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Trek am Dienstag reicht das Gegengift zur toxischen Diskussionskultur im Internet, die auch vor Star Trek nicht Halt macht. Aus der schreibenden Zunft sind Claudia Kern, Reinhard Prahl & Christian Humberg zu Gast, allesamt Fürsprecher der neuen Serie Starfleet Academy. Sie haben in den letzten Wochen teils krude Reaktionen auf ihre Texte erfahren. Tadderiche Simon & Sebastian stehen den neuen Serien bekanntermaßen skeptisch gegenüber und wundern sich über das Framing von Kritik. Heute kommen die Fünf zur trekkigen Elefantenrunde zusammen, um unterschiedliche Standpunkte respektvoll und freundschaftlich darzulegen.
Bin soeben fertig geworden. Es gibt ja Podcasts, da macht man tausend Sachen nebenher und weiß am Ende gar nicht mehr worum es eigentlich ging und dann gibt es Podcasts bei denen man sehr schnell vergisst, dass man eigentlich andere Sachen machen wollte und plötzlich 1 1/2 Stunden gebannt neben dem Abspielgerät sitzt. Dieser Podcast war letzteres!
Vielen Dank für dieses wirklich spannende und tiefgründige Gespräch! Das dürft ihr gerne wiederholen! 😉
Hier ist der Link zum Fanfilm Star Trek: Aurora. Die Mörder waren übrigens Romulaner, nicht Borg. 🙂
https://youtu.be/EWtTRLvg2OI?is=2a_wYfDyPu8H3Ef2
LG
Reinhard
Danke schön. 🙂
Alles, was ihr an Reaktionen aus Starfleet Academy ansprecht, gibt es natürlich, hat nur leider nichts damit zu tun, dass die Serie handwerklich plump und plakativ geschrieben worden ist. Jeder, der ansich kein tiefsitzendes Problem mit „wokeness“ hat- jedoch die aufdringliche/ zwanghafte Art, wie es ständig plakativ ausgewalzt wird, als störend empfindet, wird als bösartiger Hassverteiler eingestuft. Ich wusste, dass das in der Serie ein Faktor sein würde, ich habe mich trotzdem auf die Pilotfolge gefreut und muss einfach sagen, fast alles, außer der eigentlichen Inszenierung/ der visuellen Umsetzung, ist regelrecht idiotisch und super oberflächlich. Konkrete Beispiele dafür gibt es massenhaft aber wer will die stundenlang auflisten?Bedarfsweise kann man das schon tun und es stimmt nicht, dass es keine Bereitschaft dazu gibt. Zahllose echte Leute haben das getan. Die Serie ist, im Vergleich zum Produktionsaufwand und der anvisierten Zuschauermasse, so daneben, dass man regelrecht entsetzt reagieren kann, gerade im Kontext der Star Trek- Ansprüche. Die Leute mögen im Internet längst falsch abgebogen sein aber das Problem ansich ist schlicht und einfach diese enttäuschend dumme Serie- und daran würde sich auch nichts ohne fast schon missbräuchlichen Sendezeitumgang mit Wokeness-Dauerwerbesendungscharakter ändern. Das ist nur die rosa Farbe on top, derethalben die Scheiße noch mehr leuchtet. Ich bin auch nicht verpflichtet, gute Aspekte aufzulisten, nur weil ich Kritik übe. Das Gesamtergebnis ist einfach unwürdig und taugt bestenfalls als Kinderunterhaltung, daran sind nicht die toxischen Internetbewohner Schuld, indem sie die Serie künstlich mies quatschen, die Serie selbst präsentiert sich schon klar genug als Kindergartenquatsch.
Vielen vielen Dank für diese Folge. Es ist einfach wichtig und richtig darüber zu diskutieren wie eine vorherrschende Meinung gebildet werden kann und wie Gefährlich sowas werden kann.
Es ist einfach auch wichtig, andere Meinungen auszuhalten.
bzw. sachlich darüber zu diskutieren und nicht einfach nur eine andere zu haben und die als einzig gültige Meinung zu akzeptieren.
Danke für die tolle Folge! Hier sieht (bzw. hört) man ein Format, das eben noch Diskussionen auf Augenhöhe, mit echten Argumenten und dem Anerkennen anderer Meinungen erlaubt. Diese Diskussionen in Social Media kann man ja gar nicht aushalten und ich befürchte genau wie Sebastian, dass viele Menschen da einfach ermüden und vor den Bots und den Bot-Hörigen die Segel streichen, weil es einfach so müßig ist, da noch zu diskutieren. Leider erreichen die damit natürlich genau ihr Ziel. Vielleicht müsste man mal so „Anti-Bots“ programmieren, die das gleiche machen, nur eben in die andere Richtung. Dann hätten wir im Social Media den „Krieg der Computer“ und wir Menschen lehnen uns entspannt zurück und kommen mal alle wieder ein bisschen runter.
Super Folge, sehr schön!
Habt ihr einen Link zu der Fanmade Animationsserie über die Vulkanierin auf dem Frachter?
Zu starfleet academy kann ich sagen, ich hab alle Folgen gesehen. Anfangs dacht ich, ohje das is nix für mich.
College Beziehungsdrama von pubertierenden Teens.
Aber das ist ja auch nur ein Teil der Serie.
Vieles fand ich nicht so gut und mindestens genauso viel fand ich super.
Ist eben nicht schwarz weiß alles. Ich kann aber über die für mich negativen Aspekte hinwegsehen und dass positive trotzdem genießen.
Holly Hunter zum Beispiel einfach lustig um nur mal ein Beispiel zu nennen.
Gerade die letzten Folgen haben mir doch recht gut gefallen.
Meine ganz kurze Meinung zur Serie: Obwohl sie nach meiner Meinung in Details übers Ziel hinausschießt (z.B. die salbungsvolle Lautsprecherstimme), schaue ich sie gern. Ist halt was anderes, Star Trek im Umfeld einer College-Serie zu erleben. Die meiste Empörung gibt es über Themen, die in der Zukunft längst Alltag sein sollten. Woke? Nein, 32. Jahrhundert!
Hallo Jungs und Deern,
finde ich toll, dass ihr dieses Thema mal aufgreift. Auch mir ist in letzter Zeit aufgefallen, wie unsachlich und geradezu boshaft die Kritiken zu New Trek im allgemeinen und Academy im besonderen geworden sind. For the record: Ich mag Academy und fühlte mich gut unterhalten, auch wenn ich mit dem einen oder anderen Thema meine Probleme habe.
Gleich als der erste Trailer herausgekommen ist, wurde auf der pummeligen Figur mancher Darsteller herumgehackt oder darauf, dass Captain Ake Brille trägt oder wie sie in ihrem Captains Chair „herumflätzt“. Das mag dem einen oder anderen gefallen oder nicht gefallen, aber die Art und Weise, wie diese Meinungen geäußert werden, erschreckt mich. Soll deswegen gleich die ganze Serie schlecht sein?
Man braucht sich nur die Thumbnails auf YouTube anzugucken:
„Ist Star Trek am Ende?“
„Klingonendesaster?“
„Die grausame Hinrichtung von Star Trek“
„Notgeil im Weltall“
– das klingt wie die Zeitung mit den berühmten vier Buchstaben.
Ich frage mich immer: Was haben diese Leute eigentlich gesehen? Oder was haben sie erwartet? Manchmal scheint es, als ob allein der Titel „Academy“ schon Abneigung triggert. Warum schauen sie sich das dann überhaupt an? Nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“? Worauf hoffen sie denn?
Oft vorgebrachte Kritikpunkte sind der Charakter Lura Thok, die halb Klingonin, halb Jem’hadar ist oder dass Betazoiden auf einmal nur noch Empathen sind, keine Telepathen wie ursprünglich in TNG. Das Argument, dass zwischenzeitlich Jahrhunderte vergangen sind und dass sich in der Zeit viel getan hat, lassen manche nicht gelten. Ich sage dann nur: Ich möchte gerne mehr darüber erfahren, wie es zu diesen Veränderungen kam. Zehn Episoden pro Staffel sind eindeutig zu wenig, um solche Hintergründe zu behandeln. Ich hoffe, dass wir in der zweiten mehr erfahren. Ob wir auch eine dritte oder gar vierte bekommen, ist bei den Umwälzungen, die gerade in der Chefetage stattfinden, mehr als unsicher. Ganz zu schweigen von der heftigen Kritik, womit wir wieder beim Thema wären.
Und was macht das mit den künstlerisch Beteiligten, den Autoren, Regisseuren und vor allen Dingen den teils jugendlichen Darstellern? Haben die überhaupt noch Spaß an ihrer Arbeit oder kriegen die den Knacks fürs Leben? „Denkt doch an die Kinder!“
Was ist eigentlich die Absicht von Bots, die auf das Stichwort New Trek oder Academy anspringen und Müll auskippen? Das kann doch nur den Zweck haben, die Serie oder gleich das Franchise zum Scheitern zu bringen und Paramount & Co wirtschaftlich zu schaden. Wer macht sowas? Vielleicht Elon Musk, der als einer der ersten bitterböse Kommentare abgelassen hat? Inzwischen wissen wir ja, was das für ein zweifelhafter Charakter ist.
Was würde ich gerne in Star Trek sehen? Wie ihr würde ich gerne etwas vom Alltag auf der Erde, dem Mond oder dem Mars sehen (Ist der inzwischen wieder bewohnbar?) Gerne auch als Anthologie oder Miniserie.
Aber auch die Idee einer Serie à la Westwing mit Jonathan Archer als Präsident finde ich interessant.
Als Sachbuchtip hätte ich da noch die Bücher von Medienwissenschaftler und Star Trek Fan Julian Wangler. Inzwischen sind es 15 an der Zahl. Er nimmt nicht nur jede Serie Episode für Episode auseinander, er nimmt sich auch der Romanserien an, so dass wir sie nicht selber lesen müssen. Die jüngsten Werke behandeln die Völker von Star Trek, der aktuelle Band dreht sich um die Ferengi-Allianz. Ein Ende ist bisher nicht abzusehen.
Das war mein Senf zum Thema
🖖LL&P Eure Bridge
Vielen herzlichen Dank für diese Elefantenrunde!
Das Thema „toxische Diskussionskultur im Internet“ könnte meiner Meinung nach noch etwas mehr gesellschaftspolitischen Kontext gebrauchen. Die extreme Polarisierung im Internet ist wohl Bestandteil des aktuellen Kulturkampfes, der im Grunde zwar ein amerikanisches Phänomen ist, gerade über Serien, Filme und ganz besonders über „soziale“ Medien aber längst auch globale Dimensionen erreicht hat. In diesem Kampf „Konservative“ vs. „Liberale“ (nach US-Verständnis) greifen primitive Automatismen, auf beiden Seiten fühlt man sich schon von Signalwörtern getriggert und will sich (wie in der Runde auch erwähnt wurde) nur positionieren und die jeweils andere Seite delegitimieren. Z.B. reagieren dann Rechte auf „Inklusion“ und „Vielfalt“ usw. und packen ihre „Wokeness-Keule“ aus. Umgekehrt reagieren die Fans oft ebenso unreflektiert auf Kritik, indem sie alle negativen Stimmen sofort im MAGA-Lager vermuten.
Konstruktive Diskussionen finden (wie im Gespräch erwähnt) eher im direkten persönlichen Austausch statt, nicht aber im öffentlichen SoMe-Raum. So könnte man beispielsweise darüber diskutieren, wie inklusiv Kurtzman-Trek wirklich ist, bzw. wann wir es eher mit Tokenismus zu tun haben. Man kann den Showrunnern auch vorwerfen, dass sie sich aktiv und bewusst an diesem toxischen Kulturkampf beteiligen und den Konservativen offen den Mittelfinger entgegenstrecken. Das muss man nicht so sehen, (und man kann Verständnis dafür haben), es ist aber mMn durchaus ein Aspekt, über den man nachdenken sollte. Zum Vergleich: In TOS aber auch in Berman-Trek war man i.d.R. bemüht, auch Konservative nicht allzu deutlich vor den Kopf zu stoßen. Darauf bestanden damals schon die Anzugträger in den Studios.
Ich werfe Kurtzman & Co überhaupt vor, viele Aspekte des Zeitgeists zu bedienen, die ich persönlich für sehr problematisch halte. Wenn ich mir eine Kritik an der Argumentation erlauben darf, die in der Runde z.T. vorkam: Es ist nicht alles immer gleich reine Geschmackssache… Es ist ja durchaus möglich (und mMn wünschenswert), Tendenzen zu beschreiben und zu versuchen, sich aus offen formulierter Subjektivität einer gewissen Objektivität anzunähern. Damit dieser Text nicht ausufert wie eine Discovery-Staffel, will ich mich auf ein paar kleine Beispiel beschränken, die in der Runde nicht vorkamen:
Die Klingonen in Nu-Trek. Mein Problem an der Darstellung der Klingonen in Academy hat nichts mit sexueller Orientierung oder Kleidung zu tun (wobei man natürlich auch hier wieder über die Motive der Showrunner sowie über die Wirkung im polarisierten Diskurs reden kann). Mein Problem mit dem Klingonen: seine perfekten MENSCHLICHEN Zähne, die dem Ideal der zeitgenössischen US-Unterhaltungskultur entsprechen! Warum diese Vermenschlichung? Umso interessanter finde ich, dass man am Anfang von Discovery das genaue Gegenteil sieht: die maximale Entmenschlichung der Klingonen, die man quasi zu Weltraum-Orks macht. Der Flirt mit den oberflächlichsten Phänomenen des Zeitgeists und das Schwanken zwischen Extremen und (besonders emotionalen) Extremzuständen – zwei zentrale Probleme, die ich persönlich mit Kurtzman-Trek habe.
Dass man stark auf das Zeitgenössische eingeht, wurde in der Runde von Claudia, Christian und Reinhard positiv bewertet (Beispiele Jugendsprache und Musik). Man kann aber auch das als unreflektiertes Anbiedern an die Erwartungen des Publikums sehen, und genauso umgekehrt argumentieren: Da wir nicht wissen können, wie man in der Zukunft reden wird, sollte man allzu zeitabhängige Modeerscheinungen eher vermeiden – denn man wird definitiv falsch liegen, und schon in zehn Jahren wird man über die Jugendsprache von gestern lachen. Früher hat man das bewusst vermieden – die Ausnahmen sind umso auffälliger, spontan fallen mir die Weltraum-Hippies in TOS ein (The Way to Eden), wobei selbst da nur der Habitus der 60er-Jugendkultur imitiert wurde, weniger die Sprache.
Ein letzter Kritikpunkt an Kurtzmans Art, eine junge Zielgruppe ansprechen zu wollen: Gehört es nicht auch zu den Aufgaben einer Star Trek-Serie, die Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen des Publikums herauszufordern?
Die alten Serien stellten sich dem Risiko und bedienten nicht nur die bereits etablierten Vorstellungen der jeweiligen Zeit, sondern wurden selbst bahnbrechende Fernsehserien, welche die Fernseh- und Popkultur beeinflussten, und zwar dadurch, was gezeigt wurde und auch wie es gezeigt wurde.
Mein Eindruck: Man orientiert sich inzwischen immer mehr daran, was die Fans von heute gerade sehen möchten (inklusive Fan-Service), woran sie gewöhnt sind, wie man möglichst viele „abholt“. Wer aber eine gute Serie machen will, muss an die Fans von morgen und übermorgen denken, denn heute ist immer schon gestern. Wer heute das bedient, was gerade als progressiv empfunden wird, läuft Gefahr, bald konservativ zu wirken – und, das wie betreffend, öde formelhafte Versatzstücke im Marvel-Stil zu produzieren
Was komplexe Narrative und literarische Subtexte betrifft, wird das Publikum systematisch unterfordert, was das Ertragen persönlicher Ausnahmezustände betrifft, dafür überfordert. Und nein – ich finde auch nicht, dass die heutige Personenbezogenheit eine gleichberechtigte Erzählweise darstellt. Meine persönliche Ansicht ist, dass dieser Fokus auf die individuelle Ebene elementarer Teil der toxischen Kultur ist, die Ausgangspunkt der Runde und auch meines Beitrags war.
Nochmals vielen Dank an alle Beteiligten für das anregende Gespräch! Ich hoffe, mit meinem Beitrag auch konstruktiv und anregend am Diskurs beitragen zu können!
@Blade Flaneur: Schön geschrieben- und sehr genau verstanden und auf den Punkt gebracht. Die Produzenten instrumentalisieren die Marke, wühlen nur in alten Schubladen, um unverstandene Elemente hervorzukramen- und eben diese demonstrativ ad absurdum zu führen. Dabei sind sie komplett unfähig, das dann wenigstens in eine intelligente Rahmenhandlung einzubetten. Das Gesehene erinnert mich an Kinderserien, wie „Turtles“.. Die Dramaturgie, die Sprache, der Humor, die Überdrehtheit des lächerlichen Gegners und der Helden, welche als Kadetten (ehrenhalber) den dümmlichen Senior-Offizieren den Hintern retten. Infantile Superheldenfantasie.
Danke für die großartige Episode, ich habe mich besonders über Christians Anwesenheit gefreut, da ich seine Übersetzungen und auch Prometheus im Regal habe. Bei Starfleet Academy habe ich drei Anläufe gebraucht, um die erste Folge bis zu Ende zu schauen. Ich habe mich über vieles geärgert, vor allem die seltsame Musik, die Sprache, die bunten Einblendungen und das Getanze. Die Diskussion bei Social Media konnte ich gut ausblenden, hat aber ebenfalls von beiden Seiten genervt. Trotzdem fand ich, dass Folge 6 eine der besten Star Trek Folgen war, die ich seit langer Zeit gesehen habe, und das schließt auch das alte Star Trek im Re-Watch ein. Ich freue mich auf die restlichen Episoden und hoffe, dass es mit Star Trek im 30. Jahrhundert (oder so ähnlich) weiter geht.
Hallo zusammen
Von meiner Seite her ebenfalls ein grosses Kompliment für die Diskussionsrunde, die ich mir sehr aufmerksam reingezogen habe.
Um es vorweg zu nehmen: Noch immer, auch nach 35 Jahren, spüre ich ein leichtes, erwartungsvolles Kribbeln, wenn am Tag X eine neue Star Trek Folge oder ein Film bereit steht. Manches finde ich sehr gelungen, anderes naja, aber deswegen muss man ja nicht gleich die Krise kriegen.
Bei Academy gefällt mir der Hauptcast um Khalebs Freunde inklusive Holly Hunter sehr. Schau ich mir gerne an, ohne dass es mich jetzt vom Hocker reisst.
Ich erlaube mir ein kurzes Fazit zu den neuen Serien ab 2016:
Discovery fand ich am Anfang unglaublich faszinierend, vor allem wegen Captain Lorca. Dieses „Badass“ als Captain fand ich ja sowas von erfrischend! Extrem schade, was sie daraus gemacht haben (oder eben NICHT gemacht haben…) … nach dem Zeitsprung ins 31. Jahrhundert haben sie mich verloren.
Picard Staffel 1 war aus meiner Sicht ganz ok, 2 und 3 zogen sich wie Kaugummi über die jeweils 10 Folgen… uff…
Lower Decks und Prodigy: Top, gerne mehr solche Ware!
Strange New Worlds: Staffel 1 und 2 sehr unterhaltsam, 3 eher schwierig, ich bin gespannt, was sie in Staffel 4 aufmachen.
Section 31: Das wäre unter Umständen eine sehr coole Serie geworden. Der Ansatz war spannend, aber man wäre als Sequel von TOS und Prequel von TNG doch (wieder) etwas eingeschränkt gewesen in den Storys.
Was ich gerne sehen würde: Etwas im politischen, ggf. diplomatischen Umfeld, z.B. im Föderationsrat oder um eine Botschaft der Föderation auf einer anderen Welt (die wir am besten noch nicht kennen). Wir sehen zwar oft Diplomat/innen in den Serien, aber selten den Staff der irgendwo stationiert ist.
Allen eine gute Zeit.
Gruss Roger
Es war sehr erfrischend euch allen beim sachlichen und leidenschaftlichen Austausch zuzuhören. Ich habe trotzdem ein großes Fragezeichen zu der „Opfer“ Äußerung im Bezug auf das Verheiratet sein. Das fühlte sich komplett Off und fehl am Platz an. Was war die Intention bzw. die Aussage dahinter und was hatte es zum Thema beizutragen? Ich freue mich, wenn das jemand einordnen kann.
Das ist ein kleiner Running Gag zwischen mir und meiner Frau, die die Sendung ja auch hört. Ich ziehe sie damit mehr oder weniger durch die Blume ein wenig auf. Das hat sich in den letzten Jahren auch bei Vorträgen immer mal wieder eingeschlichen. Ich verstehe aber natürlich, dass das nicht unbedingt für alle Mithörenden verständlich ist. Man möge mir diese kleine, etwas ironische Liebesbekundung an meine Frau verzeihen. Tatsächlich halte ich sie für den wundervollsten Menschen der Welt.
Das war eine interessante Folge. Unabhängig davon, wie man zu Star Trek: Academy steht, möchte ich etwas zur Diskussionskultur anmerken, denn die Diskussion, die ich mir erhofft hatte, hat so nur bedingt stattgefunden.
Mir fiel auf, dass eure Gäste die eigene Argumentation wiederholt auf eine vermeintlich objektive Ebene gehoben haben, während Gegenpositionen als rein subjektiv abgetan oder gleich als nostalgisch abgestempelt wurden. Das ist eine Argumentationsstrategie, die auf allen Seiten des Meinungsspektrums immer häufiger zu beobachten ist.
Das deutlichste Beispiel war das Zielgruppenargument: Die Serie sei gut, weil sie zielgruppenkonform produziert und dabei treffsicher sei. Das klingt messbar und sachlich, ist es aber nicht „Zielgruppenkonformität“ ist kein neutrales Gütekriterium, sondern eine bewusste Engführung des Begriffs „gut“ auf eine kommerzielle Logik. Man kann diesen Maßstab anlegen, sollte dann aber auch ehrlich sein: Er ist genauso willkürlich gewählt wie jeder andere.
Und das ist der eigentliche Punkt. Was Star Trek für jemanden bedeutet, bestimmt maßgeblich, wie er eine neue Serie bewertet. Für manche ist es die utopische Vision, für andere der Entdeckergeist, die moralischen Fragen oder der gesellschaftliche Spiegel. Kam das von der Gegenseite, wurde es als bloßer Geschmack abgetan, als subjektive Präferenz ohne argumentatives Gewicht. Demgegenüber wurde das Zielgruppenargument als vermeintlich objektives Gütekriterium ins Feld geführt. Dabei ist auch das nichts weiter als ein gesetzter Maßstab, genauso subjektiv wie alles, was man der Gegenseite als „Nostalgie“ oder persönlichen Geschmack vorgeworfen hat.
Letztlich ist jede Bewertung Geschmack, und das ist keine Schwäche, sondern der Ausgangspunkt für eine ehrliche Diskussion. Sätze wie „das ist Star Trek“ lassen sich nicht objektiv begründen, denn es kann nur ein „das ist für mich Star Trek“ geben. Gerade deshalb wäre es interessanter zu fragen: Was macht Star Trek für dich aus und wie gut erreicht Academy dieses Kriterium? Das ist in der Diskussion teilweise geschehen und das waren für mich die stärksten Momente.
Und das diese vermeintliche Zielgruppe auf diese Anbiederei wirklich anspringt, ist ja noch nicht einmal erwiesen – es spricht doch Bände, dass drei Boomer als begeisterte Academy-Fans auftreten und berichten wollen, wie gut das bei den Kids ankäme
Dieses Argument habe ich bewusst nicht vorgebracht – nicht weil es falsch wäre, sondern weil es die vorgelagerte Prämisse bereits akzeptiert, die ich für problematisch halte: dass Zielgruppenkonformität überhaupt ein objektiver Maßstab für die Güte einer Serie sei. Wer sich auf die Diskussion um Zielgruppenkonformität einlässt, hat diesen Maßstab stillschweigend anerkannt. Das wollte ich vermeiden.
Aber selbst wenn man diesen Maßstab akzeptiert, trägt das Argument nicht. Denn „zielgruppenkonform“ ist kein einheitliches Kriterium, sondern zerfällt sofort in mindestens zwei separate Fragen: Wurde die Zielgruppe richtig definiert? Und wurde sie tatsächlich erreicht? Beides ist keineswegs dasselbe.
Die Serie versucht erkennbar eine sehr spezifische, vermeintlich junge Zielgruppenansprache, das ist stilistisch ablesbar. Ob das gelingt, ist eine andere Frage. Wer wirtschaftlichen oder reichweitenbezogenen Erfolg als Maßstab heranzieht, wie die Diskutierenden es offenbar tun, muss zur Kenntnis nehmen, dass die Serie nach zwei Staffeln abgesetzt wurde, noch bevor die zweite überhaupt ausgestrahlt war. Das ist kein Zeichen eines gelungenen Zielgruppenmatches.
Und das alles, wohlgemerkt, noch bevor wir überhaupt bei der eigentlichen Frage angelangt sind: ob die Serie subjektiv gutes Star Trek ist.
Erstmal finde ich es sehr gut, dass ihr gemeinsam einen Podcast über die heutige Diskussionskultur gemacht habt. Es ist schwer zur greifen, woher all diese Wut und Aggressivität kommt, bei der viele scheinbar nicht an einer offenen Diskussion und Argumenten der anderen interessiert sind. Es geht oft nur noch darum, seinen eigenen Standpunkt als den einzig wahren darzustellen.
Den ersten Teil des Podcasts konnte ich mir gut anhören, da zwischen euch Konsens herrschte. Ganz wichtig fand ich die Aussage, dass man sich erlauben darf, etwas Neues im Bereich Star Trek nicht gut zu finden, ohne direkt die Moralkeule übergezogen zu bekommen. Insbesondere in Discovery, aber auch in Acadamy geht es viel um Emotionen und um Diversität. Ich für mich möchte sagen dürfen, dass das für mich (in meiner jetzigen Lebensphase) einfach zu viel davon ist. Ich möchte sagen dürfen, dass ich keinen Klingonen im Faltenrock sehen möchte, ohne mir vorwerfen zu lassen, dass ich intolerant bin. Leider scheint das in der heutigen Zeit aber kaum noch möglich zu sein, in der man 24/7 die Möglichkeit hat, seine Meinung rauszuhauen und wenn man Reaktionen erzeugen will, muss diese Meinung möglichst laut sein – die leisen Stimmen gehen unter. In der Vorinternetzeit war man in der Regel unter seines Gleichen (in der eigenen Bubble sozusagen), in der man häufig dieselben Ansichten teilte (sonst wäre man ja nicht gerne zusammen). Im Internet treffen die verschiedensten Charaktere zusammen, die im normalen Leben niemals befreundet wären und die zusätzliche Anonymität macht sehr schwer, auf eine respektvolle Diskussionsebene zu kommen. Diese Dinge haben mich vor Jahren dazu bewogen, mich komplett aus Social Media sowohl schreibend als auch lesend rauszuhalten (tatsächlich ist der Blog von TAD der einzige Ort, an dem ich gelegentlich etwas lese oder schreibe). Die Diskussionen in meinem persönlichen Umfeld reichen mir völlig auch. Dort reden wir auch kontrovers, aber respektvoll miteinander.
Den zweiten Teil des Podcasts fand ich sehr anstrengend. Ich kenne alle Beteiligten seit Jahren aus Podcasts, Büchern und Conventions und ich höre mir sie gerne an bzw. lese gerne ihre Bücher. Ich hatte aber den Eindruck, dass sehr selten auf die Argumente des anderen eingegangen wurde. Mir fehlten persönlich interessierte Nachfragen nach den Argumenten und Sichtweisen der anderen – es war weniger eine Diskussion, mehr ein Rausfeuern von eigenen Argumenten. Dabei hat sich für mich besonders Christian Humberg hervorgetan, aber auch Reinhard Prahl und Claudia Kern (obwohl ich sie bei Planet Trek fm bisher differenzierter wahrgenommen habe). Ich hatte das Gefühl, dass sich Simon und Sebastian manchmal etwas überrollt gefühlt haben und die beiden sich den Podcast eher anders vorgestellt haben.
Ich persönlich finde des schade, dass sich die Diskussionskultur so verschoben hat. Social Media und das ständige Aufeinanderprallen von sehr unterschiedlichen Meinungen (24/7) hat sicherlich dazu beigetragen. Ich stelle mir aber auch die Frage, ob wir alle, die mit TNG, DS9, VOY und ENT großgeworden sind, zu engstirnig und zu unaufgeschlossen zu etwas Neuem geworden sind? Oder liegt das nicht am Alter, sondern an der generellen Veränderung der Gesellschaft? Ich habe früher nicht über so etwas nachgedacht – das ein Schwarzer Mann und ein Frau Captain wird, dass sich zwei Frauen lieben (Dax), es war einfach egal. Heute spüre ich (auch ohne Social Media Nutzung) ständig die Moralkeule im Nacken und merke, dass ich schneller wütend werde, was mich selber nachdenklich stimmt. Das Simon in der zuletzt besprochenen VOY-Folge Paris als übergriffig bezeichnet hat, als er an der Bar mit
B‘ Elana geflirtet hat, hat mich sehr beschäftigt und ich spürte direkt wieder die Moralkeule im Nacken. Für mich war das sehr charmant und angemessen von ihm. Er hat sie weder unsittlich berührt noch hat er „schmierige“ Bemerkungen gemacht. Im Gegenteil fand ich es großartig mal wieder Menschen zu sehen, die sich offline näherkommen (ohne sich im Sekundentakt in diversen Apps wegzuwischen immer auf der Suche nach jemand besseren).
Persönlich bin ich froh, dass ich selbst entscheiden kann, ob ich mir Kommentare und Meinungen im Internet antun muss. Für euch, Simon und Sebastian, aber auch für die anderen Teilnehmer des Casts ist es vielleicht auch Teil des Jobs euch dort aufzuhalten, was wahrscheinlich nicht immer leicht ist. Deshalb finde persönliche Begegnungen mit euch und den Fans in der Offline-Welt (FedCon, Lesungen, Kinoabende…) viel wichtiger und schöner :-*
Hey Nils, danke für Deinen Kommentar. Gehört zwar nicht wirklich hierher, aber ich habe mir die Passage nochmal angehört, in der wir über Tom und B’Elanna in Real Life sprechen, falls Du die meinst. Ich kann ehrlich gesagt absolut nicht nachvollziehen, wo Du da eine Moralkeule heraushörst, aber wenn das so ist, dann kann ich Dir versichern, dass ich das so nicht gemeint habe. Ich benutze das Wort „grenzüberschreitend“ und nicht „übergriffig“, tue das aber in einem humorvollen Tonfall und anschließend sage ich im Wortsinn, dass das bei den beiden doch voll passt. Ich bin ungefähr der letzte, der große Moralkeulen schwingt oder schwingen möchte, gerade zum Thema Kennenlernen auf der Arbeit. 🙂 Ich hab meine Frau offline im Büro kennengelernt und bin seit fast 12 Jahren glücklich verheiratet. If you feel it, go for it.
(edit) Zum anderen Punkt, bei dem Du das Gefühl hattest, dass wir im zweiten Teil quasi nicht hart genug miteinander diskutiert haben: Das kann man so sehen, aber es ging auch ein Stückweit darum zu zeigen, dass man andere, vernünftig vorgetragene Ansichten einfach auch mal aushalten kann, ohne direkt „zuzubeißen“. Am Ende ist es Geschmacksache und es trifft ja jeder selbst die Entscheidung, ob ihm die Serie zusagt oder nicht, ganz egal, was da irgendwelche Leute im Internet diskutieren. Mit gefällt SFA immer noch nicht, freue mich aber für jeden, der da was Gutes rausziehen kann und verstehe nach unserem Gespräch besser, was den Fürsprechern an der Serie gefällt.
„Ich habe früher nicht über so etwas nachgedacht – das ein Schwarzer Mann und ein Frau Captain wird, dass sich zwei Frauen lieben (Dax), es war einfach egal.“
Wärst du damals nicht jung gewesen, hättest du es sicher nicht so locker gesehen. Mit dem Alter kommt ein Konservatismus schnell automatisch und jetzt sind eben die früher jungen Trekker alt – und meckern über New Trek oder wählen gar Trump oder AfD.
Eine nette Diskussion, in der es weniger um Academy ging, als um Fanreaktionen allgemein. Tatsächlich hatte ich mich schon länger über erstaunlich positive Kommentare zu New Trek in Internetartikeln gewundert. „Erfrischend neu, technisch gut gemacht, spricht wichtige Themen an“. Gänzlich unerwähnt waren dabei sachliche Gegenargumente, wie Plotlöcher, unsympathische Charaktere und schlechte Charakterentwicklung. Aber, okay habe ich mir gesagt, die arbeiten halt mit Paramount zusammen, die beissen die Hand nicht, die sie füttert. Und, ja, Toxizität gibt es auf beiden Seiten, von „linksgrün versifft und woke“ bis „alles Bots und Hater“. Selbst YouTuber, die noch recht sachlich und moderat darüber gesprochen haben, dass ihnen Academy nicht gefällt, wurden da namentlich genannt.
Discovery war in meinen Augen ein verunglücktes Reboot, das unter dem Deckmantel eines Prequels daherkam, was es für mich nur noch schlimmer macht. SNW ist immer noch ein Reboot, mit neuen Darstellern und neuem Design, das irgendwie unentschlossen zwischen Fanservice und Fanvera…lberung schwankt (Weltraumabenteuerstunde). Der Zeitsprung war das Beste, was die Macher tun konnten. Dann aber kam der Burn dazu, was ebenfalls viele Fans genervt hat. Darunter leidet natürlich auch Academy. Und Picard – das sind einfach nur Jean Lucs Albträume.
Viele Kritiker scheinen nicht nur das alte Star Trek zu idealisieren, sondern auch Academy an diesem Bild zu messen, obwohl es sich mit dem Zeitsprung und dem Burn explizit vom alten Trek absetzt. Ja, es ist für eine neue Generation geschrieben, für eine neue Zeit und Weltlage. Ja, vieles muss man sich vor dem Hintergrund dieses Zeitsprungs zurechtreimen oder einfach denken. Ja, Star Trek war von Anfang an politisch, wir hier haben bloß nicht auf dem Schirm was damals aktuell war, der Rassismus, der Krieg in Asien. Und nein, Science Fiction ist nicht über die Zukunft, sondern von Autoren von heute für Leser und Zuschauer von heute gemacht.
Da kam die Frage auf, ob Star Trek nun eine Utopie wäre, oder nur eine Abenteuerserie. Star Trek war beides gleichzeitig. Durch die Abenteuergeschichten zog sie Publikum an und stellte damit die Senderchefs zufrieden, durch die Utopie wurde sie gesellschaftlich relevant. Dass diese Utopie nicht perfekt war kam auch in verschiedenen Folgen vor. Wenn jetzt bei TAD die Resonanz nachlässt ist, glaube ich, genau das, was damals nach dem Ende von TNG passierte. DS9 wurde manchen zu düster, VOY wurde langsam belanglos. Und ENT fing zu verwirrend an mit dem temporalen kalten Krieg. Diese Utopie, dieses „Heile Welt Gefühl“, scheint vielen Kritikern heute zu fehlen.
Die Rückgriffe auf das alte Trek sind immer auch ein Risiko. Der Grat zwischen Plotelement und Fanservice ist schmal. Über Sisko schrieb jemand, er habe doch in der letzten Folge DS9 gesagt, er käme wieder. Nun hieß es, niemand habe ihn wieder gesehen. Da kann ich schon verstehen, dass einige alte Autoren nicht zufrieden waren. Aber über die Ausrichtung einer Serie entscheiden nun mal die Produzenten, nicht die Autoren.
Mein Fazit: Es gibt Argumente für und gegen die neue Serie. Bis jetzt klingt es sogar, als ob es die beste der neuen Trek Serien wäre. Neben Lower Decks. Aber die Diskussion dazu scheint mir auf beiden Seiten etwas einseitig zu verlaufen. Heute Abend soll ja die Sendung von SciFiNews kommen, bin gespannt, was die wieder zu sagen haben.
PS, die Star Wars Serien Der Mandalorianer und Skeleton Crew kamen mir mehr wie Star Trek vor als Discovery. Ein Team, das auf Abenteuer geht, fremde Welten entdeckt und vor moralischen Fragen steht.
Hallo,
das Argument, Kritiker und Journalisten würden „die Hand nicht beißen, die sie füttert“, lese ich öfter, und sie könnte falscher nicht sein.
Erstens bezahlt Paramount niemanden von uns, zweitens bekommen die Menschen, die auf YouTube Rageviews veröffentlichen, dieselben Screener. Hinzu kommt: Simon und Sebastian mögen zum Beispiel SFA nicht und verdienen ebenfalls Geld mit Star Trek.
Tatsächlich lässt sich sogar heute mit Rageviews wesentlich mehr Geld verdienen als mit einem Star Trek-Buch, es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Negativismen wesentlich mehr Klicks erzeugen, als Positivismen. Mehr Klicks bedeuten aber auch mehr Werbeeinnahmen und eventuelle Fanshopkäufe, die viele YouTuber und andere Influencer betreiben. Wenn Star Trek im Print so viel Kohle machen würde, wäre CrossCult mit der Sparte nicht in Schieflage geraten. Inzwischen ist der Verlag ja an Random House gegangen.
Spannende Folge – ich glaube aber in der Grundanlage macht sie einen „Fehler“ wie viele Talk Formate im Fernsehen – es gibt zu viele Diskutanten. Ich glaube das Gespräch / Diskussion wäre noch gehaltvoller / tiefer geworden hättet ihr euch auf eine Person die Academy „verteidigt“ beschränkt.
Ihr spracht zurecht von den toxischen Diskussionen in Social Media – obwohl ist, die Wirkmechanismen hinlänglich erforscht sind, werden kaum Schritte unternommen der Entwicklung etwas entgegenzusetzen.
Im politischen Talk im TV finde ich es noch krasser: da ist der Krawall fester Bestandteil des Konzepts – was ich bei einem Privatsender noch aufgrund des ökonomischen Zwangs verstehen würde, lässt mich bei ARD und ZDF ratlos zurück. Der Erkenntnisgewinn des Polit-Talks liegt bei Nahe 0 und entsprechend verharrt die politische Debatte in Oberflächlichkeit. Wenn man sich altes Fernsehen anschaut und sieht was ein Günter Gaus (zur Person) aus TV Interviews herausgeholt hat, wird einem erst klar, was da verloren wurde.
Aber ich schweife ab – das stärkste Argument (im Sinne, dass es mich nachhaltig beschäftigt) dieser Folge war für mich, ob man als Anhänger des klassischen Treks nicht durch Nostalgie per Default gegenüber den neuen Serien in einer Falle sitzt. Den Punkt finde ich echt spannend und ich hatte den Eindruck beim Hören das ist Sebastian und Simon ähnlich ergangen. Vielleicht findet sich in Zukunft ja noch eine Gelegenheit drauf zu reflektieren.
In jedem Falle alle Diskutanten ein dickes Danke für das Teilen der Standpunkte und spannende Diskussion.
Das mit der Nostalgie würde ich verneinen. Ich will ja gar nicht Altes neu aufgewärmt, sonst würde mir ja beispielsweise The Orville gefallen.
Ich wünsche mir was radikal Neues, komplex erzählt, vielschichtige Charaktere, Ambivalenz statt Vorgekaut. Star Trek als smarter und anspruchsvoller Trendsetter, bei dem sich andere Franchises fragen müssen, warum sie eigentlich nicht auf dem Level erzählen.
Dieses Jahr habe ich schon einige Filme aus den 2020ern gesehen, bei denen ich dachte: Da, genau *da* muss Star Trek hin. Und sich nicht stattdessen in Comicbuchhausen verlieren.
Um nur eine Handvoll dieser Filme zu nennen: Saint Omer, Die Saat des heiligen Feigenbaums, Amrum, Für immer hier und Die Unschuld. Alles Banger, die sich Kurtzman & Co. gerne anschauen und zu Herzen nehmen dürften. Und natürlich auch die Anschau-Empfehlung an alle Roddenbärchis. Das sind Filme, die bleiben tagelang in einem und resonieren.
Ich befürchte, dafür ist die Marke Star Trek zu alt und etabliert. Etwas Neues kommt hier nicht mehr, da muss man sich wohl außerhalb umschauen- z.B. beim zukunftsbejahenden For All Mankind. Da leben auch manche Macher von Star Trek weiter.
Hallo Sebastian,
So unterschiedlich können die „Erwartungen“ an StarTrek sein. Mir persönlich gefallen (einige) der neuen StarTrek-Serien . Trotzdem schaue ich im Zweifelsfall die „klassischen“ , mit denen ich aufgewachsen bin.
Eine Entwicklung von StarTrek in die von dir gewünschte Richtung würde mir vermutlich aber nicht gefallen.
Auch wenn ich keinen der von dir genannten Filme gesehen habe , haben mich die Inhalte auch nicht bewogen, sie mir anzusehen. Ich befürchte, sie wären mir zu anstrengend. Und ich genieße die Leichtigkeit, die mir StarTrek oft bietet.
Und obwohl „Wem gehört Data“ zum Besten gehört, was ich aus TNG kenne, mag ich auch die die Teile, die unlogisch sind, aber einfach Spaß machen.
Aber ist das nicht das, wofür StarTrek stehen sollte:
Jeder kann sich das aus der Geschichte herausziehen, was ihm am Besten gefällt.
Und wenn der aktuelle Teil nicht gefällt: Der nächste kann schon wieder einen DeKelly wert sein.
StarTrek ist für mich Offenheit, Freiheit und Akzeptanz.
huhu, ich höre euch schon lange und bin ja eher so der passive Genießer. und bei den ‚lange-mal-mal-schnacken’folgen bin ich nur seeeehr ausgewählt dabei. die sind toll! nur eben muss da für mich alles passen. hier dachte ich: joaaa, schön aber kann ich skippen. eine Schlaflose Nacht und Sehnsucht nach euren Unterhaltungen haben mich doch dazu verleitet und das so sehr, dass ich mich melde: danke! danke für den tollen schnack! für die tollen Gäste! für das tolle Gespräch,dessen Gast ich nun sein durfte. ich habe mich nie zuvor über Schlafprobleme gefreut, heute bin ich glücklich, dass sie mir eure tolle folge beschert hat!
In der aktuellen Podcast-Folge zum Thema Diskussionskultur wurde für mich sehr deutlich, warum konstruktive Debatten mit manchen Menschen schlicht nicht funktionieren. Besonders ein Teilnehmer – dessen Namen ich leider nicht kenne – fiel dadurch auf, dass er andere Meinungen schnell als „Unrecht“, „falsch“ oder „unrichtig“ bezeichnete. Genau darin liegt jedoch das Problem: Eine Meinung ist per Definition kein Fakt und kann daher auch nicht „unrichtig“ sein, sondern höchstens anders oder nicht geteilt.
Statt eines offenen Austauschs entstand so der Eindruck, dass hier jemand seine Position unbedingt durchsetzen wollte, während abweichende Sichtweisen kaum als legitim anerkannt wurden. Paradoxerweise wurde damit ausgerechnet in einer Sendung über Diskussionskultur demonstriert, warum unsere gesellschaftlichen Debatten oft festfahren: Nicht wegen mangelnder Höflichkeit – die Gesprächsführung blieb durchweg zivilisiert –, sondern wegen mangelnder Bereitschaft, andere Perspektiven als gleichwertig gelten zu lassen.
Gerade deshalb wirkte der Podcast selbst wie ein unbeabsichtigtes Beispiel für den Zustand unserer aktuellen Gesprächskultur. Selbst Menschen, die diese eigentlich analysieren oder verbessern wollen, sind mitunter Teil des Problems. Solange Meinungsvielfalt nicht als Stärke, sondern als Fehlerquelle betrachtet wird, bleibt echter Dialog schwierig.
Ich denke, die Wut im Internet – um mal bewusst eine Gegenposition einzunehmen – kommt daher, das die westliche Unterhaltungsindustrie immer kopfloser erscheint. Es fehlen Visionen, es fehlen Autoren und Regisseure, die Anspruch und Massentauglichkeit verbinden können, es fehlen Studios, die ihre Entscheidungen nicht nach dem letzten Test-Screening und den Umfragen der Marketingabteilungen ausrichten.
Und so muss man als Nerd erleben, wie ein Franchise nach dem anderen in den Sand gesetzt wird. Star Wars atmet kaum noch, das Marvel MCU ist am Ende, Amazons Mittelerde ist abgebrannt, etc. Und Star Trek sieht auch nicht besser aus. Fakt ist, dass Star Trek Academy auf dem hauseigenen Streamingdienst Paramount+ weit abgeschlagen zu finden war. Und auch sonst ist es um Fantasy und Science Fiction in Film und Serie nicht gut bestellt.
Aber es gibt Lichtblicke, so wie Tony Gilroy’s Andor Serie oder Knight of the Seven Kingdoms. Serien, die – auch im Internet – wahnsinnig viel Lob erhalten und durch word-to-mouth in den Zuschauerzahlen sogar deutlich anstiegen.
Aber das sind leider seltene Ausnahmen. Dahinter stehen v.a. Menschen – so wie Tony Gilroy – die eine klare Idee haben, und diese meisterlich mit filmischen Handwerk verbinden können. Doch von denen gibt es heute zu wenige. Oder man lässt sie nicht mehr so machen, wie sie wollen.
Und dann schaut man sich New Trek an – Discovery, Picard und wie sie alle heißen – und sieht bestenfalls Mittelmaß. Mittelmaß in Storytelling, Mittelmaß im filmischen Handwerk. Manchmal ein paar Lichtblicke, oft aber auch deutlich unter Mittelmaß.
Und ja, da kommt dann schon mal Ablehnung, Wut oder Sarkasmus hoch. Wenn man heute das Gefühl hat, man bekommt „Content“ vorgesetzt, um das Abo des Streamingdienstes zu verlängern bis zum nächsten „Content“.
Wenn man so alt ist wie ich und dann an die 80er und 90er zurückdenkt … zum Beispiel 1994: Forrest Gump, Pulp Fiction, The Shawshank Redemption, Léon – Der Profi, True Lies, Four Weddings and a Funeral, Natural Born Killers, Interview with the Vampire, Ed Wood, etc. Was für Filmjahre durfte man damals erleben!
Und heute? Oft nur noch hingerotzter Marketing-Content, erstellt durch auswechselbare Schreiberlinge, die keine Ahnung haben, über was sie da eigentlich schreiben. Es ist so ermüdend.
Ja, der Ton macht die Musik, und Beleidigungen sind zu unterlassen. Aber ich lasse es mir nicht nehmen, den größten Teil des New Trek Universums klar und bestimmt abzulehnen. Auch mit Sarkasmus und Wut.
„Ich denke, die Wut im Internet – um mal bewusst eine Gegenposition einzunehmen – kommt daher, das die westliche Unterhaltungsindustrie immer kopfloser erscheint“
Als Animefan kann ich dir sagen: Die Lage sieht auch in anderen Unterhaltungsbereichen nicht besser aus. Da ist es auch wenig förderlich, dass der moderne Streamingmarkt dafür sorgt, dass ständig Nachschub im Trog landen muss. Serien haben auch kaum noch Zeit, richtig zu wirken und sich zu entwickeln. Blöd gesagt: Ich hatte früher eine Woche Zeit, um eine Folge auf mich wirken zu lassen und mit Freunden darüber zu reden. Mein Patenkind kann täglich zwölf Stunden Serien schauen und wird trotzdem nie wirklich „fertig“ mit dem Angebot – trotz Disney+, Amazon Prime, Netflix, Crunchyroll & Co. Ich bin mal gespannt, in wie weit die Serien überhaupt bei der Generation noch im Gedächtnis bleiben wird. Früher sahen wir ja Serien zigmal und auch bei jedem Mal nicht alle Folgen.
Moin zusammen,
ick weeß jar nich wo ick anfang‘ soll, wa! Erst mal Danke für diese tolle illustre Runde. Auf SFA hatte ich mich gefreut, flugs die billigste Aboversion gestartet für 8 Wochen und war in froher Erwartung. Nach der ersten Folge dachte ich „was war das denn?“ Zu meiner großen Überraschung waren Claudia und Björn, Andreas und Sebastian S. sehr angetan und ich begann an meinem Geschmack zu zweifeln. Hatte ich das Begeisternde etwa übersehen? Meine Suche im Netz führte mich zu zahlreichen Rezensionen z.B. auf Youtube, die eher meine Sicht widerspiegelten, und nein – ich würde es nicht „Haten“ nennen, sondern bei englischsprachigen und deutschen Youtubern gab und gibt es durchaus zahlreiche nachvollziehbare Logikchecks und begründete Meinungen. Der Begriff „Hater“ wurde auch auf PlanetTrekfm genannt im Verlauf weiterer Besprechungen, als klar wurde, dass offenkundig die negativen Kommentare im Netz überwiegen, was mich wunderte und ich begann mich innerlich gegen einen sich mir aufdrängenden „Gutfindezwang“ zu sträuben, dem nicht zu folgen bedeutete mir die Star-Trek-Kompetenz (oder -Liebe) abzusprechen. In diesem Zusammenhang wäre ich brennend an Simons Kritik-Liste interessiert *lg*. Sebastian, hast nicht doch Lust bekommen SFA zu gucken? Lust und Leid liegen doch gar nicht so weit auseinander, und Eure schönsten Besprechungen gab es für meinen Geschmack immer dann wenn ein Filmwerk unterirdisch war…
Zuerst einmal soll eine unterhaltsames TV-/Kino-Filmwerk emotional berühren, was Star Trek immer oder meistens vollbrachte, darüber hinaus hat es auch häufig den Intellekt angesprochen und Inspiration versucht, was es doch so unverwechselbar macht und für mich den Markenkern des Franchis ausmacht. Es tut mir Leid, auch bei Hirnabschaltung berührt mich SFA nicht. Ich kann bei keinem Charakter andocken, sie sind mir egal, ich kann mir nicht mal die Namen merken und habe gerade die Cast/Character-List aufgerufen.
Als Boomer der TOS-Ära bin ich nicht Zielgruppe, habe ich gelernt. Ich kann und möchte mich aber nicht mental-verjüngen in mein 14jähriges Ich um SFA gut finden zu können, das klappt einfach nicht. Gute Unterhaltung kann gleichzeitig verschiedene Altersgruppen ansprechen. Wo wir schon Holly Hunter dabei haben, fallen mir da die „Incredibles“ ein wo sie Helen Parr spricht, wo ich zahlreiche Adult UND Teen Jokes finde, jedoch ist Frau Jäger dort noch längst nicht so vernuschelt wie aktuell. Was ist nur los? Neue dritte Zähne? Kein Diss, aber ich finde sie nuschelt extrem. Zielt man aber ausschließlich auf ein neues junges Publikum, droht man das alte zu verlieren, und ich denke dass die treue Fanbase von Star Trek für Paramount extrem wertvoll ist, das dürfte außer Frage stehen. Wenn man noch einen Aspekt wie Merchandise hinzu zieht finde ich es extrem fahrlässig die sehr viel zahlungskräftigere Klientel nicht mehr – oder viel weniger – zu adressieren, allzu bald wollen wir Alten Säcke doch nun auch nicht zu den Propheten gehen.
Warum mir SFA nicht gefällt: ich möchte keinen Roman schreiben, neben der fehlenden emotionalen Ansprache sind es unzählige Aspekte. Ja, Nahlas Fläzen im Sessel stieß mir sofort als unpassend auf, die ständigen Barfußnummern – nur grotesk. Es wirkt auf mich nicht wie ein nachvollziehbares Verhalten. Nein, so benimmt sich vermutlich auch in 1200 Jahren keine Führungspersönlichkeit mit respektablem Status. Ich höre immer der Jugendsprech sei gewählt weil er aufs heutige Publikum ziele, beim Verhalten jedoch wird oft interpretiert, dass es in ferner Zukunft auch ganz anders aussehen könne. Ja, wat denn nu?
Anisha kommt in den Knast, unter anderem wegen Nahrungsklau. In einer Welt mit Replikatoren. Aha. Caleb, eben noch ein traumatisiertes Kind, weiß aber wie man mit einem Combadge eine Schleuse öffnet und entkommt als Steppke auf fast Nimmerwiedersehen im Sandsturm. Holla die Waldfee, ein Wunderknabe mit Teddybär. Schwupps, wandelte er sich zu einem Muskelpaket dessen Bizeps & Co. in jeder Episode prominent – und gern eingeölt – vorgeführt werden müssen. War die unsägliche Massage-Öl-Party von T’Pol und Kollegen nicht schon genug in dieser Form? Der Knasti hat im Bau offenbar extrem gut und schnell gelernt wie man x Wachmänner lahm legt, Kraftfelder zu deaktivieren durch Gegnerhineinpressen (wow!) und wie man ein Gefangenen-Shuttle stabilisiert das quasi schon abstürzt. Ich bin beeindruckt. Später wissen wir dass man in Haft auch Meister-Hacker aller Föderationssysteme wird. Sam – photonisches Wesen – ist mal phaser-immun, dann macht sie Luftblasen und als Data Reloaded (ich möcht so gern wissen was ein Mensch ist) muss sie Bücher lesen und hat als IT-Programm offenkundig keinen lichtschnellen Datenzugriff. Superdupersmarte Genesis träumt, kaum in der Schule, vom Captain’s Chair, und – wie lustig – die Feinde vom War College (was soll das nur, sollten solche albernen Rivalitäten bei dieser selektierten Best of the Best nicht überwunden sein?) pranken mit Überraschungs-beamen, die Rache folgt durch wuchernde Säuselpflanzen – und der Plot war sowas von vorhersehbar. Es geht in Belanglosigkeit weiter für meinen Geschmack, der ödeste aller je gesehenen Hochzeitsversuche auf einem Stehlampenplaneten, und rein zufällig ist die Prinzen- und Prozessinnendichte extrem hoch, würde ich sagen. Ach, ja: Jay-Den als schwuler Klingone im Röckchen und Hobbyornithologe, dessen Stimme elektronisch Richtung Bass getrimmt werden musste weil der Darsteller mich eher an den anspruchsvollen Kunden im Café Korten erinnerte. Bitte nicht falsch verstehen: Diversität und Inklusion – ja bitte. Ich als Teil der LGBTQI+Kumjunitie rannte schon 1979 auf dem ersten CSD herum, da hieß er noch Gay Pride Day oder so und ließ mich von erschreckten Hausfrauen begaffen, um unsere Rechte als Minderheit nach vorn zu bringen. Wenn es plakativ mit dem Holzhammer und mit Neonpfeilen und LED-Laufband daher kommt, mag ich es nicht mehr. Das ist mir zu sehr „vor den Latz geknallt“. Recht beiläufig wurde die Beziehung von Culber und Stamets eingeführt in DSC per Zähneputz-Szene, was ich angemessen fand. Hier kommt es mir vor wie eine Zirkusdarbietung. Zwei Lesben, zack. Zwei Schwule, zong. Und zwischen Jay-Den und Darem knistert es ständig homoerotisch. Ich muss mich beim Gucken ständig fragen: warum macht ihr denn das jetzt? Der Fußfetisch findet seine Fortsetzung in Renos Zeh, und das Ding mit der schleimenden Warpschnecke – sorry, ich habe mir immer so viel Mühe gegeben mich amüsieren zu lassen, aber es hat überhaupt nichts gezündet, ich fühlte mich immer so wie in eine emotionale Geisterbahn gesetzt: ach, pass auf, jetzt gibts eine Linkskurve, und dann wartet da das Skelett im Sarg. Richtig.
Faktenfehler, Ungereimtheiten, Widersprüche, endlose Expositon-Bösewicht-Monologe des Nus Braka, der mal eben mit kurz zigtausende Kubiklichtjahre vermint und sich durch schieres Kasperltheater den Warp-Klau vereiteln lässt. Och, nee. Fan-Service kann Spaß machen wenn subtil und intelligent platziert. War nicht Lower Decks voll davon? Wenn, dann sollte man detailgenau arbeiten. Der Doktor verhunzt das berühmte Picard-Zitat vollkommen und (re)produziert einen Satz der null Sinn ergibt. Absicht? Nachlässigkeit? Desinteresse?
Die filmischen Stilmittel finde ich nach mehreren Episoden sterbenslangweilig. Irgendwie ist in San Francisco gerade immer Sonnenauf- oder Untergang. Stehts flutet das güldene Gegenlicht durch die Akademie. A propos… als Claudia anhob sich zu wünschen einen Erdenalltag in der Föderation zu sehen, da wusste ich dass Sebastian sofort anspringen würde. Volltreffer. Aber jetzt sind wir doch auf der Erde, in der ikonischen Stadt der Bay Area, und – leider war zu erwarten, dass wir davon nichts sehen als ein paar ferne CGI-Silhouetten. Tja, wenn man in Toronto filmt… da geht eben nur kahler Winterwald oder Steinbruch inklusive Atemfahnen… aber eine schwebende Cable Car oder eine Clam Chowder aus dem Fisherman’s-Wharf-Replicator sollten auch im Studio funktionieren, oder? Sehr schade, dass bei 10 Mio. USD pro Folge nicht mal ein Trip nach Nordkalifornien drin war. Ob wir da noch was sehen werden? Ich werde es nicht weiter gucken, keine weitere Staffel, kurz nach dem Auftauchen von Tilly gab ich auf.
Ich hoffe, dass ich genug nochvollziehbare Gründe benannt habe (es gäbe noch viel mehr) die mich dieses Serie unattraktiv finden lassen, um nicht als „liebloser Hater“ durchzugehen. Auch bezweifle ich dass SFA ein solches andauerndes Serienleben über viele Jahre entfalten wird wie es TOS, TNG und DS9 noch konnten. Bei jeder neuen Serie hatte ich Startschwierigkeiten, weil sie anders war. Nach zwei bis vier Folgen war ich aber immer „drin“. DSC und PCD gingen noch gerade so, waren jedoch oft auch schmerzhaft zu ertragen. Nun aber SFA, geht für mich gar nicht.
Hintergrundwissen zu Star Trek – immer gern. Ein tolles Sach(hör)buch ist doch TaD, denn was speziell Sebastian da an Anekdötchen, Deftigem und Wissenswertem ausgräbt, das hat schon tolles Staun-Potenzial. Danke noch mal für diese immer wieder erquicklichen Rechercheergebisse!
Wenn die Ära des Alex Kurtzman nun endete wäre ich ehrlich gesagt froh. Ich muss mich dem Urteil vieler Youtuber anschließen und finde, dass er Star Trek nicht besser gemacht hat. Wenn ich mir einen vorstellen kann der ein riesengroßes Herz für Star Trek hat… Seth McFarlane. „The Orville“ holt mich dreimal eher ab als Starfleet Academy…
Der lieben Claudia gönne ich ihre sonnige Hundewiese, die sich bestimmt auf Risa befindet. Erbsenzählerisch will ich nur als alter Astronomie-Laie noch hinzufügen, dass die Planetenabstände (und auch die der Sterne) sich innerhalb einer Galaxie durch die Expansion des Universums nicht vergrößern. Gravitation überwiegt Dunkle Energie. Risa bleibt also in Warpable Distance, zum Glück. Ich höre Claudia schon glockenhell rufen: „Hi, Dax! Hi, Worf!“
Als jemand, der SFA bisher nicht gesehen hat:
Darf ich fragen, um welches Picard-Zitat es geht und in welcher Weise es dann verhunzt wurde?
Moin, das korrekte Zitat lautet:
„With the first link, the chain is forged. The first speech censured, the first thought forbidden, the first freedom denied, chains us all irrevocably.“
Des Doktors Rede vor den Kadetten:
„With the first link, the chain is forged. The first speech is censured, the first thought forbidden, us all, irrevocably.“
Ich frage mich echt was das soll. Weder ist das Zitat vollständig noch ist er grammatikalisch korrekt, es fehlt das Prädikat. Will man andeuten dass der Doc fehlerhaft läuft? Da gäbe es andere Optionen als so ein so bedeutsames Zitat zu verhunzen welches zudem gerade in aktueller politischer Lage in großen Leuchtbuchstaben an die Haupteingänge aller Parlamente gepinnt werden sollte.
Ok, das ist wirklich schon ziemlich daneben! 🙁
Ich bin in vielerlei Hinsicht anderer Meinung als du, finde deine Argumente aber nachvollziehbar und gut vorgetragen. 🙂 Danke dafür.
Was YouTube anbelangt, bin ich persönlich sehr vorsichtig geworden. Wenn Menschen ihre Überschriften geradezu mit Negativismen pflastern, ist überdeutlich, dass diese in erster Linie auf Klicks abzielen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass gezielt nach Fehlern und vermeintlichen Fehlern gesucht wird. Im Endeffekt spielt es dann keine Rolle mehr, ob die Kritik an sich immer nachvollziehbar ist, denn wenn man sie widerlegt, interessiert das die meisten Zuschauenden nicht mehr, schließlich ist die persönliche Meinung dann zementiert.
Bitte nicht falsch verstehen, ich meine damit nicht dich persönlich. Im Übrigen kann man deinem YouTube-Argument entgegenhalten, dass ein sehr großer Teil der professionellen Kritikerinnen und Kritiker die Serie positiv bewerten. Doch ich lese hier wiederum sehr häufig – das wurde mir selbst erst kürzlich massiv vorgehalten – unsere Zunft wäre schließlich käuflich. Das ist allerdings Unsinn, weil ich dir zahlreiche Vlogger nennen kann, die vermutlich mit dem Zerreißen SFA gerade wesentlich mehr Geld verdienen und dennoch das gleiche Material von Paramount erhalten.
Es muss last but not least nicht immer um Konsens gehen. Du magst SFA nicht, ich liebe die Serie, wobei ich ebenfalls seit 1972 Fan bin – und zwar ein leidenschaftlicher. Der Trick ist, dass wir uns dennoch respektieren können. Homophobie und Negativismen bis zum Abwinken muss und möchte ich hingegen nicht akzeptieren. Viele Kommentare zielen aber genau darauf ab, was letztlich nur dem Diskurs schadet. Das als Hate zu bezeichnen, finde ich dann absolut legitim.
LG
Reinhard
Lieber Reinhard,
ich habe länger drüber nachgedacht ob ich hier noch einen Wortbeitrag bringe, weil ich eigentlich online nicht diskutiere. Irgendwie lässt es mich aber nicht los. Mich nervt dieses Wort „homophob“, hier im Blog und auch im Podcast. Es wurde hier bereits und auch bei Scifinews von Sprache des Kulturkampfes gesprochen, dieses Wort ist so eines. Das ist m.E. purer Kulturkampf und das Niederbügeln anderer Meinungen.
Es ist zumal ein Wort, das überhaupt keinen Sinn ergibt. Niemand hat Angst vor Homosexuellen. Der Doctor war homophob, als er in Seven steckte und von einem Mann bezirzt wurde: Angst vor gleichgeschlechtlichem Sexualkontakt. Sich kritisch zum Thema Homosexualität zu äußern ist es nicht. Und es ist mitnichten so, dass dieses Thema völlig frei von berechtigten Anfragen wäre.
Ich habe hier im Blog bereits einen Beitrag von einem bekennenden Homosexuellen gelesen, der kein gutes Haar an der Darstellung von Homosexualität in SFA gelassen hat. War das homophob? Ich denke es wäre lächerlich so etwas zu behaupten. Nun, was wäre, wenn derjenige seine eigene sexuelle Ausrichtung nicht erwähnt hätte, wenn es wie das Wort eines „heteronormativen“ gewirkt hätte, wäre es dann homophob gewesen? So schwierig ist dieser Begriff.
Nun, also ich spreche auch als jemand, der dem eigenen Geschlecht zugeneigt ist. Im Gegensatz zu meinem Vorredner hatte mich die Serie Star Trek Enterprise gleich, als Trip in der DCon sein T-Shirt ausgezogen hat. Und wenn ich ehrlich bin hat es wahrscheinlich auch etwas mit Caleb Mirs Physis zutun, dass ich den Charakter von Anfang an mochte. Auch den Klingonen Jay-Den mochte ich von Anfang an. Und nun kommt aber der erste Kritikpunkt: ich brauchte mir nur das Instagram-Profil des Schauspielers anschauen und wusste wo die Reise hingeht. Was soll der Quatsch, das sind doch Schauspieler.
Dann zweitens, hatte Jay-Den seine niedliche Szene mit Kyle und schon ging es los, dass Karim Diané seine Figur als ersten Gay Klingon online feierte. Da gibt’s dann jetzt auch Interviews, in denen er sagt: „He is gay“. Das Problem ist, diese Wortwahl wird in der Serie an keiner Stelle benutzt und die Geschichte gibt das so auch nicht her. Bis jetzt sieht es so aus, als würde Jay-Den gemäß der Kultur seiner Familie leben. Sein Vater ist nicht gay, er lebt in einer Dreiecksbeziehung mit einem Mann und einer Frau zusammen. Bisher spricht nichts notwendigerweise dafür, dass Jay-Den schwul ist. Natürlich ist die optische Darstellung so gewählt, dass man es nur so lesen kann, denn natürlich hat der „Schwule“, drittens, ein Röckchen an und später sogar ein Ballkleid. Das finde ich mit Verlaub einfach schlecht. Klar können Männer Röcke tragen, ich sag nur TNG Staffel 1. Aber warum ausgerechnet er (und nur er)? Warum nicht der Doctor oder Caleb? Da wird mit Stereotypen gearbeitet und man schreibt sich Diversität auf die Fahnen. Das finde ich entlarvend. Das schmälert jetzt nicht mein Vergnügen an dieser Serie, aber es hinterlässt bei mir Augenrollen und Kopfschütteln. Ist das jetzt homophob?
Es ist leider heutzutage nicht mehr im kulturellen Bewusstsein aber der Schritt von (als Mann) „ich verliebe mich in Männer, ich suche sexuellen Kontakt zu Männern“ zu „ich bin schwul“ bringt einen Paradigmenwechsel mit sich, der erstens kulturhistorisch nicht besonders alt ist, den zweitens längst nicht jeder vollzieht und der drittens mit einer Jahrtausende alten Anthropologie bricht. Der Satz „ich bin schwul*“ (*setze ein was immer) macht aus emotionaler Disposition und Selbstwahrnehmung eine Identität und damit zu etwas Unangreifbarem. Gefühle werden zum Sein, das Tun wird zum Sein.
Jetzt kommt’s: diesen Paradigmenwechsel macht nicht jeder Mensch mit (noch nicht mal jeder davon Betroffene). Es gibt auch keinen Anspruch, dass andere Menschen ihn mitmachen. Dieser Paradigmenwechsel widerspricht im Übrigen auch wesentlichen Aussagen mindestens dreier Weltreligionen, soweit ich das beurteilen kann. Und somit können Menschen der Überzeugung sein, es bei praktizierter Homosexualität mit Sodom und Gomorrha zutun zu haben, weil es ihrer Ethik diametral entgegensteht. Ich halte es für Vermessen das mit „(latenter) Homophobie“ niederzubügeln. Das wird der Komplexität des Themas nämlich nicht ansatzweise gerecht.
Deshalb würde ich vorschlagen, nicht nur mit dem Wort Wutbürger sparsamer umzugehen, sondern auch mit dem Wort „homophob“.
LG
D E von Bajor
Hallo liebe TaD Community,
vorneweg, ich habe SFA ganz gerne gesehen. Es war für mich leichte, manchmal spannende und hin und wieder witzige Unterhaltung. Es gab Dinge die mich eher gestört haben, die völlig überdrehte Sam war mir leider nicht sympathisch und ich wurde nicht warm mit ihr. Den „Körperkult“ um Adonis Kaleb, nunja, ich dachte eigentlich solche Stereotype und deren Zurschaustellung hätten wir bei Star Trek überwunden. Seven bei Voyager war schon schlimm genug, hier macht Star Trek mit Männern weiter, naja.
Die Diskussion im Podcast hat mich etwas fragend zurückgelassen, war das wirklich eine konstruktive Diskussion, mit verschiedenen Meinungen, die respektvoll behandelt wurden. Im meinem Empfinden war es das größtenteils nicht. Mir kam es vor als wurden kritische Ansätze pauschal als „Hate“ und „Unsinn“ abgetan. Besonders von einem der „Pro“ Herren, leider weiß ich gerade den Namen nicht. Auch Claudia kenne ich eigentlich aus TrekFM etwas differenzierter. Wurde hier vielleicht die Wut auf eine oder mehrere (nicht anwesenden) Personen durch die drei Gäste katalysiert und dadurch ist eine nicht wirkliche konstruktive Diskussion entstanden. Kam mir irgendwie so vor.
Hallo Esther,
ich kann dir da wirklich zu 100 % zustimmen. Wenn das erklärte Thema eine „aktuelle Diskussionskultur“ ist — hier am Beispiel Star Trek — und dann drei externe Gäste auftreten und mit einer gewissen Selbstsicherheit oder auch Arroganz erklären, warum Diskussionen in Deutschland oder weltweit angeblich nicht mehr funktionieren, dann aber selbst in meinen Augen genau daran scheitern, wirkt das schon sehr grenzwertig.
Ich möchte niemandem zu nahe treten und auch nicht persönlich werden, aber für mich war diese Runde eher ein Paradebeispiel dafür, warum Diskussionskultur oft als problematisch wahrgenommen wird — und das bei einem vergleichsweise leichten Thema wie Star Trek. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie solche Gesprächsdynamiken bei wirklich kontroversen oder gesellschaftlich sensiblen Themen aussehen würden.
Mein Eindruck war häufig, dass einzelne Positionen sehr stark durchgesetzt werden sollten, während andere Sichtweisen eher wegargumentiert oder pauschal zurückgewiesen wurden. Wenn dann Begriffe fallen wie „stimmt nicht“ oder „unrichtig“, ohne dass wirklich Raum für unterschiedliche Perspektiven bleibt, fühlt sich das für mich nicht wie eine offene, respektvolle Diskussion an, sondern eher wie ein Schlagabtausch mit feststehenden Fronten.
Schade eigentlich — gerade Star Trek steht ja traditionell für Vielfalt an Meinungen, Perspektiven und für die Fähigkeit, trotz Differenzen miteinander im Gespräch zu bleiben.
Nun ja, wenn du anderen Menschen Arroganz unterstellst, weil sie deiner persönlichen Vorstellung von Diskussionskultur nicht entsprechen, spricht das für mich auch nicht gerade für einen Willen zum Diskurs. Damit begibst du dich entgegen deines erklärten Wunsches natürlich auf eine persönliche Ebene, die eine weitere sachliche Diskussion schwierig macht, Micha_sechzig.
Das ist wahrlich nicht persönlich und schon gar nicht böse gemeint, aber es ist schon interessant, dass du oben noch von einer Person sprachst, das aber verallgemeinerst, sobald du dich verbündet siehst. Das ist genau das, worum es Claudia im Podcast auch ging. Je mehr vermeintlich Verbündete man um sich schart, um so stärker fühlt man sich selbst und umso eher ist man bereit, (vermeintliche) Gegner zu kreieren. Denn warum sollte man mit jemanden in den Diskurs treten, wenn er doch ohnehin in der eigenen Wahrnehmung arrogant ist?
Diesen Eindruck kann man gerade in den sozialen Netzwerken sehr leicht von „beiden Seiten“ erhalten, weil ein zumindest sehr lauter Teil der Kritiken auf keinerlei Sachlichkeit beruht, das wird bei etwa Minute 24 übrigens thematisiert.
Das Problem daran ist, dass in solchen Fällen erstens gar kein Diskurs gewünscht ist, und zweitens die wirklich sachlichen Kritikpunkte (also nicht: „ein schwuler Klingone geht ja gar nicht“) viel zu oft untergehen.
Hinzu kommt, dass es eine signifikante Anzahl durchaus sachlicher Kritikpunkte gibt, die aber leider in (übrigens genauso titulierten) „Rageviews“ eingebettet sind, womit der Diskurs ebenso unmöglich wird, weil der Ersteller des entsprechenden Views auf Negativismen abzielt („Star Trek: Starfleet Academy ist eine Katastrophe“ etc.)
Andererseits gibt es natürlich auch die im Podcast angesprochene toxische Positivität, die ebenfalls nicht hilfreich ist („wer SFA nicht mag, ist homophob“).
Was das „Wegargumentieren“ oder „Zurückweisung von Argumenten“ anbelangt, gehört dies meiner Auffassung nach zum Diskurs und ist Teil der persönlichen Meinungsäußerung. Das bedeutet doch aber nicht, dass man konträre Meinungen nicht respektiert und jede andere Meinung stehen lassen muss.
Mangelnder Respekt beginnt meiner Auffassung dann, wenn man sich innerhalb eines Gesprächs auf die persönliche Ebene herunterbegibt (Minute 32 f.), nicht aber nur deshalb, weil man ein vorgetragenes Argument für falsch hält.
Liebe Grüße
Reinhard
Hallo Reinhard,
vielen Dank für deine Nachricht. Mir ist wichtig zu betonen, dass ich dir und deinen Kollegen nicht zu nahe treten möchte. Meine Kritik richtet sich trotzdem ausdrücklich an dich und die beiden Mitpodcaster, die in der Diskussion sehr präsent waren — nicht an Simon und Sebastian, die aus meiner Sicht teilweise eher wenig zu Wort kamen.
In meiner persönlichen Wahrnehmung wirkte vor allem die erste Phase des Podcasts so, als würde sehr klar definiert, was an der aktuellen Diskussionskultur problematisch sei. Ich möchte euch dabei nicht als Personen arrogant nennen — aber der Auftritt kam für mich in diesem Abschnitt arrogant rüber. Noch stärker fiel für mich jedoch ins Gewicht, dass die anschließende Diskussion für mich nicht wie ein Beispiel einer offenen und gesunden Diskussionskultur wirkte. Gerade weil zuvor sehr klar benannt wurde, was an heutiger Diskussionskultur problematisch sei, entstand bei mir der Eindruck, dass die eigene Gesprächsführung diesem Anspruch nicht durchgehend gerecht wurde. Das empfand ich als besonders unglücklich.
Ein Beispiel, das ihr in meiner Wahrnehmung dem nicht gerecht werdet, ist die Passage ab etwa 1:19. Dort erwähnt Sebastian, dass sich die Autoren von Deep Space Nine gewünscht hätten, eine bestimmte Entwicklung in Starfleet Academy anders zu gestalten. Kurz darauf fällt sinngemäß die Aussage, die Autoren hätten damit „Unrecht“ (1:20:40), und wenig später noch einmal, das stimme nicht (1:22:12). Für mich wirkte das sehr endgültig — gerade weil es sich um eine Einschätzung oder Interpretation handelt. Mir geht es dabei vor allem um den grundsätzlichen Punkt, dass man einer Meinung nicht zwingend widersprechen muss. Es handelt sich dabei um die persönliche Sichtweise der Autoren auf ihr eigenes Werk. Diese kann man natürlich anders bewerten, aber sie ist zunächst einmal ihre Meinung und Wahrnehmung — und die muss nicht unbedingt widerlegt werden.
Über den Abschnitt bis etwa 1:28 hinweg hatte ich den Eindruck, dass sich alle drei hauptsächlich daran beteiligt haben, dieser Meinung zu widersprechen. Für mich wirkte das daher weniger wie ein offener Austausch, sondern eher wie ein gemeinsames Zurückweisen einer bestimmten Perspektive, weshalb es sich in meiner Wahrnehmung nicht wie eine echte Diskussion angefühlt hat.
Mir geht es dabei nicht darum, dass man konträre Positionen unwidersprochen lassen muss. Aber ich persönlich habe den Eindruck, dass ein sehr kategorisches Gegenargumentieren oft dazu führt, dass sich Gesprächspartner nicht ernst genommen fühlen und der eigentliche Dialog verloren geht. Akzeptanz bedeutet für mich nicht zwingend Zustimmung, sondern die andere Sichtweise auch stehen lassen zu können.
Ich könnte dazu noch weitere Beispiele mit entsprechenden Timecodes nennen, da mir dieses Muster mehrfach aufgefallen ist. Dabei wurde aus meiner Sicht wiederholt einer geäußerten Meinung deutlich widersprochen bzw. gegen sie argumentiert. Persönlich halte ich es nicht immer für notwendig, Meinungen in dieser Form zu widerlegen, da dies aus meiner Sicht eher dazu beitragen kann, dass ein offener Austausch schwieriger wird und die Diskussionskultur leidet.
Dass ich den Auftritt als arrogant empfunden habe, ist daher keine persönliche Bewertung eurer Charaktere, sondern lediglich mein Eindruck als Zuhörer. Mir ist bewusst, dass Wahrnehmungen unterschiedlich sein können, und ich möchte damit niemandem böse Absicht unterstellen.
Viele eurer inhaltlichen Punkte fand ich durchaus nachvollziehbar und richtig — gerade deshalb ist mir dieser Kontrast besonders aufgefallen.
Viele Grüße
Micha
Hallo noch einmal,
danke für die Einordnung. Wie wir an dem obigen „Arroganz-Beispiel“ sehen, fällt es uns offensichtlich leichter, Menschen negativ zu konnotieren, die dem eigenen Weltbild in irgendeiner Form zu widersprechen scheinen.
Wenn ein Redner in einer Diskussion eine Meinung vorträgt, die ich nicht teilen kann, sehe ich aber ehrlich gesagt keinen Grund, diese unwidersprochen stehen zu lassen. Das wäre für mich kein Diskurs, sondern Stillstand, denn wenn der eine Diskutant Verständnis für eine Position einfordert, ist es nur fair, wenn der andere dasselbe Recht für sich in Anspruch nimmt. Der Trick liegt für mich darin, den eigenen Standpunkt nicht als alleinige Wahrheit zu deklarieren. Das fordere ich ja auch explizit im Podcast ein.
Wenn andererseits zum Beispiel die Forderung im Raum steht, Star Trek hätte Queer-Themen subtil zu verarbeiten, darf und muss ich dem meiner Überzeugung nach sogar widersprechen. Wie ich schon sagte: auch subtile Homophobie bleibt Homophobie, auch dann, wenn sie aufgrund anerzogener Gesellschaftsnormen latent vorhanden ist und daher nicht unbedingt böswillig sein muss.
Wir hatten den Zuhörerinnen und Zuhörern gegenüber allerdings den Vorteil, uns ins Gesicht sehen zu können, womit eine Interpretation des Gesagten wesentlich leichter ist, als für einen Außenstehenden. Ich verstehe daher sehr gut, dass bei dir und Esther der Eindruck entstand, dass Sebastian und Simon stellenweise überfahren worden wären. Ich lehne mich mal aus dem Fenster, und behaupte , die beiden haben das nicht so empfunden.
Dennoch hast du da einen nachdenkenswerten Punkt, den ich für mich als Person näher unter Lupe nehme. Wir alle sind schließlich nur Menschen und niemand von uns ist perfekt. Dazuzulernen kann daher nur gut sein.
Liebe Grüße
Reinharad
Hallo Reinhard,
vielen Dank für deine ausführliche und reflektierte Antwort.
Mir ist noch einmal wichtig klarzustellen, dass es mir wirklich nicht um eine persönliche Bewertung von euch als Menschen geht und ich euch keinesfalls beleidigen oder angreifen möchte. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass sich für mich das Wort „arrogant“ weiterhin am treffendsten anfühlt — bezogen ausschließlich auf den Auftritt in diesem Podcast und nicht auf euch als Personen. Mir geht es dabei um die Wirkung, nicht um eine Charaktereinschätzung.
Deine Argumentation kann ich grundsätzlich gut nachvollziehen. Natürlich ist es legitim, einer Meinung zu widersprechen. Aus meiner persönlichen Sicht entsteht jedoch ein Problem, wenn das Gegenargumentieren so dominant wird, dass die andere Perspektive kaum noch Raum bekommt oder — bewusst oder unbewusst — abgewertet wirkt. Ab diesem Punkt wird ein echter Diskurs schwierig, weil sich das Gegenüber schnell nicht mehr verstanden fühlt und innerlich „zumacht“.
Deshalb halte ich es für wichtig, manche Positionen auch einfach einmal stehen zu lassen, selbst wenn man sie nicht teilt. Akzeptanz bedeutet für mich nicht Zustimmung, sondern die andere Sichtweise als legitime Perspektive anzuerkennen. In meiner Wahrnehmung haben Simon und Sebastian das getan, während die drei Gäste häufiger sehr deutlich dagegen argumentiert haben.
Ich persönlich hätte in einer solchen Situation vermutlich direkter reagiert und wäre während der Aufnahme auch einmal dazwischengegangen, gerade bei bestimmten Formulierungen. Das ist aber auch eine Frage des Temperaments — ich bin da eher der direkte Typ.
Zum Thema Starfleet Academy noch kurz meine eigene Perspektive: Ich würde mich selbst eher zu den konservativen Star-Trek-Fans zählen. Ich bin 34 und habe Star Trek relativ spät entdeckt, kenne inzwischen aber die klassischen Serien sehr gut und stehe den neueren Produktionen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber. Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen an Academy, auch aufgrund der vielen kritischen Stimmen im Vorfeld. Umso positiver war ich überrascht — die Serie hat mir deutlich besser gefallen, als ich erwartet hätte.
Viele Grüße
Micha
Volle Zustimmung. Die Diskussionskultur der „Pro“-Fraktion war leider grenzwertig.
Ich glaube, die Kommentare, die in der Diskussion als Hate bezeichnet werden, sind eher solche wie diese hier:
https://www.scifinews.de/news/serien/bist-auch-du-ein-star-trek-wutb%C3%BCrger-r14450/?tab=comments#comment-5759
SciFiNews war echt zahm gegen einige andere deutsche YouTuber. Da wird sich über jede noch so kleine Kleinigkeit schlappgelacht, und sogar rassistische Ausfälle waren da zu hören. Dass die Beiden namentlich genannt wurden, jene anderen aber nicht, das fand ich schon unfair. Aber selbst die Serienchecker, die sehr wohlwollend waren, haben in ihrer letzten Ausgabe zu den Episoden 9 und 10 mehrfach den Faden verloren und lieber über das Zurück in die Zukunft Musical in Hamburg gesprochen.
Uff, ich weiß schon, warum ich in solche Portale nicht reinschaue, und auch die youtube-Besprechungen mit den reißerischen Titel meide.
Aber ich sag mal so, das in etwa das, was ich auch auf IG bei Personen, die Inhalte von/für Frauen machen, lese. Genau dieser Ton, diese Argumente, gewürzt mit Vergewaltigungsandrohungen. Weiß nicht, ob nicht auch Holly Hunter wegen ihrer nackten Füße und der Audacity, sich nicht ordentlich in den captains chair nicht auch entsprechend bedroht wurde.
Danke für tad.de. Ich bin fast fertig mit TNG Episoden und schaue mir die Kommentare zu den Folgen gerne auf der Webpage an. Es ist ein bisschen wie eine Zeitreise zurück, in eine andere Zeit. Obwohl das nur 2 bis 3 Jahre zurück liegt 🙂
Sehr schön dass ihr dieses Thema anspricht und behandelt!
Ihr Lieben. Elefanten wissen auch nicht immer ob sie durch die Tür passen… Wofür stand am Ende jetzt diese Runde? Ich bin etwas ratlos und die vielen Kommentare deuten daraufhin, dass es nicht nur mir so erging. Ich mag das Freitagsformat sehr und ich bin immer wieder voller Neugier, wer die TAD Hallen besucht, um ureigene Perspektiven auf den Trekschen Kosmos werfen zu können und um gemeinsam mit Simon&Sebastian auch gern mal in Quatsch und Nerdizissmus abzudriften… diesmal: sehr interessante und vielversprechende Runde mit extrem viel Trekspezialwisssen… was für ein Potential. Soviele geile Fragen… zu den Büchern, zu Kindheitstagen, persönlichen Lebenslagen hätten Platz gefunden. Aber was bei mir hängen geblieben ist: Stellvertreter Scharmützel. Für die Jugend. Die NextGen (Alle Anwesenden sind dies explizit nicht) Bei mir angekommene Botschaft: Die kommende Generation gilt es a) in Sachen Haltung und Diskurskultur nicht an Bots und Radikale zu verlieren und b) neugierig zu machen auf die Haltung hinter Star Trek und das wiederum hat Einfluss auf a) damit die Perspektivenvielfalt auf Treksche Inhalte wiederum nicht instrumentalisiert werden… Soweit total bei Euch! Die Diskussion um Etikette und Haltung im gesellschaftlichen (digitalen Diskurs) war mir aber zu einseitig und sehr persönlich gefärbt. Mir fehlte der tatsächlich gefährdende und ja auch wissenschaftlich erforschte, ja zuweil gar in distopische Tropes abdzudriftender Teil, der es den Heranwachsenden heute so viel schwerer macht sich zu orientieren und zwischen Schwarz und Weiß, zwischen analogem und digitalem Raum auch Grautöne zu erkennen. Das war im Ansatz gut und eine total wichtige Diskussion. Ich persönlich bin als Sozialpädagoge im Schulkontext und als Vater vierer Kinder täglich damit konfrontiert und stehe oft hilflos dem permanenten digitalen Hintergrundrauschen gegenüber… es war da jetzt aber keine Psychologische, Sozialwissenschaftliche, Philosophische oder Pädagogische Fachlickeit am Tisch (auch nur gedanklich wäre es der Sache dienlich gewesen…) Simons Frage, wie künftiger Umgang aussehen müsste, blieb leider weitestgehend unbeantwortet.
Woran sich dann aber alle etwas zu grobschlächtig für meinen Geschmack abgearbeitet haben ist die nächste Stellvertreter Diskussion. Wenn die neue Serie für heute lebende junge Menschen gemacht wurde ist dies doch für Eure Runde nur theoretisch von Belang. Hättet Ihr Interviews von Teenies eingespielt oder Statistiken zitiert… so bleibt doch nur der jeweilig subjektive Eindruck ob und wie man als alter Sack (bin ich auch) unterhalten wurde und ob man sein jugendliches Ich wiederzufinden vermochte… Mir ging die Diskussion zu oft durcheinander. Von objektiv journalistischen Versuchen Trek einzuordnen und Zukunftssicherer zu machen hin zu persönlichen Befindlichkeiten. Hier wäre mehr Trennschärfe für meinen Geschmack angebrachter gewesen. Das war zu gewollt und zu stellvertretend…
Simon und Sebastian, am Ende habt Ihr mir etwas leid getan, ich weiß aber gar nicht woher dieses Gefühl genau kommt. Vielleicht ist das Format dieses Mal den beiden Dimensionen Haltung und Zukunft nicht gerecht geworden.
Vielleicht könnt Ihr Euch nochmal zu einem zweiten Teil in dieser Besetzung treffen und auf der Metaebene dieses erste Treffen analysieren. Ich würde es gerne hören… Mit besten Grüßen, Nils
Für den Weltraumfrieden!
@ Reinhard
ich bin zwar nicht Micha, aber ich möchte kurz erklären was mein Problem mit der Diskussion war.
Ich habe es mal so gelernt, sowohl im Arbeitsleben als auch privat. Höre dir die Argumente des anderen an und reagiere mit Gegenargumenten. Reagiere nicht mit Aussagen wir „Unsinn oder das stimmt nicht“ Das erstickt jede Diskussion und wirkt arrogant, weil allwissend.
Beispiel:
Wenn es die früher Autoren von DSN so empfinden, muss ich das akzeptieren und versuchen sinnvoll zu widerlegen, aber nicht mit „Unsinn“ oder die reden quatsch und sind eigentlich nur geldgierig…..
LG
Esther
Zunächst einmal: Den grundsätzlichen Versuch eines solchen Formats begrüße ich ausdrücklich. Gerade im aktuellen Umfeld wäre eine echte, offene Diskussion über unterschiedliche Perspektiven ein Gewinn.
Die konkrete Umsetzung bleibt aus meiner Sicht jedoch deutlich hinter diesem Anspruch zurück. Statt eines tatsächlichen Austauschs von Argumenten werden überwiegend Einzelmeinungen nebeneinandergestellt, ohne dass diese ernsthaft hinterfragt oder eingeordnet werden. Dadurch entsteht weniger eine Diskussion als vielmehr eine Abfolge unkommentierter Positionen.
Ein Beispiel dafür ist der Vergleich zwischen Breaking Bad und Starfleet Academy, der auf mehreren Ebenen Nonsens ist und dennoch unwidersprochen stehen bleibt. Genau an solchen Punkten hätte man sich argumentative Schärfe und Widerspruch gewünscht.
Auch die Wirkung der Gäste ist für mich problematisch: Die vertretenen Positionen erscheinen sehr absolut. Sich selbst als „Elefantenrunde“ zu definieren, zeigt das eigene Selbstverständnis und vielleicht auch die eigene Selbstüberschätzung. In der Summe entsteht der Eindruck, dass vor allem die eigene Perspektive als maßgeblich gesetzt wird. Alle haben unrecht, nur wir haben verstanden, worum es wirklich geht.
Besonders irritierend ist der Umgang mit dem Thema „Diskussionskultur“. Es werden zahlreiche Thesen formuliert, jedoch ohne diese belastbar zu belegen. Wenn gleichzeitig auf eine journalistische Ausbildung verwiesen wird, sollte man hier auch entsprechende Standards anlegen. Aussagen über angeblich „programmierte Bots“, die auf bestimmte Schlagworte wie „Starfleet Academy“ mit „Hass und Hetze“ reagieren, bleiben ohne Nachweis. Weder wird klar, wer dahintersteckt, noch mit welcher Intention. Das wirkt eher wie eine Verschwörungstheorie als eine fundierte Analyse.
Darüber hinaus fehlt es an Selbstreflexion. Es wäre angebracht gewesen, auch den eigenen Anteil an einer zunehmend aufgeheizten Debattenkultur kritisch zu beleuchten. Der Essay von Herrn Prahl zur Ablehnung von Starfleet Academy und der Einordnung von Kritik als „Wutbürgertum“ trägt aus meiner Sicht selbst genau zu jener Polarisierung bei, die anschließend beklagt wird. Das wird aber weder thematisiert und hinterfragt. Ein weiterer kritischer Punkt ist die fortlaufende Vermischung von Rezension und eigenen wirtschaftlichen Interessen. Gerade wenn man für sich in Anspruch nimmt, journalistisch zu arbeiten, ist eine klare Trennung zwischen Bewertung und Eigeninteresse kein „Nice-to-have“, sondern Grundvoraussetzung.
Auch das Thema „Zielgruppe“ wird erstaunlich undifferenziert behandelt, gerade aus journalistischer Perspektive hätte man dort vielen Einlassungen widersprechen oder konkreter Nachfragen müssen. Viele Aussagen ergeben aus rein wirtschaftlicher Perspektive keinen Sinn.
Unterm Strich bleibt der Eindruck, dass hier vor allem innerhalb einer bestehenden Bubble diskutiert wird, die sich gegenseitig bestätigt und sich gerne mal gegenseitig in Podcasts einlädt. Für eine glaubwürdige Auseinandersetzung wäre es notwendig, gezielt auch Stimmen außerhalb dieses Umfelds einzubeziehen, insbesondere solche, die nicht Teil derselben Szene sind und die morgen wieder „gemeinsam“ zur Fedcon fahren. Schade eigentlich!
Hallo Siegfried,
zum Terminus „Elefantenrunde“ haben die Jungs von TaD schon etwas geschrieben, das ich gerne hier zitiere: „Das ist natürlich ironisch gemeint. 🙂
„Elefantenrunde“ ist ja ein Begriff, den man eher aus der Politik kennt. Große Runde, viele Meinungen, ein bisschen „jetzt wird’s ernst“. Genau damit wird hier gespielt. Am Ende sitzen einfach fünf Leute zusammen, die sich kennen und mögen, (zum Teil) unterschiedliche Perspektiven haben und versuchen, das Ganze eben nicht eskalieren zu lassen, sondern respektvoll zu diskutieren.“
Was meinen Artikel zum Wutbürgertum anbelangt, weiß ich nicht, ob du diesen (richtig?) gelesen hast, noch, ob du den zweiten Artikel dazu kennst. Erstens deklariere ich sehr klar, wen ich meine. Zitat: „Da werden Floskeln und Phrasen wie „Kurz-Dreck“, „Katastrophe“ und „der Untergang von Star Trek“ ins Netz ausgespien und als „berechtigte“ oder gar „sachliche“ Kritik deklariert. Doch ist ein Terminus wie „Kurz-Dreck“ (als Hashtag gerne auch #Kurz-Drekk) tatsächlich eine berechtigte Kritik?“
Damit spreche ich sehr klar eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen an und bei weitem nicht alle, wie kürzlich behauptet wurde.
Was meinen zweiten Artikel anbelangt, gehe ich dort recht ausführlich auf diverse Kritikpunkte ein, bisher vollkommen unbeantwortet übrigens.
Weiterhin ist das Finanzargument schlichtweg von Dritten übernommen und falsch, denn Rageviews versprechen auf YouTube wesentlich mehr Klicks und damit Werbeeinnahmen. Hinzu kommen Fanshops, Patreon etc.
Wir sind Journalisten und Autoren, und verdienen selbstverständlich mit unserem Beruf Geld, genau so wie Sebastian und Simon und so ziemlich jeder YouTuber, der eine gewisse Klickrate übersteigt.
Im Übrigen ist die Vermischung positiver Reviews und wirtschaftlicher Interessen nicht nur konstruiert, sondern schlicht falsch und vollkommener Unsinn. Jeder – und ich meine wirklich jeder – Reviewer der eine gewisse Reichweite hat und sie beantragt, erhält dieselben Screener und dasselbe Material, ganz egal, wie er ein Produkt bewertet.
Paramount zahlt keinen einzigen Cent für irgendein Review und bevorteilt auch niemanden. Ansonsten wären die vielen Vorab-Negativbewertungen auf YouTube gar nicht möglich gewesen. Zur Verbindung von negativ konnotieren Thumbnails, Rageviews und Klickraten, gibt es übrigens sehr lesenswerte Studien.
Was dein Wirtschaftsargument zu Star Trek anbelangt, ist auch dieses meiner Meinung nach fragwürdig. Die Information, SFA sei für eine junge Zielgruppe geschaffen worden, stammt von Alex Kurtzman selbst. Er und Noga Landau sagten es selbst im Interview.
Inwiefern das für Paramount wirtschaftlich Sinn ergibt, mag sich dir nicht erschließen. Das muss es aber auch nicht, denn weder du noch ich sitzen in der Chefetage und treffen Investionsentscheidungen. Insofern ist das keine undifferenzierte Aussage, sie entspricht dem aktuellen Wissensstand.
Du forderst Differenzierung ein. Ich erlaube mir aber die Frage, wo die bei dir selbst, wenn du gewisse Meinungen vollkommen ungeprüft übernimmst.
Guten Tag Herr Prahl, vielen Dank für Ihre persönliche Antwort.
Zu Ihrem Artikel: So komplex ist das Ganze aus meiner Sicht gar nicht. Mein Eindruck ist eher, dass Sie Ihr eigenes Zitat hier verkürzt wiedergeben, sodass es besser zu Ihrer aktuellen Argumentation passt. In der Vergangenheit hatte ich Sie zudem so verstanden, dass Sie sich von bestimmten Formulierungen teilweise distanziert haben, jetzt sprechen Sie wiederum gezielt nur noch einen „bestimmten Personenkreis“ an. Das wirkt unglaubwürdig und trägt auch nicht zu einer guten Diskussionskultur bei. Einen Fehler einzugestehen tut nicht weh, im Gegenteil: So werden Diskussionen auch wieder versöhnlicher.
Ich könnte jetzt auf die einzelnen Punkte noch ausführlicher eingehen. Aus Respekt gegenüber den Hosts möchte ich hier aber keine größere Nebendiskussion aufmachen, die am Ende vom eigentlichen Thema wegführt und nur weitere Antworten nach sich zieht.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und weiterhin viel Erfolg!
Eine Folge, in der wertschätzend und kontrovers über eine Serie diskutiert, bei der sich in den besten Momenten die Hautpcharaktere an einen Tisch im Nebenraum setzen und kontrovers und wertschätzend diskutieren: Ich denke, mehr Meta geht nur noch, wenn eine Podiumsdiskussion wertschätzend und kontrovers über diese Podcastfolge diskutiert. 😉
Aber im Ernst: Danke für die tolle Folge, bei der ich über einige meiner Ansichten neu nachdenken durfte, bzw. mir Kontext neu ausgeleuchtet wurde. Das sind m.E. wirklich fantastische Folgen, die man leider zu selten findet (aber dank Internet und euch dann doch möglich werden 😉 ).
Danke an alle für die vielen Kommentare, sowohl die lobenden als auch die kritischen. 🙂 Wir sagen im morgigen TaD noch ein paar Takte dazu.
Vielen Dank für diese tolle Diskussionsrunde!
Ich teile im Wesentlichen die Sicht von Claudia, Christian und Reinhard auf Academy. Ich teile aber auch die Kritik von Simon und Sebastian an einem toxischen Positivismus. Man muss es kritisieren dürfen ohne in eine Ecke gedrängt zu werden. Ich teile auch euer aller Beobachtung, dass Online-Diskussion zusehends eskaliert. Ich habe den Eindruck, dass es in allen Bereichen des Lebens so zugeht. Polarisierung ist überall zu finden. Divide and conquer.
Es ist schade, dass in dieser Runde weder Daniel Räbiger noch Jens Großjohann dabei waren, denn es ist ja offensichtlich, dass hier auf eine Schieflage im deutschen Fandom reagiert wird. Es ist vollkommen richtig, dass es in den Online-Diskussionen jede Menge Schundkommentare gibt, die völlig argumentationsfrei bestimmte Star Trek Produkte abwatschen oder in den Himmel loben. Zu solchen Poltergeistern gehören Räbiger und Großjohann jedoch nicht. Ihre Video-Reviews sind stets kompetente und argumentative Rezensionen. Das sage ich obgleich ich in weit über 50% der Fälle anderer Meinung bin als sie. Gegen die zwei kam von Seiten Prahls und PlanetTrek eine heftige aber auch völlig unnötige Breitseite. Und diese Breitseite sah exakt genau so aus wie das, was Simon und Sebastian als toxischen Positivismus bezeichnet haben, meiner Meinung nach. Wäre es da nicht angebracht, das Gespräch zu suchen? Wäre TaD nicht der ideale Vermittler?
Danke für den Vorschlag, Dekon!
Ich muss aber gestehen: Der Moderation eines Gesprächs, wie Du es vorschlägst, fühle ich mich nicht gewachsen, dafür bin ich zu harmoniebedürftig. Ich kann da nicht so reingrätschen, wie es ein Frank Plasberg tun würde, das liegt nicht in meiner Natur. Deswegen heißt die Sendung auch Trek aber fair, also ohne Hart. Ein bisschen weiter führen wir den Gedanken morgen im Podcast aus.
Und naja: Im Gegensatz zu Claudia, Reinhard und Christian haben die Betreiber von Scifinews noch nie ihrerseits mit uns Kontakt aufgenommen. Ein solches Signal, dass man TaD wahrnimmt, wäre für mich aber Voraussetzung für eine Einladung dieser Art. Wohlgemerkt im Vorfeld einer Debatte, nicht post factum. Ich kenn die einfach nicht. Das führt auch wieder zurück zu Punkt 1, denn bei Fremden grätsche ich noch weniger gern dazwischen.
Außerdem: Zwischen unseren Freitagsgästen und denen scheint ja Beef zu bestehen. Das wegzumoderieren bzw. Austragungsort zu sein ist nicht unsere Aufgabe. Schon bei der Vorstellung höre ich das Eis unter mir knacken. Nee, lieber nicht.
Sehr verständlich! Ich habe das ja auch bewusst als offene Frage formuliert. Es wäre unter den aktuellen Begebenheiten meines Erachtens besser dann aber gewesen, ihr hättet die Folge mit einem Disclaimer begonnen. „Es gab sogar Zwistigkeiten zwischen verschiedenen Content Creatoren im deutschen Fandom, aber darauf wollen wir hier nicht eingehen…“ …aufgrund der von dir genannten Gründe. TaD ist ja tatsächlich außenvor, was ich wohlbemerkt begrüße. Ich muss gestehen, dass ich diese TaF Folge aus Interesse an den Spannungen zwischen SciFiNews und Prahl/PlanetTrek vorgezogen habe. Ich höre wohlgemerkt die Review auf beiden Seiten sehr gerne und hoffe auf Versöhnung. Was euch angeht, aktuell bin ich erst bei TaF#45 aber ich hole auf. Mir fehlen noch etwa 200 Folgen TaD und 70 Folgen eures geschätzten Nebenprogramms. Macht weiter so, ihr seid Spitze!
Hallo Dekon,
ganz allgemein kann ich sagen, dass meiner Meinung nach zwischen den Jungs von Scifinews und mir als Person alles geklärt ist. Ich für meinen Teil bin da fein. Ich wünsche den beiden von Herzen weiterhin viel Enthusiasmus und Spaß bei ihren Projekten. Der Rest gehört meines Erachtens nicht hier her. Ich bitte da um Verständnis.
Liebe Grüße
Reinhard
Das war, ungelogen und ohne Übertreibung, eine der besten Folgen, die ihr jemals aufgenommen habt. So etwas brauchen wir öfter! Ich meine damit nicht den politischen Bezug (auch solche klaren Kanten sind wichtig!), sondern die diverse und scharfe inhaltliche Diskussion. Streit(kultur) ist essenziell. Danke dafür!
Starfleet Academy wird nach Staffel 2 eingestellt – Paramount bestätigt Serienende
https://www.golem.de/news/star-trek-starfleet-academy-endet-nach-zweiter-staffel-2603-206829.html
So richtig gut und lange laufen moderne STR-Serien nicht. Vielleicht sollte Star Trek allgemein mal wieder zwanzig Jahre Pause machen.
Hi, vielen Dank für diese besondere Konstellation von Menschen, denen ich immer sehr gerne zuhöre.
Da das Thema „Real Life“ noch einmal aufkam, möchte ich meine Perspektive dazu teilen: Objektiv bewerte ich die Episode ebenfalls mit einem Daumen nach unten. Subjektiv hat mich die Folge jedoch sehr gepackt, weil das Mädchen meiner Tochter ähnlich ist und die Situation – ein Kind im Krankenhaus – bei mir etwas auslöst, das auf eigenen Erfahrungen beruht.
Als ich die Episode schaute, dachte ich daher die ganze Zeit: Ach du meine Güte, warum berührt mich diese doch recht aufgesetzte und durchschaubare Interpretation eines „echten Lebens“ so sehr?
Dass die Fortsetzung der Episode in „Starfleet Academy“ dann wieder genau passend zur TAD-Ausstrahlung folgte – solche Zufälle sind ja nicht selten – bietet nun natürlich ein interessanter Benchmark zwischen damals schwach und heute.
Ich mag „Starfleet Academy“. Unter den zehn Episoden haben mir zwar nicht alle gefallen, aber was „The Life Of The Stars“ betrifft, empfand ich die Folge als gut erzählt und inszeniert. Emotional berührt hat sie mich allerdings nicht im geringsten.
Es sind manchmal ganz einfache Trigger, die einem selbst bei schwächeren Episoden etwas Bedeutsames und Nachdenkliches mitgeben.
Es wirkt unmöglich klare, faktische Argumente für oder gegen gelungenes Star Trek von früher oder heute zu finden. Genauso könnte man darüber diskutieren wie Rock, Funk, Pop oder Hip Hop vor 30 Jahren war und was heute los ist.
Am Ende kann ich nur sagen warum mir persönlich etwas gefällt oder nicht. Am besten so, wie es in Trek aber fair vorgelebt wurde. Wenn bei TAD mal seltener Weise unterschiedliche Meinungen herrschen kann ich mich meist entweder Simon oder Sebastian anschließen. In dieser Elefantenrunde war ich manchmal „Team nicht-TAD“, das war super erfrischend als TAD-Fanboy.
Ich würde mich freuen, wenn es mehr Talks dieser Art gibt.
Grüße
Mo
Danke für eine interessante Diskussionsrunde. Es wurden einige sehr interessante Themen angeschnitten und diskutiert, die auch zu sehr interessanten Kommentaren hier im Blog geführt haben.
Zu dem Thema gibt es viel zu denken und zu sagen, und ich finde nicht die richtigen Worte, um alle in einen Kommentar zu packen. Deswegen möchte ich nur eines anmerken:
Im Bezug auf SFA Episode 5 kann ich NICHT zustimmen, dass durch diese Episode am Ende von DS9 nichts verändert wurde. DS9 hat das Schicksal von Sisko sehr offen gelassen, inkl. der Hoffnung, dass Sisko zu seiner Frau, seinem Sohn und seinem (zu dem Zeitpunkt) ungeborenen Kind zurück kehrt. Dass Sisko zu seinem alten Leben in irgendeiner Form zurück kehren kann.
Indem dieses Thema hunderte Jahre später wieder aufgegriffen wird, inkl. Wortmeldungen von Jake, wird eine gewisse Version von Siskos Schicksal zementiert, und ein Stück der Hoffnung eliminiert. Die Tatsache, dass auch nach all der Zeit das Schicksal von Sisko ein Mysterium ist, liefert bereits ein Stück weit eine Antwort. Die Art und Weise wie Jake über ihn spricht, liefert eine Antwort. Die Tatsache, dass in einem abgebildeten Stammbaum von Sisko KEIN Kind von ihm und Kasidy existiert, liefert eine weitere (traurige) Antwort.
Wenn diese Episode diskutiert wird, finde ich, dass man das schon anerkennen sollte. Und das sage ich nicht, weil ich SFA grundsätzlich schlecht finden würde o.ä.. Ich habe die ersten drei Folgen tatsächlich als recht unterhaltsam (wenn auch nicht als makellos) empfunden und hatte einiges an Hoffnung für die Serie. Aber ich muss auch gestehen, dass ich Episode 5 aus verschiedensten Gründen so schlecht fand, dass danach bei mir die Luft komplett raus war. Episode 6 hab ich noch angeschaut, und die war nicht schlecht. Aber auch die hat es aber nicht geschafft, mir die Serie über den Ärger von Episode 5 hinweg zu retten. Es gibt Folgen, die finde ich einfach nur langweilig oder schlecht gemacht. Es gibt wenige Folgen, die mich wirklich wütend zurück lassen. Es ist sehr schade, dass das so bei SFA passiert ist.
Aber wie die Diskussionsrunde festgestellt hat, gibt es wenig Raum dafür, eine solche Meinung tatsächlich online zu diskutieren, ohne direkt mit irgendwelchen Labeln versehen und in irgendwelche aktivistischen Ecken gesteckt zu werden
Was Star Trek für mich ausgemacht hat, lässt sich auf drei Grundmotive herunterbrechen: eine positive Vision der Zukunft, spannende moralische Fragen, und Neugier als treibende Kraft des Menschseins. In der Summe ist das ein Bekenntnis zum Guten im Menschen, zu seiner Fähigkeit, zu wachsen, zu reflektieren, und die schlimmsten seiner Impulse hinter sich zu lassen. Star Trek hat immer eine Menschheit gezeigt, der das gelungen ist.
Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Wir leben in einer Epoche des Pessimismus. Positive Zukunftsentwürfe sind aus Politik und Kultur weitgehend verschwunden. Wenn es ein Franchise gibt, das hier einsam die Lanze brechen könnte, das glaubwürdig zeigen könnte, dass es besser werden kann, dann ist es Star Trek.
Nun ist mir bewusst, dass jede Utopie ihre dystopischen Schatten hat. Ágnes Heller hat das in „Von der Utopie zur Dystopie“ präzise herausgearbeitet: der utopische Entwurf trägt seinen Widerspruch bereits in sich. Das wäre sogar ein produktiver Ansatz für modernes Star Trek, die utopische Grundierung behalten, aber die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit ernsthaft verhandeln. Auch das wäre zeitgemäß, vielleicht sogar relevanter als je zuvor.
New Trek macht aber weder das eine noch das andere. Es zeigt keine Utopie, und es verhandelt auch keine, es projiziert schlicht eine bestimmte Perspektive auf die Gegenwart in die Zukunft. Geraucht, gesoffen, geweint, geknotzt auf dem Captainssitz, gestruggelt ohne Ende. Das Bild, das entsteht, ist das einer Menschheit, die emotional und moralisch ungefähr dort steht, wo ein US-amerikanischer Collegestudent im Jahr 2026 steht. Was daran „Zukunft“ sein soll, erschließt sich mir nicht.
Das ist nicht per se falsch als Spiegel der Zeit, aber Star Trek sollte kein Spiegel sein. Es sollte ein Fenster sein, durch das man etwas sieht, das noch nicht existiert, aber existieren könnte. Eine reife Menschheit. Und Reife bedeutet nicht Steifheit, auch ein Kapitän, der sich lässig in seinen Sessel lehnt, kann Gravitas ausstrahlen, Würde, Ernsthaftigkeit trotz Leichtigkeit. Es ist eine Frage der Haltung, nicht der Pose.
In keiner New Trek-Serie habe ich das Gefühl, dass die Schiffe von Erwachsenen gesteuert werden. Das mag ein ehrlicher Spiegel unserer Zeit sein. Aber Star Trek war immer dafür da, uns daran zu erinnern, dass wir mehr sein könnten.
„In keiner New Trek-Serie habe ich das Gefühl, das die Schiffe von Erwachsenen gesteuert werden“ – das fiel mir erst vor kurzem nach der Lektüre mehrerer Kritiken auf. Es fehlt die Professionalität im Handeln und Reden. Jeder macht was er will, keiner macht was er soll, aber alle machen mit. Emotionalität ist wichtiger, als zielgerichtetes Handeln. Bei einer Serie, in der die Sternenflotte quasi bei Null neu anfängt, bei der Forschung und Diplomatie wichtig sein sollen und die sich bewusst vom militärischen Komplex mit dem Kriegscollege absetzen will, kann ich das vielleicht noch entschuldigen. Aber als Ansporn für die Zukunft taugt das kaum. Und SNW ist da leider nicht besser.
Ja. In dem Zusammenhang (‚Emotionalität“) fand ich die Anmerkung eines Diskutanten im Podcast interessant: New Trek frage dem Zeitgeist entsprechend zuerst „Wie geht es mir?“ und wenn ich mich richtig erinnere, war die These, dass genau das die neue utopische Frage sei, die New Trek verhandelt.
Dazu gäbe es viel zu sagen, das würde hier zu weit führen. Ich glaube aber, dass genau dieser Punkt bis zu einem gewissen Grad erklärt, warum New Trek für mich nicht funktioniert.
Random schwirrt mir noch eine Sache im Kopf umher, die ich gerade niederschreiben mag. Eine Quatschaussage/ein Totschlagsargument, auf das Simon und ich weder hier, noch in unserer Dienstagsergänzung eingegangen sind.
Bei jeder neuen Trek-Serie lese ich hier&dort als Versuch einer Verteidigung: „Ach ja, neues Star Trek wurde immer kritisiert.“
Und rolle mit den Augen.
Denn: Was heißt das in Konsequenz?
Frisch angelaufene Serien brauchen eine Rezensions-Schonfrist? Ich denke, nein.
Eine Star-Trek-Serie, deren erste Staffel ein durchwachsenes Echo bekommt, ist trotzdem vorauseilend gut zu bewerten? Auch nein.
Falls eine Serie nach einer gewissen Zeit eine Qualität erreicht, die positiv auf ihre frühen Folgen abstrahlt, finde ich das gut. Doch bevor das eine Serie aus eigenen Stücken geleistet hat, ergibt es keinen Sinn, aus einer noch nicht eingetroffenen Zukunft positiv rückwärts zu rechnen. Spock wäre mit solcher Logik äußerst unzufrieden.
Und na klar, nicht einmal jede ältere Star-Trek-Serie ist irgendwann aufgeblüht.
Voyager hat zwar starke Einzelepisoden, aber in Summe sehe ich das vorhandene Potenzial nicht voll genutzt. Da war nie ein großer Aufwärtstrend im Vergleich zu Staffel 1, kein plötzlicher Wow-Kick für mich.
Unsere Daumenwertungen bisher zeigen, dass sich Voyager – zumindest für Simon und mich – in Schulnoten gedacht wohl dereinst bei einer 3 einpendeln wird.
Ich finde das Argument vor allem deshalb problematisch – und das ist eine Unterstellung meinerseits, die man nicht teilen muss, und die auch nicht auf jeden zutrifft, der es verwendet – weil es häufig Folgendes impliziert: Es gibt jene, die zu früh urteilen, die das Neue noch nicht verstehen, und es gibt jene, die den innewohnenden Genius bereits erkennen. Wer das Argument verwendet, verortet sich damit häufig stillschweigend in der zweiten Gruppe. Die Kritiker landen automatisch in der ersten.
Das ist keine sachliche Erwiderung auf die Kritik. Es ist eine Charakterisierung des Kritikers. Die eigentlichen Einwände müssen gar nicht behandelt werden, sie sind bereits als Ausdruck von Unverständnis oder Ungeduld eingestuft. Das Argument immunisiert sich damit gegen Widerlegung: Wer kritisiert, liefert nur weiteren Beweis dafür, dass er noch nicht so weit ist.
Ein ähnliches Argument ist ja auch, dass die ersten Staffeln meist noch nicht so gut gewesen seien und sich die Serie erst „finden“ musste. Das Dumme für die neuen Serien ist da, dass zwei Staffeln a zehn Folgen gerade mal fast so lang sind wie eine Staffel klassisches Fernsehen. Und TOS war doch immer schon gut, erst die Sparmaßnahmen verursachten einen spürbaren Abfall der Qualität.
Vorweg erstmal Danke für euren Beitrag zur Debatte in freundlicher, auf das gegenseitige Verständnis gerichteten Atmosphäre. Ich freue mich über den Versuch einer Einordnung, halte ihn hier jedoch leider für missglückt.
In der aktuellen Debatte wird häufig argumentiert, Star Trek müsse sich für neue Zielgruppen verändern oder Star Trek könne für jeden etwas anderes sein. Beide Aussagen halte ich für analytisch unzureichend, wenn es um die Qualitätsbewertung einer Serie geht.
Die Frage ist nicht, ob ein Format eine bestimmte Zielgruppe anspricht. Die Frage ist, ob es als Werk kohärent konstruiert ist und ob es innerhalb eines bestehenden fiktionalen Universums anschlussfähig bleibt.
Star Trek war nie primär durch Ästhetik definiert – nicht durch Uniformen, bekannte Spezies oder ikonische Begriffe. Das Zentrum der Serie lag stets in der Verbindung von Wissenschaftlichkeit, ethischer Reflexion und philosophischen Fragestellungen. Seit Star Trek: The Original Series über Star Trek: The Next Generation bis Star Trek: Deep Space Nine bestand die eigentliche Innovation darin, neue Perspektiven auf diese Grundfragen zu eröffnen, ohne die innere Logik des Weltmodells aufzugeben.
Innovation bedeutete dabei nie, die Struktur des Universums beliebig zu verändern, sondern neue Probleme innerhalb eines stabilen Rahmens zu untersuchen. Genau dadurch konnten die Serien unterschiedlich sein und dennoch erkennbar Teil desselben fiktionalen Systems bleiben.
Das Argument, eine Serie müsse für ein jüngeres Publikum vereinfacht werden, überzeugt nicht. Zugänglichkeit erfordert keine Inkonsistenz. Auch neue Zuschauer können komplexe, logisch strukturierte Weltentwürfe nachvollziehen. Die Annahme, dass logische Brüche oder schwache dramaturgische Konstruktionen durch Zielgruppenorientierung gerechtfertigt seien, verschiebt die Diskussion von der Werkqualität auf Marketingüberlegungen. Für die Bewertung einer Serie als erzählerisches Produkt ist dies jedoch kein relevantes Kriterium.
Ebenso problematisch ist der Eindruck, Star Trek könne „alles“ sein. Ein Begriff, der alles umfasst, verliert seine Bedeutung. Ein Franchise mit jahrzehntelang gewachsenem Worldbuilding besitzt notwendigerweise definierende Merkmale. Ohne eine gewisse Stabilität der grundlegenden Annahmen verliert die Bezeichnung ihren inhaltlichen Referenten.
Die Kritik richtet sich daher nicht gegen neue Figuren, neue Perspektiven oder neue thematische Akzente. Kritik richtet sich gegen Inkonsistenzen, gegen Brüche mit etablierten Weltregeln ohne nachvollziehbare Erklärung und gegen dramaturgische Schwächen, die unabhängig vom Franchise-Kontext problematisch wären.
Die Frage ist nicht, ob Veränderungen erlaubt sind. Die Frage ist, ob das, was verändert wird, noch aus denselben grundlegenden Prämissen hervorgeht, die Star Trek ursprünglich ausgezeichnet haben: rationales Denken, ethische Reflexion und ein ernsthaftes Interesse daran, was eine fortgeschrittene Zivilisation ausmachen könnte.
Insofern habe ich die Argumente der Gäste/Verteidiger als schwach bis unzulässig wahrgenommen. Unzulässig insofern als das sie an der von vielen Fans geäußerten Kritik vorbei ging.
Und ein letzter Punkt der mich persönlich wirklich emotional aufgewühlt hat: der Vergleich von Starfleet Academy mit anderen hochkarätigen Serien wie Breaking Bad oder Better Call Saul. Die genannten Serien sind zum einen Solitäre die nicht in ein Jahrzehnte umspannendes Franchise eingebettet sind und zum anderen was die Konsistenz, die Drehbücher, die schauspielerische Leistung und die gedankliche Tiefe angeht wie Himmel und Hölle von Starfleet Academy geschieden.
Vielleicht gibt es ja noch einst eine weitere Elefantenrunde, gern mit den selben Gästen wo man die genannten Punkte nochmal durchgehen kann.
Hallo Ralf,
wohlwissend, dass das kaum einer liest, dennoch hier meine Antwort.
vielen Dank zunächst einmal für diesen tollen Beitrag. Ich finde Deine (darf ich Du sagen?) Einwände sehr nachdenkenswert, wenn ich sie auch nicht zu teilen vermag.
Ich versuche auf die wichtigsten einmal näher einzugehen, entschuldige, wenn ich Platzgründen nicht noch ausführlicher werden möchte:
Ich bin seit 1972 Fan, aber eben auch Medienjournalist, weshalb ich natürlich beide Blickwinkel auf die Bewertung eines Produkts anlege. Täte ich das nicht, wäre ich nicht in der Lage, die Qualität eines Produkts einzuschätzen, denn ich würde alles auf meinen persönlichen Geschmack reduzieren. Das sehe ich aber schon rein fachlich nicht als meine Aufgabe.
Mein Job ist der Versuch, meine subjektive Sichtweise zurückzufahren, um der Qualität eines Produkts nach bestem Wissen und Gewissen Rechnung tragen zu können und so am Ende auf ein Ergebnis zu kommen, das sowohl meinen Geschmack als auch die Qualität eines Produkts widerspiegelt.
Formatform:
Ich sehe da keine Unzulässigkeit, im Gegenteil. Star Trek war und ist in allererster Linie nämlich ein kommerzielles Produkt, das einem investierenden Konzern Geld einbringen soll. Gelingt das nicht, wie aktuell im Fall von SFA, endet ein Produkt in der Absetzhölle.
Insofern wurde Star Trek natürlich immer auch durch seine Ästhetik definiert, denn die Menschen kaufen sich Uniformen und Raumschiffmodelle, aber wohl nur äußerst selten (zugespitzt formuliert) eine Büste von Kant oder Descartes. 🙂
Was das Wissenschaftsargument anbelangt, kann man das so sehen, doch wenn wir ehrlich sind, ist der Hard-Sci-Fi-Aspekt in Star Trek in Wahrheit relativ gering. Man kann sich darüber freuen, dass es einen Heisenbergkompensator gibt, doch die Erklärung, er würde gut funktionieren, hat nichts mit Wissenschaft zu tun, das viele Technobabble oder Weltraumquallen, die sich in Raumstationen verwandeln, ebenfalls nicht.
Wenn wir uns weiter die Anzahl der philosophisch oder soziologisch interessanten Folgen anschauen und ernsthaft zu zählen beginnen, kommen wir auch da auf einen wesentlich geringeren Teil, als es uns unsere Erinnerung suggeriert. Sebastian sprach das in seinem obigen Kommentar zu VOY ja bereits an.
Was Sebastians Augenrollen anbelangt, kann ich dieses in mehrfacher Hinsicht nicht teilen. TOS hatte in Staffel 1 29 Folgen Zeit, sich zu entwickeln, TNG 26 Folgen. Eine moderne Serie erhält hingegen in der Regel zwischen sechs und zehn Folgen und muss damit wesentlich schneller zünden als vor 60 oder 40 Jahren.
Insofern hatten sowohl TOS, vor allem aber TNG sehr wohl eine Schonfrist, denn ich wage die These aufzustellen, dass TNG auf diese Weise heutzutage kaum über die ersten zehn Episoden hinausgekommen würde. Spätestens nach 20 Folgen wäre aber auch da Schluss gewesen.
Diese Chance auf Entwicklung gibt es aber heute nicht mehr. Da nützt es rein gar nichts, wenn DS9 ab Staffel 4 richtig aus dem Quark kommt, da es eben nie so weit kommen würde. Insofern halte ich es für absolut unzulässig, gute Folgen positiv auf schlechte abstrahlen zu lassen, zumal Rezensionen durch Social Media eine ganz andere Dynamik haben als vor 40 oder 30 Jahren.
Ohne Franchisemacht und Geduld seitens der Studiobosse und der Fans wäre es also niemals überhaupt zu DS9 oder Voy gekommen. Beides gibt es aber heute so nicht mehr. Ich denke also, das Argument hinkt und es ist selbstverständlich legitim, auf den stark veränderten Markt hinzuweisen.
Inkonsistenz
Schauen wir uns nun einmal das Inkonsistenzproblem an, das sehr häufig auf Kanonbrüche zurückgeführt wird. Ich gehe mal auf einige ein, leider ist in diesem Rahmen mehr nicht drin.
Cheroner seien ausgestorben: tatsächlich gibt es dafür keinen Beweis, denn Bele und Lokai leben noch, als Kirk sie auf ihrer Heimatwelt aussetzt. Wie die Geschichte weiterging, wissen wir schlicht nicht.
Lura: Was die Jem`Hadar anbelangt, ist ihre weitere Geschichte nach DS9 ebenso unbekannt, genauso wie Siskos Geschichte und so weiter.
Auch dafür, dass es keine schwulen Klingonen gäbe, gibt es keinerlei Anhaltspunkte im Kanon.
Dafür gab es aber den Brand, den man ablehnen kann, der aber erzähltechnisch an sich Sinn ergibt und eben Teil des Kanons ist. Genau darauf baut eine Akademie auf, die ihre Pforten nach 120 Jahren zum ersten Mal öffnet und alles andere als eine Elite-Uni ist (siehe Folge 4). Die Argumentationskette ließe sich locker weiterführen.
Dass sich die Kritiken nicht gegen neue Figuren richtet, halte ich aus meinen Erfahrungen in den letzten Wochen in mehreren Gruppen und in YouTube-Diskussionen für grundlegend falsch. Nahla Ake wird für Lockerheit kritisiert, SAM als nervig und übergewichtig deklariert, Jay-Dens Homosexualität spielt immer wieder eine Rolle und Calebs zu muskulöses Aussehen sowie seine vermeintlichen Gary-Stu-Figur-Attitüden stoßen sauer auf.
Eine tiefere Figurenanalyse findet aber im Gegenzug nicht statt. Setzt man sich aber mal einige Stunden daran und beginnt wirklich zu analysieren, also inhaltlich und im Figurenbackground zu graben, kommt Erstaunliches zu Tage. Ich habe diesen Versuch gewagt, wenn mein anschließender Artikel auch nur etwa 20 bis 30% meiner Ergebnisse enthält.
Zu Young Adult aus Gründen der Überlänge des Textes nur eine Anmerkung:
Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Social-Media- und Smartphone-gesteuerten Publikums eben sehr wohl anders tickt. Die Zahlen sprechen da von 53 % der Zeit, die tatsächlich auf den Fernseher geschaut wird, während der Rest für Handy etc. verwendet wird.
Etwa 26 % der Zuschauenden nutzt das Smartphone sogar mehrmals pro Stunde beim Fernsehen. Das sind belastbare und nachprüfbare Zahlen, die ein Produzententeam schlicht nicht übersehen kann und darf. Entsprechend anders werden heute Serien konzipiert, erst recht, wenn sie auf ein junges Publikum abzielen. Das kann man persönlich ablehnen, es ändert aber die Tatsachen nicht. (Fan- und Fachblinkwinkel)
Alles weitere gerne persönlich oder in einem weiteren Podcast, den der liebe Sebastian und Simon vielleicht irgendwann planen.
Abschließend noch ein Wort an euch Hoster: ich danke euch für den respektvollen und freundschaftlichen Abend. Wir kennen uns ja mehr oder weniger nur flüchtig, umso mehr habe ich mich über die Einladung gefreut.
Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Einige deiner Punkte sind für mich jetzt deutlich verständlicher geworden und ich kann deine Argumentation gut nachvollziehen. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du dir die Zeit genommen hast, so differenziert und ausführlich zu antworten. 🙂👍
Vielleicht nur ein paar Überlegungen zu den Inkonsistenzen, Vieles kann man sich natürlich denken, das meiste ist für die Handlung nicht einmal relevant. Aber als Beispiel, wenn in der einen Folge der Bordcomputer umprogrammiert wird mit Hilfe eines Comicheftes, das Uniformen einer längst vergangenen Zeit zeigt, dann strapaziert das die Glaubwürdigkeit extrem. Wenn Kadetten im ersten Jahr eine Krise meistern, ohne dass auch nur ein Ausbilder dabei ist, dann klingt das sehr nach Mary Sue/Gary Stu. Und es gab mehrere Kritiken in der Art, wo zumindest eine Erklärung hilfreich gewesen wäre. Wenn das Hologramm mal durchlässig ist, dann wieder von Phasern getroffen wird, und sogar mit Handschellen gefesselt werden kann.
Und Schluss…
Show Cancelled. Begründung:
– geringe Abrufzahlen
– hohe Produktionskosten
– sehr gespaltene Fan-Reaktionen
– Skydance will Produktionen die „sofort“ zünden
Kürzlich sah ich einen Videoschnipsel von Robert Picado. Sinngemäß: „Fans denken oft dass ihnen Star Trek gehört. Irrtum. Es gehört dem Studio und dieses fällt die Entscheidung.“ Und was ist wenn die Fans das Produkt des Studios nicht kaufen? So etwas hat micht geärgert. Darin steckt ein arrogantes „Friss oder Stirb“. Sehr untrekkig. Der Zuschauer entscheidet was er sich anguckt und was nicht, so einfach und brutal ist es.
Ich kann die Beendigung nachvollziehen und bin beinahe froh dass es vorbei ist – und bitte auch die Ära des Showrunners – somit der Weg für Neues (und hoffentlich Besseres) offen ist, und ich bin auch auf die Reaktionen jener gespannt die von der Show angetan waren. Hoffentlich tappen sie nicht in die Hater-Blaming-Falle.
„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler“.
Dass die Serie eingestellt wurde, spricht für mich die deutlichste Sprache.
Weit jenseits der Zuspitzungen der Online-Welt in „ist doch alles super, das ist für mich Star Trek“ und „hasse alles daran und werde auch gerne beleidigend“ hat die Serie in der breiten, stillen, überhaupt nichts in Kommentarspalten kommentierenden, sondern immer nur regelmäßig einschaltenden Masse kein Publikum gefunden.
Da darf jetzt auch nichts auf im Verhältnis zu früher viel zu kurze Staffeln geschoben werden, denn das Problem haben inzwischen alle; man muss einfach zu 101% laufend aus den Startblöcken kommen, da spielt das Hintergrundrauschen nur sehr bedingt rein, denn die Köpfe werden sich online auch bei fantastisch laufenden Serien eingeschlagen.
Deswegen würde ich auch immer sagen, dass eine sehr gute Trek-Serie auch immer sofort von allen als eine solche erkannt werden würde. Dann bräuchte man keine Ableger für ein spezielles Publikum, sondern hätte mit nur einer Show das Star Trek, wie es schon immer am besten funktioniert hat:
Für alle.