bedeutender, dauerhafter und lukrativer darstellt, als sie eigentlich sind. Kurzum: ein Aufschneider. Diese Diskrepanz zwischen zusammengesponnenem Selbstbild und der Realität ist nervtötend (kennen wir nicht alle solche Leute?) und ja, darin sehe ich zwar nicht wirtschaftliches, auf jeden Fall aber persönliches Scheitern. Scheitern daran, dazu zu stehen, wer und was man in Wirklichkeit ist.

      edit: Und er muss zumindest in seinen eigenen Augen gescheitert sein. Denn wäre er zufrieden, würde er nicht diese Märchen auftischen.

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      1. Tobi

        Brötchen gibt’s entweder aus dem Replikator oder von irgendjemandem, der sich am Sauerteig selbst verwirklicht… Wie gesagt, die Gesellschaft funktioniert nicht so richtig. Ich glaube kaum, dass Richard sich aus reiner Leidenschaft mal am Job des dritten Stewarts versucht hat. Sowohl seine Art, davon zu reden als auch Julians Reaktion deuten darauf hin, dass es kein auch nur irgendwie respektierter Job ist (was ja eigentlich im 24. Jahrhundert anders sein sollte?). In Tapestry ist „nur Ensign“ ja auch ein Schreckensszenario.

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  16. Michael from Outer Space

    Ich sehe bei Bashirs genetischer Aufwertung zwei moralische Probleme, die im Podcast nicht angesprochen wurden:

    1. Sie ist gegenüber nicht-genetisch aufgewerteten Personen unfair.
    Wir haben in „Coming of Age“ die knallharten Aufnahmeprüfungen an der Sternenflottenakademie gesehen. Stellen wir uns mal vor, der junge Julien Bashir nimmt, analog zum jungen Wesley Crusher, zusammen mit drei anderen Kandidat*innen an der Aufnahmeprüfung teil. Alle sind vier hochintelligent, motiviert und haben sich spitzenmäßig auf die Tests vorbereitet. Die Sternenflotte ist aber unerbittlich und nimmt nur die/den besten der vier Aspirant*innen. Und weil Julien nun mal genetisch aufgewertet wurde, hat er die besten Chancen. Ist das fair gegenüber denjenigen, die nicht genetisch aufgewertet wurden? Ich finde nicht!

    Klar, Intelligenz, Talente und auch Motivation sind sehr individuell und hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab. In einer Gruppe von Menschen gibt es zwangsläufig Unterschiede; hundertprozentig gleiche Chancen sind eine Illusion. Trotzdem würde ich mich *maximal* verarscht fühlen, wenn ich einer der Kandidat*innen wäre und wüsste, das ein(e) andere Teilnehmer*in nur deshalb besser abgeschnitten hat als ich und darum aufgenommen wurde, weil sie/er genetisch aufgewertet wurde. Mag sein, dass genetisch aufgewertete Menschen wegen ihrer Aufwertung diskriminiert werden. Wo bleibt die Fairness für die nicht aufgewerteten? Es wäre das Mindeste, darüber Bescheid zu wissen, dass jemand so einen krassen Vorteil besitzt.

    2. Bashir ist allein dadurch privilegiert, dass seine Eltern Zugang zu dieser Technologie hatten.
    Ich vermute, Amsha und Richard Bashir konnten diese Technologie nur nutzen, weil sie auf der Erde lebten. Die Prozedur ist illegal und deswegen gibt es in den Innenstädten mit Sicherheit keine Werbetafeln mit der Aufschrift „Genetische Aufwertung zum Sonderpreis! Ist ihr Kind unterbelichtet? Wir bringen das in Ordnung!“ Darunter steht eine URL und eine Telefonnummer. Amsha und Richard müssen dunkle Kanäle genutzt haben, um überhaupt mit den Genetiker*innen in Kontakt zu kommen.

    Wer das Pech hat, nicht auf der Erde oder einer der „Kernwelten“ der Föderation zu leben, guckt mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Auf den abgelegenen Randwelten und Kolonien haben die Menschen vielleicht keinen Dunst, dass es diese genetische Aufwertung überhaupt gibt oder dass sie noch praktiziert wird. Außerdem ist es bei Strafe verboten! Eine genetische Aufwertung zu organisieren ist schwierig, du brauchst erstens „Connections“ und zweitens kriminelle Energie, um die entsprechenden Gesetze zu brechen!

    Ich sehe nicht, wie Bashirs steile Karriere nach seiner Aufwertung als fair bezeichnet werden kann.

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